Auf zum höchsten Punkt der Erde!

Nach dem Besuch der Ruinen von Ingapirca machen wir uns auf den Weg Richtung E 35 ins 170 km entfernte Riobamba. Dort wollen wir nur die Taschen im Hotel abgeben und weiter zum Chimborazo ins Reserva de Produccion Faunistica Chimborazo fahren.

Wir verlassen Ingapirca und werfen einen letzten Blick auf das liebliche Andenhochland.
Wir verlassen Ingapirca und werfen einen letzten Blick auf das liebliche Andenhochland.

Immerhin soll der inaktive Vulkan Chimborazo der höchste Punkt der Erde vom Erdmittelpunkt aus gemessen sein. Da die Erde keine richtige Kugel ist, sondern durch ihre Drehung ein Rotationsellipsoid, ist die Entfernung vom Erdmittelpunkt zum Äquator wesentlich größer als zu den Polen. Aus diesem Grund ist der Gipfel des Chimborazo der höchste Punkt der Erde gemessen an der Entfernung zum Erdmittelpunkt. Er übertrifft den deutlich höheren Mount Everest aber nur um wenige Meter.

Mit den Kindern wollen wir natürlich nicht zum Gipfel wandern. Unser Ziel ist es die Fahrt zum ersten Refugium zu geniessen und uns oben ein wenig umzuschauen. Wir hoffen auf ein Wiedersehen mit Vikunjas.

Chimborazo wir kommen oder auch nicht

Soweit der Plan, aber Leben ist ja das, was passiert, während der Mensch eifrig dabei ist andere Pläne zu schmieden. Und so kam auch bei uns alles ein wenig anders als geplant. Wir waren noch nicht lange unterwegs, da wurde das Wetter wieder deutlich schlechter und Regen setzte ein.

El Tambo - ein grösserer Ort am Wegesrand
El Tambo – ein grösserer Ort am Wegesrand
Fahrt in den Wolken
Fahrt in den Wolken

Die Strasse wurde immer wieder von kleineren Hangrutschungen unterbrochen. Nachdem wir ca. eine Stunde unterwegs waren, ging nichts mehr. Ein grosser Hangrutsch in einem Ort hat mehrere Häuser fortgerissen. Die Feuerwehr ist dabei Verletzte und Tote zu bergen als wir uns in den Stau einreihen. Die Strasse ist auf ungewisse Zeit geschlossen. So überlegen alle in der Schlange ihre Möglichkeiten.

Davon, eine kleine Stichstrasse in den Bergen zu nutzen, raten alle Einheimischen ab. Man wüsste nicht in welchem Zustand sie sich befindet, wenn schon die Hauptverkehrsstrasse immer wieder verschüttet ist. Ausserdem würde dort niemand kommen, um zu Hilfe zu eilen. Damit blieben nur die Optionen ausharren und hoffen oder umdrehen, Richtung Küste zurückfahren und die E 487 nach Riobamba zu wählen.

Wir entschieden uns für die letzte Variante. Ob wir damit allerdings schneller Riobamba erreichten als wenn wir gewartet hätten, das sei mal dahingestellt.

Beim Anblick des im Ganzen zubereiteten Schweins verspürt niemand im Auto Appettit
Beim Anblick des im Ganzen zubereiteten Schweins verspürt niemand im Auto Appettit

Neuer Versuch Riobamba auf der E 487 zu erreichen

Der Weg zurück bis zum Abzweig der E 487 geht recht zügig. Bergab ist auch der langsamste LKW flott unterwegs. Bevor es wieder hoch in die Berge geht, erreicht uns die nächste Sintflut.

Nach der Umkehr erhaschen wir in einem Wolkenloch einen kurzen Blick auf die Landschaft
Nach der Umkehr erhaschen wir in einem Wolkenloch einen kurzen Blick auf die Landschaft
Unwetterzelle voraus, der Regenguss ist sintflutartig
Unwetterzelle voraus, der Regenguss ist sintflutartig

Kaum hatten wir die Regenzelle hinter uns gelassen, führt die Strasse durch einen langen Ort, der an Trostlosigkeit, Schmutz und Armut nicht zu überbieten ist. Dies ist das einzige Mal auf unserer ganzen Ecuador Reise, dass wir uns selbst im abgeschlossenen Auto mehr als unwohl gefühlt haben. Am Ende des Ortes staut der Verkehr dann endlich mal wieder. Geschäftstüchtige Einwohner nutzen diesen Stau, um alle möglichen Sachen zu verkaufen. Die Obstspiesse sahen sehr verlockend aus, allerdings vertrauten wir der Hygiene dieses Ortes nicht so ganz.

Stauursache ist mal wieder ein Erdrutsch in jüngerer Vergangenheit. Diesem Erdrutsch ist die Hauptbrücke des Ortes zum Opfer gefallen. Wenngleich es schon ein Brückenprovisorium gibt, ist dieses jedoch nur einspurig zu befahren. Deshalb regelt eine Ampel die Brückenzufahrt und führt zu einem langen Stau.

Eine gefühlte Ewigkeit später schaffen auch wir es, das Brückenprovisorium zu überqueren. Freilich führt die Ampelschaltung zu einer Sammlung vieler LKWs. Hat man erfolgreich eine Ansammlung von LKWs überholt, stösst man ein paar Kurven weiter auf die nächste Ansammlung.

Die Strasse selbst ist mit bombenkraterähnlichen Löchern, Senkungen, Erdrutschen und fehlendem Belag immer wieder eine Herausforderung. Als Krönung warten bettelnde Erwachsene und Kinder an jedem extremen Hindernis, über das man vorsichtig jedes Rad einzeln heben muss. Nach etlichen Überholmanövern sammelt sich der ganze Verkehr hinter einem vollen Tanklastzug. Dass der Tanklaster nicht rückwärts rollt, ist der einzige Lichtblick. Infolge permanenten Gegenverkehrs ist an Überholen nicht zu denken. So eilten wir mit unglaublichen 25 km/h unserem Ziel entgegen. Bevor wir auch nur die Stadtgrenze von Riobamba erreichen, ist es mal wieder stockdunkel.

Riobamba mit Hindernissen

Aber was passt besser zu einem solchen Tag als eine Verkehrskontrolle? An einer Strassenkreuzung vor Riobamba werden alle Fahrzeuge kontrolliert, infolgedessen der Verkehr ein weiteres Mal staut. Unsere Autopapiere befinden sich natürlich noch von unserem vormittäglichen Ausflug im Rucksack und der wiederum liegt im Kofferraum. Also werden wir aus der Schlange gewunken und einer genaueren Kontrolle unterzogen.

Immerhin wir sind in Riobamba und müssten jetzt nur noch unser Hotel Hacienda Abraspungo erreichen. Dieses befindet sich aber am anderen Ende von Riobamba. Sehr skeptisch sind wir, als das Navigationsgerät uns auf eine unbefestigte Strasse in eine immer einsamer werdende Gegend schickt. Wären hier nicht lauter Taxen eilig unterwegs gewesen, wer weiss, ob wir uns in der Dunkelheit getraut hätten, dem Navigationsgerät zu folgen. Aber nach ein paar Kilometern und zwei Abbiegungen befinden wir uns unvermittelt in einem Villenquartier, wo auch unser Hotel steht.

So erleichtert anzukommen, waren wir selten. Es ist noch später als am Vortag, so dass wir uns gleich nach dem Checkin zum Restaurant begeben müssen, sonst hat die Küche geschlossen. Und nach all der Aufregung haben wir einen ordentlich Hunger. Für die eigentlich nur 170 km kurze Strecke haben wir über acht Stunden gebraucht. Damit fällt der Chimborazo auf dieser Reise aus. Ein guter Grund wiederzukommen.

Hotel Hacienda Abraspungo

Entfernt vom Lärm der Stadt befinden sich auf einem grossen parkähnlichen Gelände Bungalows und ein 2-stöckiges quadratisches Haus mit Innenhof. In diesem Haus übernachten wir. Unsere Zimmer sind riesig. Allein die Bäder sind grösser als manche Hütte, die wir unterwegs gesehen haben.

Auf der Grünanlage des Hotels Hacienda Abraspungo in Riobamba darf Fussball gespielt werden. Im Hintergrund sieht man das 2-stöckige Haus.
Auf der Grünanlage des Hotels darf Fussball gespielt werden. Im Hintergrund sieht man das 2-stöckige Haus.
Rezeption und Restaurant des Hotels Hacienda Abraspungo in Riobamba
Rezeption und Restaurant des Hotels Hacienda Abraspungo

Das Restaurant befindet sich im Haupthaus, wo sich auch die Rezeption und Tagungsräume befinden. Wir können die Küche uneingeschränkt empfehlen.

Leider haben wir mal wieder keine Zeit, die wunderschöne Umgebung zu geniessen. Nach dem Essen fallen wir nur noch in das genial riesige Bett (ca. 2.20 x 2.00 m) und schlafen wie Steine.

Morgens gibt es zur Abwechslung mal ein umfangreiches Frühstücksbüffet zur Stärkung. Als wir vom Frühstück zurückkommen, sehen wir sogar eine Eule auf dem Baum sitzen. Als ich mit der Kamera zurückkomme ist sie natürlich auf und davon.

Hier sass die Eule, als wir vom Frühstück zurückkamen
Hier sass die Eule, als wir vom Frühstück zurückkamen
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