Der Chimborazo – der höchste Punkt der Erde?!

Der Chimborazo ist ein aktiver Vulkan und mit 6.235 m auch der höchste Berg Ecuadors. Gleichzeitig ist der Chimborazo auch der höchste Punkt der Erde, vom Erdmittelpunkt aus gemessen. Da die Erde keine richtige Kugel ist, sondern durch ihre Drehung ein Rotationsellipsoid, ist die Entfernung vom Erdmittelpunkt zum Äquator wesentlich grösser als zu den Polen. Aus diesem Grund ist der Gipfel des Chimborazo der höchste Punkt der Erde, gemessen an der Entfernung zum Erdmittelpunkt. Er übertrifft den deutlich höheren Mount Everest aber nur um wenige Meter.

Mit den Kindern wollen wir natürlich nicht zum Gipfel des Chimborazo wandern. Unser Ziel ist es, die Fahrt bis zur ersten Hütte zu geniessen und uns oben ein wenig umzuschauen. Der Chimborazo hat mich von Kindesbeinen an durch ein Gedicht begleitet und so mit seinem exotischen Namen die Fantasie der fernen weiten Welt beflügelt. Deshalb stand es auch für mich ausser Frage, wenn ich ihm schon so nahe komme, ihm auch einen Besuch abzustatten. Ausserdem hoffen wir auf ein Wiedersehen mit Vikunjas. In den Anden zwischen Argentinien und Chile und bei den höher gelegenen Lagunen der Atacamawüste, haben wir sie letztmals gesehen.

So machen wir uns nach dem Besuch der Ruinen von Ingapirca frohen Mutes auf den Weg Richtung E 35 ins 170 km entfernte Riobamba. Dort wollen wir nur die Taschen im Hotel abgeben und dann gleich weiter zum Chimborazo fahren.

Auf dem Weg zum Vulkan Chimborazo werfen wir noch einen letzten Blick in das liebliche Andenhochland mit seinen grünen Hügeln.
Ein letzter Blick

Die Fahrt zum Chimborazo

Chimborazo wir kommen (oder auch nicht)

Soweit der Plan, aber Leben ist ja das, was passiert, während der Mensch eifrig dabei ist, andere Pläne zu schmieden. Und so kam auch bei uns alles ein wenig anders als geplant. Wir waren noch nicht lange unterwegs, da wurde das Wetter wieder deutlich schlechter und Regen setzte ein.

Wir sind kaum die ersten Kilometer in Richtung Riobamba gefahren als die Wolken hereinziehen.
Fahrt in den Wolken

Die Strasse wurde immer wieder von kleineren Erdrutschen unterbrochen. Nachdem wir ca. eine Stunde unterwegs waren, ging nichts mehr. Ein grosser Erdrutsch hat mehrere Häuser eines Ortes fortgerissen. Die Feuerwehr ist dabei, Verletzte und Tote zu bergen als wir uns in den Stau einreihen. Die Strasse ist auf ungewisse Zeit geschlossen. So überlegen alle in der Schlange ihre Möglichkeiten.

Davon, eine kleine Stichstrasse in den Bergen zu nutzen, raten alle Einheimischen ab. Man wüsste nicht, in welchem Zustand sie sich befindet, wenn schon die Hauptverkehrsstrasse immer wieder verschüttet ist. Ausserdem würde dort niemand kommen, um zu Hilfe zu eilen. Damit blieben nur die Optionen abwarten und hoffen, dass die Strasse in endlicher Zeit wieder befahrbar wird oder umdrehen, Richtung Küste zurückfahren und die E 487 nach Riobamba zu wählen.

Wir entschieden uns für die letzte Variante. Ob wir damit allerdings schneller Riobamba erreichten, als wenn wir gewartet hätten, das sei mal dahingestellt.

Ein im Ganzen zubereitetes Schwein hängt vor diesem Kiosk, den wir auf dem Umweg zum Chimborazo begegnen. Da vergessen die Kinder vor Schreck, dass sie auf Toilette wollten.
Eindrücke unterwegs

Der Vulkan Chimborazo und Alexander von Humboldt

Während wir uns auf den Umweg begeben, erzähle ich dir noch etwas über den Vulkan Chimborazo. Wusstest du, dass Alexander von Humboldt der erste war, der den Versuch unternommen hat, den Chimborazo zu besteigen. Auch wenn er 1802 den Gipfel nicht erreichte, war die Dokumentation der Vegetationszonen eine wichtige wissenschaftliche Arbeit. Wenn du dich dafür interessierst, kannst du mal das Internet nach «Naturgemälde der Tropen» befragen. Es gibt viele Beiträge, die sich damit beschäftigen. Das Ziel der Besteigung war der Versuch, die Höhe des Berges zu messen und den Beweis zu erbringen, dass die Landschaft durch die Vulkane geformt wurde. Insofern schleppte Humboldt auch noch alle möglichen Messgeräte mit auf den Berg.

Es gibt einen DEFA-Spielfilm „Die Besteigung des Chimborazo“ der sich der Erstbesteigung des Chimborazo annimmt. Da Humboldt Tagebuch führte, sind seine Gedanken und die Schwierigkeiten der Expedition gut dokumentiert. Er und seine Begleiter litten an der Höhenkrankheit, hielten dennoch durch, bis sie auf eine Spalte trafen, die sie nicht überwinden konnten. Wie hoch er es ohne geeignete Ausrüstung geschafft hat, ist heute umstritten. Humboldt selbst spricht von 5.900 m Höhe.

Die Reise zum Chimborazo geht weiter – Umweg über die E 487

Der Weg zurück bis zum Abzweig der E 487 geht recht zügig. Bergab ist auch der langsamste LKW flott unterwegs.

Auf dem Rückweg zum Abzweig reisst kurz die Wolkendecke auf und gibt den Blick auf die Landschaft frei. Ob wir es heute noch zum Vulkan Chimborazo schaffen, ist fraglich.
Nach der Umkehr erhaschen wir in einem Wolkenloch einen kurzen Blick auf die Landschaft

Bevor es wieder hoch in die Berge geht, erreicht uns die nächste Sintflut.

Unwetterzelle voraus, der Regenguss ist sintflutartig und es bleibt nicht der einzige auf unserem Weg zum Chimborazo (Ecuador).
Unwetterzelle voraus, der Regenguss ist sintflutartig

Kaum haben wir die Regenzelle passiert, führt die Strasse durch einen langen Ort, der an Trostlosigkeit, Schmutz und Armut nicht zu überbieten ist. Dies ist das einzige Mal auf unserer ganzen Ecuador Reise, dass wir uns selbst im abgeschlossenen Auto mehr als unwohl gefühlt haben. Am Ende des Ortes staut der Verkehr. Dies nutzen geschäftstüchtige Anwohner, um alle möglichen Sachen zu verkaufen. Die Obstspiesse sahen sehr verlockend aus, allerdings vertrauten wir der Hygiene dieses Ortes nicht so ganz.

Stauursache ist einmal mehr ein Erdrutsch in jüngerer Vergangenheit. Diesem Erdrutsch ist die Hauptbrücke des Ortes zum Opfer gefallen. Wenngleich es schon ein Brückenprovisorium gibt, ist dieses jedoch nur einspurig zu befahren. Deshalb regelt eine Ampel die Brückenzufahrt und führt zu einem langen Rückstau.

Eine gefühlte Ewigkeit später schaffen auch wir es, das Brückenprovisorium zu überqueren. Durch die Ampelregelung kommt es zu einer Konzentration vieler langsamer LKWs. Kaum hat man einen Pulk überholt, trifft man ein paar Kurven weiter auf die nächste Ansammlung.

Die Strasse selbst ist in einem erbärmlichen Zustand. Löcher so gross, dass es für einen Achsbruch reicht, Senkungen, Erdrutsche und fehlender Belag sind immer wieder Herausforderungen an den Fahrer. Als Krönung warten bettelnde Erwachsene und Kinder an jedem extremen Hindernis, über das man vorsichtig jedes Rad einzeln heben muss.

Unsere Geduld wird arg strapaziert, als der ganze Verkehr sich hinter einem vollen Tanklastzug sammelt. Dass der Tanklaster nicht rückwärts rollt, ist der einzige Lichtblick. Infolge permanenten Gegenverkehrs ist an Überholen nicht zu denken. So eilten wir mit unglaublichen 25 km/h unserem Ziel entgegen. Bevor wir auch nur die Stadtgrenze von Riobamba erreichen, ist es mal wieder stockdunkel.

Verkehrskontrolle in Riobamba

Damit ist dieser Tag, an dem wir zum Chimborazo wollten, aber noch nicht zu Ende. Was passt besser zu einem solchen Tag als eine Verkehrskontrolle? An einer Strassenkreuzung vor Riobamba werden alle Fahrzeuge kontrolliert, infolgedessen der Verkehr ein weiteres Mal staut. Unsere Autopapiere befinden sich natürlich noch von unserem vormittäglichen Ausflug im Rucksack und der wiederum liegt im Kofferraum. Also werden wir aus der Schlange gewunken und einer genaueren Kontrolle unterzogen.

Wir versuchen uns im positiven Denken. Wenigstens sind wir schon in Riobamba und müssen nur noch unser Hotel Hacienda Abraspungo finden. Dieses befindet sich selbstverständlich am anderen Ende von Riobamba. Sehr skeptisch sind wir, als das Navigationsgerät uns auf eine unbefestigte Strasse in eine immer einsamer werdende Gegend schickt. Wären hier nicht lauter Taxi-Fahrzeuge eilig unterwegs gewesen, wer weiss, ob wir uns in der Dunkelheit getraut hätten, dem Navigationsgerät zu folgen. Aber nach ein paar Kilometern, und zwei Abbiegungen später, befinden wir uns unvermittelt in einem Villenquartier, wo auch unser Hotel steht.

So erleichtert, anzukommen, waren wir selten. Die Ankunft ist noch später als am Vortag, sodass wir uns gleich nach dem Check-in zum Restaurant begeben müssen, weil die Küche schliesst. Für die eigentlich nur 170 km kurze Strecke haben wir über acht Stunden gebraucht. Damit fällt der Besuch des Chimborazo Vulkans auf dieser Ecuador Reise aus. Ein weiterer guter Grund wiederzukommen.

Unser Hotel

Entfernt vom Lärm der Stadt befindet sich unser Hotel Hacienda Abraspungo auf einem grossen parkähnlichen Gelände, Bungalows und ein 2-stöckiges quadratisches Haus mit Innenhof. In diesem Haus übernachten wir. Unsere Zimmer sind riesig. Allein die Bäder sind grösser als manche Hütte, die wir unterwegs gesehen haben.

Auf der Grünanlage des Hotels Hacienda Abraspungo in Riobamba darf Fussball gespielt werden. Im Hintergrund sieht man das 2-stöckige Haus.
Auf der Grünanlage des Hotels darf Fussball gespielt werden. Im Hintergrund sieht man das 2-stöckige Haus.
Rezeption und Restaurant des Hotels Hacienda Abraspungo in Riobamba. Dieses Hotel in Riobamba sollte unser Ausgangsort für die Erkundung zum Chimborazo sein.
Rezeption und Restaurant des Hotels Hacienda Abraspungo

Das Restaurant befindet sich im Haupthaus, wo sich auch die Rezeption und die Tagungsräume befinden. Wir können die Küche uneingeschränkt empfehlen.

Morgens gibt es zur Abwechslung ein umfangreiches Frühstücksbuffet zur Stärkung. Als wir vom Frühstück zurückkommen, sehen wir sogar eine Eule auf dem Baum sitzen. Das Hotel ist eine grüne Oase in der Stadt. Wir müssen weiter, denn unser nächstes Ziel ist der Cotopaxi Nationalpark.

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