Wanderung zur Rheinquelle

Hast du dich je gefragt, wenn du den Rheinfall bewunderst oder durch das hübsche Städtchen Stein am Rhein spazierst, wo der Rhein eigentlich entspringt? Wir müssen dringend ein wenig Energie auftanken und flüchten vor der sommerlichen Hitze für ein Wochenende in die Berge nach Graubünden, wo wir uns auf die Wanderung zur Rheinquelle begeben. Nun hat der Rhein 13 Quellflüsse, weshalb ich genauer sein muss. Wir wandern zum Toma See, wo der Vorderrhein entspringt.

Dazu mieten wir uns in Disentis ein gemütliches Chalet. Schon die Anreise über Schwyz und Uri versetzt uns in Urlaubsstimmung. Ein kurzer Blick in die Schöllenenschlucht, wo du unbedingt auch einmal einen Stopp einlegen solltest, begeistert uns genauso wie die Kulisse des Oberalppasses.

Drei Brücken in einem Bild der Schöllenenschlucht: die Verkehrsbrücke, die Teufelsbrücke und Eisenbahnbrücke.
Schöllenenschlucht mit Verkehrsbrücke, Teufelsbrücke und Eisenbahnbrücke.

In diesem Beitrag nehme ich dich mit in die wunderschöne Schweizer Bergwelt und erzähle dir von Kuriositäten und erzähle dir etwas über den Rhein, wenn du Interesse hast.

Ein paar interessante Fakten zum Rhein

Wo es einen Vorderrhein gibt, gibt es auch einen Hinterrhein. Der entspringt ebenfalls in Graubünden, beim Rheinwaldhorn, dem höchsten Berg der Adula-Alpen. Vorderrhein und Hinterrhein vereinigen sich zum Alpenrhein in Reichenau.

Apropos Vorderrhein. Von Ilanz aus kann man auf dem gletscherblauen Vorderrhein mit Booten (River Rafting) bis nach Reichenau fahren. Dabei kommt man durch die malerische Rheinschlucht, den Grand Canyon der Schweiz. Wir sind vorbeigewandert, aber beim nächsten Mal in der Gegend wollen die Mädchen das unbedingt ausprobieren.

Bei meiner Recherche lese ich überall, dass der Rhein 1.232 km lang ist. Da habe ich mich doch gefragt, wie man das bei so viel Quellen misst und welche Quelle massgebend ist? Die Geografen haben es sich aber einfach gemacht. Beim Rhein wird der Anfang in der Messung einfach unter den Tisch fallen gelassen.

Der sogenannte Alpenrhein erreicht nach ca. 200 km den Bodensee. Dieser wiederum unterteilt sich in einen Ober- und einen Untersee. Verbunden sind die beiden durch den reichlich 4 km langen Seerhein. Und erst hier, in der Mitte der alten Konstanzer Rheinbrücke beginnt der Rheinkilometer Null. Eigentlich ist der Rhein also über 200 km länger.

Bei Stein am Rhein verlässt der Rhein dann sichtbar den Bodensee. Von hier bis zur mittleren Brücke in Basel spricht man dann vom Hochrhein. Auf diesem 141 km langen Abschnitt fällt der Fluss in mehreren Etappen von 395 m auf 252 m ab. Der Rheinfall bei Schaffhausen gehört zu den grössten Wasserfällen Europas.

An den Hochrhein schliessen sich Oberrhein, Mittelrhein und Niederrhein an, bis der Rhein in Rotterdam in die Nordsee mündet.

Kurios – Ein Leuchtturm in den Bergen?

Die Wanderung zur Rheinquelle, dem Toma See, beginnt für die meisten am Oberalppass. Er ist die Verbindung zwischen Disentis (Graubünden) und Andermatt (Uri). Der höchste Punkt der 32 km langen Verbindung zwischen beiden Orten befindet sich auf 2.046 m über dem Meer. Und dort steht ein Leuchtturm. Symbolisch schlägt er so eine Brücke von der Rheinquelle zur Rheinmündung.

Der Leuchtturm am Oberalppass hat einen roten Fuss und weissen Ausguck. Hier am Besucher-Center Rheinquelle beginnt für die meisten die Wanderung zum Toma See.
Der Leuchtturm am Oberalppass ist der einzige in den Alpen

Denn der Leuchtturm ist der Nachbau eines Leuchtturmes, der über 70 Jahre lang an der Rheinmündung seinen Dienst versah, bevor er ins maritime Museum in Rotterdam wechselte. Der Oberalppass bekam seinen Leuchtturm 2010. Nun rühmt er sich als einziger Leuchtturm in den Alpen und ist ein beliebtes Fotomotiv.

An einem schönen Sommertag ist kaum ein Parkplatz zu bekommen. Ist doch der Oberalppass Ausgangspunkt für weitere Wanderungen, wie dem 4 Quellenweg, dessen erster Teil, die Wanderung zum Toma See führt. Vom Oberalppass geht auch die Seilbahn und der Wanderweg zum Schneehüenerstock ab oder der Senda Sursilvana.

Hinter dem Oberalpsee erhebt sich der Schneehüenerstock mit einem markanten Felsen in sonst eher hügeliger Landschaft. Oben liegen noch Schneereste und bilden einen Kontrast zum Grün der Wiesen. Von hier startet auch die Wanderung zur Rheinquelle, dem Toma See
Oberalpsee und Schneehüenerstock

Auch bei Motorradfahrern ist der Platz beim Leuchtturm ein beliebter Platz für eine Pause. Die Restaurants sind voll. An Verkaufsständen kann man sich mit Wurst und Käse aus der Region eindecken.

Die Passstrasse wurde übrigens schon 1862/63 gebaut und bis 1952 von Postkutschen befahren. 1923 wurde die Eisenbahnstrecke in Betrieb genommen. Der Glacier-Express, der Zermatt mit St. Moritz verbindet, verkehrt auch über den Oberalppass.

Wer zur Quelle will ….,

muss gegen den Strom schwimmen, in unserem Fall bergauf laufen. Wir sind früh dran an diesem Samstag und finden noch einen Parkplatz unterhalb des Oberalppasses. Dort finden wir auch einen Einstieg in den Wanderweg zum Toma See, der erst einmal am Hang entlangführt.

Auf dem Weg von Disentis zum Oberalppass kommen uns morgens schon die ersten Radfahrer entgegen. Ansonsten ist die Strasse noch leer. Der Mond verblasst am blauen Himmel über den grünen Gipfeln.
Schon am frühen Morgen kommen uns die ersten Radfahrer entgegen.
Das erste Stück des Weges zur Rheinquelle führt an einem 45 Grad Hang entlang. Im Hintergrund ragen hohe Berggipfel in den Himmel.
Das erste Stück des Weges zur Rheinquelle verläuft eben am Hang entlang.

Auf dem Weg bewegen sich schon Mengen von Menschen wie eine Ameisenkolonie. Man könnte meinen, die halbe Schweiz hätte sich heute für eine Wanderung zur Rheinquelle entschieden. Wanderer, die am See übernachtet haben, kommen uns schon entgegen. Deshalb unser Tipp: Vermeide das Wochenende, wenn du zum Toma See laufen willst.

Da die Familie etwas Zeit braucht, sich mit dem Weg anzufreunden, habe ich anfangs viel Zeit zum Fotografieren.

Die Wanderung zum Toma See führt durch bunte Wiesen mit blauen Glockenblumen, gelbem Löwenzahn, Seifenkraut und weiteren Blumen.
Bunte Wiese
Auch der Purpurenzian blüht in den Wiesen, die wir auf der Wanderung zur Rheinquelle durchqueren.
Der Purpurenzian blüht in den Wiesen
Die Glocken dieser hellblauen Glockenblume sind unglaublich behaart, weshalb sie auch Bärtige Glockenblume genannt wird.
Die Glocken sind stark behaart, weshalb sie auch Bärtige Glockenblume genannt wird.

Als störend empfinden wir am Anfang der Wanderung zur Rheinquelle den ununterbrochenen Verkehrslärm der Blechlawine, welche sich vom und zum Oberalppass wälzt.

Der Verkehrslärm der beschleunigenden Motorräder beim Überholen in den Serpentinen hallt weit durch die Bergwelt am Oberalppass.
Der Verkehrslärm der beschleunigenden Motorräder beim Überholen in den Serpentinen hallt weit.

Das Schöne am Weg ist, man sieht immer nur eine Etappe. Zuerst sieht man den Weg am Hang entlang, dann den sanften Aufstieg zu einem Sattel, bevor es dann steiler und felsiger werdend langsam immer anspruchsvoller wird. Man sieht nie, wie weit das Ziel noch entfernt ist. So kann man immer hoffen, dass die nächste Kurve den Blick auf den Toma See freigibt.

Beim Blick zurück sieht man die Serpentinen zum Oberalppass, die schroffen Berggipfel dahinter und den Weg, welchen Weg man schon auf der Wanderung zur Rheinquelle zurückgelegt hat.
Beim Blick zurück sieht man, welchen Weg man schon zurückgelegt hat.
Ein weiteres Plateau, auf dem wir kurz die Aussicht auf das Tal und die Serpentinen zum Oberalppass auf unserer Wanderung zum Toma See geniessen.
Ein weiteres Plateau, auf dem wir kurz die Aussicht geniessen

Kurzzeitig folgen wir dann auch noch dem falschen Abzweig zur Baldushütte oberhalb des Toma Sees. Von dort kann man zwar auch zum Toma See absteigen. Aber für die nicht ganz schwindelfreie Familie ist der Weg schon anspruchsvoll genug. Die Belohnung kommt, wenn der Toma See malerisch und einladend vor einem liegt. Wir sind früh genug, um noch ein Plätzchen am Ufer zu ergattern, wo wir uns von den Anstrengungen des Aufstiegs erholen.

Der Toma See liegt unergründlich blau-grün eingebettet von Bergen vor uns.
Der malerisch gelegene Toma See

Das Wasser ist eiskalt. Das hält allerdings manch Mutigen mit Badebekleidung nicht davon ab, ganz in den See einzutauchen. Uns sind nach kurzer Zeit fast die Füsse abgefallen. Insofern haben wir es nicht zu sehr bedauert, keine Badesachen dabei gehabt zu haben. Das Picknick am See war auch so wunderschön.

Damit haben wir nun auch einmal eine der Rheinquellen gesehen.

Tipps für eine Rundwanderung

Wir laufen den gleichen Weg von der Rheinquelle zum Auto zurück. Zum einen fehlt uns etwas das Training, weshalb auch keiner auf weitere Experimente Lust hat. Zum anderen waren doch Stücke des Weges für die nicht schwindelfreie Familie grenzwertig. Man könnte aber auch einen Rundweg laufen. Dieser führt vom Toma See zur Baldushütte auf den Pazzolastock und von da zurück zum Oberalppass. Den Weg könnte man natürlich auch in Gegenrichtung laufen.

Unser Rückweg kam uns deutlich länger vor als der Hinweg, obwohl wir viel schneller waren.

Was wir vergessen haben mitzunehmen, war ein Sonnenhut. Trotz Sonnencreme mit LSF 50 haben die Nacken der Mädels etwas viel Sonne bekommen. Jörg musste sich aus seinem Taschentuch einen Behelfshut zaubern, um die Kopfhaut zu schützen.

Jörg mit seinem "Taschentuch-Hut" blickt in die Kamera am Toma See
Das Taschentuch wird zum behelfsmässigem Sonnenhut

Wir hätten auch durchaus noch mehr Wasser mitschleppen können. So haben wir die Flaschen im See aufgefüllt, aber dieses Wasser knirscht. Du solltest unbedingt genügend Verpflegung einpacken. Wir haben am See haben einen ungewöhnlichen Appetit entwickelt und hätten mehr gegessen, wenn wir mehr dabei gehabt hätten.

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