Ein Wochenende in der goldenen Stadt an der Moldau – Prag

Karlsbrücke und Hradschin

Für ein Familientreffen haben wir uns dieses Jahr die Stadt Prag ausgesucht. So fahren wir an Pfingsten frühzeitig nach Prag. Mittags erreichen wir die quirlige Innenstadt, in der wir sehr zentral gelegen ein Appartement in einem schön restaurierten Altstadtbau gemietet haben. Obwohl es überall blaue Parkzonen Parkplätze gibt, müssen wir mangels einer Anwohner-Plakette die Autos nach dem Entladen schnell in ein Parkhaus fahren. Bereits bei der Abholung des Schlüssels wurden wir gewarnt, dass bevorzugt Autos mit ausländischen Kennzeichen gebüsst werden und die Polizei regelmässig ihre Runden dreht.

Nach einer kurzen Erholungspause bei Kaffee und Muffins begeben wir uns zu Fuss auf Erkundungstour. Unser erstes Ziel ist die Karlsbrücke, die ganz in der Nähe des Appartements liegt. Auf dem Weg dahin fällt uns als erstes eine Werbung für Absinth, auch die grüne Fee genannt, ins Auge.

Bild Werbung für die grüne Fee in der Prager Innenstadt zeigt ein Schaufenster mit einer Flasche mit grünem Totenkopf, einer grösseren hellgrüneren Flasche dahinter und einer tanzenden grünen Fee im Glas.
Werbung für die grüne Fee in der Prager Innenstadt
Bild Hradschin von der gegenüberliegenden Seite aus gesehen, zeigt die Moldau und die sich dahinter erhebende Burganlage, die vom St. Veiths Dom überragt wird.
Hradschin von der gegenüberliegenden Seite aus gesehen

Vor lauter Menschen sehen wir die Karlsbrücke nicht. Menschenmassen sind unterwegs. Einmal auf der Brücke werden wir vorwärts geschoben. An den Rändern gelingt es, hier und da anzuhalten und das pulsierende Leben auf dem Fluss zu beobachten. Boote in allen Grössen sind auf der einen Seite der Brücke zu beobachten. Auf der anderen Seite wimmelt es von Tretbooten.

Bild Blick von der Karlsbrücke in Richtung - Mánesuv most - Prag, zeigt verschiedene Schiffe, die Brücke und die rechts und links am Ufer stehenden Palais (Residence Trinidad und Rudolfinum).
Blick von der Karlsbrücke in Richtung – Mánesuv most – Prag
Bild Blick von der Karlsbrücke in Richtung - most Legií - Prag zeigt im Vordergrund ein an der Staustufe wendendes Ausflugsschiff, Strelecký Island, viele kleine Boote vor und hinter der Brücke, sowie die Häuser, die den Uferrand säumen.
Blick von der Karlsbrücke in Richtung – most Legií – Prag

Auch auf der Brücke buhlen Bands mit Künstlern um die Aufmerksamkeit der Touristen. Am gegenüberliegenden Ende der Brücke strömen die Menschen in Richtung Hradschin unaufhaltsam nach oben. Künstler zeichnen mit Wasserfarben Ansichten der Stadt. Noch unterhalb des Ziels bietet uns die Aussicht auf den Garten eine willkommene Verschnaufpause.

Bild Auf dem Weg nach oben zum Hradschin, Prag zeigt wild wuchernde Heckenrosen und efeubewachsenes rotes Haus unterhalb der Befestigungsmauer.
Auf dem Weg nach oben zum Hradschin, Prag

Oben angekommen, geniessen wir die Aussicht auf die Stadt und das Kloster Strahov.

Bild Blick auf das Kloster Strachov zeigt das Kloster in der Ferne eingerahmt von einem breit wachsendem Nadelgehölz und Haus.
Blick auf das Kloster Strachov

Vor dem Ehrenhof stehen steif zwei Wachsoldaten. Uns begeistern mehr die steinernen Giganten, die das Tor bewachen.

Bild Der Ehrenhof, Prager Burg zeigt die Skulpturen, welches das Tor bewachen. Eine Figur holt mit einer Keule aus und zielt auf einen liegenden Mann, die andere Figur ist mit einem Dolch in einer stechenden Bewegung auf den unter ihr liegenden Mann dargestellt.
Der Ehrenhof, Prager Burg

Lange Schlangen von Touristen stehen noch an der Security und warten auf Eintritt in den Burghof. Wir hatten sowieso nicht vor, bei diesem Besuch die Innenräume zu besuchen, insofern ruhen sich die einen erst einmal aus, während die anderen der Loretanska Strasse folgen. Am Ende der Strasse werfen wir noch einen Blick auf die Kirche der Muttergottes von Loreto, die P. Maria Andelska Kirche und den vis-a-vis gelegenen Park bevor wir uns wieder auf den Rückweg machen und die anderen abholen.

Bild Kirche der Muttergottes von Loreto zeigt die barocke Kirche.
Kirche der Muttergottes von Loreto
Bild Kostel Panny Marie Andělské zeigt die 1602 erbaute Kirche der Maria der Engelsgleichen.
Kostel Panny Marie Andělské, Prag

Jetzt, nach 17.00 Uhr, ist auch nicht mehr so viel bei der Security los. Ins Innere der Gebäude kommt man nun nicht mehr, dafür ist es im Burghof deutlich leerer und kostet keinen Eintritt mehr. Kurz grübeln wir noch, ob die Taschenmesser im Rucksack ein Problem sind, aber glücklicherweise stellen sie kein Problem dar.

Wir bestaunen den St. Veits Dom im Abendlicht und laufen durch die immer noch total überfüllte Goldene Gasse die alte Schlossstiege hinunter. Über die Manesuv Brücke geht es schliesslich zurück zu unserem Appartement.

Bild Zweiter Burghof mit Heiligkreuzkapelle, Hradschin, Prag zeigt den Innenhof mit der ovalen Kapelle.
Zweiter Burghof mit Heiligkreuzkapelle, Hradschin, Prag
Bild Impression St. Veits Dom zeigt Sandstein Spitzen und Rundbogen hinter dem ein kupfergrüner Turm herausschaut.
Impression St. Veits Dom, Hradschin, Prag
Bild St. Veits Dom - Wasserspeier zeigt mehrere Wasserspeier
St. Veits Dom – Wasserspeier, Hradschin Prag
Bild St. Veits Dom im Gegenlicht zeigt den Dom von der Rückseite, die Sonne befindet sich direkt hinter der Domspitze.
St. Veits Dom im Gegenlicht
Bild Karlsbrücke im Abendlicht zeigt die immer noch von Menschen überfüllte Brücke, den Brückenturm und die umliegenden Häuser auf der Altstädter Seite.
Karlsbrücke, Prag im Abendlicht

In einem gemütlichen Restaurant finden wir noch einen Platz zum Abendessen, wo wir uns Knödel mit Rinderbraten in einer Sahne-Zitronensauce und ein Pilsner Urquell schmecken lassen. Im Reiseführer hatte ich gelesen, dass der Schaum eines ordentlich gezapften Biers so fest ist, dass man einen Zahnstocher für mindestens 10 Sekunden hereinstellen kann, ohne dass er umfällt oder sinkt. Wir machen natürlich gleich die Probe. Unser Zahnstocher steht sogar 20 Sekunden bevor er seitlich abkippt und zu sinken droht.

Den Abend lassen wir gemütlich im Appartement ausklingen. Nach dem frühen Aufstehen und den Anstrengungen des Tages wird keiner mehr alt.

Vor dem Frühstück – Karlsbrücke, John Lennon Mauer und Aufstieg zum Petrin (Laurenziberg)

Am nächsten Morgen stehen Jörg und ich sehr früh auf. Ziel ist es, die Karslbrücke mal ohne Menschen zu sehen. 6.08 Uhr sind wir da. Es ist zwar deutlich leerer, aber allein sind wir nicht. Neben jungen Männern, die noch gar nicht im Bett waren, und jeder Menge anderer Fotografen sind auch schon viele asiatische Brautpaare in Hochzeitskleid und Anzug unterwegs und lassen sich ablichten.

Bild Auf der Karlsbrücke im Morgenlicht zeigt einen Teil der Karlsbrücke mit dem Brückenturm auf der Kleinseite Prags. Auf der Brücke posiert schemenhaft ein Brautpaar.
Auf der Karlsbrücke im Morgenlicht

Am anderen Ende der Brücke laufen wir zur John Lennon Gedächtnismauer auf der Kampa Halbinsel. Der kleine Teufelsbach trennt die Kampainsel von der Kleinseite. Von der Karlsbrücke führt eine Treppe auf die Halbinsel, die wir aber erst entdecken, als wir unten davorstehen. Wir schlängeln uns durch die Häuser und kommen beim Wasserrad über den Fluss.

Bild Wasserrad am Teufelsbach zeigt einen schmalen Fluss mit grossem Wasserrad und Restaurant.
Wasserrad am Teufelsbach in Blickrichtung Karlsbrücke
Aufgang zur Karlsbrücke von der Kampa Halbinsel. Die Treppe verzweigt sich zu einer Art Raute bis sie oben ist.
Aufgang zur Karlsbrücke von der Kampa Halbinsel gesehen.

Auch vor der Gedächtnismauer, wo sich Fans anlässlich des Todestages des Beatles trafen, um gegen die Ächtung westlicher Rockmusik zu protestieren, stehen drei Hochzeitspaare. Es ist gar nicht so einfach ein Stück Mauer ohne Personen zu ergattern. Lustig finde ich es schon, dass ausgerechnet bei dem Teil, wo das Zitat der Liedzeile «All you need is love …» kein Brautpaar steht.

Bild John Lennon Gedächtnismauer, Prag zeigt eine Grafiti verschmierte Wand u.a. mit einem Bild von John Lennon und der Liedzeile "All you need ist Love".
John Lennon Gedächtnismauer, Prag

Die Skulpturen vor dem Kampa Museum erregen unsere Aufmerksamkeit.

Bild David Černý - Miminka, Prag zeigt die Bronze Skulptur dreier Riesenbabies, die einen Strichcode statt eines Gesichts haben.
David Černý – Miminka, Prag
Holzskulpturen und Brücken, Kampa Insel, Prag zeigt zwei bearbeitete Holzstämme, durch die man drei Brücken über die Moldau sieht. Links ist das Grün der Strelecky Insel im Bild Ausschnitt zu sehen.
Holzskulpturen und Brücken, Kampa Insel, Prag

Der Morgen ist sehr schön. Noch ist es angenehm kühl, auch wenn man schon merkt, dass es ein heisser Tag werden wird. Da wir erst um 9.00 Uhr mit Brötchen in der Wohnung zurückerwartet werden, beschliessen wir, noch auf den Laurenziberg zu steigen. Die erste Seilbahn begegnet uns um 7.00 Uhr, da haben wir schon mehr als die Hälfte des Weges nach oben geschafft.

Beim Aufstieg erschrecken wir zwei Hasen. Die Wege nach oben sind zahlreich. Der Weg, dem wir links neben der Seilbahn folgen, führt irgendwann sehr weit nach links weg. So laufen wir unter der Seilbahn durch, nur um festzustellen, dass dieser Weg nun sehr weit nach rechts abschweift. Also laufen wir der Nase nach und folgen ausgetretenen Pfaden durch die Obstgärten. Unerwartet schnell sind wir oben angekommen. Der 63,5 m hohe Aussichtsturm auf Petrín erinnert an den Eiffelturm. Er wurde 1861 anlässlich einer Industrieausstellung eröffnet und ist laut Wikipedia tatsächlich ein verkleinerter Nachbau des Eiffelturms.

Hier oben auf dem Berg herrscht himmlische Einsamkeit, denn Turm und Spiegellabyrinth öffnen erst um 10.00 Uhr ihre Türen, deshalb sind wir von ein paar Joggern abgesehen allein hier und geniessen es.

Bild St. Laurentius Kirche, Prag zeigt die barocke Kirche in ocker Tönen.
St. Laurentius Kirche, Prag
Bild Aussichtsturm Petrin, Laurenziberg Prag zeigt den, dem Eifelturm nachempfundenen Aussichtsturm.
Aussichtsturm Petrin, Laurenziberg Prag

Durch Wiesen laufen wir zum Kloster. Auch da sind wir fast allein.

Bild Vom Petrin zum Kloster Strahov, Prag zeigt den sich durch Wiesen und Walnussbäumen schlängelnden Weg. Im Vordergrun steht ein altes Haus mit Holzanbau.
Vom Petrin zum Kloster Strahov, Prag

Bevor wir durch einen kleinen Durchgang unseren Abstieg durch Reben und Wiesen beginnen, erhaschen wir noch ein paar schöne Blicke auf das Kloster. Leider ist es um diese Uhrzeit geschlossen. Ansonsten würden wir sicher den berühmten Bibliothekssälen einen Besuch abstatten.

Bild Kloster Strahov Kirche, Prag zeigt den Sakralbau aus dem Innenhof fotografiert mit seinen Türmen und Seitenschiffen. Der Kontrast zwischen blauem Himmel, weisser Kirche mit roten Dächern und Kupfernen Türmen ist wunderschön.
Kloster Strahov Kirche, Prag
Bild Kloster Strahov, Prag von unten gesehen, zeigt das Kloster von den unterhalb befindlichen Gärten aus fotografiert. Es reckt sich mit seiner weissen Fassade, dem roten Dach und den Kupfernen Türmen kontrastreich in den makellos blauen Himmel.
Kloster Strahov, Prag, von unten gesehen

Auf unserem Weg nach unten können wir immer wieder schöne Blicke auf die Burganlage werfen.

Bild Blick auf die Burganlage vom Kloster Strahov, Prag zeigt im Vordergrund die Gärten hinter denen sich dann die Burganlage erhebt. Die Moldau und die Häuser rechts und links des Flusses liegen im Morgendunst.
Blick auf die Burganlage vom Kloster Strahov, Prag

Unser Weg führt uns am Palais Lobkowitz (Sitz der deutschen Botschaft) und am Palais Schönbaum (Sitz der amerikanischen Botschaft) vorbei. Im Garten der deutschen Botschaft steht die Kopie einer Skulptur des Künstlers David Cerný – ein Trabi auf vier Beinen. Die Skulptur erinnert an die in die Botschaft geflohenen DDR-Bürger, denen anschliessend die Ausreise in die BRD bewilligt wurde. Leider konnten wir keinen Blick auf den Trabi werfen. Dafür begegnet uns wenig später ein geparkter Trabi.

Bild Trabant, Prag zeigt einen vorne hellblauen, hinten weissen sehr alten Trabant. Den Rücklichtern nach aus den 60er Jahren. Der Trabi hat noch die Strassenverkehrszulassung.
Trabant, Prag

Anstatt über die Karlsbrücke zurückzulaufen, wenden wir uns am Fuss der Karlsbrücke nach links und folgen den verschlungenen Gässchen vorbei an einem netten kleinen, ummauerten Park zur Mánesuv Brücke.

Bild Gasse zur Karlsbrücke zeigt die Häuser und den Brückenturm, wenn man von der Kleinseite auf die Brücke zuläuft.
Gasse zur Karlsbrücke auf der Prager Kleinseite

Am Fuss der Brücke haben viele Schwäne ihr Lager aufgeschlagen. Selbst hierher verirrt sich ein Brautpaar zum Fotoshooting. Unser morgendlicher Rundgang neigt sich dem Ende entgegen. So langsam sind wir etwas besorgt, denn nirgendwo zieht der Duft von frischen Brötchen durch die morgendlichen Strassen. In der Nähe der Wohnung fragen wir uns dann durch. Selbst eine Panadaria stellt sich als Cafe heraus, wo es belegte Brote, Kuchen und Croissants gibt. Eine Bäckerei gibt es hier weit und breit keine. Schade eigentlich. Schlussendlich kaufen wir die Brötchen in einem kleinen Supermarkt. Die vermeintlichen Körnerstangen enthalten nicht Leinsamen, sondern Kümmelkörner, aber die einfachen Brötchen sind ganz ok.

Nach dem Frühstück – Altstädter Ring und jüdisches Viertel

Nach dem Frühstück zieht es uns zum Altstädter Ring. Um das Schauspiel an der berühmten Rathausuhr sehen zu können, muss man in gerader Linie davorstehen. Wenn man wie wir erst kurz vor der vollen Stunde erscheint, steht man sehr weit seitlich von der Rathausuhr, denn unglaublich viele Menschen wollen das Spektakel sehen. Von der Seite sieht man die Figuren nicht, die von einem Taubennetz geschützt werden und nur noch innen an den Fenstern vorbeilaufen. Man muss direkt davor und ziemlich weit hinten stehen, um einen guten Blick auf die Figuren zu erhaschen.

Bild Berühmte Rathausuhr, Prag
Berühmte Rathausuhr, Prag

Die Menschen verteilen sich wieder und unsere Aufmerksamkeit wird von Seifenblasen magisch angezogen. Ein Seifenblasenkünstler überzieht Leute, die etwas in die Kasse werfen mit grossen und kleinen Seifenblasen, die dann lustig in den Himmel steigen, bevor sie zerplatzen und so manchem Fotomotiv das gewisse Extra verleihen.

Bild Rathaus Prag hinter Seifenblase zeigt eine gigantische Seifenblase, durch die verschwommen das Rathaus zu sehen ist.
Rathaus Prag hinter Seifenblase
Bild Seifenblasen, Prag zeigen einen Stab mit drei nebeneinander verlaufenden Schlaufen, durch welche zahlreiche Seifenblasen generiert werden.
Seifenblasen, Prag

Wir lassen uns von der entspannten Atmosphäre treiben, bewundern die Angebote der Glaskünstler, die sowohl futuristische Lampen als auch interessanten Schmuck verkaufen. In einer scheinbar alten Apotheke gibt es Seifen zu kaufen. In einem Matroschka Laden entdecken wir fast jeden berühmten Künstler oder Politiker als Matroschka-Figur. Das Angebot reicht von Souvenirs über Spezialitäten bis zu Designer Läden.

Was hier in der Innenstadt fehlt, sind Sitzgelegenheiten zum Ausruhen. Da es jenseits der Touristenattraktionen überall sehr schöne Parkbänke mit Schlangenkörpern gibt, vermuten wir Absicht dahinter. Wahrscheinlich sollen ruhebedürftige Menschen sich ins nächste Café setzen. Wir wandern weiter zum Gemeindehaus im Jugendstil. Selbst die Ansicht dieses wunderschönen Gebäudes wird von einer Unmenge an Verbotsschildern verunstaltet. Am Platz der Republik findet ein kleiner Markt statt. Dort endlich können wir uns bei einem Springbrunnen auf die Stufen setzen und kurz ausruhen.

Bild Gemeindehaus, Prag zeigt das Jugendstilhaus, welches das schönste Haus Prags sein soll. Leider verunstalten zahlreich Gebots- und Verbotsschilder der Prachtbau.
Gemeindehaus, Prag

Die Erholung der Füsse in der prallen Sonne ist nur ein halbes Vergnügen. Deshalb wandern wir bald weiter zum jüdischen Viertel.

Bild Altneusynagoge, jüdisches Viertel Prag zeigt die älteste, unzerstörte Synagoge in Europas.
Altneusynagoge, jüdisches Viertel Prag
Bild Spanische Synagoge im jüdischen Viertel Prag zeigt eine Synagoge mit vielen maurischen Stilelementen
Spanische Synagoge im jüdischen Viertel Prag
Bild Restaurantwerbung im jüdischen Viertel, Prag zeigt einen Van mit Personen an einer langen Tafel, die von muskulösen dunkelhäutigen Kellnern bedient werden. Die Werbung ist für King Solomons koscheres Essen.
Restaurantwerbung im jüdischen Viertel, Prag
Bild Zeremoniehalle neben dem jüdischen Friedhof, Prag zeigt das Gebäude neben der Klausen Synagoge.
Zeremoniehalle neben dem jüdischen Friedhof, Prag

Im jüdischen Viertel sind unglaublich viele Menschen mit Führungen in allen Sprachen unterwegs. Der jüdische Friedhof ist wegen Feierlichkeiten über Pfingsten geschlossen. Wir brauchen dringend eine Pause von der Hitze und den Menschenmassen, weshalb wir unser Appartement zum Füssehochlegen und Kaffeetrinken aufsuchen.

Ein Abendspaziergang entlang der Moldau zum Tanzenden Haus

Nach dieser wohltuenden Pause fühlen wir uns wieder fit genug, um uns ins Gedrängel zu begeben. Wir gehen an der Karlsbrücke vorbei und folgen immer der Moldau. Beim geniessen der Aussicht auf den Hradschin lassen wir unseren Blick auch übers Wasser schweifen und halten erstaunt inne. Zwei Tiere erregen unsere Aufmerksamkeit – aber wer sind sie? Den Biber konnten wir recht schnell ausschliessen, für eine Wasserratte sind sie viel zu gross. Beim Blick in die Datenkrake bekommt die Vermutung, dass es sich um Nutrias handeln könnte, Bestätigung. Wir beobachten hier zwei fett gefressene Nutrias, die die Touristen oben an der Strasse anbetteln. Wie diese beiden wohl in die Moldau kommen?

Bild Nutria in der Modlau schwimmend zeigt das grosse schwimmende Nagetier
Nutria in der Modlau schwimmend, Prag

Das Wasser bleibt interessant. Als nächstes sehen wir die langen Schlangen an den verschiedenen Tretbootvermietern. Auch bei den Kugeln, mit denen man auf dem Wasser laufen kann, wartet Kundschaft. Mein Ding wäre es nicht, eingeschlossen in einer Luftblase auf dem Wasser herumzufallen oder wie ein Hamster im Rad zu laufen.

Bild Wasserspass auf der Moldau zeigt bunte Plastikkugeln, in denen sich Personen rollend auf dem Wasser fortbewegen. Im Hintergrund sieht man Tretboote und die Brücke.
Wasserspass auf der Moldau, Prag

Inzwischen sehen wir schon das Tanzende Haus in der Ferne. Für ein Foto ohne Fahrleitungen, Personen und Fahrzeuge muss ich mich fast überfahren lassen. Die beiden Hausteile schmiegen sich wie Fred Astaire und Ginger Rogers aneinander, weswegen das Haus auch Ginger & Fred genannt wird.

Bild Tanzendes Haus, Prag zeigt das 1996 erstellte Haus in moderner Architektur, welches ein Tanzpaar nachempfindet.
Tanzendes Haus, Prag

Wir folgen nun dem Weg zum Karlsplatz. Der Weg führt uns an den Einschusslöchern der St. Kyrill und Method Kirche vorbei. Die Einschusslöcher stammen von den Nazis, die die Attentäter des Reichsprotektors Heydrich 1942 bis zu dieser Kirche verfolgt hatten. In der Kirche erinnert eine Ausstellung an die Ereignisse jener Zeit.

In den Parkanlagen des Karlsplatz gibt es viele Parkbänke, die zum Ausruhen einladen. Wir gehen durch die Stadt zurück und suchen uns etwas zum Abendessen.

Abschied von Prag

Am nächsten Morgen heisst es Abschiednehmen von Prag. Da es am Abend nicht so laut war, hatten wir die Fenster offengelassen, aber die Stadt erwacht heute am Pfingstmontag früh. Hier ist scheinbar kein Feiertag, denn die Menschen eilen zur Arbeit. So nutzen wir den Gang zum Brötchenholen für einen Umweg und gehen noch einmal an der Rathausuhr vorbei. Wir haben die perfekte Position, denn ausser den obligatorischen asiatischen Hochzeitspaaren und ihrer Crew ist nicht viel los.

Endlich rückt der Zeiger auf die Acht vor, aber es passiert absolut nichts. Die Türen öffnen sich nicht, das Skelett zieht nicht an der Glocke, der Hahn kräht nicht. Jetzt wissen wir immerhin was der Reiseführer damit meinte, als er schrieb, dass die Rathausuhr gelegentlich Störungen hätte. Für 8 Uhr fehlt offensichtlich ein Zahnrad, was den Mechanismus in Gang setzt. So gehen wir über den Platz, kaufen unsere Brötchen und geniessen das Frühstück bevor es ans Packen geht.

Bild Häuser am Altstädter Ring, Prag zeigt den grossen, noch relativ leeren Platz mit zwei Brautpaaren.
Häuser am Altstädter Ring, Prag

Fazit des Wochenendausflugs

Prag ist mehr als eine Reise wert. Trotz der vielen Menschen strahlt Prag einen ganz eigenen Charme aus. Im Reiseführer stand der Satz: «Die Schweizer haben die Uhren, die Prager die Zeit.» So kann man es vielleicht auch umschreiben.

Beim nächsten Besuch hätten wir gern mehr Zeit, um auch die eine oder andere Sehenswürdigkeit von Innen zu besichtigen. Mehr Zeit, uns durch die Gärten treiben zu lassen. Prag könnte man auf viele Arten erkunden. Mich würde es beispielsweise reizen, mal den Skulpturen von David Cerný durch Prag zu folgen. Neben Miminka und dem Trabi auf vier Füssen (Quo Vadis, Original steht in Leipzig) gibt es unzählige Skulpturen mehr, die in der ganzen Stadt verstreut zu finden sind (u.a. Horse, Metalmorphosis, Man Hanging Out, In Utero, Piss, Brown Nosers, Fast Tuned Skull).

Auch sonst stehen in der Stadt viele Skulpturen wie die des kopflosen Mannes auf dessen Schultern Franz Kafka sitzt.

Bild Skulptur Kopfloser Mann auf dessen Schultern Franz Kafka sitzt - Franz Kafka Denkmal, Prag ist ein Denkmal am Geburtshaus von Franz Kafka
Skulptur Kopfloser Mann auf dessen Schultern Franz Kafka sitzt, Franz Kafka Denkmal Prag

Bei schlechtem Wetter könnte ich mir auch mal eine Kaffeehaustour durch Prag vorstellen. Natürlich würde ich gern den Bücherturm in der Municipal Library of Prague sehen, genauso wie die Bibliothek des Klosters Strahov.

Man könnte auch auf den Spuren des literarischen Prags wandeln. Berühmte Verfasser deutschsprachiger Literatur sind Franz Kafka, Rainer Maria Rilke, Franz Werfel, Egon Erwin Kisch. Natürlich würde es auch Spass machen, einmal durch die Antiquariate und Buchhandlungen zu stöbern und den unzähligen Kirchen einen Besuch abzustatten.

An Ideen mangelt es uns nicht, wir kommen wieder nach Prag.

Pfingsten 2019

Übernachtet oder besser gewohnt haben wir in den Veleslavinova Apartments im Herzen der Stadt, 5 Minuten zu Fuss von der Karlsbrücke. Natürlich gibt es auch andere Unterkünfte in Prag.

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3 Kommentare zu “Ein Wochenende in der goldenen Stadt an der Moldau – Prag”

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