02 – Allerlei Tiere und ein Gletscher zum Verlieben – El Calafate

Bild Perito Moreno Gletscher
Perito Moreno Gletscher

Gletschertrekking auf dem Perito Moreno Gletscher

Anreise nach El Calafate

Am Vormittag fliegen wir von Ushuaia nach El Calafate. Der Flug ist unspektakulär. Vom Flughafen zu unserer Unterkunft nehmen wir ein Taxi. Dazu müssen wir uns in die Schlange der Wartenden an einem Stand im Inneren des Flughafens einreihen. Endlich an der Reihe können wir das Taxi bestellen und bezahlen. Nun müssen wir uns mit unserer Wartenummer in Geduld fassen. Alle mit dem Flugzeug angekommenen Passagiere, die nicht abgeholt werden oder ihr Auto auf dem Flughafenparkplatz haben, müssen ein Taxi nehmen, um in die Stadt zu kommen. Kommt ein Taxifahrer zurück zum Flughafen, bekommt er die nächste Nummer auf der Warteliste zugeteilt. Die Grösse des Autos spielt bei der Zuteilung keine wirkliche Rolle. Unser Taxi ist mal wieder zu klein, so dass Jörg erneut mit der Reisetasche auf den Knien beladen wird.

Mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit jenseits aller Tempolimits und sonstiger Verkehrsregeln bringt uns der Taxifahrer zu unserer Unterkunft in El Calafate. Wir schätzen uns glücklich, gesund angekommen zu sein und können auch gleich unsere Unterkunft beziehen.

Laguna Nimez in El Calafate

Noch ohne Mietwagen, den wir erst für den nächsten Tag gebucht haben, beschliessen wir, zu Fuss zur Lagune Nimez zu laufen. Mit dem Stadtplan der Vermieterin suchen wir unseren Weg. So ganz entspricht der Plan nicht den tatsächlichen Verhältnissen. Der Weg zieht sich ungemein und ist für die Mädels nur erträglich, weil es hier unglaublich viele frei herumrennende Hunde gibt, die Spass daran haben, unsere Familie ein Stück zu begleiten. Süsse, halb verhungert aussehende Katzenbabies zwingen uns eine Pause einzulegen. Bevor die Kinder diese ernsthaft adoptieren und mitnehmen, nötigen wir sie weiterzugehen.

Für die Lagune Nimez muss Eintritt bezahlt werden, wobei Kinder unter 16 Jahren freien Eintritt geniessen. Sehr schön ist, dass die Eintrittstickets 7 Tage lang zum Wiedereintritt berechtigen. Hat man mehr Zeit, empfiehlt es sich, die Lagune zu verschiedenen Tageszeiten zu besuchen. Am Eingang können Ferngläser gemietet werden. Der 3 km lange Rundweg führt auch an verschiedenen Beobachtungshäusern vorbei.

Bild Laguna Nimez, El Calafate, das Bild zeigt hohe Gräser in Herbstfarben, Wasser und Berge
Laguna Nimez, El Calafate

Die idyllisch vor dem Lago Argentino gelegene Lagune ist bekannt für ihren Vogelreichtum. Gleich am Anfang unserer Tour fühlt sich ein Sperber von unserer Anwesenheit gestört und fliegt Scheinangriffe.

Bild Sperber bereit wieder dicht über unsere Köpfe zu fliegen, Lagune Nimez, El Calafate
Sperber bereit wieder dicht über unsere Köpfe zu fliegen, Laguna Nimez, El Calafate
Bild 2 Spiegelung in der Laguna Nimez, El Calafate
Spiegelung in der Laguna Nimez, El Calafate
Bild Spiegelung mit Vogelbeobachtungshaus, Laguna Nimez, el Calafate
Spiegelung mit Vogelbeobachtungshaus, Laguna Nimez, El Calafate

Neben Enten, Gänsen und Flamingos sehen wir auch einige kleinere Vögel. Vielleicht liegt es an der Tageszeit, dass nicht so viele Vögel unterwegs sind. Auf unserem Spaziergang sehen wir hier auch zum ersten Mal die Berberitzenart, die El Calafate ihren Namen gegeben hat. Fasziniert sind wir von den Herbstfarben der Gräser. Am Ende des Rundganges stehen sogar noch Pferde fotogen in der Landschaft.

Bild Vogel auf Strauch mit Blick zur Laguna Nimez, el Calafate
Vogel, Laguna Nimez, El Calafate
Bild Pferde im hohen Herbstgras, Laguna Nimez, El Calafate
Pferde, Laguna Nimez, El Calafate

Der Weg zurück in die Unterkunft zieht sich wieder in die Länge. Nach einer kurzen Pause in der Unterkunft müssen wir aber noch einmal los. Der Hunger möchte besänftigt werden. Auf Empfehlung der Vermieterin besuchen wir das Restaurant La Tablita. Dort essen wir die besten Steaks und den besten Grillkäse in ganz Argentinien. Die Portionen sind allerding gigantisch. Die Mädchen teilen sich immer eine Hauptspeise, damit noch etwas Platz für ein Dessert bleibt. Ohne Reservation müssen wir im voll ausgebuchten La Tablita eine ganze Weile warten.

Zu unserem Erschrecken stellen wir fest, dass seitlich am Eingang des Restaurants auch halbe Tiere über einem Grill aufgespannt braten. Die Kinder sehen es glücklicherweise nicht. Während wir draussen warten, helfen uns die Hunde, die uns wieder begleitet haben, die Mädels abzulenken. Satt und zufrieden rollen wir nach dem Essen den Berg wieder hoch und fallen ins Bett.

Der Perito Moreno Gletscher verzaubert uns

Nach dem Frühstück, welches noch karger als das in Ushuaia ist (selbst O-Saft und Milch werden aus Pulver angerührt), machen wir Eltern uns auf den Weg in die Innenstadt, um unseren Mietwagen abzuholen. Die Mädchen bleiben lieber im Zimmer und lesen. Dieses Mal werden wir lange von einem Hund begleitet. Er wartet sogar auf uns, während wir die Bank besuchen, um uns mit neuem Bargeld einzudecken. Allerdings spuckt der Bancomat kein Geld aus. Am Abend erfahren wir von unserer Vermieterin, dass dies montags öfter so ist, weil die Automaten vom Wochenende her leer sind und erst im Laufe des Tages aufgefüllt werden.

Während wir uns schon Gedanken machen, ob wir unseren Begleithund im Auto wieder mit zurücknehmen sollen, wechselt er kurz vor Erreichen des Autovermieters die Strassenseite und verschwindet genauso plötzlich wie er gekommen ist. Beim Autovermieter erwartet uns dieses Mal ein sauberes Auto. Für das Fahren zum Perito Moreno Gletscher reicht uns ein kleines Stadtauto. Für die Weiterreise nach Chile tauschen wir es dann gegen einen 4 x 4 Pickup um.

Mit dem kleinen roten Auto holen wir die Mädels ab und fahren auch direkt zum Perito Moreno Gletscher. Schon die Fahrt ist landschaftlich ein Erlebnis. Vom Parkplatz eilen wir dann auf Laufstegen zum Gletscher. Je näher wir kommen, umso mehr haben wir Angst einen spektakulären Abbruch zu verpassen. Es knackt, knirscht und knallt.

Endlich vis-a-vis vom Gletscher, sind wir überwältigt. Die Augen können nicht überall gleichzeitig sein, aber es passiert immer wieder mal hier und mal da ein Abbruch. Das Eis landet dann schäumend im Wasser. Die Nase, auf die wir wetten, dass sie als nächstes abbricht, steht auch am nächsten Tag noch.

Bild Die Farben des Gletschers, spitze Gletscherzacken schimmern von weiss bis blau von schwarzen Linien durchzogen
Die Farben des Gletschers
Die Abbruchnase auf die wir wetten, bleibt stehen
Bild Abbruch eines ganzen Zacken, Perito Moreno Gletscher, an der Abbruchkante des ca. 70 m hohen Eisblocks leuchtet das Eis gletscherblau
Abbruch eines ganzen Zacken, Perito Moreno Gletscher

Nach zweieinhalb Stunden verlieren die Mädels leider die Geduld, so dass wir uns schweren Herzens vom Gletscher trennen. Auf dem Rückweg steuern wir noch die Abfahrtstelle für die Bootstouren an. Nur leider scheint ausser ein paar verlassenen Autos keine Menschenseele dort zu sein.

Als wir schon aufgeben wollen, entdeckt Jörg bei den Schiffen einen älteren Herrn, der aber nicht ein Wort Englisch spricht. Mit unseren geringen Spanisch-Kenntnissen bringen wir in Erfahrung, dass das Schiff gleich auf die andere Seite des Sees fährt, um dort Leute von einem Gletschertrekking abzuholen. Wir werden eingeladen mitzufahren, was wir gerne annehmen. Extra für uns fährt das Schiff dann näher an die Gletscherwand. Erst da wird uns bewusst, wie hoch dieser Gletscher mit seinen 60 – 80 Metern ist. Um den Mädels zu zeigen, dass das Eis eigentlich farblos ist, obwohl der Gletscher in den schönsten Blautönen schimmert, wird ein kleiner Eisberg aus dem Wasser gefischt. Viel zu schnell kommen wir auf der anderen Seite an, wo schon viele Leute warten.

Bild Rückblick vom Boot aus auf den Perito Moreno Gletscher
Rückblick vom Boot aus auf den Perito Moreno Gletscher

Am Ende der Schiffstour geben wir unserem Bedauern Ausdruck, dass wir leider kein Gletschertrekking machen können, weil die Mädels die Altersgrenze nicht erfüllen. Aber da holt der ältere Herr, der ein bisschen so aussieht, wie wir uns den Weihnachtsmann vorstellen, eine Visitenkarte hervor und schreibt etwas Unleserliches auf die Rückseite. Wir sollen ins Office in der Stadt gehen und diese Karte abgeben.

Beim Abschied dürfen wir die Schiffstour immer noch nicht bezahlen und auch ein Trinkgeld wird nicht angenommen. So bedanken wir uns herzlich und fahren zurück nach El Calafate. Da probieren bekanntlich über studieren geht, halten wir am Office für die Gletschertrekkings und erzählen nun in Englisch von unserer Begegnung mit dem älteren Herren und geben der Angestellten die Visitenkarte.

Sie ist total überrascht, denn bei unserem Weihnachtsmann handelt es sich um den Besitzer des Unternehmens. Auf der Visitenkarte hat er den Mädchen eine Ausnahmegenehmigung für das Gletschertrekking erteilt. Wir haben sogar das Glück noch vier freie Plätze für den nächsten Tag zu ergattern. Das klappt auch nur, weil wir keinen Bustransfer brauchen, denn die Bustouren sind bereits ausgebucht.

Gletschertrekking auf dem Perito Moreno Gletscher

Am nächsten Tag haben wir genug Zeit, um es ein weiteres Mal beim Bankautomaten zu versuchen. Diesmal haben wir Glück und der Automat spuckt Geld aus, aber nur Hunderter. Während Jörg unserem durstigen Kleinwagen mit einem offensichtlich sehr kleinen Tank etwas zu trinken gibt, versuche ich im Supermarkt etwas Wasser und Obst zu jagen. Die Kassen, die ich während des Wartens beobachte, haben nur sehr selten Münzgeld und immer zu wenig kleine Scheine. Eine Supervisorin macht nichts anderes als 100er Noten zu wechseln. Bei den Beträgen wird grosszügig zu Gunsten des Käufers gerundet. Das Angebot an Obst und Gemüse entspricht nicht so ganz meinen Vorstellungen, entweder ist es überlagert oder unreif. So halten wir auch noch bei einer Bäckerei, die einem Tortenparadies gleicht und kaufen für ein Picknick verschiedene Sandwiches.

Da sich jeder etwas anderes ausgesucht hat, bemerken wir erst nachdem Morgaine schon ein Viertel ihres Sandwiches gegessen hat, dass ihres schlecht ist. Sie dachte, der komische Geschmack kommt vom Käse, weswegen sie wollte, dass wir ihn herunternehmen.

Immerhin, die Folgen des schlechten Sandwiches müssen wir erst in der Nacht ausbaden. Das Gletschertrekking wird uns nicht vermiest.

Bild Perito Moreno Gletscher und Schiffsanlegestelle
Perito Moreno Gletscher und Schiffsanlegestelle

Am Hafen müssen wir warten, bis die anderen Tourteilnehmer mit dem Bus angereist sind. Anschliessend geht es direkt mit dem Schiff auf die andere Seite des Gletschers. Dort werden wir in zwei Gruppen nach Sprachen (Englisch/Spanisch) aufgeteilt. Alle werden ermuntert nur das nötigste Gepäck mitzunehmen und den Rest dort in Regalen zu verstauen. Die Mädels lassen bereitwillig ihre Rucksäcke da. Erst später fällt uns ein, dass auch die Mädels in ihren Rucksäcken Notfallumschläge, u.a. mit US-Dollar, haben. Die Rucksäcke warten aber brav auf unsere Rückkehr ohne etwas von ihrem Inhalt einzubüssen.

Auf dem Weg zum Gletschereinstieg bekommen wir einige Informationen über den Gletscher. Der Perito Moreno Gletscher ist einer von 46 Gletschern in Patagonien und nur wegen seines einfachen Zugangs so berühmt geworden. In den Bergen oberhalb des Gletschers gibt es jährlich ca. 8.000 mm Niederschlag, so dass der Gletscher noch wächst und das Gewicht ihn nach unten schiebt. Der Perito Moreno Gletscher schiebt sich an den Rändern täglich 15cm und in der Mitte bis zu 3m täglich talwärts. Er ist ca. 2 km breit. Die wilde Form des Eises ergibt sich durch den unterschiedlich geformten Untergrund.

Bild Am Rande des Perito Moreno Gletschers, das Bild zeigt den felsigen Untergrund, den Lago Argentino mit Eis und das sich mächtig erhebenden Eis mit seinen Spitzen
Am Rande des Perito Moreno Gletschers

Das Gletschertrekking findet am Rand des Gletschers statt. Bevor es dann endgültig auf den Gletscher geht, bekommen wir noch die richtige Ausrüstung in Form von Steigeisen, die wie Römersandalen unter die Schuhe gebunden werden. Die Steigeisen machen ihrem Namen alle Ehre. Sie haben ein erstaunliches Gewicht. Anschliessend bekommen wir noch eine Einführung ins Laufen mit Steigeisen. Breitbeinig ist das A und O, damit man sich mit den Füssen nicht verheddert und abwärts soll man wie beim Skifahren leicht in die Knie gehen.

So geht es los. Die Mädels dürfen als erste gehen und haben immer eine sichernde Hand in der Nähe. Sie bekommen eine richtige VIP-Behandlung. Sie dürfen in jede Gletscherspalte sehen, jeder Wasserfall im Eis wird ihnen gezeigt. Bei allem werden sie immer einzeln hingeführt und gut festgehalten. Die Tour endet an der Gletscherbar mit einem Whisky on the rocks für die Erwachsenen.

Bild Blick vom Perito Moreno Gletscher auf den Lago Argentino, im Vordergrund das mal blaue und mal schmutzige Eis, am linken Rand hellbraune vom Eis geglättete Felsen, rechts höhere Berge und der Lago Argentino
Blick vom Perito Moreno Gletscher auf den Lago Argentino

Die Mädchen sind genauso begeistert wie wir Eltern. Wenn es nach uns ginge, würden wir kurz ausruhen und dann bitte weiter und immer weiterlaufen. Es gibt auch Mehrtagestrekkings ….

Nachdem wir die Steigeisen ausgezogen haben, fühlen wir uns federleicht und hüpfen durch einen Wald zurück zum Bootsanleger, in dem Spechte eifrig das Holz bearbeiten. Mit dem Schiff geht es wieder auf die andere Seite und mit dem Auto zurück in die Unterkunft.

Bild Specht mit rotem Kopf und schwarzem Körper
Specht

Wir essen noch etwas, wobei Morgaine da schon streikt. In der Nacht wissen wir dann definitiv, dass das Sandwich ihr ordentlich den Magen verdorben hat.

So tauschen wir am nächsten Morgen recht müde unser kleines Auto in einen Amarok um und machen uns auf den Weg nach Chile, in den Torres del Paine Nationalpark.

Die anderen Beiträge zur Reise in Argentinien findet ihr unter den folgenden Links:


Die Beiträge zu den Teilen unserer grossen Südamerika-Reise 2014 in andere Länder findet ihr unter:

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