Meine erste Schulwoche in Irland

Morgaine in Irland

Heute berichte ich euch von meinem chaotischen ersten Schultag und den vier darauf folgenden Schultagen an meiner irischen Schule. Ich besuche hier das Transition Year.

Schon das ganze Wochenende war ich super nervös. Was wird mich an meinem ersten Schultag erwarten. Wie werden meine Mitschüler sein? Aus welchen Fächern kann ich meinen Stundenplan im Transition Year zusammenstellen? Die Nervosität hat mich all meine Schoggivorräte aus dem „ich friere Hilfspaket“ gekostet. Und plötzlich oder auch endlich war Montag …

Mein erster Schultag

Mein erster Schultag beginnt 7.00 Uhr. Gegenüber zu Hause ist das fast wie ausschlafen, denn da stehe ich 5.45 Uhr auf. An meinem ersten Schultag in Irland frühstücke ich nur eine Kleinigkeit. Vor lauter Nervosität kann ich nicht wirklich essen.

Anschliessend stelle ich mich der Herausforderung Schuluniform. Zu Hause hatte ich schon das Binden der Krawatte geübt. Aber die Knöpfe der Bluse brauchen Zeit bis sie zugeknöpft sind. Nach gut 15 Minuten bin ich zufriedenstellend angezogen und frisiert.

Dank Google maps finde ich die Schule auch wieder. Obwohl sie nicht so weit entfernt ist, brauche ich fast eine halbe Stunde zu Fuss, weil die Ampelschaltungen Fussgänger stark benachteiligen. Erst wartet man ewig auf Grün und dann muss man einen Sprint einlegen, um über die Strasse zu kommen. Dass es zur besonderen Freude am ersten Schultag regnet, hatte ich glaube ich schon im Beitrag über die Schuluniform erwähnt. Mit meiner Regenjacke bleibe ich zwar oben herum trocken, aber mein Faltenrock saugt sich voller Wasser. Ich muss mir doch unbedingt einen Regenschirm kaufen, auch wenn ich keine Ahnung habe, wie das mit dem Wind funktionieren soll.

Obwohl nass, führt mein Faltenrock ein erstaunliches Eigenleben und ist fast nicht zu bändigen.

Überpünktlich und froh erreiche ich das grosse Tor der Schule und begehe den ersten Fehler. Ich gehe rein und melde mich beim Sekretariat. Da ich zu früh bin, werde ich wieder nach draussen begleitet. Immerhin komme ich zu Mädchen, die auch ins Transition Year gehen.  

Wo bin ich und wo gehöre ich hin?

Da die Mädchen kurze Zeit später reingehen, folge ich ihnen bis ins Klassenzimmer. Im Klassenzimmer ist jeder einzelne Tisch mit einem Namen versehen. Meinen Namen konnte ich nirgendwo entdecken. So setzt mich der Lehrer einfach an einen freien Tisch und beginnt ohne Vorstellung, Begrüssung oder Ähnliches mit dem Unterricht. Ein warmes Willkommen am ersten Schultag sieht anders aus.

Selbst wenn der Unterricht für die irischen Schüler bereits vor einer Woche gestartet ist, finden sich hier doch heute mehrere Austauschschüler zum ersten Mal ein.

Ich wusste weder, ob ich wirklich in der richtigen Klasse bin, noch welches Fach gerade unterrichtet wird. Wir sind die irischen Fahrregeln durchgegangen. Yeah, ich lerne etwas Praktisches. In Irland darf man schon mit 16 den theoretischen Führerschein erwerben. Später am Tag habe ich herausgefunden, dass es sich bei diesem Fach um Computer Studies handelt. Die Stunden wurden wohl getauscht.

Schon in der 2. Stunde prüft der jetzt unterrichtende Lehrer die Absenzen. Da mein Name aufgerufen wird, muss ich wohl doch in der richtigen Klasse sein.

Dank der netten Lehrerin der 4. Stunde, bekomme ich einen Stundenplan und einen Kalender. Denn ohne Namen auf dem Tisch gab es auch keine Tüte mit den wichtigen Schulutensilien. Jetzt weiss ich schon einmal, welches Fach ich als nächstes haben werden und wo ich hin muss.

Mein Stundenplan in Irland - erster Schultag in Irland im Austauschjahr
Mein Stundenplan in Irland

So wie es aussieht, habe ich einen vorgegebenen Stundenplan im Transition Year und kann mir die Fächer nicht selbst zusammenstellen, wie mir das im Vorfeld in Aussicht gestellt worden war. Auch scheinen die Firmenbesuche wegen Corona gestrichen worden zu sein.

Von den anderen beiden Schülern, die von meiner Partnerorganisation in Irland betreut werden, habe ich erfahren, dass es auch anders geht. Sie hatten einen ganzen Willkommenstag an ihrer Schule und können sich sehr wohl ihre Fächer zusammenstellen.

Immerhin habe ich in der Mittagspause zusammen mit einer Austauschschülerin aus Deutschland gegessen, welche ebenfalls ihren ersten Schultag hatte und in meiner Klasse ist. Als der erste Schultag endlich vorbei war, war ich immer noch nicht wirklich schlauer, wie die Schule funktioniert, aber ich war nicht mehr allein und das war alles was im Moment zählte.

Jeder Tag ist spannend in der ersten Schulwoche im Schüleraustausch

In der ersten Woche bringt jeder Tag etwas Neues. Mathematik unterteilt sich in Theorie und angewandte Mathematik. Eingedenk der Warnung von unserer Betreuerin vor Ort, dass es irische Lehrer nicht schätzen von ausländischen Schülern korrigiert zu werden, halte ich die Klappe. Frage dann aber doch sicherheitshalber meinen Vater per Skype am Abend, ob ich oder der Lehrer einen Denkfehler macht. Der Stoff, der hier behandelt wird, liegt bei mir über zwei Jahre zurück. Aber es ist gut, dass ich das Thema kenne, so kann ich mich auf das Englisch konzentrieren.

In meinem Kalender, der ein Zwischending zwischen Hausaufgaben- und Mitteilungsheft ist, gibt es auch eine genaue Anleitung zum Selbstlernen - mein erster Schultag in Irland
In meinem Kalender, der ein Zwischending zwischen Hausaufgaben- und Mitteilungsheft ist, gibt es auch eine genaue Anleitung zum Selbstlernen

Wir haben Fächer wie Horticulture, wo wir Beete anpflanzen und Unkraut jäten. In Kunst entwerfen wir Bühnenbilder für Rotkäppchen als Theaterstück, was jetzt ein Film werden soll. Wobei das Stück nichts mit dem Rotkäppchen aus Grimm’s Märchen zu tun hat. Im Moment lesen wir noch die Textseiten. In Hauswirtschaft sprechen wir über Armut und was es bedeutet arm zu sein. Zusätzlich lernen wir etwas über Charity (Wohltätigkeit).

Biologie lehrt mich das menschliche Skelett auf Englisch. Irritierend, wenn von einem Joint gesprochen wird und man damit ein Gelenk meint. In Sport lernen wir die Muskeln über Fitnesstests dazu. (Meine Fitness mit Maske hält sich leider in Grenzen). Alles wird irgendwie fächerübergreifend unterrichtet.

Lehrbücher gibt es keine. Irgendwann demnächst sollen wir stattdessen Laptops erhalten. Wie das dann mit dem Schul-WLAN funktioniert nimmt mich Wunder.

Hier in Irland ist man in Bezug auf Corona extrem vorsichtig. Wir müssen in der Schule die ganze Zeit Maske tragen (auch während des Unterrichts) und mindestens einen Meter Abstand halten. Die Hände müssen wir so oft desinfizieren, dass ich bei meinem ersten Einkauf Handcreme auf die Einkaufsliste gesetzt habe. So chaotisch es auf der einen Seite ist, so sehr kontrolliert ist es auf der anderen Seite. Bewegungsfreiheit sieht anders aus. Ich war in der grössten Schule des Kantons Zürich, der KZN mit über 2.000 Schülern und jetzt bin ich auf einer Schule mit ca. 150 Schülern. Welch ein Kontrastprogramm.

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