Lake Manyara ein Paradies für Vögel und Affen

Bild Blick auf den Lake Manyara vom Aussichtspunkt zeigt Teile der bewachsenen Klippe, den waldigen Teil des Nationalparks und den flachen See, der mit dem Horizont eins wird.
Blick auf den Lake Manyara vom Aussichtspunkt

Pünktlich 7.45 Uhr ist Abfahrt im Guesthouse in Richtung Lake Manyara. Auf dem Weg dorthin durchqueren wir erstmals die Stadt Arusha. Die Stadt ist ein einziges Verkehrschaos aus Mopeds, überladenen kleinen Bussen, LKWs und jeder Menge Safari Autos, die unserem aufs Haar gleichen.

Da Amini, unser Guide, noch eine Picknickdecke kaufen möchte, fahren wir quer durch die Innenstadt. Der Weg führt auch durch die Strasse, die wir im Film «Hatari» schon einmal gesehen haben. Den Häusern sieht man an, dass sie schon bessere Zeiten gesehen haben.

Die Innenstadt ist – wie unsere Städte im Mittelalter – streng sortiert nach den verschiedenen Gewerben. In einer Strasse sind nur Autoverwerter, die Ersatzteile verkaufen. In einer anderen Strasse sind die Schneider, da kaufen wir unsere Picknickdecke. Wir durchqueren auch Strassen, an denen die Holzhändler und die Möbelverkäufer ihre Waren anbieten. Anschliessend fahren wir noch am grossen Markt vorbei. Der Markt ist riesig und bietet jede exotische Frucht an, die man sich vorstellen kann. Es werden auch viele uns unbekannte Blätter zum Verkauf angeboten. Manche Blätter werden zu Beilagen verarbeitet andere zu Medizin.

Die Strasse führt uns entlang vieler junger Männer mit ihren Mopeds. Amini erklärt uns, dass es sich um eine Art Taxi auf zwei Rädern handelt und die jungen Männer auf Kundschaft warten. Diese Art des Transportes scheint aber nicht ganz ungefährlich zu sein, da viele Fahrer keinen Führerschein besitzen.

Ausserhalb Arushas kommen wir an verschiedenen Ablegern der International School vorbei. Diese Schulen liegen in parkähnlicher Umgebung und machen äusserlich einen sehr guten Eindruck. Im Gegensatz dazu war den staatlichen und auch kirchlichen Schulen häufig der Geldmangel anzusehen. Die Mädels interessieren sich für das Schulsystem in Tansania. Amini erklärt, dass es in Tansania eine Schulpflicht von 7 Jahren gibt. Der weitere Schulbesuch hängt dann jedoch vom Geldbeutel der Eltern ab. Die ersten 7 Jahre können alle kostenlos die Schule besuchen. Theoretisch wäre sogar das Schulmaterial frei. Praktisch ist es jedoch so, dass häufig kein Geld dafür vorhanden ist, so dass die Eltern dann die Sachen kaufen müssen.

Nach den letzten Kaffeeplantagen wechselt die Landschaft. Wir kommen in Massai-Land. Die Massai ziehen mit ihrem Vieh auf dem im Moment recht kargen Land umher. Nach dem Regen muss es wunderschön blühen. Die Massai haben grosse Wasserlöcher gegraben, in denen sie das Regenwasser auffangen, um ihr Vieh zu tränken. Die Bodenerosion ist teilweise heftig. Die Massai schicken nur die Kinder zur Schule, die fürs Viehhüten nicht benötigt werden.

Amini erzählt uns während der Fahrt über das Leben und Traditionen der Massai. Sie haben es geschafft, ihr traditionelles Leben ins 21. Jahrhundert zu retten. Die Errungenschaften der modernen Technik fangen aber an, Einzug ins halbnomadische Leben zu halten. So haben wir vereinzelt Rundhütten mit Solaranlagen auf dem Dach gesehen und auch das Mobiltelefon ist recht weit verbreitet. Leider ist auch das Thema Frauenbeschneidung, obwohl verboten, noch nicht wirklich durchgesetzt, weil der soziale Druck von Grossmüttern auf Mütter und ihre Töchter enorm hoch ist.

Kurz bevor wir unser Ziel erreichen, ändert sich die Landschaft wieder. Plötzlich ist überall Wasser, Reis wird angebaut, die Vegetation wird tropisch. Neben der Strasse sind tiefe Gräben, die ahnen lassen, wieviel Regen in kurzer Zeit fallen kann. Über die Gräben führen in grösseren Abständen Brücken. Zwischen diesen Brücken führen abenteuerliche Konstrukte über die Gräben. Dicht an dicht stehen die Häuser. Viele Häuser haben zur Strasse hin einen Verkaufsraum und sind dann lang nach hinten gebaut.

Und schon fahren wir durch den imposanten Eingang mit zwei künstlichen Wasserfällen zum Lake Manyara Nationalpark.
Auf dem Parkplatz ist richtig viel los. Entsprechend dauert auch das Anmeldeprozedere. Die Einfahrt in den Park erfolgt in Kolonne. Erstaunlicherweise kommen uns die ersten Safariautos schon wieder entgegen. Auch wenn hinter dem eigenen Auto eine lange Schlange von Autos steht, ist doch Zeit für ein kurzes Schwätzchen.

Der Weg führt durch einen dichten Wald. Nach ein paar Hundert Meter kann die Safari beginnen. Eine Gruppe Diadem Affen befindet sich rechts und links des Wegesrandes.

Bild Diadem Affen - Lake Manyara zeigt einen Affen am steinigen Bachufer.
Diadem Affen – Lake Manyara

Der Wald verdankt seine Üppigkeit dem Grundwasser. Das Wasser sickert im Ngorongoro-Kratergebiet nach unten und bildet so eine unterirdische Lebensader. Nicht nur die Affen finden in diesem dichten Wald einen perfekten Lebensraum, offensichtlich gefällt es den Elefanten auch hier. Sie kommen überall aus dem Wald und überqueren die Strasse.

Bild Elefant - Lake Manyara zeigt einen aus dem Wald kommenden Elefanten beim Überqueren der Strasse. Im Maul hat er noch Grünzeug.
Elefant – Lake Manyara

Wir fahren aus dem Wald heraus zu den sumpfigen Ufern des Lake Manyara. Der See ist stark alkalisch und ohne Abflüsse. So variiert seine Grösse in Abhängigkeit von der der Jahreszeit und den Regenmengen erheblich.

Wir beobachten viele Vögel bei der Nahrungssuche. Mir hat es ein Sattelstorch angetan. Er fischt einen Fisch nach dem anderen aus dem trüben Sumpf. Die Wege sind meist so breit, dass man andere Autos nicht behindert, weil sie bis auf wenige Schmalstellen überholen können.

Bild Sattelstorch - Lake Manyara zeigt einen Sattelstorch mit farbenprächtigen Schnabel in Rot, Schwarz und Gelb.
Sattelstorch – Lake Manyara
Bild Sattelstorch mit Fisch im Schnabel - Lake Manyara zeigt den Sattelstorch bei erfolgreicher Jagd. Der kleine Fisch befindet sich noch ganz vorn im Schnabel, des im Wasser stehenden Sattelstorchs.
Sattelstorch mit Fisch im Schnabel – Lake Manyara
Bild Kanada Gans- Lake Manyara zeigt zwei Gänse im Gras und Klee.
Kanada Gans- Lake Manyara

Etwas weiter entlang des Weges beobachten wir Büffel, die sich eingesunken im Sumpf durch das Gras fressen. Alle Büffel werden von zahlreichen Vögeln eskortiert.

Bild Büffel im Sumpf - Lake Manyara zeigt einen bis zur Nase eingesunkenen Büffel beim Grasen umgeben von vielen kleineren Vögeln.
Büffel im Sumpf – Lake Manyara

Wir kommen zum Hippo Pool. Durch starke Regenfälle ist Papyrus aus dem Norden zum Lake Manyara geschwemmt worden. Der Papyrus fühlt sich hier ausserordentlich wohl, so dass man vor lauter Papyrus nur noch die Wege der Hippos sieht.

So folgen wir weiter dem Sumpf und sehen einen Nimmersatt Storch. Im Vergleich mit dem viel grösseren und farbenprächtigen Sattelstorch wirkt der Nimmersattstorch eher unatraktiv.

Bild Nimmersattstorch - Lake Manyara zeigt einen Nimmersattstorch beim Fressen. Sein Schnabel ist schmutzig Gelb, der Bereich um die Augen ist orange, das Gefieder ist beige mit schwarz an den Flügelenden.
Nimmersattstorch – Lake Manyara

Auf dem Weg zum Picknickplatz steht ein Gnu ganz allein Portrait für uns.

Bild Gnu beim Grasen - Lake Manyara zeigt ein Jugendliches Gnu, welches weit entfernt von der Herde frist.
Gnu beim Grasen – Lake Manyara

Als nächstes treffen wir auf Giraffen, die es sich hier gemütlich machen und im Sitzen an den niedrigen Büschen fressen.

Bild Giraffe gemütlich sitzend vorm Strauch - Lake Manyara, zeigt eine Giraffe, die im sitzen frisst.
Giraffe gemütlich sitzend vorm Strauch – Lake Manyara
Bild Giraffe laufend - Lake Manyara zeigt wie die Giraffe schreitet. Beide Beine links sind in der Vorwärtsbewegung zu sehen.
Giraffe laufend – Lake Manyara

Auch eine Gruppe Meerkatzen ist unterwegs. Wir beobachten wie geschickt die kleinen Affen auf den Dornenbüschen herumklettern können.

Am Picknickplatz ist es richtig voll. Dennoch bekommen wir einen schönen Tisch mit Aussicht auf den See. Alle Touristen haben ähnliche Lunchboxen oder Beutel. Sie enthalten neben einem Saft, Banane oder Apfel, ein hartgekochtes Ei, ein belegtes Sandwich oder gebratene Hähnchenteile und Süssigkeiten in Form von Kuchen, manchmal auch Schokolade. Die Guides haben immer Thermoskannen mit abgekochtem, heissen Wasser für Kaffee oder Tee dabei. Da wir nicht täglich Ei oder Banane essen können, uns manches einfach nicht schmeckt, wie die gebratenen Hähnchenteile und es einfach immer viel zu viel ist, sammeln wir alle original verpackten Lebensmittel in einer Box und verschenken sie.

Bild Lake Manyara und Klippen im Dunst zeigt im Vordergrund lichten Wald, Klippen und den See
Lake Manyara und Klippen im Dunst

Nach dem Mittagessen fahren wir lange durch etwas lichtere Wälder am See. Wir suchen immer noch die auf Bäume kletternden Löwen, für die der Park so bekannt ist. In diesem Gebiet sind überall TseTse-Fliegenfallen aufgestellt. Die TseTse-Fliegen haben den gleichen Farbgeschmack wie wir. Sie stehen auf blau und schwarz. Beim Orientierungsgespräch hatten wir dies schon erfahren und uns bewusst Kleidung in anderer Farbe angezogen, soweit das möglich war.

Bild Lake Manyara - Giraffen am See zeigt das sonst überschwemmte Seeufer in Brauntönen, 2 Giraffen stehend, eine liegend. Im Hintergrund ragen Klippen auf.
Lake Manyara – Giraffen am See

Wir fahren und fahren, aber ausser ein paar Giraffen und Zebras ist hier nicht viel los. Am Seeufer stehen Gnus und Zebras. Auf dem Weg zum Ausgang im dichteren Wald sehen wir dann wieder jede Menge Paviane.

Bild Lake Manyara - Zebras zeigt eine Gruppe von 4 Zebras welche im niedrigen Buschland Grasen. Ein Zebra passt auf und schaut in unsere Richtung.
Lake Manyara – Zebras

Wir verlassen den Nationalpark und fahren in unsere 30 Minuten entfernte Unterkunft. Die Lodge steht abseits auf Massai Land, die für jeden Besucher ein Entgelt erhalten, weshalb sie genau überprüfen, wieviel Passagiere im Auto sind. Während wir dem Weg über das flache Grasland zur Lodge folgen, begegnen uns viele Schulkinder auf dem Heimweg und freuen sich riesig, wenn wir zurückwinken. Geduldig müssen wir der einen oder anderen Tierherde (meist Ziegen) den Vorrang gewähren.

Bei Ankunft in der Lodge passiert mir dann noch ein Malheur. Offensichtlich war der Kamerarucksack nicht geschlossen, so dass beide Kameras beim Aussteigen auf den betonierten Boden fallen. Glücklicherweise ergibt ein Funktionscheck, dass sie diesen Fall mit ein paar Kratzern überlebt haben.

Wie sich herausstellt sind wir die einzigen Gäste in der schönen Lodge, was ein wenig merkwürdig ist. Wir geniessen die Zeit bis zum Abendessen auf der Terrasse mit Pool. Die Kinder springen kurz in das kalte Wasser des Pools. Ich lade Bilder herunter und schreibe an meinem Reisebericht. Jörg scheint den grippalen Infekt, welche die Kinder nacheinander vor dem Urlaub durchgemacht haben, jetzt zu bekommen. Er verzichtet auch auf das Abendessen und geht früh zu Bett.

Blick Blick auf den Lake Manyara von der Lodge zeigt die glänzende Oberfläche des Sees vor im Dunst angedeuteten Bergen. Im Vordergrund sieht man einen Teil des Pools, Palmen und Dornenbüsche und dann die flache Ebene.
Blick auf den Lake Manyara von der Lodge

Alle Beiträge, die im Rahmen dieser Reiseerzählung entstanden sind, findet ihr nachfolgend als Link:

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