Lake Manyara ein Paradies für Vögel und Affen

Mit Muskelkater, aber schon lange vor dem Wecker, sind wir hell wach. Die ungewohnten Geräusche halten uns nicht mehr im Bett. So lernen wir noch die anderen beiden Gäste des Guesthouse kennen. Zwei Lehrerinnen, die ehrenamtlich in einem Waisenhaus für ein paar Wochen unterrichten. Für uns beginnt heute das richtige Safari-Abenteuer mit einer Safari im Lake Manyara Nationalpark. Nicht mehr lang und unser Traum, die Serengeti zu sehen, geht in Erfüllung. Freudige Aufregung macht sich breit.

Anreise zum Lake Manyara

Von den bewaldeten Klippen schaut man auf die weite Ebene mit dem See, der in den Horizont über geht.
Blick auf den Lake Manyara vom Aussichtspunkt

Pünktlich 7.45 Uhr ist Abfahrt im Guesthouse. Auf dem Weg dorthin durchqueren wir erstmals die Stadt Arusha. Die Stadt ist ein einziges Verkehrschaos aus Mopeds, überladenen kleinen Bussen, LKWs und jeder Menge Safari Autos, die unserem aufs Haar gleichen.

Da unser Guide Amini, noch eine Picknickdecke kaufen möchte, fahren wir einmal quer durch die Innenstadt. Der Weg führt auch durch die Strasse, die wir im Film «Hatari» schon einmal gesehen haben. Den Häusern sieht man an, dass sie schon bessere Zeiten gesehen haben.

Die Innenstadt ist – wie unsere Städte im Mittelalter – streng sortiert nach den verschiedenen Gewerben. In einer Strasse sind nur Autoverwerter, die Ersatzteile verkaufen. In einer anderen Strasse haben die Schneider ihre Geschäfte. Dort kaufen wir unsere Picknickdecke. Und schon geht es weiter. Vorbei an der Strasse der Holzhändler und Möbelverkäufer, bis wir schliesslich am grossen Markt von Arusha vorbeikommen. Auf dem Markt wird so ziemlich jede exotische Frucht, die man sich vorstellen kann, verkauft. Auch viele uns unbekannte Blätter werden zum Verkauf angeboten. Amini erklärt uns, dass manche Blätter zu köstlichen Beilagen und andere zu Medizin verarbeitet werden.

Kaum liegt das Stadtzentrum hinter uns, erregen lauter junge Männer auf Mopeds unsere Aufmerksamkeit. Es handelt sich um Taxi auf zwei Rädern. Allerdings ist diese Art des Transportes nicht ganz ungefährlich, da viele Fahrer keinen Führerschein besitzen.

Das Leben in Tansania

Ausserhalb Arushas kommen wir an verschiedenen Ablegern der International School vorbei. Diese Schulen liegen in parkähnlicher Umgebung und machen äusserlich einen sehr guten Eindruck. Im Gegensatz dazu sieht man den staatlichen und kirchlichen Schulen häufig den Geldmangel an.

Die Mädels interessieren sich für das Schulsystem in Tansania. Amini erklärt, dass es in Tansania eine Schulpflicht von sieben Jahren gibt. Der weitere Schulbesuch hängt dann jedoch vom Geldbeutel der Eltern ab. Die ersten sieben Jahre können alle kostenlos die Schule besuchen. Theoretisch wäre sogar das Schulmaterial frei. Praktisch ist es jedoch so, dass häufig kein Geld dafür vorhanden ist, so dass die Eltern dann doch die Sachen kaufen müssen.

Nach den letzten Kaffeeplantagen wechselt die Landschaft. Wir kommen in Massai-Land. Die Massai ziehen mit ihrem Vieh auf dem im Moment recht kargen Land umher. Amini erzählt uns anschaulich, wie wunderschön das Land nach dem Regen blüht. Die Massai haben grosse Wasserlöcher gegraben, in denen sie das Regenwasser auffangen, mit dem sie ihr Vieh tränken. Die Bodenerosion ist aber heftig. Die Massai schicken nur die Kinder zur Schule, die fürs Viehhüten nicht benötigt werden.

Während der Fahrt erfahren wir noch einiges über das Leben und die Traditionen der Massai. Sie haben es geschafft, ihr traditionelles Leben ins 21. Jahrhundert zu retten. Die Errungenschaften der modernen Technik fangen jedoch an, Einzug ins halb-nomadische Leben zu halten. So sehen wir vereinzelt Rundhütten mit Solaranlagen auf dem Dach und auch das Mobiltelefon ist recht weit verbreitet. Leider ist das Thema Frauenbeschneidung, obwohl offiziell verboten, noch nicht wirklich in Tansania durchgesetzt. Zu hoch ist der soziale Druck von Grossmüttern auf Mütter und ihre Töchter.

Und plötzlich ändert sich die Landschaft wieder. Überall ist Wasser, Reis wird angebaut und die Vegetation wird tropisch. Neben der Strasse verlaufen tiefe Gräben, die ahnen lassen, wie viel Regen in kurzer Zeit fallen kann. Über die Gräben führen in grösseren Abständen Brücken. Für Abkürzungen zwischen zwei Brücken sorgen abenteuerliche Konstrukte über die Gräben. Dicht an dicht stehen die Häuser. Oft haben die Häuser zur Strasse hin einen Verkaufsraum und sind dann lang nach hinten gebaut.

Der Lake Manyara Nationalpark

Zwei künstliche Wasserfälle markieren den Eingang zum Lake Manyara Nationalpark. Auf dem Parkplatz ist richtig viel los. Entsprechend lang dauert auch die Anmeldung. Die Einfahrt in den Park erfolgt in Kolonne. Erstaunlicherweise kommen uns die ersten Safari-Fahrzeuge schon wieder entgegen. Wahrscheinlich enden die Morgentouren für all diejenigen, die rund um den Nationalpark wohnen.

Freudig begrüssen die entgegenkommenden Fahrer Bekannte, auch wenn sie die ganze Kolonne von Fahrzeugen damit aufhalten. Hier hat man Zeit.

Der Weg führt uns als erstes durch einen dichten Wald. Nach ein paar Hundert Meter sehen wir die ersten Tiere. Eine Gruppe Diadem Affen befindet sich rechts und links des Weges.

Bild Diadem Affen - Lake Manyara zeigt einen Affen am steinigen Bachufer.
Diadem Affen – Lake Manyara

Der Wald verdankt seine Üppigkeit dem Grundwasser. Das Wasser sickert im Ngorongoro-Kratergebiet nach unten und bildet so eine unterirdische Lebensader. Nicht nur die Affen finden in diesem dichten Wald einen perfekten Lebensraum, offensichtlich gefällt es auch den Elefanten hier. Sie kommen überall aus dem Wald und überqueren die Strasse.

Ein Elefant kommt noch mit Grünzeug im Maul aus dem Wald und überquert die Strasse direkt vor unserem Auto. - Lake Manyara NP
Dieser Elefant überquert den Weg direkt vor unserem Fahrzeug.

Das Sumpfgebiet im Lake Manyara Nationalpark

Doch uns zieht es jetzt erst einmal zu den sumpfigen Ufern des Lake Manyara. Der See ist stark alkalisch und ohne Abflüsse. So variiert seine Grösse in Abhängigkeit von der Jahreszeit und den Regenmengen erheblich.

Wir beobachten viele Vögel bei der Nahrungssuche. Mir hat es ein Sattelstorch angetan. Er fischt einen Fisch nach dem anderen aus dem trüben Sumpf. Die Wege sind meist so breit, dass man andere Autos nicht behindert, weil sie bis auf wenige Schmalstellen überholen können.

Der Sattelstorch steht is fast zu den Kniegelenken im Sumpf und hält einen Fisch im Schnabel.
Ein Sattelstorch beim Fischfang im Lake Manyara Nationalpark
Zwei Kanada Gänse beim Fressen im Lake Manyara NP
Kanada Gänse

Etwas weiter entlang des Weges beobachten wir Büffel, die sich eingesunken im Sumpf durch das Gras fressen. Alle Büffel werden von zahlreichen Vögeln eskortiert.

Zwei Büffel bis zu den Knien im Sumpf versunken, fressen. Weisse Kuhreiher begleiten sie.
Wie praktisch, wenn man sich nicht bücken muss, um an das Futter heranzukommen.

Anschliessend kommen wir zum Hippo Pool. Allerdings haben die starken Regenfälle Papyrus aus dem Norden zum Lake Manyara geschwemmt. Und der Papyrus fühlt sich im Lake Manyara Nationalpark ausserordentlich wohl. So sehen wir vor lauter Papyrus keine Nilpferde.

Deshalb folgen wir weiter dem Sumpf und sehen einen Nimmersatt-Storch. Im Vergleich mit dem viel grösseren und farbenprächtigen Sattelstorch wirkt der Nimmersatt-Storch eher unattraktiv.

Ein Nimmersatt-Storch bei der Nahrungssuche im Lake Manyara NP
Ein Nimmersatt-Storch bei der Nahrungssuche im Lake Manyara NP

So langsam knurrt unser Magen, weshalb wir uns zum Platz für das Picknick begeben. Wir lassen uns aber von einem Gnu ablenken. Beim Betrachten müssen wir wieder an die Afrikanische Sage denken. Nach der hat Gott alle Tiere mit Bedacht geformt, das Gnu jedoch ist aus den Resten, die noch übrig waren, geformt worden.

Ein Gnu beim Fressen im Lake Manyara NP
Das Gnu lässt sich beim Fressen nicht stören

Hast du schon einmal eine Giraffe sitzen sehen? Wir jedenfalls nicht. Aber wir treffen hier im Lake Manyara NP eine Giraffe, die sich zum Abfressen der niedrigen Büsche hinsetzt. .

Eine sitzende Giraffe beim Abfressens eines niedrigen Busches.
Die Giraffe hat es sich gemütlich gemacht.

Auch eine Gruppe Meerkatzen ist unterwegs. Wir beobachten, wie geschickt die kleinen Affen auf den Dornenbüschen herumklettern können.

Eine Gruppe von drei kleinen Meerkatzen, wahrscheinlich Mutter mit Kleinkind und Geschwisterkind, schauen erst einmal zu, wie es geht.
Diese drei beobachten noch, wie es die anderen machen.

Picknick mit Aussicht

Es ist Mittagszeit und so treffen sich alle Safari-Fahrzeuge am Picknickplatz wieder. Dennoch bekommen wir einen schönen Tisch mit Aussicht auf den See. Der Blick zu den Nachbartischen zeigt, alle Touristen haben ähnliche Lunchboxen vor sich stehen. Sie enthalten neben einem Saft, Banane oder Apfel, ein hart gekochtes Ei, ein belegtes Sandwich oder gebratene Hähnchenteile und Süssigkeiten in Form von Kuchen, manchmal auch Schokolade. Die Guides haben immer Thermoskannen mit abgekochtem, heissen Wasser für Kaffee oder Tee dabei. Wir können jedoch nicht täglich Ei oder Banane essen. Manches schmeckt uns auch einfach nicht und meistens ist es sowieso zu viel. Also sammeln wir alle original verpackten Lebensmittel in einer Box und verschenken sie an Ranger und andere Arbeiter.

Der Lake Manyara vom Picknickplatz aus gesehen. Die Klippen verlieren sich im Dunst. Im Vordergrund stehen Bäume und Büsche.
Aussicht vom Picknickplatz

Auf der Suche nach den kletternden Löwen

Nach dem Mittagessen fahren wir lange durch lichte Wälder am See entlang. Jeden Baum betrachten wir genau, denn wir suchen die auf Bäume kletternden Löwen, für die der Lake Manyara NP bekannt ist. Hier stehen überall TseTse-Fliegenfallen. Diese unseren Bremsen ähnlichen Viecher sind nervig und aggressiv.

Drei Giraffen am Seeufer des Lake Manyara
Drei Giraffen am See

So sehr wir auch suchen, von den kletternden Löwen ist nichts zu sehen. Jetzt in der grössten Hitze des Tages ist auch sonst nicht viel los. Ein paar Giraffen und Zebras aber das war es. Auf dem Weg zum Ausgang sehen wir dann wieder jede Menge Paviane.

Zebras zeigt eine Gruppe von 4 Zebras welche im niedrigen Buschland Grasen. Ein Zebra passt auf und schaut in unsere Richtung.
Verstreute Zebras

Eine Lodge mit Blick auf den See

Müde verlassen wir den Nationalpark. Bis wir unsere Lodge erreichen, vergehen noch einmal 30 Minuten. Die Lodge steht abseits auf Massai Land, die für jeden Besucher ein Entgelt erhalten, weshalb sie genau überprüfen, wie viele Passagiere im Auto sind. Während wir dem Weg über das flache Grasland zur Lodge folgen, begegnen uns viele Schulkinder auf dem Heimweg und freuen sich lauthals, wenn wir ihr Winken beantworten. Geduldig müssen wir der einen oder anderen Tierherde (meist Ziegen) den Vorrang gewähren.

Bei Ankunft in der Lodge passiert mir dann noch ein Malheur. Offensichtlich war der Kamerarucksack nicht richtig geschlossen, so dass beide Kameras beim Aussteigen auf den betonierten Boden fallen. Aber wieder wachte ein Schutzengel über uns. Der spätere Funktionscheck ergibt, dass beide Kameras noch funktionieren.

Etwas merkwürdig mutet uns an, als wir feststellen, dass wir die einzigen Gäste in der schönen Lodge sind. Wir geniessen die Zeit bis zum Abendessen auf der Terrasse mit Pool. Die Kinder springen kurz ins kalte Wasser des Pools. Ich lade Bilder herunter und schreibe an meinem Reisebericht. Jörg zeigt die ersten Symptome der Grippe, welche die Kinder nacheinander vor dem Urlaub durchgemacht haben. Er verzichtet sogar auf das Abendessen und geht früh zu Bett.

Wie die Reise weitergeht, erfährst du in unseren Reiseberichten.

Palmen und Bäume umgeben das Gelände der Lodge. Im Hintergrund spiegelt sich der See in der untergehenden Sonne.
Ausblick vom Pool
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