Ein Jahr online mit dem Blog – eine Zwischenbilanz

Die Anfänge des Bloggens sind eine Achterbahn der Gefühle zwischen Mut und Verzagtheit, Hoffnung, Angst und manchmal Verzweiflung und Frust, wenn alles nicht so geht, wie gedacht. In diesem Beitrag ziehe ich Bilanz und lasse euch an meinen Erfahrungen, Höhen und Tiefen meines ersten Jahres als Blogger teilhaben. Einerseits versuche ich euch für Fehler und falsche Erwartungshaltungen zu sensibilisieren. Andererseits würde ich mich über einen regen Erfahrungsaustausch über die Kommentarfunktion freuen.

Rückblick auf die Anfänge des Bloggens

Im Oktober 2018 habe ich mich erstmals intensiv mit dem Gedanken an meinen eigenen Blog auseinandergesetzt. Über meine Anfänge des Bloggens und die Schwierigkeiten könnt ihr in den BlogBlog Beiträgen nachlesen. Ihr werdet sehen, ich habe mich dem Thema konzeptionell und von der technischen Seite her genähert. Ein halbes Jahr habe ich offline Textentwürfe geschrieben und mit Hilfe von Jörg an Strukturen gearbeitet, Plugins ausprobiert und an Änderungen des Themes gebastelt. Die Erscheinungsform der Website hat sich in dieser Zeit mehrfach geändert.

Irgendwann hat Jörg glücklicherweise gefunden jetzt oder nie gehst du online. Ich würde sonst wahrscheinlich immer noch optimieren wollen und die Website wäre noch nicht online. Je länger ich offline arbeitete, umso geringer wurde auch das Selbstvertrauen. Bin ich gut genug? Gibt es Leute, die interessiert, was ich schreibe? Macht es wirklich Sinn, noch mit einem Reiseblog an den Start zu gehen? Bevor ich komplett in Selbstzweifeln ertrunken bin, ging die Webseite im Mai 2019 mit ein paar Geburtswehen online.

Deshalb rate ich euch aus meiner Erfahrung mit den Anfängen des Bloggens heraus: Geht schon mit wenig Inhalt online, wenn die Struktur steht. Zeigt Freunden und Verwandten, was ihr habt, so erhaltet ihr wohlgemeintes Feedback.

Mai 2019 – Hurra, jetzt bin ich ein Blogger

Meine Familie war sehr stolz darauf, dass ich meine Träume lebe. Aber das Hochgefühl verebbte bald. Ich war online mit meiner Website und dann passierte erst einmal nichts. Diese bittere Erfahrung beim Bloggen machen wohl alle Anfänger.

Um die Webseite auch der Welt bekannt zu machen, musste sie bei den Suchmaschinen angemeldet werden. Diesen Schritt hatte ich konzeptionell irgendwie vergessen zu durchdenken. Spätestens jetzt ist euch wahrscheinlich klar, dass ich nicht auf den Sozialen Medien aktiv unterwegs war. Denn die Fokussierung auf Schlüsselwörter hätte eigentlich schon beim Schreiben erfolgen müssen. Von den fehlenden Kurzbeschreibungen und ähnlichem will ich gar nicht reden. Die endgültige Ernüchterung kam aber, als ich das SEO-Tool von Yoast installiert hatte.

Der Frust mit der Suchmaschinenoptimierung

Ich wollte am Anfang zu viel und habe dafür Lehrgeld in unzähligen Stunden der Nacharbeit bezahlt. Mein grösster Fehler war es, frei von der Leber weg zu schreiben, ohne Gedanken an die Suchmaschinen-optimierung verschwendet zu haben. Das SEO-Tool ist aus dem Meckern gar nicht mehr herausgekommen, als es über meine Texte gelaufen ist. Die Textkritik (zu viel Passiv, zu wenig Bindeworte, zu lange Sätze, zu wenig Überschriften) war zwar ärgerlich, aber mit einigem Aufwand zu beheben. Sehr viel schwieriger war die Aufforderung, sich auf die Schlüsselwörter zu fokussieren. Denn damit steht und fällt ja eigentlich mein ganzes Webseiten Konzept. Es gibt die Reiseberichte und für zielorientierte Leser die kurze Version in Form von Reisetipps zu einzelnen Aspekten der Reisen. Zwischenzeitlich war ich fast soweit alles über den Haufen zu werfen.

Nichts ist ätzender als das Überarbeiten von fertig geglaubten Texten. Auch wenn ich viel dabei gelernt habe und die SEO-Wünsche inzwischen fest in meinem Kopf verankert sind. Auch wenn ich immer noch fluche, dass SEO alle 300 Worte eine Zwischenüberschrift wünscht, weil sich die Vorgaben zum Leseverständnis gefühlt an einem 12jährigen Kind orientieren. Mit einigen Kompromissen war es irgendwann geschafft und ich konnte mich endlich wieder kreativ neuen Beiträgen zuwenden.

Drei Monate später

Geduld ist nicht meine Stärke. Ich fand, dass die Suchmaschinen nach einem viertel Jahr so langsam von meinem Anfang als Blogger hätten Kenntnis nehmen können. Nur die Besucherzahlen, auf die ich wie das Kaninchen vor der Schlange starrte, konnte ich immer noch Freunden und Verwandten zuweisen. Und von denen kamen immer noch so Bemerkungen, dass sie dies und das gesucht hätten, mich aber nicht auf Google gefunden hätten. Das wusste ich selbst. Die minimale Statistik des Providers zeigt ja, woher bzw. wie die Leute auf die Website kommen.

Welch Erleichterung als nach drei Monaten die ersten drei Besucher über eine Suchmaschine in der Statistik auftauchten. Von da an stiegen die Besucherzahlen langsam an. Da schien ein WordPress Meeting mit dem Thema: «Wie steigere ich die Reichweite meines Blogs» gerade richtig. Allerdings erwischten wir ein nicht besuchtes Meeting. Der Leiter berichtete von guten Erfahrungen mit Visitenkarten und verwies auf die Wichtigkeit von Backlinks.

Also kreierten wir Visitenkarten und gaben sie Freunden und Verwandten in die Hand zum Weiterverteilen. Auch trage ich immer ein paar mit mir herum. Manchmal ergibt es sich im Gespräch, dass ich meinen Blog erwähne und dann ist so eine Visitenkarte eine praktische Gedächtnisstütze.

Visitenkarte 4u-ontheroad.ch - Anfänge des Bloggens
Unsere Visitenkarte

Der Frust mit der DSGVO

Während ich mich der Freude langsam steigender Besucherzahlen hingab, drohte mit der DSGVO neues Ungemach. Auch diesen Aspekt hatte ich bis dato etwas ausser Acht gelassen. Eine schmerzliche Erfahrung beim Bloggen, als ich eine Zurückweisung erlebte. Da nehme ich meinen Mut zusammen und reagiere auf eine Werbung «Monetarisiere deine Website» und prompt bin ich nicht gut genug. Immerhin gab es eine Begründung. Einer der Gründe war mein rudimentäres Impressum.

Als Nichtjurist ist es keine Freude sich mit endlosen Gesetzestexten auseinanderzusetzen, die meines Erachtens so unverständlich geschrieben werden, damit man sie interpretieren muss. Ich habe erfolgreich ein Germanistikstudium absolviert und brauchte dennoch manchmal drei Anläufe, um hinter den Sinn eines Satzes zu kommen. Solche Stolperfallen hindern die Kreativität ungemein. Auch wenn es eine lustige Erfahrung des Bloggens war, sich die Impressi anderer Blogs anzusehen. Die meisten Blogger scheinen mit dem Datenschutz Generator von RA Schwenke gearbeitet zu haben.

Fünf Monate Online

Die Anfänge des Bloggens brachten mir mehr Schwierigkeiten als erwartet. Anlässlich des Jahrestags, an dem ich das Projekt Webseite in Angriff nahm, begann ich mit etwas Neuem. Da die Besucherzahlen wieder stagnierten, entschied ich mich, einen Schritt in die Sozialen Medien zu gehen. Von den vielen Möglichkeiten gefiel mir Pinterest am besten. Pinterest orientiert sich an der guten alten Pinwand, an die man alles geheftet hat, was man sich irgendwie merken oder wiederfinden wollte.

Also habe ich das Web nach Anleitungen und Ratschlägen durchforstet. Hilfreich fand ich die Website von Alexandra Polunin. So habe ich einen Business Account eröffnet und mir in einem ersten Schritt Pins angeschaut. Dabei habe ich versucht herauszufinden, was mich anspricht und warum das so ist. Anschliessend habe ich das Photoshop Handbuch mal wieder zur Hand genommen und versucht Ideen für Pins umzusetzen. Die Zeit darüber zerrann nur so durch die Finger. Im Moment prüfe ich, ob ich mit Canva schneller ansprechende Pins erstellen kann. Eine der wesentlichen Erfahrungen, die ich mache, seit ich blogge ist, dass ich gefühlt nie mehr Zeit habe. Einerseits ist das Beschäftigen mit Neuem sehr befriedigend, andererseits bräuchte ich einfach mehr Zeit, denn ich habe viel mehr Ideen als Zeit.

Pinterest und die Folgen

Pinterest verlangt unglaublich viel Aufmerksamkeit. Es ist als hätte man noch ein Kind. Eigene Pins erstellen, fremde Pins thematisch suchen und sammeln und bitte täglich pinnen ist eine zeitliche Herausforderung. Die Reisen wollen auch vorbereitet werden und im Anschluss in Form von Beiträgen ins Internet. Und der ganz normale Wahnsinn hat nicht plötzlich aufgehört, weil ich mich jetzt im Bloggen versuche.

Meine Aktivitäten auf Pinterest führten zu einer weiteren Krise. Denn erst jetzt wurde mir klar, warum viele Websites so aufgebaut sind, wie sie sind. Dies ist eine wichtige Erfahrung beim Bloggen, die ich machen musste. Es bringt nichts, eine Konkurrenzanalyse nur auf Websites zu beziehen, weil man als Blogger eine Website anfangen möchte. Bezieht die sozialen Medien mit ein.

Es widerstrebt mir körperlich, Beiträge so abzufassen, dass es die ultimativen Tipps für einen Ort sind oder ich meine Erfahrungen zur Challenge für andere mache. Es war aber sonnenklar, dass ich meinen Schreibstil für Pinterest ein weiteres Mal anpassen musste, um anschliessend auch interessante Pins gestalten zu können.

So versuche ich nun bei den Reisetipps mehr die Bedürfnisse von Pinterest zu berücksichtigen. Währenddessen versuche ich, die Reiseerzählungen thematisch stärker zu separieren und den Zusammenhang über interne Textlinks herzustellen. Insofern könnte man sagen, alles fliesst. Die Website und mein Schreibstil ändern sich, auch wenn ich versuche am ursprünglichen Konzept der Website festzuhalten.

Pinterest hat den stagnierenden Besucherzahlen einen Kick nach oben gegeben. Nur einen Media-Kit habe ich immer noch nicht erstellt. Die Seitenaufrufe im Monat sehen viel besser aus als die dazugehörigen Besucherzahlen. Dies zu erkennen relativiert ein wenig die Ehrfurcht vor anderen Bloggern.

Mai 2020 – Ein Jahr mit dem Reiseblog online

Der stetige Anstieg der Besucherzahlen wurde mit dem Lockdown der Corona-Krise jäh unterbrochen. Wir hatten Glück und waren über den Jahreswechsel noch in Sri Lanka und im Februar noch in Kanada. Aber plötzlich interessiert sich niemand mehr fürs Reisen, weil alle Grenzen zu sind, weil Alltagssorgen die Reisepläne oder auch Reisewünsche in weite Ferne rücken lassen. Buchungen über booking.com wurden storniert und auch wenn allgemein der Handel über Amazon stieg, merke ich davon auf meiner Website nichts. Selbst wenn die Grenzen wieder aufgehen, hat die öffentliche Kommunikation und die Angst vor der zweiten Welle vielen die Lust am Reisen verdorben. Diese Erfahrung beim Bloggen ist sicher nicht alltäglich und ein spezifisches Problem beim Reiseblog.

Wir versuchen flexibel zu bleiben und werden dieses Jahr eher spontan reisen, sobald sich eine Möglichkeit ergibt. Unsere ins Auge gefasste Woche Schottland im Frühling fiel genauso ins Wasser wie unsere Pfingstreisepläne ins Wasser fallen werden. Die ausserordentliche Situation führt zu Urlaubssperren, d.h. unsere geplante Reise ins Baltikum müssen wir auch auf irgendwann verschieben. Insofern werde ich meine Idee von Ausflugszielen in der näheren Umgebung und der Schweiz in der nächsten Zeit zu Beiträgen verarbeiten, was auch sehr spannend ist.

Wie definiert man Erfolg?

Damit kommen wir zur spannendsten Frage für alle Blog Anfänger: Wie definiert man Erfolg? Lässt sich Erfolg an den Zugriffszahlen messen? Ist Erfolg, wenn jemand über die eigene Website bei Amazon kauft oder bei booking.com bucht und man ein paar Prozente Vermittlungsgebühren erhält? Ist Erfolg das Feedback, welches man erhält.

In den Anfängen des Bloggens und den sich summierenden Kosten – da ein Plugin, dort ein Buch, der Provider etc. – hatte ich mir vorgenommen, dass der Blog sich in einem ersten Schritt selbst tragen soll und die finanziellen Investitionen und laufenden Kosten wieder einspielen soll. Daran arbeite ich nach einem Jahr Reiseblog noch.

Wie motiviert man sich, auch bei Rückschlägen weiterzumachen?

Anfänglich habe ich mich an den steigenden Zugriffszahlen erfreut und die ersten Buchungen über booking.com bzw. Amazon gefeiert. Der Erfolg, endlich Backlinks zu bekommen, ist mir leider bisher verwehrt geblieben. Backlinks zu kaufen, widerspricht meinem Ego. Im Moment beschäftige ich mich aber verstärkt mit diesem Problem.

Ich habe über die Definition von Erfolg lange nachgedacht. Ich werte es inzwischen als Erfolg, mich nicht unterkriegen zu lassen und weiterzumachen. Auch, dass inzwischen die ersten Kommentare eingehen, werte ich als Erfolg. Ebenso werte ich es als Erfolg, dass es mir immer noch Spass macht, an der Website zu arbeiten, auch wenn mich die Tücken der Technik manchmal zur Verzweiflung bringen.

Eine wichtige Erfahrung beim Bloggen ist: Gut Ding will Weile haben. Das war mir von Anfang an klar, auch wenn es vor allem im Moment frustrierend ist. Man sollte sich wahrscheinlich selbst nicht zu sehr unter Druck setzen, sonst verliert man die Freude. Ich bin nach wie vor hoch motiviert, weiter zu Bloggen und optimistisch, dass die Grenzen wieder aufgehen und wir weiter Reisen können.

Wahrscheinlich wird sich das Reisen in naher Zukunft ändern. Es wird spontaner werden, umso hilfreicher werden wohl die Reisetipps sein, so dass ich diese Rubrik zukünftig weiter ausbauen werde.

Natürlich würde mich interessieren, wie eure Erfahrungen mit den Anfängen des Bloggens waren. Habt ihr auch so viele Fehler gemacht wie ich oder habt ihr vollkommen unbeschwert einfach mal angefangen? Was ist für euch Erfolg? Was sind eure Herausforderungen? Habt ihr Tipps? Die Kommentarfunktion ist offen und ich würde mich freuen, wenn es zu einem regen Austausch kommt.

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