Yukon im Winter erleben – eine verrückte Idee?

Erzählten wir von unserem Plan, Anfang Februar als Familie in den Yukon zu reisen, ernteten wir nur ungläubiges Kopfschütteln von unseren Mitmenschen. Frei nach dem Motto: Jetzt sind sie endgültig verrückt geworden. Wie kommt man auf die Idee in den Yukon im Winter zu reisen, wenn man nicht Skifahren will? Was wollt ihr denn dort bei der Kälte machen? Und wenn ihr eine Panne habt, was macht ihr dann? Ihr habt doch gar keine Kleidung für diese Kälte, was zieht ihr an? So oder so ähnlich lauteten die Fragen.

Eiskristalle - Yukon im Winter
Eiskristalle

Wer mich kennt, weiss, dass diese Fragen nicht ganz unberechtigt sind. Auch ich hinterlasse lieber Barfuss-Spuren im Sand als Spuren im Schnee. Zwei Wochen Winter im Jahr reichen mir normalerweise. Und jetzt, nachdem wir über Weihnachten in Sri Lanka in der Wärme waren, fliegen wir in den richtig harten Winter. In diesem Beitrag erzählen wir euch, wie es dazu kam, dass wir im Februar statt nach Finnland nach Yukon gereist sind. Wir erzählen euch von den Schwierigkeiten, die von der Idee bis zur tatsächlichen Reise auf uns warteten. Nur, um es vorweg zu nehmen: Es war ein grandioser Urlaub. Unser Mut und unser Durchhaltewillen wurde in vielerlei Hinsicht belohnt.

Die Geschichte hinter der «Yukon im Winter Reise»

Alles fing damit an, dass wir schon länger mit dem Gedanken liebäugeln, Polarlichter zu sehen. So entstand die eigentliche Idee, im Winter für eine Woche nach Lappland zu reisen. Irgendwie kam immer etwas dazwischen und so haben wir es dann von Jahr zu Jahr verschoben. 2020 sollte es nun endlich wahr werden. Aber kennt ihr das, wenn sich innerlich irgendetwas sperrt und die Reiseplanung nicht richtig von der Hand geht? Wenn die Begeisterung sich nicht einstellen will, trotz intensiver Studien im Internet und Reiseführer? Mir ging es bei dieser angedachten Finnland Reise so. Deshalb kam der ins Haus geflatterte Prospekt von Travelhouse wie gerufen.

Travelhouse warb für einen Tag der offenen Tür mit einem vielfältigen Vortragsprogramm. Ein Blick auf die Adresse zeigte, dass das Unternehmen, von dem wir noch nie gehört hatten, gar nicht weit entfernt seinen Firmensitz hat. Die Anmeldung war schnell gemacht und so freuten wir uns einige Wochen später auf einen abwechslungsreichen Tag, der das Fernweh einmal mehr befeuert.

Als erstes lernten wir, dass Travelhouse das Unternehmen hinter Hotelplan, einem Schweizer Reiseanbieter, ist. Sie konfektionieren Katalogreisen und wollten neu auch ins Endkundengeschäft mit Individualreisen einsteigen. Um dies in der Region Zürich bekannt zu machen, gab es den Tag der offenen Tür mit Vortragsprogramm, internationalen Speisen und einem Reisemarktplatz.

Der Vortrag mit dem Titel «Polarlichter in Lappland und Alaska erleben» erwies sich dabei als schicksalhaft. Die für die beiden Destinationen zuständigen Verkaufsleiter lieferten sich förmlich einen Wettbewerb um das bessere Ziel. Am Ende des Vortrags stand für uns fest – Alaska, wir kommen. Dass daraus dann Yukon im Winter wurde, hängt mit praktischen Dingen wie Flugverbindungen, zur Verfügung stehender Reisezeit etc. zusammen.

Erfahrener Individualreisender trifft auf Verkäufer von Reiseträumen

Kollision - Yukon im Winter
Kollision

Da wir diesen Tag der offenen Tür so gelungen fanden, so viele interessante Gespräche mit den Angestellten des Unternehmens führten, die alle selbst mehrfach die Länder ihres Zuständigkeitsbereichs bereist hatten, waren wir bereit, mehr auszugeben und die Reise über das Unternehmen zu buchen.

Der Versuch scheiterte grandios. Unser erster Fehler war, dass wir selbst recherchierten, um herauszufinden, wie unsere Traumreise aussehen könnte. Welche Flugverbindungen gibt es nach Fairbanks und Whitehorse? Kann ich Autos auch one way mieten? Was für Touren (Schneeschuh Wandern, Hundeschlitten fahren, Motorschlitten fahren) kann man buchen? Wie komme ich an geeignete Kleidung?

Als die Reise gedanklich soweit klar war und wir die Visa eingeholt hatten, nahmen wir Travelhouse mit ins Boot. Aber ein Gigant arbeitet anders. Er hat einen Agenten vor Ort und Kontingente bei Hotels und was normalerweise mit einem Anruf oder einer E-Mail geklärt werden kann, dauert auf dem Dienstweg ewig. Derweil stiegen die Flugpreise.

Irgendwann sehr viel später kam dann doch eine erste Offerte. Die Freude daran währte nicht lange, denn die Offerte hatte für die Wartezeit nicht so richtig Hand und Fuss. Die Unterkünfte waren nicht bestätigt. Aber es gibt eine Unterkunft auf dem Weg nach Inuvik mit der die Reise steht oder fällt. Noch ohne Mietwagen sollten wir in Inuvik als Familie in zwei Selbstversorger Zweier Appartements 8 km vom nächsten Geschäft oder Restaurant untergebracht werden. Überhaupt war in dieser ganzen Offerte nichts, was ich nicht auch schon im Internet herausgefunden hatte.

Wie Phönix aus der Asche

Sprudelnd - Yukon im Winter
Sprudelnd

Inwieweit der mangelnde Eifer auch damit zu tun hatte, dass wir während einer zweiwöchigen Studienabwesenheit der Verkaufsleiterin dann doch schon einmal selbst unsere Flüge nach Whitehorse gebucht hatten, wissen wir nicht. Dies könnte jedoch unser zweiter Fehler gewesen sein.

Am Ende rückte unsere Anreise näher und näher und wir hatten ausser den Visa für die USA und Kanada und unseren Flügen nach Kanada nichts in der Hand. Selbst die Einwegmiete des Mietwagens und Genehmigung den Dempster Highway zu fahren, war noch unbestätigt. Das war der Punkt, an dem wir das Experiment, mit einem Reiseanbieter eine Individualreise zu planen, abbrachen.

Gestrandete - Yukon im Winter
Gestrandet

Die Vorfreude auf eine Reise gehört zu jeder Reise dazu. Hier kam mehr Stress auf, wenn ich sah, wie die Verfügbarkeit von Unterkünften schwand.

Alles in allem haben wir innerhalb von fünf Tagen alles organisiert und gebucht, was vorher in 2 Monaten nicht möglich war. Und günstiger war es noch dazu. Die Visitor Center in den einzelnen Orten waren bei Fragen unglaublich hilfsbereit.

Yukon ist riesig – im Winter ist weniger mehr

Unendliche Weiten in dünn besiedeltem Gebiet - Yukon im Winter
Unendliche Weiten in dünn besiedeltem Gebiet

Ursprünglich wollten wir von Whitehorse weiter nach Inuvik fliegen, uns von da aus Aklavik und Tuktoyatuk ansehen und dann mit dem Mietwagen zurück nach Whitehorse fahren.

Allerdings gab es da ein kleines Gewichtsproblem für den Inlandsflug. Die Spezialkleidung für Temperaturen bis minus 40 ° C wiegt allein 7 kg und kommt in einer eigenen Tasche daher. Bei einer Begrenzung auf «kein» Handgepäck und eine Reisetasche bis 20 kg ein echtes Dilemma. Vom Zeitverlust von 2 Tagen, die notwendig wären für die Option, nicht passende Kleidung umzutauschen, ganz zu schweigen.

So verzichteten wir, bei diesem Urlaub bis nach Inuvik zu fahren, und planen nur bis Dawson City zu fahren. Dafür ergibt sich mehr Zeit, uns auch ein wenig südlich von Whitehorse umzusehen und die verschneiten Landschaften zu geniessen. Für das Ende des Urlaubs mieten wir ein Haus in Whitehorse für fünf Tage. So können wir spontan entscheiden, wozu wir Lust haben und worauf wir Appetit haben.

Reisen in Zeiten des Corona Virus

Natürlich wurden wir von besorgten Eltern vor der Reise auf die jeweilige Wetterlage in Whitehorse hingewiesen. Da gab es schon ein paar Kälteeinbrüche, die uns gedanklich erfrieren liessen. Aber bange machen gilt nicht. Abenteuer erlebt man nur jenseits der Komfortzone!

Der Yukon im Winter bei Whitehorse
Der Yukon im Winter bei Whitehorse

Zu allen Bedenken kommen im Vorfeld der Reise dann auch noch die Bedenken wegen des Corona Virus dazu. Die Berichterstattung zu diesem Zeitpunkt schwankte je nach Land und Medium zwischen Panik und Beschwichtigung.

Schon beim Einchecken des Gepäcks wurde klar, es hat sich etwas geändert. Unser Pass wurde erst einmal daraufhin untersucht, ob ein Einreisestempel aus China vorliegt. Wer zwei Wochen vorher in China war, darf nicht fliegen. Dafür, dass in Zürich die Ferien angefangen hatten, war es auch erstaunlich leer beim Abflug am Freitagabend.

Wir fliegen erst einmal nach Frankfurt und übernachten in einem Airport Hotel, damit wir am nächsten Morgen keinesfalls den Flieger nach Vancouver verpassen, der mit mehr als einer Stunde Verspätung dann erfreulicherweise doch noch abhob. Die Anspannung blieb bis zum Schluss. Erst als wir in Whitehorse gelandet waren, waren wir sicher, dass unserer Reise nichts mehr im Weg steht.

Blick zum Flughafen Whitehorse zur blauen Stunde
Blick zum Flughafen Whitehorse zur blauen Stunde

Die vereinzelte Begegnung von Mundschutz tragenden Menschen in Zürich, Frankfurt und Vancouver hinterlassen ein mulmiges Gefühl. Wobei es weniger die Angst vor Ansteckung als vielmehr die Befürchtung ist, unterwegs festzusitzen. In der Woche vor unserem Abflug hat man bereits Flugzeuge umdrehen oder unter Quarantäne stellen lassen, weil jemand Schnupfen-Symptome zeigte.

Am Ende sind wir aller Widrigkeiten zum Trotz gut in Whitehorse gelandet, auch wenn es leider nur drei der vier Reisetaschen schafften, von Vancouver zeitgleich mit uns nach Whitehorse zu fliegen. Erfreulicherweise landete die fehlende Reisetasche in der Nacht und wartete am Morgen im Hotel auf uns. Und hier beginnt jetzt unser Abenteuer Yukon im Winter. Lasst euch inspirieren.

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