Von Purmamarca über den Paso de Jama nach San Pedro de Atacama

Purmamarca liegt auf reichlich 2.200 m Höhe und war schon zu Zeiten der Inka ein Rastplatz. Das Tal der Quebrada de Purmamarca verläuft quer zur Quebrada de Humahuaca und verbindet das Hochplateau der Puna mit den Salinas Grandes. Heute ist der Weg das Ziel. Die Strecke von Purmamarca über die Quebrada de Purmamarca, das Valle de Lipán zum Paso de Jama und weiter nach San Pedro de Atacama in Chile zählt für uns neben der Strecke über den Abra de Acay mit zu den schönsten und eindrücklichsten Strecken unserer Südamerika Reise.

Ich lade dich ein, uns in ungeahnte Höhen zu begleiten und diese faszinierende Landschaft mit unseren Augen zu sehen. Wie immer gilt, lass dich inspirieren und mache dir selbst ein Bild.

Am Mirador Quebrada da Quepiaco geniesst man den Blick auf ein Wassersystem mit Sumpfgras inmitten von Trockenheit. In der Ferne sieht man Vikunjas grasen.
Ausblick vom Mirador Quebrada Quepiaco entlang unserer Strecke von Purmamarca über den Paso de Jama nach San Pedro de Atacama

Purmamarca

Obwohl Purmamarca zu einem der schönsten Orte im Nordwesten Argentiniens zählt, verzichten wir darauf, das Ortszentrum und die Berge der sieben Farben genauer zu erkunden. Jetzt macht sich der Zeitverlust durch die verspätete Anreise und die Probleme mit dem Mietwagen bemerkbar. Und da wir am Vortag bereits das Highlight am Ende der Quebrada de Humahuaca, die 14-farbigen Felsen der Serranias del Hornocal gesehen haben, fällt es uns auch nicht so schwer.

Wir frühstücken noch gemütlich in unserem etwas ausserhalb vom Ortszentrum gelegenen Hotel Mirador del Virrey und machen uns dann auf den Weg durch die Quebrada de Purmamarca zum Paso de Jama.

Die Quebrada de Purmamarca

Die Strasse zum Paso de Jama folgt im ersten Teil dem nach der Schlucht benannten Fluss Rio de la Quebrada de Purmamarca. Für die ersten 25 km Strecke brauchen wir über eine Stunde. Nicht, weil die Strasse so schlecht wäre, sondern weil die Landschaft so einzigartig ist, dass wir oft anhalten und den Blick auf die Landschaft geniessen oder durch die Kakteenwälder bummeln.

Die Quebrada de Purmamarca, die man auf dem Weg zum Paso de Jama durchquert, ist eine Schlucht mit gefurchten mehrfarbigen Felsen und einem jetzt trockenen breiten Flussbett. Am Ufer wachsen Kakteen
Blick in die Quebrada de Purmamarca
Weiter hinten auf dem Weg zum Paso de Jama präsentiert sich die Quebrada de Purmamarca überraschend grün vor der ansonsten kargen Felslandschaft.
Einer Oase gleich, in der sonst so trockenen Landschaft
Die ausgewaschenen Felsen sind an dieser Stelle in der Quebrada de Purmamarca gelb und violett, mit ein wenig Kupferoxid.
Faszinierende Farbkombination
Dort, wo die Quebrada de Purmamarca auf dem Weg zum Paso de Jama sich weitet, stehen viele grosse Kandelaberkakteen. Manche treiben Blüten, andere beherbergen Vogelnester zwischen ihren Armen.
Kein Kaktus gleicht dem anderen. Wir entdecken Blüten und Vogelnester

Durch das Valle de Lipán zum Paso de Jama

Bei einer Tagesetappe von 420 km müssen wir unser Tempo aber deutlich steigern. Da es jetzt in vielen Serpentinen im Valle de Lipán aufwärts zum Paso de Jama geht, fahren wir Kilometer um Kilometer die Serpentinen nach oben. Die Strasse ist hervorragend ausgebaut und wird erstaunlich oft auch von Autotransportern genutzt. Insgesamt ist das Verkehrsaufkommen aber niedrig.

Auf dem Weg zum Paso de Jama hier der Blick auf die Serpentinen im Valle de Lipán
Blick zurück auf die Serpentinen

Und dann erreichen wir die Passhöhe. Es ist windig und kalt auf 4.170 m. Ein paar einheimische Frauen verkaufen Souvenirs. Da wir noch zu viele Äpfel haben, die wir ja nicht mit nach Chile nehmen dürfen, schenken wir den Verkäuferinnen die überzähligen Äpfel. Ich laufe noch ein wenig zurück, um ein paar Bilder zu schiessen, aber dann geht es weiter zur Grenze.

Ein Stein mit der Höhenangabe von 4.170 m markiert die Passhöhe des Paso de Jama
Die Passhöhe
Die Landschaft am Paso de Jama ist karg. Ganz in der Ferne sieht man schneebedeckte Gipfel leuchten.
Das Hochtal am Paso de Jama

Vom Paso de Jama zu den Salinas Grandes

Nach der Passhöhe steigt die Strasse immer noch an, bevor es dann eine ganze Weile auf einer Hochebene weitergeht. Irgendwann öffnet sich der Blick und das Weiss der Salinas Grandes schmerzt fast in den Augen. Ohne Verkehr auf der Strasse hält Jörg immer mal wieder kurz an, damit ich für ein Foto aus dem Auto springen kann.

Vom Paso de Jama kommend ist der Blick auf das leuchtende Weiss der Salinas Grandes dramatisch schön.
Blick auf die Salinas Grandes
Auch der Blick zurück in Richtung Hochtal, welches vom Paso de Jama kommt, ist schön. Etwas Grün und ein paar leuchtend rote und gelbe Felsen in der ansonsten bräunlichen Landschaft.
Blick zurück auf das Hochtal

An den Salinas Grandes parken wir und schauen uns den Salzsee etwas genauer an. Es geht eine eigenartige Faszination von dieser blendend weissen Fläche aus, deren Ausdehnungen man nicht schätzen kann. In dieser stillen Unermesslichkeit auf 3.450 m Höhe merkt man nur am Wind, dass die Zeit nicht stehen geblieben ist.

Eine weisse Fläche so weit das Auge reicht von Bergen, die teilweise Schneemützen tragen, eingerahmt. Eine Fahne hilft bei der Orientierung und eine braune Spur führt zu einem Loch aus dem festgebackene "Salzsteine" gesägt wurden.
Auch, wenn das Weiss in den Augen schmerzt, ganz weiss ist es nicht

Am Parkplatz verkaufen ein paar Einheimische Souvenirs in diesen kleinen aus Salzquadern gebauten Verkaufsständen. Ein grosses Stück Salz mit schöner Kristallstruktur nehmen wir zur Erinnerung mit. Unsere Kinder bedauern die Tochter der Verkäuferin sehr, die einfach nur neben ihrer Mutter sitzt und nichts zu spielen hat. So schenken sie dem Mädchen einen Teil ihrer Buntstifte und unseren letzten Apfel.

Verkaufsstand aus Salzquadern an den Salinas Grandes, ohne Dach und mit einer höheren Seitenwand, die vor dem Wind schützt.
Unbesetzter Verkaufsstand

Auch eine Herde Vikunjas, die sich von den Touristen nicht stören lässt, beobachten wir noch kurz am Strassenrand. 2019 wurden die Salinas Grandes zu den 7 Naturwundern Argentiniens gekürt.

Auf dem Weg zur Grenze staunen wir nicht schlecht, als wir an einem breiten Flussbett entlang kommen oder Dünen entdecken.

Eine weitere Salzpfanne, der Salar de Olaroz taucht in der Ferne auf. Die Luft flimmert und wir fragen uns, ob man hier auch Fata Morganen auf den Leim gehen kann?

Die Strasse führt in gerader Linie auf den Salar de Olaroz zu und macht vor Erreichen der weissen Fläche eine Kurve. Dies ist jetzt schon der zweite Salzsee auf dem Weg von Purmamarca über den Paso de Jama nach San Pedro de Atacama und noch sind wir in Argentinien.
Wie weit der Salar wohl vor uns liegt?

Grenzübertritt nach Chile

Wir verlassen die Salinas Grandes, auch wenn wir hier gern noch viel mehr Zeit verbracht hätten. Als wir die Grenze nach Chile erreichen, warten noch mehrere Busse mit Touristen darauf, abgefertigt zu werden. Alle, die hier die Grenze passieren wollen, müssen ihr Gepäck wie am Flughafen durchleuchten lassen. Durch die Touristenbusse vor uns haben sich lange Schlangen an der Gepäckdurchleuchtung gebildet. Für jedes Familienmitglied müssen wir wieder ein Formular ausfüllen und unser Auto vom Zoll abfertigen lassen.

Bevor wir endlich nach Chile einreisen dürfen, müssen wir noch das komplette Auto ausräumen, alle Taschen, sogar die Kamerataschen werden gründlich durchsucht. Nachdem endlich alles zur Zufriedenheit durchsucht wurde und wir alles wieder verstaut haben, können wir die Reise fortsetzen. Die Grenze liegt auf reichlich 4.100 m Höhe. Das Taschenschleppen und Ein- und Ausladen war schon etwas anstrengender. Vielleicht waren wir auch nur angespannt, weil die Zeit schon wieder rennt.

Inzwischen ist es so spät, dass uns die Strasse fast allein gehört, wenn man von weiteren leeren Autotransportern, die uns entgegenkommen, absieht.

Von der Grenze nach San Pedro de Atacama

Unglaublich, aber wir bewegen uns jetzt auf einer Höhe zwischen 4.300 m und 4.800 m. Wenn man sich überlegt, dass der höchste Berg der Schweizer Alpen, die Dufourspitze 4.634 m hoch ist, bekommt man ein Gefühl für die Zahl. Wir vertragen die Höhe ganz gut. Bis zu einer Höhe von 4.200 m können wir uns noch normal bewegen. Ab 4.400 m Höhe werden wir kurzatmiger. Bei 4.800 m arten ein paar Schritte für ein gutes Foto in sportliche Leistung aus, zumindest keuche ich bei Rückkehr ins Auto so, als hätte ich einen Sprint hinter mir.

Überrascht sind wir von den vielfältigen Wasserflächen, denen wir unterwegs begegnen.

Das Blau des Himmels spiegelt sich im Wasser des Sees. Am Rand leuchtet die Salzkruste weiss und rundherum wächst das spitze Gras.
In diesem Ausblick könnten wir versinken in der Einsamkeit
Am Mirador Pacana Caldera gibt es einen Rastplatz mit Blick auf die hellbraunen Hügel, an deren Fuss sich das Wasser sammelt, in dem das Gras wie in einem Sumpf wächst.
Hier gibt es einen Rastplatz, aber ohne Lebensmittel, die man ja nicht mit über die Grenze nehmen kann und mit fortschreitender Zeit, gibt es nur einen kurzen Fotostopp.
Ein grüner See mit Wellen umgeben von Bergen und einem kitschig blauen Himmel. Es ist einfach nur schön.
Der kurze Weg zum Seeufer auf ungefähr 4.800 m Höhe ist eine sportliche Höchstleistung.

Kurz bevor es dann nach unten geht, begegnet uns dieser schöne Vulkan und die ersten Wolken.

Formschöner Vulkan ohne Spitze unter blauem Himmel mit Wolken kurz bevor wir auf der langen Strecke von Purmamarca über den Paso de Jama endlich San Pedro de Atacama erreichen.
Dieser Vulkan begeistert uns, so oft wir an ihm vorbeikommen.

Die letzten 30 km nach San Pedro de Atacama sind die schwierigsten Kilometer für die Kinder. Verlieren wir doch auf nur 30 km 2.000 Höhenmeter. Obwohl wir deutlich langsamer fahren als erlaubt, bekommen die Kinder den Druckausgleich mit den Ohren nicht geregelt.

Für die LKWs sind immer wieder Bremsspuren mit weichem Kies neben der Strasse angelegt, die scheinbar regelmässig benutzt werden. Dennoch fahren wir an einem umgekippten LKW vorbei, bevor wir San Pedro de Atacama erreichen.

Die Strasse führt abwärts in eine staubige Ebene. Vor uns geht eine dieser Bremsspuren für LKW ab, die diese benutzen, wenn die Bremsen heiss werden und blockieren. Am Ende der Strasse liegt irgendwo unser Ziel der heutigen Etappe von Purmamarca über den Paso de Jama nach San Pedro de Atacama.
Unser Ziel befindet sich irgendwo in der staubigen Ebene

Einbahnstrassen Albtraum in San Pedro de Atacama

Die grösste Herausforderung des Tages steht uns in San Pedro de Atacama noch bevor, nämlich unser Hotel mit dem Auto zu erreichen, um ausladen zu können. Der ganze Ort besteht aus schmalen Einbahnstrassen aus Lehm. Die Grundstücke sind alle mit grossen Mauern aus Lehm umgeben. Wir kreuzen zwar die Strasse immer mal wieder, aber nie auf Höhe der Hausnummer.

Die Strassen sehen alle ähnlich aus, nur die Geschäfte sind verschieden. An der Kreuzung zeigen die Pfeile die Einbahnstrasse an. Manche Häuser sind weiss getüncht, andere zeigen den Lehm.
Regen wollte ich hier nicht erleben

Nirgendwo kann man anhalten, denn dann blockiert man den ganzen Verkehr. Nach vielen Runden kreuz und quer durch den Ort, stehen wir vor einem Tor mit dem Namen des Hotels, aber alles ist verschlossen.

Kurz vor einem Nervenzusammenbruch parken wir vor dem Tor. Und Jörg geht zu Fuss zum Hotel. Und siehe da, man kann doch vor das Hotel fahren und darf sogar anhalten und den ganzen Verkehr hinter sich blockieren. Um das Auto zu parken, muss man dann eine weitere kleine Stadtrundfahrt unternehmen, obwohl der Parkplatz eigentlich nur 100 m unterhalb des Hotels an der gleichen Strasse liegt.

Die Rezeption der Terrentai Lodge befindet sich in einer Art Torbogen, dahinter eröffnet sich eine andere Welt. Weisse Mauern, Flusssteine und dunkle Holzbalken sind farbbestimmend. Alles ist so angelegt, dass möglichst wenig Sonne den Boden erwärmt. Es gibt mehrere Innenhöfe mit kleinen Springbrunnen, sogar einen kleinen Pool gibt es zur Freude der Kinder.

Der Poolbereich der Terrentai Lodge in San Pedro de Atacama ist mit Holz und einem Kaktusbeet wind- und sichtgeschützt angelegt.
Der Poolbereich

Bei einem leckeren Essen in einem von einer Mauer umgebenen Restaurant mit offenem Innenhof und grossem Feuer geht dieser eindrucksvolle Tag zu Ende. Wenn du wissen willst, was wir neben einem starken Erdbeben noch so alles in der Atacama Wüste erlebt haben, solltest du den Beitrag Facetten der Atacama Wüste lesen.

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