Von Costa da Caparica zum Cabo Espichel – Leuchtturm, Kloster, Dinosaurierspuren und die Lagune von Albufeira

Könnt ihr euch vorstellen, dass zu Hause in der Schweiz alle bei 30 Grad schwitzen und ihr, die ihr ins westlichste Land Europas geflogen seid, friert? So ergeht es uns bei Ankunft Mitte Juni in Portugal. Und die Wettervorhersage spricht eher von wechselhaftem Wetter für die nächsten Tage. Insofern nutzen wir den ersten und wohl wettermässig noch schönsten der nächsten Tage, für einen Ausflug entlang des Meeres. Da wir etwas südlich von Costa da Caparica wohnen zieht es uns zum Cabo (Kap) Espichel. Es befindet sich an der südwestlichen Landspitze der Setubal Halbinsel. Dort warten der Leuchtturm und das Kloster von Cabo Espichel neben Spuren von Dinosauriern darauf, entdeckt zu werden. Auf dem Rückweg legen wir noch einen Stopp zum Abkühlen an der Lagune von Albufeira ein.

Der Weg ist auch ein Ziel oder die abwechslungsreiche Fahrt von Costa da Caparica zum Cabo Espichel

An den ehemals kleinen Fischerort Costa da Caparica schliesst sich ein ungefähr 30 km langer Sandstrand an. Durch die sich im weiteren Verlauf erhebende, fossile Steilküste sind manche der Strände gar nicht so einfach zu erreichen. Zufahrten führen zu den grossen Parkplätzen vor den verschiedenen Stränden.

Noch am Ankunftstag haben wir den langen Sandstrand und das Meer trotz der aufziehenden Wolken besucht. Von Costa da Caparica zum Kap Espichel.
Noch am Ankunftstag haben wir den langen Sandstrand und das Meer trotz der aufziehenden Wolken besucht.

Es stellt sich heraus, dass wir von Costa da Caparica zum Cabo Espichel nicht so wirklich an der Küste entlangfahren können, da die Lagune von Albufeira (Lagoa de Albufeira) weiträumig umfahren werden muss. Dennoch ist der Weg, der uns nach der Autobahn und unzähligen Kreiseln auch an der kleinen Lagune (Lagoa Pequena) – einem Vogelschutzgebiet – vorbeiführt bis zum Cabo Espichel sehr schön und abwechslungsreich.

Landschaftseindruck auf dem Weg von Costa da Caparica zum Kap Espichel
Landschaftseindruck auf dem Weg von Costa da Caparica zum Kap Espichel

Hinweis: Die Vogelbeobachtungsstation an der Lagoa Pequena beendet ihren Einlass jeweils eine Stunde vor Schliessung. Deshalb kommen wir vor der Mittagspause nicht mehr rein. Ansonsten könnte man hier auf Stegen übers Wasser und durch die Schilfgürtel laufen und von Beobachtungshäusern Vögel beobachten. Öffnungszeiten Mi, Fr, Sa, So: Hauptsaison (Mitte Juni – Mitte September) 10.30 bis 12.30 und 14.00 bis 18.30; Nebensaison 9.00 bis 13.00 und 14.00 bis 17.00.

Die Strasse führt uns durch alte Pinienwälder. Die Luft ist unglaublich würzig. Hier wachsen mit grösseren Abständen voneinander grosse Schirm-Kiefern auf dem Sandboden. Auch Korkeichen, deren untere Stämme geschält sind, sieht man immer wieder. Kleine Dörfer mit zunehmend schlechteren Strassen säumen den Weg im weiteren Verlauf unserer Fahrt von Costa da Caparica nach Cabo Espichel.

Eine Korkeiche (rechter Bildrand) und unterschiedliche Pinien säumen den Weg. Von Costa da Caparica zum Kap Espichel
Eine Korkeiche (rechter Bildrand) und unterschiedliche Pinien säumen den Weg.

Lässt man die letzte Siedlungen hinter sich, wird die Vegetation niedriger, buschig und häufig stachelig. Und dann taucht die Klosteranlage und etwas weiter entfernt der Leuchtturm in den Wolken auf. Es ist faszinierend. Eben schien die Sonne noch strahlend vom Himmel und kaum nähern wir uns der Küste wieder, ziehen tiefe Wolken über uns.

Das frisch renovierte Aquädukt neben der Strasse führt Wasser ins Wasserhaus des Klosters Espichel. Von Costa da Caparica zum Cabo Espichel.
Das frisch renovierte Aquädukt neben der Strasse führt Wasser ins Wasserhaus des Klosters am Cabo Espichel.

Entdeckungen am Kap Espichel

Schottlandfeeling am Leuchtturm von Cabo Espichel

Wir fahren erst einmal am Kloster vorbei bis zum Parkplatz des Leuchtturms. Als wir aussteigen, zerrt sofort der Wind an unserer Kleidung und wir frösteln leicht. Durch die tiefziehenden Wolken entsteht eine mystische Stimmung, welche uns sofort an Schottland erinnert.

Der Leuchtturm von Kap Espichel taucht immer wieder kurz aus den Wolken auf. Von Costa da Caparica zum Kap Espichel
Der Leuchtturm von Kap Espichel taucht immer wieder kurz aus den Wolken auf.

Die karge Landschaft mit den steilen Klippen ist also das Kap Espichel, welches auch Hollywood schon begeisterte. Hier wurden Szenen für die Verfilmung des Geisterhauses von Isabell Allende gedreht. Auch weitere Filme haben die wildromantische Landschaft verewigt (Lisbon Story, The invisible circus).

Wer wohl die Menschen waren, die einst ihren Wohnsitz auf den Klippen von Cabo Espichel hatten? Von Costa da Caparica zum Kap Espichel
Wer wohl die Menschen waren, die einst ihren Wohnsitz auf den Klippen von Cabo Espichel hatten?

Die Küste fällt am Kap Espichel steil zum Meer ab. Vor allem bei den Klippen am Leuchtturm vom Kap  Espichel ist Vorsicht geboten. Die Klippen bestehen aus Fels und einem sehr lockeren Gestein, so dass Wind und Wasser an der Küste nagen. Der Boden hängt teilweise in der Luft. Und im Gegensatz zum Kloster vom Cabo Espichel ist beim Leuchtturm nichts abgesperrt.

Wie in Schottland ändern sich auch hier die Lichtverhältnisse dauernd. Im kurzen Sonnenschein sieht die Welt gleich anders aus. Klippen am Leuchtturm von Kap Espichel
Wie in Schottland ändern sich auch hier am Cabo Espichel die Lichtverhältnisse dauernd. Im kurzen Sonnenschein sieht die Welt gleich anders aus.

Der Leuchtturm vom Cabo Espichel gehört zu den ältesten Leuchttürmen Portugals. Dieser wurde 1790 erbaut und mehrfach renoviert. Sein Licht sieht man noch in einer Distanz von 48 km. Er bildet das Gegenstück zum Leuchtturm am Cabo da Roca nördlich von Lissabon.  

Der Leuchtturm vom Kap Espichel. An welchem Wochentag er derzeit nachmittags besichtigt werden kann, müsst ihr vor Ort in einer Tourist-Information herausfinden.
Der Leuchtturm vom Kap Espichel. An welchem Wochentag er derzeit nachmittags besichtigt werden kann, müsst ihr vor Ort in einer Tourist-Information herausfinden.

Den Leuchtturm im Rücken wenden wir uns zuerst nach links und sehen Ruinen etwas entfernt im Nebel auftauchen. Da die Lichtstimmung einzigartig ist, machen wir einen kleinen Abstecher.  

Von weitem sehen die Ruinen neben dem Leuchtturm von Cabo Espichel im Nebel interessanter aus.
Von weitem sehen die Ruinen neben dem Leuchtturm von Cabo Espichel im Nebel interessanter aus.

Auf der anderen Seite des Leuchtturms erhält man einen wunderbaren Blick auf das Kloster am Cabo Espichel und sieht wie die Küste hier geologisch entstanden ist. Die Lichtverhältnisse ändern sich mit jeder vorbeiziehenden Wolke. Die Einsamkeit und Lichtstimmung dieses Ortes verzaubern uns. Es fällt uns schwer, uns zu lösen. Aber dann ist von jetzt auf gleich die Stimmung vorbei und die Sonne scheint, als wären nie tiefe Wolken über uns gezogen.

Das Kloster am Cabo Espichel vom Leuchtturm aus gesehen.
Das Kloster am Cabo Espichel vom Leuchtturm aus gesehen.

Das Heiligtum von Cabo Espichel

Als wir uns endlich zum Kloster vom Cabo Espichel begeben ist es Mittag und die Sonne scheint.  Da die Kirche von 12 -14 Uhr geschlossen ist, wirkt das menschenleere Kloster fast wie eine Filmkulisse.

Bei diesem Anblick höre ich innerlich den Anfang des Soundtracks von "Spiel mir das Lied vom Tod". Kloster am Cabo Espichel
Bei diesem Anblick höre ich innerlich den Anfang des Soundtracks von «Spiel mir das Lied vom Tod».

1410 soll dort, wo heute die Kapelle Ermida da Memória steht, die Jungfrau Maria erschienen sein. Es folgte 1432 die Gründung der Bruderschaft Nossa Senhora do Cabo Espichel. König Peter II ist der Bau der Barocken Wallfahrtskirche Igreja de Nossa Senhora do Cabo zu verdanken. Im Gegensatz zu den weiteren Gebäuden, die bis 1770 entstanden und sehr verfallen sind, ist die Kirche im Inneren sehr beeindruckend. Vor allem die perspektivische Malerei und der Hochaltar sind absolut sehenswert.

Die Kapelle Ermida da Memória am Cabo Espichel - Die Kapelle gehört zum Kloster am Cabo Espichel
Die Kapelle Ermida da Memória am Cabo Espichel

Allerdings seht ihr hier keine Bilder, weil fotografieren und filmen jeder Art verboten ist. Eine alte Dame wacht streng darüber, dass nur die erlaubte Anzahl Personen und die sonstigen Regeln in der Kirche eingehalten werden. Mit Öffnung der Kirche sind auch wieder deutlich mehr Menschen unterwegs.

Die Gebäude neben der Kirche dienten als Unterkünfte für die Pilger. Bei näherem Hinsehen sieht man, wie stark zerfallen sie sind. Allerdings beginnt man langsam mit den Restaurationen. So wurden das Wasserreservoir und das Aquädukt bereits instandgesetzt.

Das Kloster am Cabo Espichel vom Meer aus gesehen.
Das Kloster am Cabo Espichel vom Meer aus gesehen.

Spuren von Dinosauriern am Cabo Espichel

Im Beitrag «Portugal Rundreise» habe ich ja erzählt, wie es dazu kam, dass wir ganz spontan und unvorbereitet zu unserem 3-wöchigen Portugal Roadtrip aufgebrochen sind. Insofern sind wir vom Hinweisschild zu den Spuren von Dinosauriern an der Strasse kurz vor dem Heiligtum am Cabo Espichel überrascht. Warum also nicht, einmal wissentlich dort stehen, wo vor ein paar Millionen Jahren mal Dinos gestanden haben?

Also parken wir und folgen der Ausschilderung. So ganz ohne Zeitangabe und ohne Vorstellung, was uns erwartet, laufen wir abwärts. Immer, wenn wir denken, das kann doch nicht richtig sein, kommt wieder einmal ein Wegweiser. So laufen wir 25 Minuten immer in der Hoffnung, gleich kommen sie. Etwas ernüchtert sind wir dann doch, als wir sie endlich erreicht haben. Der Weg führt nämlich auf einen Felsvorsprung, von dem aus man den Felsen, auf dem das Kloster am Cabo Espichel steht, gut sehen kann. Und darauf sollen sich die Kratzspuren von Dinosauriern befinden? Auf dem Hinweisschild sind die Stellen markiert, aber selbst mit viel Fantasie sind die Spuren für uns sehr schwer vorstellbar.

Klippe mit Spuren von Dinosauriern am Cabo Espichel
Klippe mit Spuren von Dinosauriern am Cabo Espichel
Selbst mit Anleitung sind die Spuren der Dinosaurier am Cabo Espichel schwer zu entdecken.
Selbst mit Anleitung sind die Spuren der Dinosaurier am Cabo Espichel schwer zu entdecken.

Die Spuren der Dinosaurier sind etwas enttäuschend. Allerdings würde es uns reizen, dem Küstenwanderweg weiter zu folgen. Nur unser Auto steht leider am Parkplatz auf der Strasse. So müssen wir jetzt in der Hitze den Weg bergauf zurücklaufen. Wenigstens kommt ab und zu ein kühler Lufthauch vom Meer und kühlt den Kopf, während der Boden Hitze abgibt, als würden wir im Backofen laufen.

Beim Schreiben des Beitrags entdecke ich, dass es noch weitere Spuren geben muss, die in der Legende dem Maultier, welches die Jungfrau Maria zur Kapelle getragen hat, zugeschrieben werden. In Wirklichkeit sind die Vertiefungen jedoch weitere Dinosaurierspuren, die uns entgangen sind. Ob wir doch noch hätten weiterlaufen müssen?

Die Lagune von Albufeira (Lagoa de Albufeira)

Nach diesem Spaziergang zu den Dinosaurier Spuren am Cabo Espichel haben wir uns ein wenig Abkühlung verdient. Deshalb fahren wir zur Lagune Albufeira. Je näher wir kommen, desto deutlicher wird es, dies ist ein beliebtes Feriengebiet. Überall überbieten sich Unterkünfte mit gepflegten Gärten um die Gunst der Gäste. Und dann sehen wir die Lagune von oben. Zwischen dem offenen Meer und der Lagune liegen ungefähr 300 m feinster Sandstrand aufgetürmt, so dass die Lagune momentan kein Frischwasser bekommt. Bevor die Welt am Meer endet, empfängt ein grosser Parkplatz die Besucher. Es ist wenig los. Das Meer sieht man nicht mehr.

Wir laufen fasziniert mit all unserem Zeug zur Lagune Albufeira. Da einige Einheimische im meist flachen Wasser der Lagune spazieren gehen, probieren es die Mädels auch. Das Wasser hat angenehme Temperaturen, aber in der Lagune treiben tote Quallen. Der schlammige Untergrund und der leichte Fäulnisgeruch, welcher aufsteigt, sind nicht einladend.

Blick vom Parkplatz auf die Lagune von Albufeira - Von Costa da Caparica zum Cabo Espichel
Blick vom Parkplatz auf die Lagune von Albufeira

So erkunden wir abwechselnd das Meer. Es geht kurz flach rein und dann wird es abrupt tief. Zum Schwimmen ist es hier weniger geeignet, dafür macht das Wellenspringen Spass. Wobei die Wellen kräftig sind und das Wasser eiskalt ist.

So fühlt sich Urlaub an. Im Sand trocknen, den E-Reader in der Hand und die Sonne auf der Haut. Obwohl wir die Lagune von Albufeira erst nach 17.00 Uhr erreichten, brennt die Sonne noch ordentlich. So verlassen wir den Strand, nachdem wir wieder getrocknet sind. Ein kleiner Hunger macht sich inzwischen bei allen bemerkbar.

Costa da Caparica vom einstigen Fischerort zum Urlauberparadis

So schliesst sich der Kreis und wir fahren von der Lagune von Albufeira direkt nach Costa da Caparica. Folgt man in Costa da Caparica der Strasse immer in Richtung Meer kommt man an einen Kreisel, an dem es nur noch rechts oder links geht, vorbei. Davor gibt es einen grossen Parkplatz, auf dem sich Surfer umziehen. Dort befindet sich neben der Polizei auch die Tourist-Information.

Wir nehmen die linke Ausfahrt. An dieser Strasse reihen sich moderne Appartementhäuser, Geschäfte und Hotels wie die Perlen einer Kette aneinander. Ein Restaurant neben dem anderen wartet auf Gäste. Parkplätze entlang der Strasse gibt es viele.

Blick auf die an der Innenstadt gelegene Strandfront von Costa da Caparica
Blick auf die an der Innenstadt gelegene Strandfront von Costa da Caparica
Surfer kann man scheinbar bei fast jedem Wetter in Costa da Caparica beobachten.
Surfer kann man scheinbar bei fast jedem Wetter in Costa da Caparica beobachten.

Costa da Caparica hat auch eine nette kleine Fussgängerzone mit vielen Geschäften, die wir an einem der nächsten Tage besuchen. Die Wetterkapriolen lassen uns frieren, so dass wir fast vergeblich noch etwas Wärmendes zum Anziehen suchen. Die Geschäfte sind von ihrem Angebot her auf Touristen, Sommer und Strand eingestellt.

Heute versuchen wir, uns nur für ein Restaurant zu entscheiden und lassen uns dabei von der Speisekarte leiten. Erst als wir sitzen, stellen wir fest, dass ein grosser Flachbildschirm auf der Terrasse steht.

Bevor das Spiel Schweiz gegen Italien angepfiffen wird, füllt sich die Terrasse bis auf den letzten Platz. Nun befinden wir vier Schweizer uns allein inmitten lauter Italienfans. So ungefähr dürfte sich auch ein Ausserirdischer fühlen. In der Halbzeitpause haben wir fertig gegessen und verlassen die Lokalität. Damit endet unser Ausflug von Costa da Caparica zum Cabo Espichel. Allen, die in Lissabon Urlaub machen und ein Auto zur Verfügung haben, können wir diesen Ausflug nur empfehlen.

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