01 – Ans Ende der Welt – Ushuaia

Panoramabild der Bahia Lapataia im Tierra del Fuego Nationalpark
Bahia Lapataia im Tierra del Fuego Nationalpark

Die Reise zum Ende der Welt

Der Urlaub fängt an, als wir endlich im Flugzeug sitzen und das Gepäck aufgegeben ist. Es ist eine Erleichterung: Jetzt kann nichts mehr umgepackt werden, vergessen ist nun unwiderruflich vergessen. Das Packen war für diesen Urlaub wirklich eine Herausforderung, denn wir brauchen von warmen Sachen bis zu Kleidung, die für die Tropen geeignet ist, alles. Jedes Familienmitglied hat eine Reisetasche und einen Rucksack. Drei Reisetaschen packen wir mit 16 kg, die vierte Reisetasche hat etwas mehr Gewicht. Unsere Kalkulation war, dass wir dann nur für eine Tasche Übergepäck bezahlen müssen. Die Gewichtsbeschränkungen bei Gepäck sind im Inlandsverkehr deutlich niedriger als im internationalen Verkehr siehe Reisetipps Anreise. Wir haben auf der ganzen Reise Glück und müssen als internationale Fluggäste keinen Aufschlag bezahlen.

Wir fliegen von Zürich über Frankfurt nach Buenos Aires mit Lufthansa. Diese Entscheidung haben wir vor dem Hintergrund getroffen, dass wir noch genug Meilen für ein Upgrade auf die Business Class hatten. Die Flugzeit nach Buenos Aires dauert ca. 14 Stunden. Der Flug geht über Nacht, da lohnt sich ein Upgrade mit den Kindern richtig. Auch das Warten im gemütlichen Loungebereich mit dem appetitlichen Buffet trägt dazu bei, dass der Stress des Abflugtages schnell von uns abfällt.

Pünktlich landen wir ausgeruht bei Sonnenschein in Buenos Aires. Unser Gepäck kommt schnell. So machen wir uns auf die Suche nach der Bushaltestelle, von welcher der Bus zum Inlandsflughafen abfährt. Auf dem Weg dorthin besorgen wir uns am Geldautomaten noch Geld in Landeswährung und Getränke.

Leider ist der Bus schon voll, als wir ihn gefunden und die Tickets erstanden haben. So müssen wir auf den nächsten Bus warten und da der Besitz eines Tickets nicht bedeutet, auch Anspruch auf einen Sitzplatz zu haben, müssen wir diesen Anspruch durch geduldiges Schlangestehen verteidigen. Es bildet sich eine Riesenschlange, aber nur ein Minibus fährt vor. Dank unserer Pole Position bekommen wir einen Platz und werden direkt, d.h. ohne den üblichen Umweg durch die Innenstadt, zum Inlandsflughafen gefahren.

Die Autobahn ist eine einzige Baustelle. Statt ersten Eindrücken von der Stadt sehen wir nun die Häuser der Ärmsten entlang der Autobahn, die abenteuerlich in die Höhe und nur halb fertig gebaut sind. Dafür sind wir schneller am Flughafen und können unser Gepäck wieder einchecken. So von der Last befreit, essen wir etwas Pizza und nötigen unsere Kinder nach draussen in die Sonne. Wir flanieren auf der Uferpromenade des Rio de la Plata. Überall gibt es Stühle für Angler, die gleich links und rechts eine Haltevorrichtung für die Angeln mitbringen. Ein paar Schritte weiter, in einem kleinen Park sehen wir unsere ersten gelb-grünen Papageien und können die Flugzeuge bei der Landung beobachten.

Bild Rio de la Plata mit Hochhäusern im Hintergrund und Anflug eines Flugzeuges auf den Flughafen
Anflug auf den Aeroparque Jorge Newbery – Buenos Aires

Nach vier Stunden Flug empfängt uns Ushuaia mit 3° C und Schneeregen. Auf den Bergen liegt Puderzuckerschnee. Unser Gepäck hat es wieder geschafft und kommt auch noch irgendwann auf dem Band angefahren. Während wir warten, helfen wir einer jungen Mutter, die neben ihrer Tochter gefühlt einen halben Umzug auf dem Gepäckband entgegennehmen muss. Ihre Familie wartet draussen, aber bis dahin ist sie auf sich allein gestellt.

Auf uns wartet draussen der Fahrer vom Flughafenshuttle der Unterkunft. Das Auto ist viel zu klein für uns und das Gepäck. Dennoch quetscht der Fahrer uns alle samt Gepäck ins Auto. Hinten passen mit Ach und Krach drei Reisetaschen in den Kofferraum. Jörg bekommt die vierte als Beifahrer hochkant auf den Schoss. Wir übrigen drei quetschen uns auf die Rücksitze und erhalten noch alle 4 Rucksäcke oben drauf. Das Anschnallen ist nicht mehr möglich.

Unsere Hosteria liegt recht weit oben am Berg. Die Strassen sind sehr steil und durch das Einbahnstrassensystem fährt man stets hoch und runter. Das total überladene Auto kämpft sich munter den Berg hoch. Hundemüde wie wir sind, gibt es noch ein Problem beim Check-in, da die Kreditkarte nicht funktioniert. So müssen wir auch noch zu Hause das Kreditkartenunternehmen anrufen und die Karte für Südamerika entsperren lassen. Dann endlich können wir unsere schönen Zimmer ganz oben beziehen und fallen nur noch tot ins Bett.

106 Huskies auf einem Haufen

Früh werden wir vom anhaltenden Bellen eines Hundes mit einem traumhaften Sonnenaufgang geweckt und gehen motiviert zum Frühstück. Die Frühstücksschicht hat den Kaffee leider mit dem sehr chlorhaltigen Leitungswasser gekocht. Und der Rest des Frühstücks ist geschmacklich auch nicht viel besser. Wieder oben im Zimmer sehen wir, dass die Sonne unter einer dicken Wolkenschicht verschwunden ist. Das hindert uns aber nicht in unserem Entdeckerdrang.

Bild Kurz bevor die Sonne in Ushuaia aufgeht, zeigt zur blauen Stunde das erste orange Licht am Horizont mit Spiegelung im Wasser.
Kurz bevor die Sonne in Ushuaia aufgeht

Zu Fuss begeben wir uns in die Stadt und kaufen gleich im ersten Supermarkt Äpfel und Bananen. Die Schokolade ist jenseits ihres Verfalldatums und als Importprodukt masslos überteuert, so dass wir sie ignorieren und auf eine spätere Gelegenheit hoffen.

Als wir in die Hauptgeschäftsstrasse einbiegen, fängt es an zu regnen. Da die meisten Geschäfte ein Vordach haben, bleiben wir recht trocken. Plötzlich hören wir lauten Lärm, der an einen Karnevalsumzug erinnert. Es stellt sich heraus, dass es sich um einen Streik vor dem Stadthaus handelt. Die Zugangsstrassen sind mit brennenden Paletten gesperrt und die Streikenden machen ihrem Unmut mit Trommeln und Pfiffen Luft. Wir können die Streikenden problemlos passieren und erfahren dann in der Tourist-Info, dass dies auch der Grund ist, warum der Lift zum Gletscher nicht in Betrieb ist.

Nach Kenntnis des Busfahrplans von Ushuaia beschliessen wir spontan und entgegen der ursprünglichen Absicht, ein Auto zu mieten. Bei der Autovermietung in der Nähe der Tourist-Information gibt es genau ein Fahrzeug, welches glücklicherweise gerade zurückgegeben worden ist.

Wir übernehmen es schmutzig wie es ist. Der Vertrag kommt mit drei Brocken Englisch seitens des Autovermieters und 3 Brocken Spanisch unsererseits zustande. Die Gasheizung in dem kleinen Office bemühte sich derweil ein tropisches Feeling aufkommen zu lassen. Mit der neu gewonnen Freiheit versuchen wir als erstes mit Stadtplan bewaffnet, unsere Hosteria im Dschungel aus Einbahnstrassen wiederzufinden.

Der Ort ist wie ein Schachbrett aufgebaut. Innerorts müssen alle Strassen, die parallel zum Meer verlaufen, Vorfahrt gewähren, während die senkrecht dazu laufenden Strassen freie Fahrt haben. Dieses System macht wirklich Sinn, denn so steil wie die Strassen den Berg hinaufführen, wäre das Anhalten und Anfahren im Winter recht problematisch. Dazu kommt, dass fast alle Strassen Einbahnstrassen sind. Wir gewinnen den Eindruck, dass ansonsten jeder fährt wie er will und neue Spuren eröffnet, wo sich Platz dafür findet.

Mit dem angebrochenen Tag beschliessen wir unser Glück auf einer Huskyfarm zu versuchen. Entlang der Strasse nach Tolhuin soll es laut Reiseführer einige Huskyzüchter geben. Die Besuchszeiten sind jedoch ungewiss. Unser Weg führt uns durch ein riesiges Industriegebiet mit löchrigen Strassen, die tiefe Spurrillen haben, in denen das Wasser steht.

Die Strasse nach Tolhuin führt dann in die Berge, von denen leider nur Schemen sichtbar sind. Je höher wir kommen, desto weisser wird die Landschaft. Wir sehen nicht das kleinste Hinweisschild auf die Huskies.

Bild Berg mit Puderzuckerschnee am Rande Ushuaias
Berg mit Puderzuckerschnee am Rande Ushuaias

An einem Skilift halten wir an und fragen auf dem Parkplatz. Wir sind schon viel zu weit gefahren. So fragen wir uns durch. Irgendwann fragen wir auch bei jemandem nach, der ein Schild mit Werbung für Biberbeobachtungen an der Einfahrt stehen hat.

So kommt es, dass wir für den nächsten Abend ein «beaver watching» mit anschliessendem Abendessen buchen. Die Wegbeschreibung führt uns zu einem grossen leeren Parkplatz. Neben einem geschlossenen Souvenir-Kiosk gibt es ein grosses Tor, hinter dem sich lauter Hunde befinden. Jörg klopft an und das Glück ist mit uns.

Wir werden von Hugo Flores, dem Besitzer der Huskies, begrüsst und in eine gemütliche Holzhütte geleitet. Auf den Bänken liegen Schaffelle und in der Mitte steht ein Eisenofen, der wohlige Wärme verbreitet. Während er die Hunde anspannt, müssen wir in der Hütte warten. Wir verstehen auch schnell warum: Jeder der 106 Huskies möchte einer der acht sein, die laufen dürfen. Das Spektakel ist unglaublich. Die Hunde bellen und winseln in allen Tonlagen. Sie springen Saltos an ihrer Kette und machen einfach alles, um auf sich aufmerksam zu machen. Der Baumstamm, der vor dem Wagen liegt, kann diesen kaum halten, so sehr ziehen die Hunde schon daran, bevor es auch nur losgeht. Die Kraft und Freude der Tiere an der Bewegung ist unglaublich.

Die Fahrt in dem kleinen Wagen mit Rädern ist rasant. Wir versuchen, nicht aus dem Wagen zu fallen. Die Pfützen, durch welche wir fahren, haben schon die Ausmasse von Teichen. Zwei Mal halten wir kurz an und bekommen Erläuterungen zur Landschaft. Die Huskies wollen aber nicht anhalten, sondern rennen. So sind die Stopps sehr kurz.

Später bei einem gemütlichen Kaffee und Keksen erzählt uns Hugo Flores von seinem Leben und wie er eines Tages seinen Job als Banker an den Nagel gehängt und mit der Huskyzucht angefangen hat. Er trainiert jeden Tag 30 Hunde und nimmt auch an internationalen Schlittenhunderennen teil. Wir unterhalten uns lange.

Zum Schluss dürfen wir die Hunde knuddeln und fotografieren, wobei wir die Hierarchie einhalten müssen. Zuerst müssen wir die Leithunde begrüssen, erst dann dürfen wir auch die anderen begrüssen. Bei der Fütterung ist es wohl genauso. Wir waren erstaunt, dass die Hunde nur Trockenfutter erhalten. Jeder von uns hat sich in ein anderes Hundegesicht verliebt.

Bild 1 Husky Portrait
Bild 2 Husky Portrait, Husky mit braunen Augen und braunem Fell mit hängender Zunge
Bild 3 Husky Portrait, braune Augen, Fellfarbe weiss bis braun
Bild 4 Husky Portrait, Husky mit blauen Augen und braunem Fell voller Wassertropfen
Bild 5 Husky Portrait, Husky mit braunen Augen, nassem beigem Fell und hechelnd
Bild 6 Husky Portrait, junger Husky mit braunen Augen und braunem Fell
Bild 7 Husky Portrait, Husky mit blauen Augen und weiss-schwarzem Fell
Bild 8 Husky Portrait, Husky mit einem braunem und einem blauen Auge, graue Schnauze mit grauem Strich zwischen den Augen und braunem Fell mit grauen Haaren
Bild 9 Husky Portrait, Husky mit blauen Augen mit beige und braunem Fell, bleckt sich die Zähne

Auf der Suche nach einem Restaurant, kommen wir an einer Chocolateria vorbei und wittern unsere Chance, gute schwarze Schokolade zu erstehen, mit der wir das Frühstück aufpeppen können. Der maximale Kakaogehalt beträgt leider nur 40 %. Wir schlagen trotzdem zu. Auf dem weiteren Weg vergeht unseren Kindern spontan der Appetit als wir am ersten Asado Restaurant vorbeikommen und sie die halben Tiere über dem Grill aufgespannt sehen. Nach einiger Suche finden wir ein Restaurant, welches eher ihren Vorstellungen entspricht und mit dem auch Jörg sich anfreunden kann. Mit diesen Eindrücken geht der erste Urlaubstag zu Ende.

Von Bauherren und Wegelagerern oder Wandern im Tierra del Fuego Nationalpark

Am nächsten Morgen ist der Himmel wolkenverhangen, aber wenigstens regnet es nicht. So fahren wir zum Tierra del Fuego Nationalpark. Der Park liegt in der anderen Richtung. Auf dem Weg dorthin erleben wir unseren ersten Kreisel in Ushuaia. Kurz bevor man den Kreisel erreicht, eigentlich noch voll darauf konzentriert, auf dem Schild herauszufinden, welches die richtige Ausfahrt sein könnte, erhebt sich eine Schwelle von der Höhe einer Sprungschanze auf der Strasse. Man muss sein Auto fast auf null abbremsen und vorsichtig darüberfahren, sonst setzt es auf.

Der Nationalpark ist erst ausgeschildert als wir praktisch am Eingang stehen. Wir bezahlen den für Ausländer deutlich teureren Eintrittspreis und folgen als erstes dem Weg zum Ausgangspunkt für die kurze Wanderung zu den Wasserfällen des Rio Pipo. Auf dem Weg dorthin begegnet uns der Tren del Fin del Mundo. Wir haben uns gegen die teure Fahrt entschieden, freuen uns aber, ihn in Aktion zu sehen und warten bis er an uns vorbeigefahren ist. War der Zug früher die Werkbahn des Gefängnisses, so ist er heute dem Transport der Touristen vorbehalten. Nähere Hinweise zum Zug findet ihr in den Reisetipps.

Bild El Tren del Fin del Mundo, Tierra del Fuego Nationalpark - Dampflokomotive, die ihrem Namen Ehre macht
El Tren del Fin del Mundo, Tierra del Fuego Nationalpark – Dampflokomotive, die ihrem Namen Ehre macht

Der Spaziergang, Wanderung kann man das kaum nennen, entlang des Rio Pipo ist landschaftlich sehr schön. Wir waren die einzigen, die unterwegs waren.

Als nächstes führt uns der Weg zum einzigartigen Postamt am Ende der Welt. Dort stellen wir uns auf Wunsch der Kinder in die lange Schlage und kaufen Aufkleber für die letzte Seite unseres Passes.

Bild Unidad postal del fin del mundo, Tierra del Fuego Nationalpark, Ushuaia zeigt einen Steg auf Stelzen mit einer Wellblechhütte in der das Postamt untergebracht ist.
Unidad postal del fin del mundo, Tierra del Fuego Nationalpark

Von dem grossen Parkplatz aus kann man auch den Küstenwanderweg «Sendera de la Costa» beginnen. Er ist 6,5 km lang. Wir überzeugen die Mädels wenigstens einen Teil des Weges zu gehen, da dies kein Rundwanderweg ist.

Klippen, Märchenwald und grünliche Steinstrände, Steine, Moose und Flechten – es gibt so viel zu entdecken, dass wir Eltern ewig hätten laufen können. Unsere Kinder sehen dies leider anders, so kehren wir nach 2/3 des Weges um.

Bild Bucht im Tierra del Fuego Nationalpark, Ushuaia zeigt Felsen, Kiesstrand und urwüchsige Bäume in Herbstfärbung und im Hintergrund schneebedeckte Berge
Bucht im Tierra del Fuego Nationalpark

Anschliessend fahren wir weiter entlang der Strasse. An einem Parkplatz zu einem Aussichtspunkt werden wir von einem bettelnden Fuchs am Wegfahren gehindert. Er geht bettelnd von Auto zu Auto und macht unmissverständlich klar, was er gern möchte, indem er sich mit der Zunge über die Schnauze fährt. Das Füttern der Füchse ist aber streng verboten, insofern hat er Pech. Kaum haben wir ausgeparkt, stellt er sich dann ganz siegessicher einfach direkt vor unser Auto, so dass wir wieder anhalten müssen. Erst die Hupe kann ihn vertreiben. Wir treffen im Verlauf des Tages noch auf den einen oder anderen Fuchs, aber so dreist hat sich keiner mehr verhalten.

Bild Wegelagerer im Tierra del Fuego Nationalpark, das Bild zeigt einen bettelnden Fuchs
Wegelagerer im Tierra del Fuego Nationalpark

Nächster Halt ist die Bucht von Lapataia. Inzwischen ist die Sonne hervorgekommen. Wir geniessen die unglaubliche Aussicht. Anschliessend machen wir uns auf den Weg, zu den ganz in der Nähe liegenden Biberstaudämmen. Leider suchen wir auf der falschen Seite des Weges, so dass aus diesem ganz kurzen Weg eine weitere kleine Wanderung ohne Biber wird. Kurz vor der endgültigen Verzweiflung der Mädchen finden wir die Meisterbauwerke dann doch noch. Sie haben mit ihren Dämmen riesige Überschwemmungsflächen geschaffen. Leider ist kein Biber zu sehen.

Bild Schild "Das Ende der Ruta Nr. 3 im Tierra del Fuego Nationalpark, u.a. mit Kilometerangaben nach Buenos Aires (3079 km) und Alaska (17848 km)
Das Ende der Ruta Nr. 3 im Tierra del Fuego Nationalpark
Panoramabild der Bahia Lapataia im Tierra del Fuego Nationalpark
Bahia Lapataia im Tierra del Fuego Nationalpark
Bild Baumschmuck Tierra del Fuego Nationalpark, das Bild zeigt eine pyramidenförmige Flechte
Baumschmuck Tierra del Fuego Nationalpark
Bild Überschwemmung durch Biberstaudämme im Tierra del Fuego Nationalpark
Überschwemmung durch Biberstaudämme im Tierra del Fuego Nationalpark

Jörg holt das Auto und wir fahren bei schönstem Sonnenschein zurück nach Ushuaia. Bevor wir den Nationalpark verlassen, halten wir noch an einem Weg zu einem schönen Moorsee. Auf der Rückfahrt geniessen wir den Blick auf den Beagle-Kanal und die schneebedeckten Berge.

Bild Moor mit See und schneebedeckten Bergen im Hintergrund im Tierra del Fuego Nationalpark
Moor im Tierra del Fuego Nationalpark
Bild Blick auf den Beagle Kanal vom Tierra del Fuego Nationalpark, Ushuaia zeigt im Hintergrund schneebedeckte Berge und weisse Woken vor grauem Himmel
Blick auf den Beagle Kanal vom Tierra del Fuego Nationalpark
Bild Schiff auf dem Trockenen, Ushuaia, im Hintergrund Häuser und schneebedeckte Berge
Schiff auf dem Trockenen, Ushuaia

Nach einer kurzen Pause in der Hosteria geht es dick angezogen wieder los zu unserer abendlichen Verabredung mit dem Biber. Wir werden vom Landbesitzer auf der Ladefläche seines Pickups zum Biberbau gefahren. Herr und Frau Biber arbeiten an ihren Wintervorräten und sind nur im Wasser schwimmend zu sehen.

Bild Lichtstimmung auf dem Weg zum Biber, schneebedeckte Bergspitzen, Nebel und Wolken im Hintergrund, im Vordergrund Moor
Lichtstimmung auf dem Weg zum Biber
Bild Biber im Wasser schwimmend
Biber im Wasser, Ushuaia

In den Pausen, in denen sie abtauchen, erklärt uns unser Begleiter, dass die argentinische Regierung 1946 zur Ankurbelung der Wirtschaft 25 kanadische Biber aussetzen lies. Die Biberpaare haben sich dank fehlender Frassfeinde zu einer Plage gigantischen Ausmasses fortgepflanzt. Heute leben geschätzte 150.000 -200.000 Biber auf Feuerland.

Die Pelze der auf Feuerland lebenden Biber sind kürzer und weniger dicht als die ihrer Verwandten in Kanada und eignen sich somit nicht für die Pelzindustrie. Das Fleisch junger Biber schafft es auf die Vorspeisenliste in manchen Restaurants. Trotz bereitgestellter Gelder seitens der Regierung lohnt sich die Jagd auf Biber nicht, denn sie sind sehr scheu und schlau. Zumal es gut bezahlte Arbeit in anderen Sektoren auf Feuerland gibt. Die Biber haben es inzwischen sogar geschafft, die Magellanstrasse zu durchschwimmen und das argentinische und chilenische Festland zu erobern.

Die Schäden, die durch das Fällen der Bäume entstehen sind nur eines der Probleme, die Überflutung grosser Waldgebiete führt zum Absterben des uralten Baumbestandes. Ein Biberpaar fällt ungefähr 200 Bäume im Jahr, um an die grünen Blätter zu kommen.

Zwei Mal fühlt sich der Biber durch unsere Unterhaltung gestört. Er klatscht laut mit dem flachen Schwanz aufs Wasser und warnt auf diese Art und Weise seine Familie vor uns und taucht ab. Viel zu schnell ist es dunkel und wir fahren zum für uns zubereiteten Abendessen.

In einem riesigen kalten Raum warten Unmengen an gegrilltem Fleisch, begleitet von einem Kartoffel- und Tomatensalat auf uns. Auf die Frage, wieviel Gäste sie noch erwarten, erklären uns die Jungs, die gegrillt haben, dass man in Argentinien mit wenigstens 500 g Fleisch pro Person bei einem Grillfest rechnet. Bei guten Freunden kann es auch ein wenig mehr sein. Da für uns ein Bruchteil der Menge reicht, werden die Jungs wohl auch noch satt. Wir bleiben nach dem Essen nicht mehr sitzen, denn die Kälte kriecht in alle Knochen. So fahren wir im Dunklen zurück in die Hosteria.

Auf der Suche nach Kondoren oder unser Weg über Tolhuin zum Lago Yehuin

In Ushuaia regnet es in Strömen, der Lift zum Gletscher ist immer noch ausser Betrieb, so beschliessen wir unser Glück woanders zu versuchen. Tolhuin ist immerhin 100 km entfernt. Um da hin zu kommen, braucht unser Auto aber erst einmal Treibstoff. Die erste grosse Tankstelle, die wir ansteuern, hat schon mal kein Super mehr. Die kleine Tankstelle am Ortsausgang führt Super, wie der langen Schlange von Autos zu entnehmen ist. So müssen wir uns in Geduld üben, bis wir dran sind. Der Tankwart betankt die Autos und nimmt auch das Bargeld entgegen. Karten werden keine genommen und Wechselgeld wird auch keins herausgegeben. Entweder man hat es passend oder man hat Pech.

Das Fahren im strömenden Regen mit den tiefen, wassergefüllten Spurrillen auf der Strasse macht keinen Spass, aber immerhin hört der Regen auf, als wir Tolhuin erreichen. Das berühmteste Haus in diesem erst 1970 gegründeten Ort ist die Panaderia La Union. Natürlich freuen wir uns nach dem langweiligen Frühstück in der Hosteria auf richtig gute Bäckerprodukte. Von der Auswahl sind wir jedoch erschlagen und völlig überfordert. Als wir an der Reihe sind, deuten wir auf lauter verschiedene Dinge in der Auslage und bestellen uns noch Getränke dazu.

Während wir kosten, was wir ausgewählt haben, sehen wir riesige Sandwiches mit überhängenden Fleischscheiben in den Mündern unserer Tischnachbarn verschwinden. Fasziniert und ein wenig neidisch beobachten wir die Technik diese Sandwiches zu essen. Als Erstes wird der obere Deckel aufgeklappt und je nach Vorliebe des Gastes kommt dann Mayonnaise, Ketchup oder beides drauf. Dann wird der Deckel wieder aufgelegt. Nun kommt in den hinteren Teil des Sandwiches ein Zahnstocher zur Fixierung und nach diesen Vorbereitungen kann man vorne herzhaft reinbeissen.

Gestärkt begeben wir uns in die Tourist-Info und fragen, wo genau nun der beste Ort ist, um die Kondore zu beobachten. Die Dame schickt uns 18 km hinter Tolhuin auf eine Schotterpiste, die nach 44 km am Lago Yehuin endet. Auch ohne Kondore ist die Fahrt wildromantisch. Mit Flechten behangene Bäume wechseln sich ab mit Raubvögeln, Guanakos und Rinderherden im Familienverband. Die Landschaft ist traumhaft.

Am See streifen wir mutterseelenallein durch die Ruinen von Ferienanlagen. Es weht eine ordentliche Brise, so dass uns irgendwann kalt wird und wir noch versuchen, am Parador einen Hinweis auf Kondore zu erhalten. Der Zugang ist leider verschlossen, so machen wir uns ganz langsam und gemütlich auf den Rückweg. Unterwegs sehen wir nun auch etwas von der Landschaft, die auf dem Hinweg im Regen unsichtbar war. So geht ein weiterer erlebnisreicher Tag seinem Ende entgegen.

Bild Impressionen Lago Yehuin, das Bild zeigte eine üppig blühende Wiese, Baumstämme toter Bäume, den See mit Wellengang, im Hintergrund Berge
Impressionen Lago Yehuin
Bild Impressionen Lago Yehuin, das Bild zeigte eine üppig blühende Wiese, Baumstämme toter Bäume, den See mit Wellengang
Impressionen Lago Yehuin
Wind am Lago Yehuin
Bild Lichtstimmung am Lago Fagnano, das Bild zeigt regnende Wolken und einen Hauch Sonnenschein, im Hintergrund Berge
Lichtstimmung am Lago Fagnano

Südamerika im Kleinen vereint im Hafen von Ushuaia

Anlässlich eines runden Jahrestages der Seeschlacht von Montevideo treffen sich die Segelschulschiffe von Argentinien, Venezuela, Ecuador, Chile, Kolumbien und Brasilien im Hafen von Ushuaia. Die Öffentlichkeit darf die Schiffe heute Vormittag besichtigen. Geduldig warten wir mit vielen anderen Besuchen, dass die Tore zum Hafen sich öffnen. Als erstes besuchen wir das Schiff von Venezuela. Es ist das mit Abstand edelste und gepflegteste Schiff. Die Besatzung trägt attraktive Uniformen.

Das komplette Gegenteil ist das Schiff von Ecuador. Ein freundlicher Holzpirat begrüsst uns an der Gangway. Die Crew ist noch nicht fertig mit den Vorbereitungen und trägt alles, nur keine Ausgehuniform. Am Schiff nagt überall sichtbar der Zahn der Zeit. Die Masten sind mit Comicfiguren verziert, u.a. Popeye. Während wir das Schiff besichtigen, versucht die Crew eine überdimensional grosse Fahne zu enthüllen. Alles ist ein wenig schlampig, aber liebenswert.

Das Schiff von Brasilien empfängt seine Besucher mit lauter, rhythmischer Musik aus grossen Lautsprechern. Alle Besucher werden per Handschlag begrüsst und dürfen sich die Mütze des Offiziers für Fotos ausleihen. Das ganze Schiff strahlt pure Lebensfreude aus.

Bei den Chilenen läuft an Bord alles sehr korrekt. Die Besatzung spricht gut Englisch. Wir erfahren, dass dies ein Ausbildungsschiff für Offiziere und Unteroffiziere ist. Sie müssen im Rahmen ihrer Ausbildung ein halbes Jahr auf dem Schiff verbringen. Das Schiff von 130 m Länge ist dann das Zuhause von 336 Leuten. Sie arbeiten in 4 Stunden Schichten. Die eigentliche Härte ist aber, dass es kein warmes Wasser auf dem Schiff gibt.

Das Schiff von Kolumbien hat keinen Liegeplatz am Hafenquai bekommen und ist deshalb erst zu besichtigen, wenn einer der Arktiskreuzer ausgelaufen ist.

Zum Schluss laufen wir noch über das argentinische Schiff. Offensichtlich hat die Crew einige Familienmitglieder und Freunde zu begrüssen. So machen wir uns auf den Weg zur Hosteria.

Bild Segelschiffe im Hafen von Ushuaia
Segelschiffe im Hafen von Ushuaia
Bild zwei Segelschiffe rahmen einen blauen Doppelstockbus im Hafen von Ushuaia
Segelschiffe mit Doppelstockbus im Hafen von Ushuaia

Am Nachmittag fahren wir zum Abschied noch einmal in den Tierra del Fuego Nationalpark. Als erstes besuchen wir die Biber, aber leider nutzen sie den Sonnenschein nicht. Wir warten eine ganze Weile, laufen auch noch mal zur Bucht von Lapataia und schauen dann noch einmal bei den Bibern vorbei. Leider haben wir kein Glück. Auf dem Rückweg sehen wir die Gänse und auch ein Fuchs kreuzt unseren Weg. Damit endet unser Besuch vom Ende der Welt ohne Blick vom Gletscher und ohne Besuch von Kap Horn. Zwei Gründe, um mal wieder nach Ushuaia zu kommen.

Bild Biberbau im Tierra del Fuego Nationalpark, zu sehen sind tote Bäume im Wasser und das aufgeschichtete Holz vom Biberbau
Biberbau im Tierra del Fuego Nationalpark
Bild Biberstaudamm im Tierra del Fuego Nationalpark
Biberstaudamm im Tierra del Fuego Nationalpark
Bild Magellangans im Tierra del Fuego Nationalpark
Magellangans im Tierra del Fuego Nationalpark

Die anderen Beiträge zur Reise in Argentinien findet ihr unter den folgenden Links:


Die Beiträge zu den Teilen unserer grossen Südamerika-Reise 2014 in andere Länder findet ihr unter:


Die Reisetipps zu Argentinien findet ihr unter:

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