14 – Salta, die Schöne (La Linda)

Ein treuer Begleiter oder Schatten auf dem San Bernardo

Bereits am Morgen spricht das Thermometer von 27° C und die Luftfeuchtigkeit ist hoch. Das sind die perfekten Aussenbedingungen für eine Stadtbesichtigung mit Kindern. Sie haben schon keine Lust bevor sie auch nur einen Schritt gelaufen sind.

Orangenbaum, in dessen Schatten zwei Mopeds Schutz suchen und Oragen auf dem Boden.
Fallobst entlang der Strasse – Salta
Bild Salta - alt und modern direkt nebeneinander. Im Bild altes Haus aus der Kolonialzeit und Hochhaus aus dem 70ern mit Glasfassade.
Salta – alt und modern direkt beieinander
Bild Salta - schönes Eckhaus in zart rosa. Der Eingang liegt an der Ecke, rechts und links sind Markisen ausgefahren. Über dem Eingang befindet sich ein hölzener Vorbau.
Salta – schönes Eckhaus

Wir setzen uns durch und laufen unter Protest zur Plaza 9 de Julio, denn rund um den Park sind viele Kirchen und alte Gebäude der Stadt zu sehen. Ein Zufall kommt uns zu Hilfe, denn nach 2 Blocks adoptiert uns ein Hund und beschliesst uns auf unserem Weg durch die Stadt zu begleiten. Offensichtlich hatte unser Begleiter nächtliche Kämpfe zu bestehen, denn er sieht sehr ramponiert aus und manche Wunden sind recht frisch. Dank des Hundes laufen die Kinder von allein. Der Hund wartet mit uns auf der Strasse, er läuft mit uns im Schatten der Häuser und er weiss sogar, dass er nicht mit in die Kirche darf.

Bild Salta - Kathedrale in den Farben rosa und beige
Salta – Kathedrale
Bild Salta - Auf dem Weg zur Seilbahn. Strassenzug mit flachen, schönen, stuckverzierten Häusern in weiss und beige Tönen. Zum Teil verfügen sie über markante Holztüren und Tore.
Salta – Auf dem Weg zur Seilbahn

Die Kinder interessiert der Hund nun mehr als jede Kirche. Wir drängeln uns jeweils nur kurz durch die sonntäglichen Kirchenbesucher und werfen einen Blick hinein. Je länger der Hund uns begleitet, umso dringender wird der Wunsch der Kinder, dem Hund etwas Ordentliches zu Essen zu besorgen. Sie versuchen sogar ihren Vater zu überzeugen, in ein Restaurant zu gehen und dort ein blutiges, ungewürztes Steak zum Mitnehmen zu ordern. Als wir schon gar nicht mehr wissen, wie wir unserem Hund etwas zu essen besorgen und ihn loswerden können, bevor wir mit der Seilbahn auf den Hausberg fahren, kommen wir an einer geöffneten Metzgerei vorbei.

Der Metzger sitzt draussen in der Sonne und sieht uns kommen. Als Jörg ihn zielgerichtet fragt, ob er offen hat und wir etwas kaufen können, fragt er uns nur, ob wir einen neuen Freund hätten. Auf unsere Bestätigung holt er einen schönen grossen Knochen mit viel Fleisch daran. Er möchte noch nicht einmal Geld. So können wir unseren Freund auf einer Wiese füttern. Das letzte, was wir von ihm sehen, ist wie er auf der Wiese sitzend genüsslich an seinem Knochen nagt.

Kurz darauf erreichen wir die Téleferico Cerro San Bernardo. Mit der alten Schweizer Seilbahn fahren wir nach oben, wo es tatsächlich ein wenig kühler ist. Der Blick auf die Stadt ist wirklich lohnend.

Bild Auf dem San Bernardo - Salta. Im Bild breiter kunstvoll gefasster Wasserlauf und schattenspendende Bäume.
Auf dem San Bernardo – Salta
Bild Blick vom San Bernardo in die Ferne. Ein Meer aus Häusern ergiesst sich in einem breiten Tal unterbrochen von grünen Flächen.
Blick vom San Bernardo in die Ferne
Bild Blick vom San Bernardo auf Salta - mit etwas Fantasie erkennt man das Muster der Strassen, sieht man sehr schön die breiteren, fast im gleichen Abstand Salta durchziehenden Längsstrassen.
Blick vom San Bernardo auf Salta – mit etwas Fantasie erkennt man das Muster der Strassen

Ansonsten macht alles einen etwas schäbigen Eindruck. Nach einer Weile fahren wieder herunter und kommen auf dem Rückweg zum Hotel an einem noch schäbigeren Vergnügungspark vorbei. Die Wege sind gesäumt von Händlern, die ihre Ware auf Decken auf dem Boden oder wackeligen Tischen feilbieten. Da wir alle vom heissen, feuchten Klima geschafft sind, schleppen wir uns zum Hotel und betrachten nur im Vorbeigehen, was die Händler verkaufen wollen.

Eigentlich wollten wir uns im Hotel etwas länger ausruhen, aber inzwischen sind dunkle Wolken aufgezogen, so dass wir nach einer kurzen Pause doch wieder losgehen. Heute findet ein Kunsthandwerkermarkt statt. Wir finden ein paar nette Andenken und Mitbringsel, als ein heftiges Gewitter niedergeht und für Abkühlung sorgt.

Ohne Regenschirm versuchen wir dem Regen in einem Restaurant zu entfliehen und gleich etwas gegen den Hunger zu unternehmen. Es ist aber gar nicht so einfach, ein Restaurant zu finden, welches vor 20.00 Uhr geöffnet hat. Zur besonderen Freude der Kinder ist ein Italiener mit überdachter Terrasse geschäftstüchtig genug, sein Restaurant früher als andere zu öffnen. So kommen wir in den Genuss eines feinen Abendessens.

Argentinier gehen eher spät essen. Die Erklärung ist, dass sie wohl 4 Mahlzeiten am Tag einnehmen. Ein klebriges (süsses) Frühstück, dann ein Mittagessen, gegen 17.00 Uhr gibt es Kaffee und weitere klebrige Teile, so dass man dann erst am späten Abend wieder Hunger hat. Wir haben schon festgestellt, dass Argentinier es sehr süss mögen. Für uns, die wir gewöhnlich frühstücken und zu Abend essen und für den kleinen Hunger zwischendurch maximal etwas Obst essen, ist das späte Essen ein Problem. Heute hat es ja mal geklappt und wir konnten früher essen. Nach dem Essen hat der Regen auch wieder aufgehört, so dass wir gemütlich zum Hotel zurückkehren.

Montags in Salta – ein Besuch des Ethnologischen Museums

Was macht man ohne Auto an einem Montag in Salta? Wir entschliessen uns, eins der drei geöffneten Museen zu besuchen. Unsere Wahl fällt auf das Ethnologische Museum. Dieser Museumsbesuch ist der merkwürdigste Museumsbesuch aller Zeiten.

Der Mann, welcher uns die Tür öffnet, hörte überhaupt nicht mehr auf zu reden. Er lotste uns vor eine Vitrine und erzählte uns wie wichtig die 3 kulturellen Epochen waren, zu denen Fundstücke in der Vitrine ausgestellt sind und bevor wir uns diese genauer anschauen können, lenkt er unsere Aufmerksamkeit auf einen Federschmuck. Die Erklärung, warum wir jetzt diesen Federschmuck bewundern müssen: Alle Europäer und Asiaten sind von diesem Federschmuck begeistert, weil sie nicht solche bunte Vögel in ihrer Heimat haben. Bevor wir auch nur die Farben der Federn erfassen können, haben wir auch schon eine Lupe in der Hand, um Tierfiguren auf Haarnadeln besser sehen zu können. Morgaine packte er kurzerhand auf einen Stuhl. In diesem Stil ging der Ausstellungsbesuch weiter. Wir wurden von «Überraschung» zu «Überraschung» gelotst, ohne auch nur die Zeit zu bekommen, einen Augenblick nachzudenken oder innezuhalten.

Glücklicherweise findet noch ein Paar den Weg ins Museum, so dass er seine Aufmerksamkeit teilen muss. Nach exakt 1 Stunde und 15 Minuten werden wir ebenso bestimmt wie zu den Vitrinen zum Ausgang geleitet und der Eintritt kassiert. Angeblich war Morgaine als Kind gratis, dafür erhöhte er den Preis für uns übrige um 10 Peso gegenüber dem Aushang. Erschlagen von der Führung wie wir waren, haben wir nicht diskutiert, auch wenn wir sofort durchschaut haben, dass er auf diese Art und Weise sein Gehalt aufbessert.

Die hohe Inflation in Argentinien ist für die normalen Leute ein grosses Problem. Offiziell wurde sie 2014 mit 25 Prozent angegeben, inoffiziell sollen es aber 40 % gewesen sein. Der Angestellte im Hotel erklärt uns bei der Rückkehr, wie er und viele seiner Bekannten damit umgehen. Er macht Schulden und kauft heute schon Dinge für das Geld, welches er erst in 3 Monaten verdient haben wird. Heute bekommt er einfach mehr für sein Geld als in 3 Monaten. Devisenkauf ist keine Alternative, denn die gibt es nur auf dem Schwarzmarkt zu überrissenen Konditionen.

Bild Salta - Grafiti auf Mauer, Bild 1 zeigt eine angedeutete Kirche in der typischen Landschaft mit Bergen und Kakteen und einem Jesus Kopf mit Dornenkrone in der Mitte der Kirche. Bild 2 zeigt einen Jungen, der auf dem Fussweg zu liegen scheint, der von einem Propellerflugzeug träumt
Salta – Grafiti
Bild Oldtimer sind alltäglich im Strassenbild von Salta, hier ein uraltes rotes Auto hinter einem modernen roten VW
Oldtimer sind alltäglich im Strassenbild von Salta

Auf dem Rückweg ins Hotel konnten wir noch die Wäsche abholen. Leider stellt sich beim Auspacken heraus, dass die Wäsche nicht einmal zusammengelegt wurde. Sie sieht aus wie aus dem Lumpensack gezogen. So bügle ich noch ein wenig im Hotel, bevor ich die Sachen wieder in die Taschen packe. Immerhin büssen wir nur zwei Strümpfe ein.

Am Nachmittag müssen wir dann unser Versprechen einhalten und mit den ausgeruhten Kindern zu dem heruntergekommenen Vergnügungspark laufen. Nur ist auch er am Montag weitestgehend geschlossen. Die einzig mögliche Aktivität ist Tretbootfahren auf dem stinkenden Teich. Da ein Tretboot nur 3 Plätze hat, bin ich fein raus und kann mich gemütlich auf eine Parkbank setzen.

Auf dem Rückweg stärken wir uns noch in einer Eisdiele. Wir deuten die langen Schlange vor der Eisdiele als qualitativ geschmackvolles Eis. Das war ein Fehler, denn nur anhand der Farbe konnten wir die Geschmacksrichtung unterscheiden. Das Eis war einfach nur süss.

Den Rest des Tages verbringen wir lesend im gekühlten Zimmer. Da es unser letzter Abend in Salta ist, suchen wir uns ein gemütliches Restaurant in der Nähe. Leider vergleichen die Mädels das Essen mit dem Italiener vom Vortag, so dass das wirklich gute Essen nicht punkten kann.

Besuch des Archäologischen Museums (MAAM – Museo de Arqueología de Alta Montaña) vor Abflug aus Salta

Heute fliegen wir am frühen Abend nach Iguazu. Wir lassen den Morgen gemütlich angehen, bevor wir die Reisetaschen packen. Es war uns möglich, für eines unserer Zimmer die checkout-Zeit zu verlängern. So räumen wir das ganze Gepäck in dieses Zimmer und machen uns auf den Weg zum Archäologischen Museum.

Bild Salta -Gebäude mit Arkaden und Stuckverzierung, welches das archäologischen Museum beherbergt
Salta – Gebäude, in dem sich das archäologischen Museum befindet

Dieses moderne Museum am Plaza 9 de Julio gibt viele Einblicke in das Leben und Denken der Inkas. Das Museum wurde 2004 nach einer der bedeutendsten Entdeckungen in der Region – den Llullaillaco-Mumien und Grabbeigaben eröffnet.

Für die Inkas waren die hohen Gipfel der Anden heilig. Hier führten sie auch religiöse Rituale durch. Am beeindruckendsten für uns sind die Säle, in denen die Expeditionsreise und die Entdeckung der Kindermumien und Gegenstände am Gipfel des Vulkans Llullaillaco in 6.730 m Höhe nacherzählt werden. Es wird immer nur eine der Mumien ausgestellt.

Die Kinder-Opfer wurden unter den Hohen der Gesellschaft nach besonderer Schönheit und den verschiedenen Regierungsbezirken ausgesucht. Anschliessend mussten die Kinder ins damalige Zentrum des Inkareiches nach Cuzco reisen, wo sie symbolisch verheiratet wurden, um die Bündnisse im Reich zu festigen. Von da aus ging die Reise auf den Gipfel des Vulkans, wo die Kinder mit Hilfe von Alkohol eingeschläfert wurden. Anschliessend wurden sie dann schlafend begraben. Nach den Vorstellungen der Inkas waren sie nicht tot, sondern mit den Vorfahren wiedervereinigt, so dass sie nun für den Schutz ihrer Familien sorgen konnten. Durch die niedrigen Temperaturen und den niedrigen Sauerstoffgehalt wurden die Mumien über die Jahrhunderte konserviert.

Sehr beeindruckend ist es auch, auf Karten das alte Reich der Inka zu sehen und zu sehen, wieviel Wege und Brücken bis heute noch genutzt werden.

Der Museumsbesuch war für die ganze Familie interessant. Die Mädchen haben sehr am Schicksal der Inkakinder teilgenommen.

Nach dem Museumsbesuch haben wir noch kurz Zeit, um uns im Hotel frisch zu machen, bevor wir mit einem Taxi zum Flughafen fahren. Zu unserer besonderen Freude hat der Flug eine Stunde Verspätung. Dafür ist das Flugzeug dann sehr komfortabel und verfügt sogar über ein Unterhaltungsprogramm.

Die anderen Beiträge zur Reise in Argentinien findet ihr unter den folgenden Links:


Die Beiträge zu den Teilen unserer grossen Südamerika-Reise 2014 in andere Länder findet ihr unter:


Die Reisetipps zu Argentinien findet ihr unter:

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