04 – In der südlichsten Stadt Chiles – Punta Arenas

Von Pinguinen, die nicht lesen können

Bei schönstem Wetter müssen wir uns am Morgen vom Torres del Paine Nationalpark verabschieden. Auf der Fahrt nach Punta Arenas via Puerto Natales halten wir immer wieder für das eine oder andere Foto an. Die Aussichten sind spektakulär.

Bild Abschied vom Torres del Paine Nationalpark, im Bild der Rio Serrano, der offizielle Park Eingang,gelbe Wiesen, im Hintergrund das Gebirgsmassiv
Abschied vom Torres del Paine Nationalpark
Bild Blick zurück zum Torres del Paine Nationalpark, im Vordergrund der blaue See, im Hintergrund das Gebirgsmassiv mit ein paar Wolken
Blick zurück zum Torres del Paine Nationalpark
Bild Auf dem Weg nach Puerto Natales - Schotterpiste, hügelige Landschaft
Auf dem Weg nach Puerto Natales

In Puerto Natales suchen wir uns als erstes einen Geldautomaten. Wir kommen durch lauter Siedlungen mit kleinen Bungalows. Die Häuser sind alle um einen Platz gebaut und in der Mitte gibt es nagelneue Spielplätze, deren Spielgeräte uns an Fitnesscentergeräte erinnern. Den Geldautomaten finden wir in der Haupteinkaufsstrasse. Der Ort scheint wie ausgestorben zu sein. Zu unserer Freude ist es in Chile viel einfacher an Bargeld zu kommen, als in Argentinien. Man kann abheben, was man will und es werden keine Gebühren erhoben. Mit Bargeld versorgt, können wir nun eine Tankstelle suchen.

Im Anschluss begeben wir uns auf die endlos erscheinende Strecke nach Punta Arenas. 240 Kilometer Langeweile! Selbst als Erwachsener möchte man fragen: «Wann sind wir endlich da?» Sah man anfangs wenigstens ab und zu noch eine Estanzia oder deren Hinweisschild, führt die Strasse im weiteren Verlauf über eine platte Ebene, auf der es wieder sehr windig ist.

Wir vermissen eine Raststätte. Ab und zu stehen an Masten festgebundene Dixi Häuschen, die wir aber als Überbleibsel von den Bauarbeiten interpretieren. So langsam benötigen die Mädchen aber dringend eine Toilette. In unserer Not halten wir beim Gendarmerieposten an. Noch bevor wir fragen können, ob es denn möglich wäre, ihre Toilette zu benutzen, werden wir schon zu den entsprechenden Örtlichkeiten durchgewunken.

Endlich erreichen wir Punta Arenas. Hafenbecken, Werften, grosse Schiffe und Industriegebäude begrüssen uns am Eingang der Stadt. Die Strassen sind zum grossen Teil wieder nach dem Vorbild eines Schachbrettes aufgebaut. Die Stadt macht jenseits der Hauptstrassen mit den vielen Wellblechhäusern keinen wohlhabenden Eindruck. Es gibt kaum Grün, auch bei den Häusern nicht.

Überall sehen wir herrenlose Hunde. Als wir im Gewühl der Einbahnstrassen unsere Hosteria endlich gefunden und geparkt haben, werden wir gleich von einem dreibeinigen Hund begrüsst. Es ist nicht einfach, ihn davon abzuhalten ins Auto einzusteigen. Er folgt uns bis zum Eingang der Hosteria und legt sich vor die Tür. Wir können gerade noch verhindern, dass er mit einem Eimer kaltem Wasser vom Rezeptionisten übergossen wird, aber mehr können wir nicht für ihn tun.

Die Häuser entlang der Strasse unserer Hosteria stehen hier dicht an dicht, sind schmal und sehr lang in die Tiefe gebaut. Die Zimmer sind aber ok, auch wenn alles ein wenig an eine Baracke erinnert.

Der Rezeptionist kann uns nicht mit Auskünften zum Schiffsfahrplan zur Insel Magdalena helfen. So müssen wir für genauere Informationen noch einmal zum Hafen. Nach einer kurzen Pause machen wir uns auf den Weg. Vor lauter Häfen, ist es gar nicht so einfach, den richtigen Hafen zu finden. Die Auskunft, die wir dann erhalten, ist ernüchternd. Wir kommen einen Tag zu spät. Am Vortag sind die letzten Schiffe zur Insel Magdalena gefahren und ab dem nächsten Tag wird der komplette Schiffsverkehr eingestellt. Ob es am Wind oder an mangelnden Touristen liegt, wissen wir nicht – ärgerlich ist es auf alle Fälle.

Sehr enttäuscht beschliessen wir dann wenigstens einen Abstecher zum Cap Otway zu machen und der dortigen Pinguinkolonie guten Tag zu sagen. Dazu müssen wir wieder raus aus der Stadt und dann auf einer Schotterpiste fahren. Nach 20 Kilometern Schotterpiste wird die Strasse von einem Schlagbaum versperrt. An diesem gibt es auch die Information, dass die Pinguine bereits abgereist sind und der Weg deshalb gesperrt ist. Das Schild hätte man sicher auch 20 km früher aufstellen können.

Ganz grossartig, da fahren wir an den A der Welt und dann ist kein Pinguin mehr da. Laut Reiseführer hätten sie noch locker 3 Wochen hier sein sollen.

Inzwischen wissen wir, dass jedes Jahr weniger Pinguine zum Brüten ans Cap Otway kommen. Man vermutet einen direkten Zusammenhang mit der massiven Kohleausbeutung auf der gegenüberliegenden Isla Riesco. Bodenproben haben ergeben, dass Arsen, Quecksilber und Mangan die Otway Bucht und umliegenden Fjorde verschmutzen. Dies schränkt die Fortpflanzungsfähigkeit der Pinguine ein, die vorher mit 2 Nachkommen pro Pärchen ausserordentlich gut war.

Informationen zu Pinguinbeobachtungsmöglichkeiten in Chile findet ihr bei den Reisetipps. Nachtrag: Cap Otway scheint zwischenzeitlich ganz geschlossen worden zu sein, da die Pinguine nicht mehr zum Brüten kommen. Es gibt Wiederansiedlungsprojekte. Also unbedingt vor einem Besuch informieren.

Die Bilanz des Tages: Langweilige 240 km Autofahrt, keine Pinguine, keine Hoffnung auf einen Bootsausflug auf der Magellanstrasse, aber dafür viel Wind. Hinterher ist man immer schlauer, aber die Tage hätten wir woanders sinnvoller verplanen können. Wenigstens das Abendessen im aussergewöhnlich dekorierten La Luna Restaurant war richtig gut. Die Lampenschirme sind hier aus Besteck und Gläsern gefertigt. Das Flaschenregal hinter der Bar geht über 2 Etagen und ist wie in einer Bibliothek mit fahrbaren Leitern zugänglich. Andere Wände sind mit Bierdosensammlungen dekoriert.

Viel Wind und eine Nussschale

Auch am nächsten Tag weht wieder eine steife Brise. Dennoch machen wir uns, nach einem vergleichsweise üppigen Frühstück, auf den Weg in die Stadt. Die Mädels wollen unbedingt mal die Fitnessgeräte, die entlang des Meeres aufgestellt sind, ausprobieren. An der grossen Kreuzung am Park sind Seile zwischen den Ampeln gespannt, damit sich die Fussgänger daran festhalten können, um nicht von einer Windböe vor die fahrenden Autos geweht zu werden. Dies scheint hier schon passiert zu sein.

Im Park halten sich jede Menge herrenlose Hunde auf. Einer schläft so tief auf der Parkbank, dass er sich von Nichts und Niemandem stören lässt.

Bild Schlafender Hund auf einer Parkbank im Stadtpark in Punta Arenas
Schlafender Hund im Stadtpark in Punta Arenas

Im Schutz der Häuser ist der Wind einigermassen erträglich. Auf dem Weg zum Meer haben wir den Wind dann im Rücken. Draussen auf dem Meer sehen wir wieder die Segelschiffe, die wir schon in Ushuaia besichtigt haben. Am Springbrunnen mit dem steinernen Magellanschiff weht der Wind das Wasser auf die Touristen. Wir bleiben nicht lange, denn nun weht der Wind allerlei Müll und Sand durch die Luft. Der Rückweg ist besonders bitter, denn da kommt uns alles entgegen. Wir müssen sogar grossen Pappkartons ausweichen.

Bild Spiel des Windes mit dem Wasser des Victoria Brunnens in Punta Arenas, einem Denkmal zur Erinnerung an die Reisen des Ferdinand Magellan mit seinem Schiff Victoria
Spiel des Windes mit dem Wasser des Victoria Brunnens – Punta Arenas
Bild Sandsturm an der Strandpromenade in Punta Arenas
Sandsturm an der Strandpromenade – Punta Arenas

Auf dem Weg zur Hosteria kaufen wir etwas Obst und Wasser. Von einer Bäckerei lassen wir uns inspirieren und von der geduldigen Verkäuferin erklären, womit die Enchiladas gefüllt sind. Mit diesem Picknick holen wir unser Auto und fahren zum Nao Victoria Museum. Hier sind original Nachbauten von Schiffen diverser Entdecker zu besichtigen, u.a. auch die Victoria, mit der Magellan seine Weltumsegelung unternommen hat.

Replik der Victoria, des Schiffs von Ferdinand Magellan, in Punta Arenas
Replik der Victoria – Punta Arenas

Diese Nussschale von einem Schiff hat uns schon Respekt eingeflösst, obwohl sie fest gestützt an Land steht und nur ein wenig im Wind gewackelt hat. Wir können uns beim besten Willen nicht vorstellen, wie auf diesem Schiff 42 Mann drei Jahre lang leben konnten. Nachdem wir alle Schiffe erkundet haben, flüchten wir vor dem Wind ins Auto und geniessen dort unser Picknick.

Auf dem Rückweg in die Stadt statten wir noch dem «schönsten Friedhof Südamerikas» einen Besuch ab. Der Totenkult ist hier sehr bunt. Die Urnengräberwände haben Glasscheiben, hinter denen man Bilder der Verstorbenen und diverse Beigaben sieht. Die Mausoleen sind teilweise sehr imposant. Als die Mädchen dann anfangen auszurechnen, wie alt die Verstorbenen wurden, wird es sehr schnell deprimierend und wir brechen den Besuch ab und fahren zurück in die Unterkunft.

Wir nutzen die Zeit, um ein wenig auszuruhen, Reiseberichte zu schreiben und für die morgige Abreise zu packen. Am Abend gehen wir wieder im La Luna zu Abend essen.

Bei besserem Wetter und fahrendem Schiffsverkehr lohnt sich ein Besuch von Punta Arenas sicher. Auch wenn man zum Torres del Paine Nationalpark möchte und über Punta Arenas einfliegt, kann sich ein Zusatztag in der Stadt rentieren. Wir hätten uns den Abstecher jedoch getrost sparen können.

Die anderen Beiträge zur Reise in Chile findet ihr unter den folgenden Links:


Die Beiträge zu den Teilen unserer grossen Südamerika-Reise 2014 in andere Länder findet ihr unter:


Die Reisetipps zu Chile findet ihr unter:

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