Jahresrückblick 2021 – Susans Ansichten und Einsichten

Wir drehen uns um uns selbst, verwirbelt im Schleudergang durch Raum und Zeit. Dieses Jahr ist uns wie Wasser durch die Finger verronnen. Blicke ich auf dieses aufregende und herausfordernde Jahr zurück, wird es konturlos. Das Jahr verschwimmt im Nebel von Wortfragmenten und Einzelbildern. So wird es am Ende diesen Jahres Zeit fürs Auftauchen, Boden unter den Füssen finden, Innehalten. In diesem Jahresrückblick 2021 geht es um die Frage: Was hat uns im Jahr 2021 bewegt?  Es ist aber auch eine Bilanz, eine Abrechnung mit uns selbst. Was bleibt von einem Jahr im Ausnahmezustand unter dem Strich? Was nehmen wir mit ins nächste Jahr?

Ein anderer Grund, einen Jahresrückblick (den ersten überhaupt) zu schreiben, ist die Teilnahme an der Challenge Jahresrückblog 2021 von Judith von sympatexter, deren unbändige Energie ich in einem Interview erstmals dieses Jahr auf einem Summit erleben durfte. Aber davon erzähle ich mehr unter der Überschrift «Wie bloggen mein Leben verändert hat».  

Dieser Jahresrückblick ist besinnlich, persönlich und bringt euch bestimmt auch zum Schmunzeln. Ich weiss das, weil ich die Einleitung stets als letztes schreibe.

Ich ganz schief in einem Rahmen vor Berglandschaft des Tessins - Jahresrückblick 2021
Wer nicht ins Bild passt, kann auch nicht aus dem Rahmen fallen – Jahresrückblick 2021

Unser Jahresmotto 2021 – Mit Tempo und Zuversicht

Zu einem Jahresrückblick gehört auch das Motto, unter dem das Jahr stand. Es ist ein Leitgedanke, der uns durch das Jahr trägt und viel einfacher einzuhalten ist als beispielsweise Neujahrsvorsätze. «Mit Tempo und Zuversicht» beschreibt unser Jahr hervorragend. So hervorragend, dass ich noch am Jahresmotto für 2022 feile.

Ja, dieses Jahr mussten wir unglaublich spontan und schnell sein, wenn es um unsere Lieblingsbeschäftigung – das Reisen – ging. Nicht lange planen, sondern schauen, was geht. Damit meine ich nicht nur die sich permanent ändernden Regeln, sondern auch das Wetter. Schliesslich spiegelte das Wetter die äussere Nachrichtenlage wider. Es fing schon im Januar mit Hochwasser an. Im Mai sind wir mit Tempo im Matsch mit unserem Wohnmobil stecken geblieben, selbst im Sommer während unseres spontanen Portugal Roadtrips und bei Kurzreisen in der Schweiz mutierten wir zu Wolkenloch-Hüpfern.

Zuversicht im zweiten Jahr der Pandemie erklärt sich von allein. Bei allem, was wir taten, brauchte es immer die Zuversicht, dass es am Ende gut herauskommt. Und meistens war es dann auch so. Vielleicht formt unser Denken doch die Realität?

umgekehrtes Fernglas mit dem Jahresmotto "Mit Tempo und Zuversicht"
Mit Tempo und Zuversicht durch 2021

Mit Tempo und Zuversicht hake ich normalerweise auch ein vergangenes Jahr ab. Bin ich doch eher der Typ für Bucket Lists als fürs Bilanzziehen. Da wird die Weihnachtsdeko vor Silvester freudigen Herzens weggepackt und das alte Jahr kraftvoll aus dem Haus geputzt. So können wir das neue Jahr voller Vorfreude wie ein unbeschriebenes Blatt begrüssen. Ruht doch im neuen Jahr der Zauber des Anfangs. Was für andere der Frühjahrsputz ist, ist für mich der Putz vor dem Jahreswechsel, mit dem ich hoffnungsvoll in die nähere und fernere Zukunft blicke.  

Das Jahr 2021 und das wiedergefundene Glück

Habt ihr euch als Kinder auch manchmal vorgestellt, wie es wäre, wenn ihr als erster Mensch an einem unbekannten Ort landen würdet? Alles wäre neu, alles wäre aufregend, selbst die alltäglichsten Dinge mutieren zum Abenteuer. Wer weiss schon, welches Ungeheuer er bekämpfen muss, wenn er Wasser zum Trinken besorgen will? Natürlich ist man als Kind auch immer der Held seiner Fantasie. Dieses Gefühl, welches aus Wagemut, Abenteuerlust, Neugier und «yeah, ich habe es geschafft» oder «puh noch mal gutgegangen», entsteht, verliert sich im Hamsterrad des Alltags.

Dabei ist es doch genau das Gefühl, was uns spüren lässt, dass wir lebendig sind. Okay, die unbekannten Orte gibt es heute kaum noch, aber trotzdem haben wir die kindliche Freude am Entdecken wiedergefunden. Und dass kam so: Das Jahr 2021 war in vielerlei Hinsicht, aber besonders in Hinsicht auf das Reisen absolut unplanbar. Wöchentlich änderten sich Ankündigungen, Bestimmungen, Empfehlungen …. So kam es, dass unsere Reiseziele absolut spontan und sehr kurzfristig entstanden. Es gab keine Zeit mehr fürs Pläne Schmieden. Wir tauschten also die Vorfreude gegen die kindliche Lust am Entdecken. Ohne Vorbereitung blieb uns ja auch gar nichts anderes übrig, als uns auf die Orte einzulassen.

Damit wurden wir offener für Momente des vollkommenen Glücks, wenn wir staunend etwas zufällig entdeckten, was sicher auch in irgendeinem Buch nachlesbar gewesen wäre. Es vorher zu wissen und es dann zu sehen ist etwas ganz anderes als etwas zufällig zu entdecken. Natürlich haben wir auch das eine oder andere Entdeckenswerte übersehen. Dafür waren wir sehr entspannt unterwegs.

Eine Lehre die wir aus dem Jahresrückblick 2021 für 2022 gezogen haben: Im Jahr 2022 werden wir dem Zufall mehr Raum geben.

Der Plan für 2022 aufgeschrieben auf einem Foto mit Polarlichtern

Das grosse Thema im Jahresrückblick 2021 – Camping zu zweit

Früher war Camping auch romantischer

Vor 18 Jahren haben wir in den Weiten der USA und Australiens erst mit einem und dann mit zwei Kindern das Reisen mit dem Wohnmobil für uns entdeckt. Vom totalen Luxus-Camper, einem nicht bestellten Upgrade mit 9,00 m Länge, eigenem Schlafzimmer, Mikrowelle, Backofen, getrennter Dusche und WC wurden die Camper von Mal zu Mal kleiner. Bis wir auf der letzten Australientour die Aufklapp-Variante auf einem Allrad-Pick-up hatten.

Camping ist für uns: Einsamkeit, Sternenhimmel ohne Lichtverschmutzung, spektakuläre Natur, Lagerfeuer, einfaches Leben, Begegnungen mit gleichgesinnten Menschen und neugierigen Tieren, neue kulinarische Erfahrungen, Pause von der Zivilisation, Abenteuer pur.

Camping in Namibia mit Köcherbäumen und Felsen als Silhouette im Sonnenuntergang - Jahresrückblick 2021
Einsamkeit beim Camping im Dachzelt in Namibia

Der Marlboro Man hat sein Pferd, mit dem er genussvoll dem Sonnenuntergang entgegen reitet. Wir haben seit unserem spontanen Kauf im Oktober 2020 ein 5,29 m kurzes Wohnmobil. Die Freiheit wieder spüren und das einfache Leben in vollen Zügen geniessen, war Programm für 2021. Schliesslich sind wir seit fast 19 Jahren Eltern und müssen auch als Paar wieder Pläne schmieden.   

So zogen wir gleich im zeitigen Frühjahr der Sonne und Wärme entgegen. Statt in den Weiten der USA und Australiens in der Enge der Berge des Tessins. Schliesslich waren Grenzübertritte zu dieser Zeit ein Abenteuer unkalkulierbaren Risikos im Dschungel sich fast täglich ändernder Verlautbarungen. So kam es, dass wir statt Einsamkeit und Natur pur, Dichtestress wo immer wir hin kamen, vorfanden. Das änderte sich auch im weiteren Verlauf des Jahres bei weiteren Campingtouren nicht wirklich.

Von den Mauern der Festung Sasso Corbaro in Bellinzona verschaffe ich mir fotografierend einen Überblick über die Landschaft
Der Enge entfliehen und sich einen Überblick verschaffen.

Wild West – Camping nach Schweizer Art

Unser Wohnmobil namens Nomade ist zwar klein, aber theoretisch sind wir autark. Dennoch gibt es in der dicht besiedelten Schweiz, wo in manchen Kantonen an jedem noch so kleinen Parkplatz per amtlicher Verfügung das Stehen über Nacht verboten ist oder gleich Höhenbegrenzer-Schikanen eingebaut werden, von Freiheit keine Spur. In den bei Urlaubern beliebten Kantonen wird man gezwungen, auf einem Campingplatz für teuer Geld zu stehen. Da steht man dann zusammengepfercht auf ausgebuchten Campingplätzen mit einem Sammelsurium an Regeln, die das Leben in der Zivilisation und der schlimmsten Pandemie aller Zeiten erträglicher machen sollen.

Statt Lagerfeuer darf es heute noch der annähernd emissionslose Vulkan-Tischgrill sein. Und weil die Plätze so gar keine Privatsphäre mehr bieten, rüstet der Schweizer auf. Er baut eine verteidigungsfähige Wagenburg. Markisen nach allen Seiten schotten ab und wer keine Markisen hat, nimmt ein Vorzelt. Teppiche von mindestens der Grösse des Fahrzeugs machen das letzte bisschen Natur in Form von Gras kaputt. Statt Naturverbundenheit wird die grosse Satellitenschüssel ausgerichtet. Natur gibt es bestimmt auch im Fernsehen. Menschliche Begegnungen finden allenfalls noch beim Warten vor der Spülküche statt. Die Wohnmobile werden teilweise sogar wie Weihnachtsbäume mit farbigen Lichterketten bestückt.

Unser Vulkan-Tischgrill rotglühend in Aktion - Jahres Rückblick 2021
Der Vulkan-Tischgrill in Aktion

Denn Strom gibt es ja auf Schweizer Campingplätzen. Häufig sind die Stationen aber so weit vom Stellplatz entfernt, dass man zusätzlich zum Stromkabel am besten noch eine 25 m Kabeltrommel mitführen sollte. Aber auch das garantiert keine dauerhafte Stromversorgung. Mal ist die Station von der Nachfrage überfordert, mal liegt das Kabel auf unerklärliche Weise vor der Ladestation im Dreck.

Gemeinsame Abenteuer verbinden, die Enge im Wohnmobil auch – Leben im Raumwunder

Normalerweise leben wir in einem Haus mit 180 Quadratmeter Wohnfläche und einem Keller. Viel Platz, um für die Eventualitäten des Lebens ausgerüstet zu sein. Steigen wir ins Wohnmobil, müssen wir uns plötzlich bescheiden und mit weniger als 10 Quadratmetern auskommen. Dennoch nennen wir eine voll ausgestattete Küche und mit ein paar Handgriffen ein komplettes Bad unser eigen.

Der perfekten Platzausnutzung in unserem Schneckenhaus auf Rädern ist es zu verdanken, dass unser Bett unter dem Dach hängt. Wollen wir uns lang machen, müssen erst einmal ein paar Umbauten vorgenommen werden, bevor wir das Bett dann elektrisch herunter lassen können. Und zwar soweit, dass man unter der Decke keine Platzangst bekommt, aber man das Bett nur mit einer Klettereinlage erreicht. Damit kann niemand mehr im Wohnmobil sitzen.

Als wir das Wohnmobil kauften, dachten wir noch, wie romantisch das grosse Panoramafenster im Dach ist. Abends vom Bett aus gemeinsam den Sternenhimmel anschauen und von den nächsten Abenteuern träumen. Die Realität war jedoch weniger romantisch. Entweder regnete es und/oder wir standen unter einem Baum. Geschafft waren wir meist auch noch von den vielen Eindrücken.

Das Leben im Raumwunder bringt so einige interessante Erfahrungen und Routinen mit sich. Gezwungenermassen müssen wir gleichzeitig schlafen gehen und gleichzeitig wieder aufstehen. Wer morgens zuerst wackelt, muss Kaffee kochen und, in diesem Jahr besonders wichtig, die Heizung anwerfen. Vor dem ersten Schluck Kaffee heisst es dann aber erst einmal, Bett unters Dach fahren und Schlafsäcke verstauen. Ja, dieses Wohnmobil erzieht zur sofortigen Ordnung und zum Minimalismus.

Vom Minimalismus und anderen Erfahrungen

Je mehr man dabei hat, umso schwieriger wird das Verstauen. So reduzieren wir uns mit jeder Tour weiter auf das Wesentliche und lassen auch die Transportkiste schnell zu Hause. Fahren ohne Transportkiste bedeutet, dass der Totwinkelassistent funktioniert und wir die Hecktüren einfach so öffnen können. Ein vollkommen neues Fahr- und Lebensgefühl. Die Campingstühle haben ihren festen Platz in der Hecktür. Einzig den Campingtisch können wir so nicht mitnehmen.

Der Raum zwischen Bad und Küche im Wohnmobil-Heck. Entweder die Kühlschranktür und Vorratsschublade öffnen oder das Bad entfalten. Jahresrückblick 2021
Der Raum zwischen Bad und Küche im Wohnmobil-Heck. Entweder die Kühlschranktür und Vorratsschublade öffnen oder das Bad entfalten.

Auf alle Fälle nehmen wir von Reise zu Reise weniger mit. Wir reduzieren die Lebensmittelvorräte und auch die Kleidungsstücke, so dass wir dann im September nicht einmal eine Badehose dabei hatten. Aber wer ahnt schon, dass man in einem Wohnmobil in der Schweiz auch schwitzen könnte und der See eine willkommene Abkühlung wäre.

Eine andere Erfahrung ist, dass die Uhren beim Camping anders ticken. Egal wie sehr wir uns bemühen, das Maximum aus einem Tag herauszuholen, bis wir morgens abfahr- oder abmarschbereit sind, dauert es. Dabei organisieren wir uns schon. Einer macht Frühstück, während der andere durchs öffentliche Bad hüpft. Nach dem Frühstück ist es dann andersherum. Irgendwas ist immer, mal verquatschen wir uns, ein anderes Mal müssen noch Abfahrtzeiten, Öffnungszeiten oder Parkmöglichkeiten gecheckt werden. Und je nachdem, ob wir mit dem Auto oder dem ÖV fahren, muss umgebaut oder die nächste Haltestelle erwandert werden. Unter zwei Stunden vom Aufstehen bis Start ins Abenteuer schaffen wir es gar nicht.

Aber auch designtechnisch ticken die Uhren anders. Auf vielen der Campingplätze, kann man die 60er und 70er Jahre hautnah in den Bädern erleben. Selten ist mal eine sanitäre Einrichtung richtig modern. Dafür kommt es schon mal vor, dass man seine Morgentoilette neben einem fremden Mann erledigt. Unisex Sanitäranlagen machen diese Erfahrung, die man nach über 20 Jahren Ehe schon vergessen hat, wieder möglich.

Coronamüdigkeit – ein paar Gedanken anlässlich des Jahresrückblicks 2021

Festhängen in der Endlosschleife

Was wäre ein Jahresrückblick 2021 ohne das alles bestimmende Thema des Jahres 2021. Was früher die Stände der Aktienindizes waren, sind heute die Infiziertenzahlen, Krankenhauseinweisungen und Tote. Und so wenig man früher der Fieberkurve des Dax entkommen konnte, ob man Aktien hatte oder nicht, entkommt man heute den Zahlen, mit denen die Pandemie untermauert wird. Die Push Nachrichten landen ungefragt auf dem Mobiltelefon. Nachdem wir nun das zweite Jahren in der Endlosschleife fest hängen, kann ich keine Zahlen mehr hören. Wir stumpfen nicht nur ab, ich nehme schon eine richtige Verweigerungshaltung wahr. «Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen» oder «ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt.»

Mein Kopf im Prisma - Jahresrückblick 2021

Die Sprache bestimmt unser Denken – Worte im Jahr 2021

Lockdown, das war wohl eines jener Worte, die im Jahr 2021 wieder am stärksten in unser aller Leben eingegriffen hat. Aber warum wird das englische Wort Lockdown nicht in die deutsche Sprache übersetzt? Im Gegenteil, es wird einfach mit einem deutschen Nomen verbunden und so durch die Hintertür eingebürgert. Die Sprache bestimmt unser Denken. Was würden wir also denken, wenn wir statt von einem Weihnachtslockdown von der Weihnachtsabriegelung hören würden. Welche Assoziationen habt ihr, wenn ihr von einer Feiertagssperrung oder einer Wellenbrecherabschottung hört? Abriegelung, Sperrung, Abschottung sind alles mögliche Übersetzungen für das Wort Lockdown.

Ist ein Risikoeinreisender der neuer Terrorist? Was muss ich mir unter den Leistungen eines Quarantänehotels vorstellen? Ist dies das neue all-inklusive mit allen Schikanen?

«Oh Augenblick verweile doch, du bist so schön…», hätte Goethe diese Zeilen jemals schreiben können, wenn er gewusst hätte, dass es im Jahr 2021 «Verweilverbotszonen» gibt?

Einkaufswagenpflicht auch wenn du nur schnell ein Brötchen kaufst? Das Zählen wird im Jahr 2021 bildlich. Wir zählen nicht nur mit Einkaufswagen die Menge zugelassener Personen in einem Geschäft. Sehr beliebt ist auch der Buchstabe G, wobei diejenigen, welche mit G zählen nur bis drei zählen können. Das G wird zum neuen Taktgeber unserer Zeit. Dabei könnte das G für so Vieles stehen: geliebt, gesättigt, gewärmt, gewaschen, gekämmt oder gar gesund.

Und dann gibt es ganz neue Wortkreationen. Der Öffnungsturbo etwa bezeichnet ein Regierungsmitglied, welches die Abschottungsmassnahmen zurückfahren möchte und ist ein Schimpfwort. Der Impfdrängler ist das Gegenteil des Impfverweigerers und trotzdem sind beide negativ konnotiert.

Mein Favorit unter den neuen Wortschöpfungen ist «symptomlos krank». Sind wir jetzt alle Hypochonder? Brauchen wir jetzt alle eine Therapie um unsere gestörten Denkprozesse zu überarbeiten?

Die Freiheit stirbt immer zentimeterweise illustriert mit den Schlagworten des Jahres 2021 - Jahresrückblick 2021

Mein Wunsch an das Universum für 2022

Raus aus der Angst und Schluss mit der Spaltung der Menschen! Wir alle sind Menschen mit den gleichen Rechten und Pflichten. Und erst dann sind wir: Mann, Frau oder divers; einer Hautfarbe zugehörig; jung oder alt oder etwas dazwischen; arm oder reich; geimpft oder ungeimpft; dick oder dünn; Raucher, Gelegenheitsraucher oder Nichtraucher; Abstinenzler, Alkoholiker oder Genussmensch; sportlich oder unsportlich; krank, symptomlos «krank» oder vielleicht sogar gesund.

Wir alle sind Menschen und sind auf unsere Weise einzigartig, wie die Welt, die wir bevölkern.

4U ganz privat im Jahresrückblick 2021

Vom Loslassen und Wiederkommen

Wir haben unsere Kinder getreu dem Spruch erzogen: «Gib Kindern Wurzeln, wenn sie klein sind und Flügel, wenn sie älter sind.» Und plötzlich ist es so weit und sie fliegen aus dem Nest. Morgaine, unsere Jüngste, hat im August 2020 einen Flug nach Irland genommen und ist dort für ein Schuljahr geblieben. So sind wir schon etwas unvollständig ins Jahr 2021 gestartet, denn Heimaturlaub war nicht.

Unser ältestes Kind hat ihre ganz grossen Träume von Work und Travel in Australien oder Kanada den Möglichkeiten 2021 angepasst. So hat sie die Zeit in ihrem Gap-Jahr genutzt, um erste Arbeitserfahrungen in einem Unternehmen zu sammeln und eine Sprachreise nach Costa Rica unternommen. So hatten wir nach über 18 Jahren mal mehr als ein Wochenende für uns allein. Welch unbekannte, süsse Freiheit.

Ein Flugzeugflügel über den Wolken im Sonnenuntergang - Jahresrückblick 2021
Aufbruchstimmung ins Abenteuer

Endlich mal nicht erziehen müssen und mit gutem Vorbild vorangehen. Ein Haus für uns allein. Keine Abstimmungen, an denen die Bedürfnisse von 4 Personen unter einen Hut gebracht werden müssen, sondern viel spontaner nach Lust und Laune auf die eigenen Bedürfnisse hören.

Es ist spannend zu beobachten wie Eltern und Kinder erste Schritte voneinander unabhängig in die Welt unternehmen.

Und dann sind die beiden kurz nacheinander wieder zu Hause eingeflogen. Und wollten ihre Lieblingsgerichte, die sie so lange vermisst hatten, wieder essen. Ankommen, Wäschewaschen, Geburtstag feiern und gemeinsam wieder aufbrechen, ging fliessend ineinander über.  

Keiner kommt von einer Reise zurück, wie er gegangen ist. Davon konnten wir uns in diesem ersten gemeinsamen spontanen Urlaub in Portugal nach ihrer Rückkehr überzeugen. Die Mädchen sind erwachsener geworden.

Die ganze Familie in Lissabon - Jahresrückblick 2021
Die Familie in Lissabon

Warum wir tun, was wir am liebsten tun

Allen äusseren Gegebenheit zum Trotz ist unsere Lust am Reisen und die Sehnsucht nach der Ferne nicht nur ungebrochen, sondern stärker geworden. Und da stellt sich natürlich die Frage: Was ist es, dass diese unbändige Lust am Reisen ausmacht?

Die Antworten sind vielfältig.

Reisen:

  • ist, sich ein Stück weit zu verlieren und in der Natur wiederzufinden
  • ist das Gegenteil von Alltag
  • weckt den Entdecker und Abenteurer in uns
  • befriedigt die Neugier und erweitert den Horizont
  • lässt uns unsere Lebendigkeit und Freude am Leben spüren
  • heisst gemeinsame Erlebnisse und Abenteuer und damit gemeinsame Erinnerungen
  • führt zu einer Sammlung von Glücksmomenten, explodierenden Farben, Gerüchen und Geschmäckern
  • das heisst ganz viele Sonnenauf- und -untergänge und lustige Wolkenbilder
  • bedeutet, immer wieder mutig zu sein und sich auf Neues einzulassen
  • ermöglicht es uns, grosse und kleine Wunder dieser Welt zu entdecken
  • ist ein Stück weit Bekanntes loslassen und verändert zurückkommen
  • heisst, neue Menschen mit ihren Ideen, Träumen und Hoffnungen kennenzulernen
  • lässt uns neue Dinge tun
  • heisst Zeit für Fotografie, Bücher und Spiele
  • bedeutet gemeinsame Frühstücke
  • erdet uns, lässt uns in uns selbst ankommen (besonders Schottland)
  • lässt uns unser Zuhause mit anderen Augen sehen und anders wertschätzen

Das Reisen verändert uns und das verändert alles. Veränderung ist Leben. Reisen ist die Sehnsucht nach dem Leben. Kein Wunder, dass die Sehnsucht 2021 stärker geworden ist.

Blick aus dem Flugzeugfenster auf das schweizer Mittelland

Urlaubsplanung – Hexenwerk?

Im Jahr 2021 haben wir gelernt, dass nicht nur die grossen Urlaube und Abenteuer zählen, sondern es viel mehr die kleineren Auszeiten sind, die uns Fernwehkranke am Leben erhalten. Davon könnt ihr euch in unseren Reisebrichten zum Tessin und zur Westschweiz überzeugen. Und wenn die Zeit zwischen zwei verlängerten Wochenenden gar zu lang wird, dann hilft ein Ausflug in die Natur. Oder wir holen uns das Urlaubsgefühl in den Alltag, indem wir Erinnerungen kochen und verspeisen. Nicht nur Liebe geht durch den Magen.

Obwohl gar nichts mehr im Leben planbar ist, will der Arbeitgeber am Ende des alten Jahres die Urlaubsplanung fürs nächste Jahr. Und an diesen Plan müssen wir uns halten, es sei denn, der Arbeitgeber wünscht eine Planänderung. Wenn es blöd läuft, bedeutet das, zu Hause spazieren zu gehen. Also klug geplant ist halb verreist.

Hexe (Metallskulptur) auf Tor mit zwei Kugeln - Jahresrückblick 2021
Urlaubsplanung wird zum Glaskugellesen

Klug planen heisst, keine Urlaubstage mehr zu optimieren, sondern Wochenenden mit Brückentagen konsequent zu vermeiden. Das wird nicht nur preiswerter, sondern auch sehr viel entspannter. Schliesslich sind wir keine Herdentiere. Und Ablehnungen in Form von «sind vollständig ausgebucht» oder «haben keine Stellplätze mehr» machen keine Urlaubslaune.

Als Zweites stellt sich so generell die Frage: Sollten wir eigentlich überhaupt noch Urlaub zwischen Oktober und März planen?

Irgendwie verschärft sich nun schon zum zweiten Mal pünktlich ab Herbst die Lage. Ein Urlaub Ende September/Anfang Oktober wird schon zur Zitterpartie. Mit den ersten warmen Frühlingsstrahlen entspannt sich die Situation dann meistens wieder. Bis zum Sommerurlaub gibt es einen Hauch von Normalität, auch wenn noch die Quarantänelotterie gewonnen werden muss. Nicht, dass man plötzlich zum Risikoeinreisenden wird.

Das Europa mit Grenzen und Passkontrolle inklusive tollem Stempel im Reisepass war gegen das heutige Europa ohne Grenzen das reinste Paradies. Ich sage nur endlose Online-Formulare, Test, neumodische QR-Codes und Passerfassung.

Was heisst das jetzt? Die komplette Urlaubsplanung in die Monate April bis Ende September packen? Welche Herausforderung für den Gärtner in mir.

Wie das Bloggen mein Leben verändert

Vom Glück, zu Reisen und darüber zu schreiben

Bloggen ist eine andere Reise, zu der ich aufgebrochen bin und die Familie ins Boot geholt habe. Mutig und ahnungslos von der Materie bin ich losgegangen, ohne die Antwort zu kennen, wohin das Bloggen führt. Warum sitze ich also Stunde um Stunde und schreibe über das, was wir erleben, durchsuche Fotos, um die Beiträge zu illustrieren? Ganz einfach. Zuallererst macht es einmal Spass. Dadurch, dass es meine beiden liebsten Beschäftigungen nämlich das Reisen und Fotografieren zusammenbringt, verleiht es einen Sinn über den Spass hinaus.

Das Schreiben verändert mich genauso, wie das Reisen meine Sicht auf die Welt verändert. Gleichzeitig werden wir als Familie noch aktiver, schauen genauer hin, suchen mehr den Kontakt zu den Menschen, um tiefere Einblicke zu erhalten. Im Idealfall bringt es auch in dir, meinem unbekannten Leser, etwas zum Klingen. Ob ich dir eine Idee mit auf den Weg geben kann oder ein Samenkorn auslege, ob ich dir ein Lächeln auf die Lippen zaubere oder dich dazu bewege, die Komfortzone zu verlassen, mein Blog macht etwas mit uns beiden.

Ich mit der Kamera an einem verschneiten Flussufer - Jahresrückblick 2021
Egal wie kalt es ist, die Kamera ist mein ständiger Begleiter

Virus hin oder her, dass ich meinen Reiseblog trotzdem weiterführe, ist mein Statement als Zeichen der Hoffnung. Vielleicht war es notwendig, inne zu halten. Höher, schneller, weiter wird wohl nicht die Zukunft des Reisens sein. Slow travel oder auch bewusster und dankbarer Reisen wird vielleicht zum neuen Trend. Jede Reise ist wunderbar, egal wie weit sie uns führt. Entschleunigen und Reisen ein Stückweit geschehen zu lassen, statt alles durchzuplanen, war ein grosser Lernprozess in diesem Jahr und hat mich eigentlich zurück zu den Anfängen meiner Reisen geführt.

Das Universum hat uns viele Fragen gestellt, indem es uns Selbstverständlichkeiten weggenommen hat. Was brauchen wir beispielsweise, um glücklich zu sein? Es ist gar nicht so viel und doch alles: Gesundheit, eine starke Familie und gute Freunde für den Rückhalt, die Freiheit und Grösse, selbst denken und entscheiden zu dürfen.

Botschafterin, Hobbypreneurin oder Unternehmerin – das ist hier die Frage

Botschafterin

Ohne es zu bemerken hat das Bloggen mich zu einer Botschafterin gemacht. Die Welt ist schön und bunt, manchmal laut und manchmal leise, aber immer voller Wunder und Überraschungen. Ich ermuntere zum genauen Hinsehen und einem Perspektivwechsel. Wir reisen nicht, um die Heimat in der Fremde zu finden, also versuche ich konsequent, nicht zu vergleichen. Individuelles Reisen bedeutet für uns auch bewusstes Geld Ausgeben in der Urlaubsregion. So haben auch die Menschen in der Urlaubsregion etwas von unserer Reise und wir bekommen häufig einen besseren Gegenwert fürs Geld.

Ich mit ausgebreiteten Armen - Jahresrückblick 2021
Das Leben ist schön

Hobbypreneurin

Da man sich nur durch den Austausch mit anderen weiterentwickelt und Impulse erhält, habe ich das Jahr 2021 damit begonnen, eine erste Raketenstufe zu zünden. Ich wurde Mitglied in der Blogothek, die so viel mehr ist als eine Bibliothek rund ums Bloggen. Kurse, Challenges und ein Summit und dann noch ein Summit mit ganz viel Input haben mir klargemacht, wie blauäugig ich beim Start meines Blogs war. Nun sitze ich in einem Abenteuer fest, was mich nicht mehr loslässt.

Aber momentan bin ich ein Hobby-Unternehmer. Ich stecke unglaublich viel Zeit in den Blog-Aufbau. Und auch, wenn es mir Spass macht, ich täglich dazulerne, ist der Blog ein Verlustgeschäft. Ab und zu wird mir aber die Freude eines netten Kommentars zuteil.

So richtig verwunderlich ist das nicht, da ich das Thema Geld verdienen am Anfang vergessen hatte. Typisch Frau, die sich für Familie und Ehrenämter engagiert. Das Phänomen ist weiterverbreitet als man denken sollte, wie ich inzwischen weiss.

Gestartet bin ich mit etwas Affiliate Marketing. Das Universum möchte wohl, dass ich grösser denke. Das Ende der Partnerschaft mit dem grossen Internethändler war zwar irritierend, aber da ich sowieso nicht für dessen Unternehmenswerte stehe, ein Schnitt, mit dem ich gut leben kann. Und die Buchungsplattform für Übernachtungen weltweit hat in der Krise begonnen, seine Partner zu kannibalisieren, indem es den Kunden bei Direktbuchungen Rabatte einräumte. Ausserdem scheint dieser kleine Klick über meine Webseite ein Umweg von mindestens 1.000 km zu sein.

Unternehmerin – Die Reise zu meinem Business – Ich werden unstoppable

«Wenn nichts sicher ist, ist alles möglich.» (Margaret Drabble) Alles fliesst, alles ist im Umbruch. Und so vertraue ich darauf, dass die richtigen Menschen zum richtigen Zeitpunkt in mein Leben treten. Wahrscheinlich war die Zeit einfach reif dafür, aber zum Ende des Jahres 2021 habe ich mich in der UBU (Unstoppable Business University) eingeschrieben. Damit habe ich die zweite Raketenstufe gezündet.

Ich habe meine Tickets für den unaufhaltsamen Weg gekauft: Idee, Wow, Erfolg, Grossartig, Glück
So sehen die Karten für 2022 aus.

Meinen Autopiloten im Hirn programmiere ich auf: «Ich denke grösser, ich denke gross, weil ich es kann.» Diese Veränderung im Mindset hört sich so einfach an, ist sie aber gar nicht. Was ich beim Reisen verinnerlicht habe, nämlich das Unmögliche denken, damit das Mögliche möglich wird, fällt mir in Bezug auf mögliche Monetarisierung meines Blogs wahnsinnig schwer.

So befinde ich mich jetzt Ende 2021 in der Phase des Brainstormings. Ich überlege und verwerfe und denke neu. Allerdings ist die Zeit schon einmal reif für einen sanften Umbau der Website, für mehr Sichtbarkeit in der Welt und mehr Fokus. Hallo Universum, ich bin der winzige Punkt hier, bitte nimm mich mit mehr als einem Schulterzucken zur Kenntnis.

Unstoppable werden ist ein grosses Vorhaben, aber ich habe jetzt auch Leute an meiner Seite, die mich unterstützen und auf dem Weg in dieses Abenteuer begleiten werden. Und so leuchten meine Augen, wenn ich an das vor mir liegende Jahr 2022 denke.

Ein gezeichneter Regenbogen und lachende Sonne sagen, dass das Jahr 2022 grossartig wird
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