Die geheimnisvollen Ruinen von Ingapirca

In der Bergwelt Ecuadors befindet sich auf einer Höhe von 3.200 m die immer noch Rätsel aufgebende Inkastätte Ingapirca. In diesem Ort liegt auch unser heutiges Hotel, die Posada Ingapirca, welches es noch irgendwie zu erreichen gilt. Denn am nächsten Morgen wollen wir die Ruinen von Ingapirca besichtigen und zum alten Inkagesicht wandern.

Der Sonnentempel dominiert die Anlage der Ruinen von Ingapirca
Der Sonnentempel dominiert die Anlage der Ruinen von Ingapirca

Mietwagenübernahme in Guayaquil

Es ist schon recht spät geworden, bis wir mit unseren Taschen in Richtung Mietwagenschalter eilen. Darüber hinaus zieht sich die Übernahme des Mietwagens in Guayaquil ewig hin. Glücklicherweise konnte der Herr, welcher uns die eingelagerte Tasche vom Hotel zum Flughafen brachte, Englisch. Mit seiner Hilfe erhalten wir dann auch den gebuchten Rundum-Sorglos-Versicherungsschutz auf dem Mietvertrag eingetragen. Dennoch müssen wir jeden noch so kleinen Kratzer am Auto dokumentieren lassen. Dies hält ungemein auf.

Eigentlich müssten wir jetzt nur noch losfahren, doch die nächste Hürde ist das Navigationsgerät des Autos. Selbst drei Männer sind nicht in der Lage, den Garmin zu überzeugen, zu einer Adresse zu navigieren. Weitere 30 Minuten später haben sie zumindest herausgefunden, dass man erst die Provinz eingeben muss, in der sich das Ziel befindet. Dank Strassenkarte lassen sich die Provinzen auch finden. Aber selbst dann erkennt das Navigationsgerät unsere Adresse in Ingapirca nicht. Immerhin kennt er die Ruinen von Ingapirca als «point of interest», so navigieren wir dahin, damit wir überhaupt noch loskommen.

Fahrt von Guayaquil nach Ingapirca

Schon jetzt ist klar, dass wir es kaum im Hellen schaffen werden, anzukommen. Das hatten wir uns bei der Planung jedoch etwas anders vorgestellt. Das Verkehrsaufkommen in der Stadt ist dann auch noch hoch. Erst nachdem die Stadt hinter uns liegt, wird es deutlich besser. Allerdings ist die Strasse nach Ingapirca nur einspurig ausgebaut. Und das obwohl hier die ganzen LKWs unterwegs sind, die nicht durch den Cajas NP fahren dürfen. Schliesslich stellt sich auch noch heraus, dass unser Jeep sehr schwach motorisiert ist. Da macht das Überholen auf der kurvigen Bergstrasse gleich noch einmal so viel Spass. Kaum hat man nämlich einen LKW erfolgreich überholt, kommt hinter der nächsten Kurve ein noch langsamerer LKW.

Auf halber Höhe durchqueren wir wieder den Nebelwaldbereich, der in dichten Wolken hängt. Wie befürchtet, wird es dunkel bevor wir Ingapirca erreichen. Die kleine Strasse, die zum Ort führt, ist relativ neu. Allerdings ist ein Stück der Gegenfahrbahn 10 m in die Tiefe gerutscht.

Im Ort angekommen, müssen wir uns zum Hotel durchfragen. Nur sind kaum noch Leute unterwegs. Als die Strasse sich dann in einen Feldweg verwandelt, zweifeln wir ernsthaft an der Auskunft. Bevor wir umdrehen können, kommt tatsächlich noch die Toreinfahrt zur Posada Ingapirca.

Die Posada Ingapirca

Beim Aussteigen aus dem Auto fällt uns zuerst auf, dass es hier sehr viel kälter ist, als an der Küste. In den Zimmern stehen daher kleine Heizöfchen, die für eine angenehme Raumtemperatur sorgen. Da die Küche bald schliesst, müssen wir nach dem Bezug der Zimmer direkt zum Essen eilen. Nach dem Essen erhält jeder Gast eine Wärmflasche, was zum Einschlafen ganz nett ist.

So können wir die Posada Ingapirca und die wunderschöne Umgebung erst am nächsten Morgen gebührend bewundern.

Farbgebung (grün und rot dominieren) im Inneren des Gästetraktes der Posada Ingapirca
Farbgebung im Inneren des Gästetraktes
In diesem Teil der Posada Ingapirca befinden sich die Gästezimmer
In diesem Teil befinden sich die Gästezimmer
Einer von vielen versteckten Sitzplätzen in der Posada Ingapirca
Einer von vielen versteckten Sitzplätzen
Ausblick von der Posada Ingapirca
Ausblick vom Garten der Posada Ingapirca

Das Frühstück ist etwas gewöhnungsbedürftig. Als ersten Gang noch vor dem Kaffee erhalten wir Aprikosenkompott mit Bittermandelaroma serviert. Als zweiter Gang kommen fettige Empanadas mit Tamarillo Saft (Baumtomatensaft). Danach würden Eier serviert, aber die können wir gegen Toast und Käse tauschen.

Die Posada Ingapirca ist liebevoll eingerichtet. Auch typische Hüte hängen an den Wänden und werden vom Personal getragen. In dieser Gegend lebt nämlich das Volk der Cañari. Deren Hüte sagen etwas über den Beziehungsstatus des Trägers aus.

Gemälde einer alten Cañari Frau
Gemälde einer alten Cañari Frau

Gern würden wir noch ein paar Tage hier an diesem friedlichen Ort in den Bergen bleiben. Unsere amerikanischen Tischnachbarn sind schon seit vier Tagen hier. Sie haben sich kein Auto gemietet, sondern fahren mit den Linienbussen in Etappen durch die Berge. Dazu braucht es sicher auch Mut, wenn man sieht, wie die Busse ohne Rücksicht auf den Gegenverkehr überholen.

Wir packen unsere Taschen, die wir aber noch auf den Zimmern lassen und fahren zu den Ruinen von Ingapirca.

Im Garten der Posada Ingapirca leben Kaninchen frei
Im Garten der Posada Ingapirca leben Kaninchen frei
Garten der Posada de Ingapirca vom Parkplatz aus gesehen
Garten der Posada Ingapirca vom Parkplatz aus gesehen

Besuch der wichtigsten Inkastätte in Ecuador – Ingapirca

In der Sprache der Quechua bedeutet Ingapirca so viel wie Inkamauer. Das Gebiet war schon lange vor den Inkas von den Cañari bewohnt. Davon ist aber nicht mehr viel übriggeblieben. Das bedeutendste Überbleibsel ist der Huanca Cañari, ein Vulkanfels, auf den die Strahlen der untergehenden Sonne beinahe waagrecht treffen. Dieser Stein markiert auch ein wichtiges Grabmal.

Huanca Cañar
Huanca Cañar
Blick von den Ruinen von Ingapirca auf den Ort
Blick von den Ruinen von Ingapirca auf den Ort

Wer Ingapirca mit der Erwartungshaltung besichtigt, ein zweites Machu Picchu zu sehen, wird enttäuscht sein. Viel mehr als die Grundmauern der typischen Inkaanlage und Reste des elliptisch geformten Sonnentempels sind nicht mehr erhalten. Zu der Anlage gehören Lagerräume, Bäder, Grabstätten, Wege und Plätze, ein Observatorium und ein Mondtempel. Steine mit Löchern verweisen noch auf die unterirdischen Wasserzuleitungen. Ingapirca gibt den Forschern immer noch einige Rätsel auf. Die Inkas nutzten Ingapirca als Zwischenstation (Raststätte) von Cuenca nach Quito.

Die Ruinen von Ingapirca
Die Ruinen von Ingapirca

Die Hauptattraktion der Ruinen von Ingapirca ist definitiv der Sonnentempel. Seine Plattform wurde auf einem grossen Stein namens Pacarina errichtet, der den Cañari als Zeremonienstein diente. Besonders die fugenlos verbundenen Mauern sind beeindruckende Zeugnisse der Inka Bauweise. Steinmauern, die mit Mörtel verbunden sind, stammen dagegen von den Cañari. Bei der Bauweise der Inkas gibt es weitere Besonderheiten, wie die Ausrichtung der Anlage. Die Zeit der Sonnenwende ist dadurch jeweils am Stand der Sonnenstrahlen an der Mauer ablesbar. Zeichnungen der Anlage aus dem 19. Jahrhundert deuten darauf hin, dass damals noch mehr von der Anlage erhalten war. Leider wurden aber immer wieder Steine für den Bau anderer Gebäude verwendet. Ebenfalls typisch für die Inka sind die trapezförmigen Eingänge, die zur Erdbebensicherheit beitragen.

Reste des Sonnentempels
Reste des Sonnentempels
Steinmauer der Inkas mit fast perfekt passenden Steinen
Steinmauer der Inkas mit fast perfekt passenden Steinen

Da wir die Ruinen von Ingapirca gleich morgens zur Öffnung des Tempels besichtigen, sind noch keine englisch-sprachigen Führungen möglich. So besichtigen wir die Anlage allein. Hinweisschilder geben aber ausreichend Auskunft zu den Bauwerken und Mauerresten.

Spaziergang zum alten Inkagesicht

Wir laufen den Weg am Sonnentempel nach unten und folgen ihm zum Gesicht des alten Inka. Der Weg dorthin ist abwechslungsreich. Er führt vorbei an verschiedenen rituellen Steinen, an kleinen Feldern und grasenden Lamas.

Sonnentempel von unten gesehen
Sonnentempel von unten gesehen
Ritualstein (event. Opferstein)
Ritualstein (event. Opferstein)
Fels mit Auge (event. Pumadarstellung)
Fels mit Auge (event. Pumadarstellung)
Felder und Lama entlang des Weges zum alten Inkagesicht
Felder und Lama entlang des Weges zum alten Inkagesicht

Das Inkagesicht im Fels ist beeindruckend. Nicht minder interessant ist der kleine Garten direkt unterhalb des alten Inkas. Wer ein wenig genauer hinschaut, kann interessante Anbaumethoden zur Ausnutzung des kleinsten Raums finden. Lustig fanden wir die Lösung für die Hängeerdbeeren.

Inkagesicht in der Felswand
Inkagesicht in der Felswand
Profil des felsigen Inkagesichts
Profil des felsigen Inkagesichts
Platzsparende Pflanzlösung für Hängeerdbeeren
Platzsparende Pflanzlösung für Hängeerdbeeren

Beim alten Inkagesicht führt der Rundweg dann wieder nach oben. Dort bieten Einwohner gegen eine kleine Gebühr ihre Lamas für nette Fotos mit der Inkaruine im Hintergrund an. Der Weg führt im weiteren Verlauf direkt zum Museum.

Haus dekoriert mit lauter bepflanzten alten Emailletöpfen
Haus dekoriert mit lauter bepflanzten alten Emailletöpfen

Museumsbesuch

Im Museum sind verschiedene Fundgegenstände in Vitrinen ausgestellt. Die figürliche Gebrauchskeramik zu betrachten, bereitet uns Freude. Der Preis des Museumsbesuchs ist im Eintrittspreis der Ruinen von Ingapirca enthalten. Der Besuch dauert aber nicht sehr lange.

Tongefäss mit Beinen und Gesicht im Museum der Ruinen von Ingapirca
Tongefäss mit Beinen und Gesicht
Gesicht mit Ohren auf Kugelvase im Museum der Ruinen von Ingapirca
Gesicht mit Ohren auf Kugelvase
Längliche Vase mit Gesicht, Ohren und Armen im Museum der Ruinen von Ingapirca
Längliche Vase mit Gesicht
Kugelvase mit Zwillingsgesichtern im Museum der Ruinen von Ingapirca
Kugelvase mit Zwillingsgesichtern

Wir müssen zurück zum Hotel, um unsere Taschen abzuholen. Uns ruft der Chimborazo.

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