06 – Gestrandet auf dem Weg nach Huacalera

Bild Abschied von El Calafate
Abschied von El Calafate

Ungewollter Zwischenstopp in Buenos Aires

Eigentlich wollten wir am Morgen von El Calafate über Buenos Aires nach Salta fliegen und dort unseren Mietwagen übernehmen. Tatsächlich konnte das Flugzeug wegen eines technischen Defekts nicht fliegen. Der starke Sturm macht auch anderen Flügen zu schaffen, so dass viele Passagiere von verspäteten und gestrichenen Flügen noch am Flughafen warten.

Mit anderen Worten am Flughafen in El Calafate herrscht das total Chaos. Die Geldautomaten sind leer, aber jeder muss die Flughafengebühr irgendwie bar begleichen. Wir treffen Leute, die von El Chaltén kommen und dort schon vergeblich versuchten, Bargeld zu bekommen. Für die Verspätung haben wir immerhin ein paar Voucher für Getränke und Snacks erhalten, so haben wir wenigstens eine Sitzberechtigung im Café, denn Sitzplätze sind am überfüllten Flughafen Mangelware. Nach Begleichung der Abfluggebühren sind wir auch annähernd bargeldlos.

An allen Schaltern stehen lange Schlangen. Wir haben noch Glück im Unglück, dass wir beide Flüge mit der gleichen Airline gebucht haben, so muss die Fluglinie uns auf eigene Kosten umbuchen. Da LAN und Linea Argentinas Konkurrenten sind, kommen wir nicht mit dem nächsten Flug weg, sondern erst sehr viel später am Tag und auch nur noch bis Buenos Aires. Wir organisieren noch, dass die Mietwagenfirma informiert wird, dass wir einen Tag später kommen und kontaktieren die Unterkunft in Salta, dass wir nicht kommen. Da sie das Geld trotzdem möchten, werden sie am nächsten Tag einen Mitarbeiter an den Flughafen schicken, dem wir das Geld dann überreichen sollen.

Der Flug nach Buenos Aires gehört zu den schrecklichsten Flügen unseres Lebens. Schon beim Einsteigen schwankt das Flugzeug wie ein Fähnchen im Wind. Bis wir die Reiseflughöhe erreicht haben, sind wir grün im Gesicht und die Mädels haben echte Panik abzustürzen. Uns ist dann für einen kurzen Moment ein etwas ruhigerer Flug vergönnt. Als der Getränkewagen 2 Sitzreihen vor uns ist, durchfliegen wir jedoch ein Gewitter. Damit hat sich der Appetit nach Essen oder Getränken schlagartig sowieso erledigt, so dass es nicht weiter schlimm ist, dass die Stewardessen alles panisch wieder einsammeln und sich anschnallen. Die Landung in Buenos Aires ist dann ungefähr so, wie der Start in El Calafate.

Wir sind nur froh, das Flugzeug verlassen zu können. Mit unserem Gepäck beschaffen wir uns erst einmal Bargeld, bevor wir uns auf die Suche nach dem Schalter der Fluglinie machen. Für den Transport bekommen wir einen Voucher und erfahren nun auch in welches Hotel man uns gebucht hat. Die Schlange am Vertragspartner für den Transport ist sehr lang, dafür kommt dann wenigstens ein ausreichend grosses Auto.

Im 4 Sterne Hotel namens Las Americanas bekommen wir ein sehr geräumiges Familienzimmer. Inzwischen ist es 18.00 Uhr und wir sind alle erschöpft. So nehmen wir das Dinner auf Kosten der Fluglinie im Hotel gelassen, auch wenn es nach dem Motto «iss oder lass es bleiben» ist. Als Vorspeise gibt es – nach einem Tag mit Snacks am Flughafen – Pizza, als Hauptspeise gibt es Hühnchen mit Pommes. Es gelingt uns immerhin, 2 Portionen Pommes in einen Salat umzutauschen und als Dessert gibt es Eis mit Fruchtsalat. Jeder hat auch noch Anspruch auf ein alkoholfreies Getränk. Um diesen Tag hinter uns zu lassen und gelangweilte und müde Kinder zu ertragen, brauchen wir aber definitiv etwas Stärkeres.

Beim Versuch zu schlafen, lernen wir die Nachteile des Familienzimmers kennen. Über uns ist ein Säugling sehr unzufrieden mit sich und der Welt und die Stimmen seiner Eltern kommen auch in Originallautstärke bei uns an. Irgendwann siegt die Müdigkeit.

Nicht wirklich erholt, reisst uns der Wecker 5.30 Uhr aus dem Schlaf. Eine Stunde später werden wir wieder abgeholt und zum Flughafen gebracht. Da es erst ab 6.30 Uhr im Hotel Frühstück gibt, hat es noch nicht einmal für eine Tasse Kaffee gereicht.

Am Flughafen läuft dann alles reibungslos, auch wenn wir schlimmste Befürchtungen hatten, weil der Flug schon am frühen Morgen gleich mit 20 Minuten Verspätung angegeben ist. Die Verspätung holt der Pilot während des Fluges wieder auf. Ohne Wind war der Flug recht angenehm.

Liebling, ich habe unser Auto geschrumpft

In Salta werden wir schon vom Mitarbeiter der verpassten Unterkunft erwartet und können diese direkt begleichen. Am Mietwagenschalter, einem Minikabuff mit einem Angestellten, steht nur eine Person vor uns. Bis wir dran sind, dauerte es trotzdem seine Zeit. Die Wartezeit ist aber nichts im Vergleich zur Geduldsprobe, die uns nun erwartete.

Da wir mit dem Mietwagen wieder das Land verlassen wollen, brauchen wir auch die Papiere für den Zoll, aber diese hat der Mitarbeiter noch nie ausgefüllt. Gut, dass wir dies bereits bei der Buchung angegeben hatten. Nach mehreren Anrufen in der Zentrale sind dann irgendwann die Formulare ausgefüllt. Aber damit ist das Geduldsspiel noch nicht zu ende, denn nun weigert sich der Drucker hartnäckig diese Papiere auszudrucken. Der verzweifelte Mitarbeiter erlaubt nach vielen Fehlversuchen Jörg, sich an den Computer zu setzen und siehe da, er kann den Drucker überreden.

Frohen Mutes machen wir uns mit den Papieren, Kindern und dem Gepäck auf den Weg zu unserem Auto. Aber das musste ein schlechter Witz sein. Der Angestellte blieb nicht etwa vor einem Pickup, den wir gemietet hatten stehen, nein er zeigte auf einen nagelneuen Renault Duster. Ich schaue Jörg konsterniert an und frage nur noch: «Nehmen wir das Gepäck oder die Kinder mit?» Sehr viel später, nach einem vergeblichen Beladungsversuch, kapiert es dann auch der Angestellte, dass wir tatsächlich das Auto brauchen, was wir bestellt haben.

Dies hat nun wieder viele Telefonate mit der Zentrale zur Folge. Irgendwo finden sie dann einen Ford Ranger, der noch durch die Waschstrasse und vom Mechaniker angesehen werden muss.

Reichlich zwei Stunden später stehen wir vor einem total verbeulten, rostigen Auto, aber immerhin gross genug, um uns alle zu fassen. Mit all den Beulen, hängenden Kabeln im Fahrgastraum, herunterfallenden Sonnenblenden dauert es sehr lange bis detailliert alle Mängel notiert sind.

Damit wir mit diesem Auto das Land verlassen können, müssen die Zollpapiere für den Grenzübertritt erneut ausgefüllt werden. Und weil alles so überstürzt ging, ist leider der Tank fast leer, so dass wir als allererstes eine Tankstelle aufsuchen müssen. Da die nächste Tankstelle bei einem Supermarkt ist, machen wir das beste daraus und kaufen gleich noch Obst und Wasser. Die Kinder sind nur froh, dass es endlich weitergeht. Wir Erwachsene sind nach zwei Tagen diskutierend und wartend an einem Flughafen nun wirklich urlaubsreif.

Als wir endlich Richtung Huacalera aufbrechen, ist es nachmittags und der Verkehr auf der Strasse ordentlich. Die Beschilderung an den Strassen ist recht gewöhnungsbedürftig, denn Ziele werden erst ausgeschildert, wenn man schon mehrere Kilometer auf der richtigen Strasse fährt. Dafür ist der Verkehr spannend: Jeder fährt, wo er denkt und so schnell er denkt. Die Autos scheinen einem Schrottplatz entlaufen zu sein und sind mit allem beladen, was man sich nur vorstellen kann.

Bild Alter Ford - Salta, zeigt verbeulten, rostigen Ford mit interessantem Aufbau.
Alter Ford – Salta

Wir sind heilfroh, als wir nach einer Ehrenrunde im Kreisel und einmal fragen auf der richtigen Strasse sind. Auf einer 2-spurigen Autobahn werden wir vor Kühen, Pferden, Radfahrern und Fussgängern gewarnt. Und weil es so schön ist und wir ohnehin so spät dran sind, stellen wir uns in San Salvadore de Jujuy dann auch noch in den Stau.

Bild Auf dem Weg nach Huacalera entlang der Quebrada de Humahuaca zeigt ausgewaschene Felsen und aufsteigende Wolken.
Auf dem Weg nach Huacalera
Bild Flussbett des Rio Grande neben der Strasse entlang der Quebrada de Humahuaca auf dem Weg nach Huacalera
Flussbett des Rio Grande neben der Strasse auf dem Weg nach Huacalera
Bild Farbige Felsen auf dem Weg nach Huacalera zeigt Felsen mit farbigen Mustern. Im Vordergrund das trockene Flussbett und grüne Pflanzen.
Farbige Felsen auf dem Weg nach Huacalera

Die Quebrada de Humahuaca, die ins bolivianische Hochland führt und der wir heute bis nach Huacalera folgen, ist spektakulär. Die Felsen rundherum sind bunt und ausgewaschen. Durch die Quebrada fliesst der Rio Grande, der seinem Namen aber nur zur Schneeschmelze alle Ehre macht. Wir steigen auf fast 2.700 m bis wir unser Hotel beim letzten Büchsenlicht erreichen.

Das Hotel Huacalera – ein Designhotel – ist atemberaubend schön. Das Hotel wurde in den 1930er Jahren von einem Spanier erbaut als noch die Eisbahnlinie zwischen Buenos Aires und Bolivien durch den Ort führte. In Huacalera gab es einen der wenigen Haltepunkte. Als die Linie in den 1980er Jahren verlegt bzw. geschlossen wurde, ging das Hotel den Bach herunter. Mit zunehmendem Tourismus wurde das Hotel 2008 komplett umgebaut wiedereröffnet. Die alten Steinmauern, die Kakteenbalken und das Kakteenholz wurde belassen. Für die Renovierung wurde mit den hier üblichen Farben und Materialien gearbeitet. Wir können das Hotel nur empfehlen.

Es gibt auch ein reichhaltiges Wellnessangebot und eine sehr gute Küche mit regionalen Produkten. Macht es besser als wir und plant mindestens 2 Tage im Hotel ein.

Bild Hotel Huacalera - zeigt die Kiesauffahrt, Pampasgras und grosse Kakteen, einen Flügel des flachen Hotelbaus mit rotem Dach und heller Fassade.
Hotel Huacalera

Wir erholen uns bei einem guten Abendessen von den Strapazen. Bevor wir am nächsten Morgen gut ausgeruht weiterfahren, laufen wir noch bis zur Kirche, die aber geschlossen ist.

Die anderen Beiträge zur Reise in Argentinien findet ihr unter den folgenden Links:


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