Erholung, Gewürze und Weltkulturerbe Stonetown auf Sansibar

Relaxen im Norden

Sansibar, der Name der Insel klingt wie eine Geschichte aus 1001 Nacht. Derweil bedeutet der Name wahrscheinlich «Küste der Schwarzen». Bevor wir uns mit der Vergangenheit der Insel als Sklavenumschlagplatz beschäftigen, erholen wir uns aber erst einmal von den Strapazen der Safari und der Grippe in einem Haus am Meer im Norden der Insel.

Das Meer hat Badewannentemperatur und ist selbst bei Flut sehr lange sehr flach. Es lädt nicht wirklich zum Schwimmen oder gar Schnorcheln ein. Zum Schnorcheln fahren wir einmal mit einem Fischerboot raus. Wir organisieren dies über einen der Hausmanager. Da hier scheinbar jeder mit jedem verwandt ist, wird das innerhalb der Familie organisiert. Neben dem Kapitän und einem Angestellten begleitet uns überraschenderweise auch noch der Dorfschullehrer. Er unterhält sich lange mit den Mädels und begleitet uns beim Schnorcheln. Unsere Schnorchelmasken haben wir immer dabei, wenn es sich anbietet.

Der Kapitän unterhält im Dorf eine Art kleinen Zoo. Er sammelt im staatlichen Auftrag kleine Schildkröten ein und wildert sie im Alter von 10 Jahren wieder aus. Neben Seegurken und einigen stattlichen Exemplaren von Krabben gibt es auch ein paar Dikdiks, Chamäleons, Aquarien und zwei Buschbabies zu sehen.

Bild Fischerboot mit dem wir zum Schnorcheln unterwegs sind, zeigt ein aus groben Hölzern gefertigtes Schiff mit einem Segel.
Fischerboot mit dem wir zum Schnorcheln unterwegs sind
Bild Fischschwarm - Sansibar zeigt Hunderte von kleinen silbernen Fischen im türkisfarbenen Wasser
Fischschwarm – Sansibar
Bild Schnorchelmaske unter Wasser zeigt wie Morgaine mit dieser Maske unter Wasser aussieht.
Schnorchelmaske unter Wasser – Sansibar

Der Pool, der zu unserem Haus gehört, ist angenehm kühl und liegt bis zum späten Mittag im Schatten. Abends kann man ihn erleuchten. Zum Haus gehört auch ein Auto. Wir hatten extra im Vorfeld Scans unserer Führerscheine zur Anerkennung gemailt, aber irgendwie haben wir gar keine Lust, uns grossartig weit wegzubewegen.

Bild Ebbe - Sansibar zeigt den flachen felsigen Untergrund in der Bucht. Draussen liegt ein Schiff vor Anker.
Ebbe – Sansibar

Das Haus hat eine riedgedeckte, offene obere Etage, wo immer ein Luftzug geht und es sogar noch eine erhöht Sunset Plattform gibt. Diese obere Etage ist eigentlich ein Traum, man kann nachts die Sterne sehen. Es gibt nur zwei Einschränkungen. Zum einen kommen mit dem für diese Jahreszeit ungewöhnlichen Wetter (Regen) tausende von harmlosen Käfern, die in ihrer Masse einer Invasion gleichen. Sie werden abends von allen Möbeln und Böden weggekehrt und liegen doch am Morgen wieder wie gesät überall. Nur unter den Moskitonetzen der Betten hat man einigermassen Ruhe. Zum anderen kommen hier alle möglichen anderen Tiere zu Besuch. Die Raben schauen gefühlt mal alle halbe Stunde vorbei und untersuchen alles. Es könnte ja sein, dass wir etwas Essbares verstecken. Kleine Fledermäuse schwirren abends auf der Suche nach Insekten vorbei. Die Buschbabies (kleine Affen) machen uns nur am Ankunftstag kurz ihre Aufwartung. In den folgenden Nächten waren sie nur zu hören. Die Katzen aus der Umgebung schleichen auch immer mal auf leisen Pfoten vorbei.

Wirklich lästig sind aber die Käfer, denn sie sind überall und zwingen uns zu absoluter Ordnung. Sprich alles, was gerade nicht gebraucht wird, bleibt in der Tasche und damit käferfrei. Bikinis, die zum Trocknen aufgehängt werden, muss man erst ausschütteln, bevor man sie wieder anziehen kann. Das gleiche gilt für Handtücher. Die frechen Raben sind anders lästig, denn sie untersuchen jeden Rucksack, jede Tüte. Auch sind sie in der Lage grössere Dinge, die ihr Interesse wecken, zu entführen. Spätestens als wir einen Raben mit unserem Fenistil im Schnabel erwischt haben, war uns klar, dass wir wirklich nichts offen liegen lassen können.

Insofern sind wir nur scheinbar im Paradies gelandet. Die faulen Tage vergehen wie im Flug und schon müssen wir ade sagen. Die letzten eineinhalb Tage unseres Urlaubs verbringen wir in Stonetown.

Gewürztour im Regen

Bereits in der Nacht regnet es in Strömen. Auch als wir abfahren, fängt der monsunähnliche Regen wieder an. Normalerweise regnet es im Januar und Februar überhaupt nicht auf Sansibar. Der Vorteil des Regens, die Insel ist grün und bisher hat es vor allem in der Nacht geregnet, uns also nicht wirklich gestört. Auf dem Weg nach Stonetown hatten wir im Vorfeld eine Spicetour eingeplant. Wir halten es erst für einen Irrtum als der Fahrer von der Hauptstrasse auf einen engen Weg mit jeder Menge Müll abbiegt und am Ende der Sackgasse anhält und meint, wir hätten unser Ziel erreicht.

Wir warten im Auto bis der Regen etwas nachlässt und begeben uns dann zu Fuss auf den matschigen Weg vorbei an Ziegen und Hühnern und landen bald auf einem grossen Platz mit einem überdachten Verkaufsstand und einer überdachten Veranda. Von irgendwoher werden Regenschirme organisiert. Ein Führer kommt und so begeben wir uns auf die Gewürztour. Von Kardamom, Ingwer, Zitronengras, Pfeffer, Nelken bis zu Vanille wächst hier wirklich alles. Wir können kosten, riechen und erfahren auch viel über die Verwendung als Medizin und in der Kosmetik. Die Tour ist sehr informativ und es ist sehr schade, dass der Regen noch an Intensität zulegt, so dass die Regenschirme keinerlei Schutz mehr bieten und die Wege sich in schlammige Bäche verwandeln. So kürzen wir die Tour ab und flüchten auf die Veranda, wo bereits der Tisch für unser Mittagessen gedeckt ist.

Bild Wenn es so regnet, hilft auch kein Schirm - Sansibar zeigt den vom Boden wieder aufspritzenden Regen auf der Gewürzfarm.
Wenn es so regnet, hilft auch kein Schirm – Sansibar

Die Küche befindet sich direkt an der Veranda und verfügt über noch weniger Licht als die nach allen Seiten offene Veranda, die wenigstens im Halbdunkel noch ein wenig von der Umgebung erkennen lässt. In der Küche ist es stockdunkel. Wir sehen immer mal wieder die Taschenlampe eines Mobiltelefons die Küche erleuchten. Es kostet uns einiges an Überwindung, Gefallen an dem so zubereiteten Essen zu finden.

Da aber nun einmal für uns gekocht wird und die Agentur hier auf Sansibar der Meinung war, dass das Essen für Touristen geniessbar ist, probieren wir von allem etwas. Wir können uns aus Schüsseln bedienen. Neben Kürbissuppe und Fladenbrot, gibt es Gewürzreis, eine Art Spinat, Bananencurry und Maniok. Am Ende wird noch Fisch gereicht, auf den wir aber gern verzichten. Die Speisen sind geschmacklich sehr gut. Zum Dessert gibt es noch Früchte.

Weltkulturerbe Stonetown

Gesättigt fahren wir nach Stonetown weiter. Durch den Regen sind die Strassen in Newtown überflutet. Eine Kanalisation ist erst im Bau befindlich. Daran, dass auf den beiden zu Sansibar gehörenden Inseln 1,5 Mio Menschen ohne richtige Kanalisation leben, möchten wir in diesem Moment nicht denken. Auf manchen Strassen steht das Wasser so hoch, dass nichts mehr geht. Unser Fahrer wendet immer wieder und sucht andere Wege.

Für uns sehr überraschend und unvermittelt treffen wir auf eine ehemalige Prachtavenue mit 6-geschossigen Plattenbauten aus den 60er Jahren, die die sozialistischen Freunde erbaut haben. Seit ihrer Erbauung haben diese Plattenbauten keinerlei Renovation der Fassade erlebt. Dafür haben die Bewohner der Wohnungen nach Belieben Platten oder Teile von Platten entfernt und durch etwas luftdurchlässigeres ersetzt. Auch die Wahl der Fenster ist sehr individuell von Wohnung zu Wohnung abhängig. Dass diese Häuser noch stehen, grenzt an ein Wunder.

Von dieser Prachtstrasse ist es nicht mehr weit bis ins Zentrum von Stonetown. Unser Hotel liegt direkt an der Wasserfront des Fährhafens und wirkt wie eine Mischung aus arabischem Palast und Hogwarts. Jörg behauptet die Treppen würden nicht ihre Richtung wechseln, aber so oft, wie ich falsch laufe, kann ich das nicht glauben.

Schmale Treppen führen von Stockwerk zu Stockwerk und verzweigen sich dabei immer wieder. Es gibt Innenhöfe, mal klein mit Brunnen, mal gross mit Pool. Das schmale Haus ist lang nach hinten gebaut. Von unserem Balkon sehen wir auf den Pool und viele Fassaden anderer Häuser.

Bild Minzingani Hotel Innenhof mit Pool, Stonetown - Sansibarzeigt eine Fassade im arabischen Stil mit Wendeltreppe nach oben, den rechteckigen Pool mit Halbkreis und einer über die Mauer wuchernde Bougainville.
Minzingani Hotel Innenhof mit Pool, Stonetown – Sansibar
Bild Fassaden und Innehöfe, Stonetown - Sansibar zeigt die Fassaden mit abbröckelnden Putz und überwucherten Innenhöfen
Fassaden und Innehöfe, Stonetown – Sansibar

Die Kinder bekommen ein schönes Twinbed-Zimmer. Wir Eltern haben weniger Glück und landen ganz oben in einem Raum, der offensichtlich an die Hochdruckwasserpumpe grenzt. Ein Tausch war nicht möglich, da das Hotel voll besetzt ist.

Bevor wir uns auf eigene Faust auf eine erste Stadtbesichtigung begeben, ruhen wir uns erst einmal etwas aus, wobei das bei dem Geräusch, welches wie eine abpumpende Waschmaschine klingt, nicht ganz einfach ist. Nachts suchen wir Zuflucht im Zimmer der Kinder. Die Twinbeds sind genauso breit oder schmal wie unser Doppelbett.

Wir schlagen den Weg Richtung Hafen ein.

Bild Fähre nach Dar-es-Salaam zeigt den Strand, den Müll an der Wasserlinie, kleine Boote und dahinter die grosse Fähre und gestapelte Container.
Fähre nach Dar-es-Salaam
Bild Häuser in der Nachbarschaft des Hotels in Stonetown, Sansibar zeigt restaurierte arabische palastähnliches Gebäude neben etwas heruntergekommenen Häusern mit Balkonen. Das Eckhaus hat Zinnen auf dem Dach.
Häuser in der Nachbarschaft des Hotels in Stonetown, Sansibar

Als wir eine grosse Strasse erreichen, die vom Hafen Richtung Stadt führt, folgen wir dieser. Hier werden wir immer wieder freundlich von Leuten angesprochen, die ihre Dienste als Stadtführer anbieten wollen. Auch wenn jeder einzelne freundlich und nicht aufdringlich ist, sind wir etwas genervt, als wir den Markt voller Menschen erreichen. Wir laufen in die Richtung, in der wir das Wasser vermuten und suchen uns zwischen den schmalen Häusern einen Weg. Wir müssen ganz schön aufpassen, nicht von kleinen Mopeds überfahren zu werden, die unvermittelt an Kreuzungspunkten in diesen schmalen Gassen mit hoher Geschwindigkeit auftauchen. Gut, dass man ihr Kommen hört.

Bild Auf dem Weg zum Markt in Stonetown, Sansibar zeigt von links nach rechts einen Grünstreifen als Abtrennung zur Hauptstrasse, parkende Autos und eine Häuserzeile mit Häusern ganz unterschiedlicher Baustile.
Auf dem Weg zum Markt in Stonetown, Sansibar
Bild Die prachtvolle Holztür zeugt vom Reichtum der ehemaligen Bewohner des Hauses, Stonetown - Sansibar zeigt eine schmale Gasse mit Bauschutt und Müll. Das Haus rechts ist umgeben von einem hohen Betonsockel. Eine Doppelflügeltür mit Holzschnitzereien und Dornen zur Elefantenabwehr zeugt von besseren Zeiten. Die Fensterläden in der unteren Etage sind geschlossen, oben ist ein Fensterladen geöffnet. Die Fassade bröckelt.
Die prachtvolle Holztür zeugt vom Reichtum der ehemaligen Bewohner des Hauses, Stonetown – Sansibar
Bild Etwas breitere Strasse, Stonetown - Sansibar zeigt eine beitere Gasse mit parkenden Autos. Stromkabel hängen von Haus zu Haus quer über die Strasse.
Etwas breitere Strasse, Stonetown – Sansibar
Bild Der Zahn der Zeit nagt an den Gebäuden, Stonetown - Sansibar zeigt fleckige Mauern und Fassaden von Häusern, die wahrscheinlich nicht mehr bewohnt werden. Stromkabel führen wild entlang von Mauern und zwischen den Häusern.
Der Zahn der Zeit nagt an den Gebäuden, Stonetown – Sansibar
Bild Schmale Gasse, Stonetown - Sansibar zeigt eine so schmale Gasse, dass die Häuser sich in den oberen Etagen fast berühren.
schmale Gasse, Stonetown – Sansibar

Wir erreichen das Wasser und sind einmal mehr über den Müll am und im Wasser erstaunt. Obwohl hier mit Weinbars, B & Bs und Geschäften eher die Touristen angesprochen werden. In einem Strandrestaurant gönnen wir uns auf einer Terrasse eine Erfrischung mit Blick auf das Meer und den Strand, an dem die Einheimischen Fussball spielen und zwischen den allgegenwärtigen Plastikflaschen schwimmen gehen.

Bild Weinbar für Touristen auf der streng muslimischen Insel, Stonetown - Sansibar zeigt gepflegte Villen mit Palmen und der Werbung für die Weinbar.
Weinbar für Touristen auf der streng muslimischen Insel, Stonetown – Sansibar
Bild Am Meer, Stonetown - Sansibar zeigt eine vermüllten Park mit Laternen am Meer. Im Meer schwimmen Hausboote mit Restaurants und kleine Boote. Ein Küstenschnellboot liegt auch vor Anker.
Am Meer, Stonetown – Sansibar
Bild Kleine Anlegestelle - Stonetown, Sansibar zeigt terrassenartige Befestigung zum Meer. Auf der zweiten Terrasse stehen grosse schattenspendende Bäume mit Tischen darunter. Boote liegen im Wasser. Die Häuser am Wasser haben alle eine grosse Mauer zum Wasser hin.
Kleine Anlegestelle – Stonetown, Sansibar

Auf dem Rückweg zu unserem Hotel ist richtig Leben im Park neben der Strasse. Essensstände werden aufgebaut. Junge Männer, die abgepackte Nüsse verkaufen, klappern laut mit Steinen oder Münzen und machen so auf sich aufmerksam. Jungs springen von einer hohen Mauer ins Hafenbecken.

Unsere offizielle Stadttour mit Guide haben wir am nächsten Morgen. Anton von Sansibar (nicht aus Tirol) begleitet uns durch die Stadt. Einmal mehr sind wir über die unglaubliche Sprachfähigkeit der Guides erstaunt. Auch er spricht mehrere (sieben) Sprachen fliessend, dabei Exoten wie Mandarin, Russisch und Deutsch. Wir gehen auf ähnlichem Weg, wie wir gestern, nur dass wir noch tiefer ins Gewirr der Gassen eindringen. Wir kommen am neu erbauten und noch nicht geöffneten Markt vorbei und gehen anschliessend ins Innere des auch noch nicht so alten, aktiven Marktes.

Bild Renoviert und Unrenoviert nur durch eine schmale Gasse getrennt, Stonetown - Sansibar zeigt zwei grosse sich gegenüberstehende Häuser, die sich oben fast zu berühren scheinen. Das eine steht leer und verfällt, das andere ist wunderschöne restauriert.
Renoviert und Unrenoviert nur durch eine schmale Gasse getrennt, Stonetown – Sansibar
Neue Ladenpassage im Bau, Stonetown - Sansibar zeigt einen langen Gebäudekomplex, der zukünfig Marktgeschäfte beherbergen soll. Im Unterschied zur westlichen Welt gibt es keine Schaufenster, nur breite Doppeltüren mit einem kleinen Vordach geschützt. In den oberen Etagen befinden sich wahrscheinlich Lager- und Büroräume.
Neue Ladenpassage im Bau, Stonetown – Sansibar
Bild Eingang zum Markt, Stonetown - Sansibar, zeigt geschäftiges Treiben vor den weissen Markthallen mit roten Wellblechdächern.
Eingang zum Markt, Stonetown – Sansibar

Heute Morgen ist noch nicht so viel vor dem Markt los. Um zu den Gewürzen zu kommen, müssen wir den Gang mit den Fischen durchqueren.

Obwohl ich so schnell laufe, wie es mir möglich ist, muss ich mich fast vom Geruch übergeben. Bottiche mit Tintenfischen in beginnender Selbstauflösung werden hier neben Fischen in allen Grössen und Formen verkauft. Rechts geht der Fischverkauf weiter, links hängt das Fleisch der Metzger ungekühlt zum Verkauf.

Wir erreichen frische Luft bevor wir uns ins Halbdunkel des überdachten Gewürzmarktes begeben. Ein Stand befindet sich neben dem nächsten. Es ist wirklich interessant zu sehen, wieviel verschiedene Mischungen für alles und jedes angeboten werden. Je weiter wir in den Markt vordringen, umso dunkler wird es. Neben Gewürzen werden hier auch Gemüse und Hülsenfrüchte verkauft.

Bild Stand im Gewürzmarkt, Stonetown - Sansibar zeigt den Händler vor seinem Stand, einem Tisch mit drei Seitenwänden voller farbiger Gewürze.
Stand im Gewürzmarkt, Stonetown – Sansibar

Auf dem Weg zur Kirche werden wir eingeladen, einen Blick in die Schule zu werfen. Ein Lehrer erklärt uns, dass die staatlichen Schulen in zwei Schichten unterrichten. Die einen Kinder haben vormittags, die anderen nachmittags Unterricht. In einer Art Schulzimmer dürfen kleine Kinder in einem heruntergekommenen Raum ihr mitgebrachtes Essen verspeisen. Da sind unsere Kinder doch einmal mehr froh, in der Schweiz die Schule zu besuchen.

Als wir aus der Schule herauskommen, regnet es endlich mal wieder. Da die Wettervorhersage dieses Wetter vorhergesagt hatte, haben wir uns im Hotel zwei grosse Regenschirme ausgeliehen, was sich jetzt als Vorteil erweist.

Obwohl Sansibar überwiegend muslimisch ist, steht auf dem Platz des ehemaligen Sklavenmarktes eine Kirche, die wir als nächstes besichtigen. Dafür müssen wir uns einer pro forma Sicherheitskontrolle unterziehen. Unter der Kirche sind niedrige, fast fensterlose Räume, die sehr gut einen Eindruck vermitteln, unter welchen Bedingungen Sklaven hier früher gehalten wurden. Während wir in der Kirche sind, steigert der Regen seine Intensität, so lassen wir uns Zeit in der Ausstellung über die Geschichte der Sklaverei auf Sansibar.

Anschliessend waten wir durch Wasser, welches teilweise auf den Wegen steht. Wir erfahren, was es mit den Dornen an den schönen alten Holztüren auf sich hat. Diese Türen sind vor allem bei Häusern anzutreffen, die von Indern erbaut wurden. Die Dornen sollten die Elefanten von den wertvollen Türen abhalten. Häuser indisch-stämmiger Erbauer haben Balkone, die von arabisch-stämmigen Erbauern haben eher Innenhöfe.

Schön restauriertes Haus im indischen Baustil, Stonetown - Sansibar, zeigt ein Haus mit vier Etagen. Unten befinden sich Geschäft im Haus, die oberen Etagen haben durchgehende, überdachte Balkone. Fenster und Türen haben einen Halbkreis mit Verzierungen über dem Rechteck der Öffnung.
Schön restauriertes Haus im indischen Baustil, Stonetown – Sansibar
Bild Die prachtvolle Holztür zeugt vom Reichtum der ehemaligen Bewohner des Hauses, Stonetown - Sansibar zeigt eine schmale Gasse mit Bauschutt und Müll. Das Haus rechts ist umgeben von einem hohen Betonsockel. Eine Doppelflügeltür mit Holzschnitzereien und Dornen zur Elefantenabwehr zeugt von besseren Zeiten. Die Fensterläden in der unteren Etage sind geschlossen, oben ist ein Fensterladen geöffnet. Die Fassade bröckelt.
Die prachtvolle Holztür zeugt vom Reichtum der ehemaligen Bewohner des Hauses, Stonetown – Sansibar

Bevor die Tour endet, kommen wir auch noch am Wohnhaus von Fredy Mercury vorbei. Eine kleine Schautafel erinnert an den berühmten Bewohner.

Fast in Sichtweite des Hotels laufen wir wieder am alten Fort vorbei. Dieses Mal kommen wir über den Innenhof auf die Strasse. Im Inneren befindet sich ein kleines Amphitheater und Geschäfte.

Bild Aussenmauer, des alten Forts in Stonetown - Sansibar zeigt die Strasse entlang der Mauer und dem Palast der Wunder. Links spenden hohe Bäume eines Parks Schatten.
Aussenmauer, des alten Forts in Stonetown – Sansibar

An das Fort schliesst sich der Palast der Wunder an. Dies war das erste Gebäude in Afrika mit elektrischem Strom und einem Aufzug, fliessend Wasser und Wasserklosetts. Heute, obwohl Teil des Weltkulturerbes kann er seit ca. 3 Jahren nicht mehr besichtigt werden, da ein Teil des Dachs eingestürzt ist und bislang die nötigen Reparaturen nicht vorgenommen wurden.

Nach dreieinhalb Stunden kehren wir wieder ins Hotel zurück. Wir hatten von vornherein ein Zimmer als Tageszimmer gebucht. So ruhen wir uns erst einmal aus.

Rückflug mit Hindernissen

Jörg hat nicht so die Ruhe, weil wir für unseren Abendflug von Sansibar via Nairobi nach Paris und Zürich noch nicht einchecken konnten. So probiert er es ein weiteres Mal und siehe da, unser Flug existiert nicht mehr. Plötzlich haben wir einen Nachtflug nach Nairobi, so dass der nicht geänderte Flug nach Paris weg ist, bevor wir in Nairobi ankommen.

Wir haben so viel Werbung für Upgrades von Kenia Air erhalten, aber die Info, dass unser Flug ersatzlos gestrichen wurde, konnte oder wollte man nicht kommunizieren.

So versuchen wir Kenia Air in Sansibar anzurufen. Da geht natürlich keiner ans Telefon. Da der nächste Flug erst nachts geht, ist das auch nicht wirklich ein Wunder. So rufen wir dann bei Kenia Air in Dar es Salam an, aber die können nichts machen, ausser uns auf einen Rückruf von Kenia Air Sansibar zu vertrösten. Auf den Rückruf warten wir heute noch. In der Zwischenzeit haben wir die Flugpläne der anderen Fluglinien gecheckt und festgestellt, dass eigentlich heute nur noch 2 Flieger die Insel verlassen und dass beide bereits am Nachmittag starten.

Bild International Call, Stoneton - Sansibar zeigt ein Wahltastentelefon an einem Masten mit irrer Verdrahtung. Darüber das weisse Schild mit schwarzer Schrift "Make free international Calls please". Regen tropft am Telefon entlang.
International Call, Stoneton – Sansibar

Also rufen wir in der Not KLM in der Schweiz an, denn die Nummer steht auf der Buchungsbestätigung. Wir verzweifeln fast an der Maschine, die unsere Zahlenangaben via Mobiltelefon nicht versteht. «Wenn Sie eine Frage zu ihrem Flug haben, wählen Sie die 1, wenn Sie …». Nach drei Durchläufen gibt die Maschine auf und stellt uns durch. Danach geht alles richtig schnell. Noch während Jörg das Dilemma erklärt, werden wir auf Qatar Air umgebucht. Die neuen Tickets kommen auf der Mail an, bevor das Gespräch beendet ist. Während Jörg uns noch ein Taxi an der Rezeption bucht, renne ich nach oben. Wir haben genau 10 Minuten, um uns umzuziehen und die Taschen zu packen.

Auf dem Weg zum Flughafen stehen wir dann noch kurz im Stau, der nichts im Vergleich zur Schlange am Eingang des Flughafens ist. Ein Mann kontrolliert die Pässe sämtlicher Passagiere, die in einem grossen Pulk versuchen, die Engstelle möglichst schnell zu überwinden. Da wird rechts und links um jeden Zentimeter gekämpft. Nachdem man diese Hürde geschafft hat, kann man sich für eine von 4 Reihen entscheiden, an deren Ende ein Durchleuchtungsgerät für das Gepäck wartet. Das zweite Gerät ist leider ausser Betrieb. So werden die Reihen immer wieder gesperrt nachdem ca. 10 Leute durchgelassen wurden. Auf der linken Seite wird noch fleissig überholt. Nach welchen Kriterien man bevorzugt wird, haben wir nicht herausgefunden. Inzwischen ist es auch richtig warm bei hoher Luftfeuchtigkeit. Mantra-mässig sagen wir uns auf «this is africa» und versuchen die Ruhe zu bewahren. Gwen steht irgendwann kurz vor einem Kreislaufkollaps wegen Unterzuckerung. Und ausser Wasser haben wir nichts dabei. Es musste ja schnell gehen und irgendwie dachten wir, dass wir Zeit haben, am Flughafen etwas zu kaufen. Bevor es ganz kritisch wird, nehmen wir die Hürde Sicherheitskontrolle. Jörg möchte jetzt doch noch sicherstellen, dass mit Qatar Air alles passt und da niemand am Schalter steht, stürmen wir zuerst dorthin und erhalten unsere Bordkarten. Die Taschen werden von Hand gewogen und auch die Rucksäcke müssen sich einer Gewichtsüberprüfung unterziehen, bevor sie ein Bändchen erhalten. Wir haben schon das Gefühl, dass als nächstes wir auf die Waage müssen, denn alle Zahlen werden säuberlich in Listen getragen, aber dies bleibt uns erspart.

Jetzt endlich können wir den kleinen exorbitant überteuerten Supermarkt aufsuchen und etwas Süsses und Salziges für die Kinder kaufen. Dann wartet die nächste Schlange. Für die Immigration müssen wieder Zettel ausgefüllt und abgegeben werden.

Von da geht es in eine grössere Wartehalle voller Menschen. Hier hätte es auch etwas Essbares gegeben. Qatar füllt die Maschinen von hinten auf und da wir die letzten 4 Plätze hinten in der Maschine erhalten haben, dürfen wir auch kaum, dass wir einen Sitzplatz in der Wartehalle gefunden haben, schon wieder zum Flugzeug laufen.

Ende gut, alles gut, könnte man sagen.

Fazit unserer Reise

Das Fazit dieser Reise ist durchwachsen. Mit dem heutigen Wissen würden wir den Arusha NP weglassen und dafür einen Tag länger in der Serengeti bleiben. Den Tag würden wir zwischen Ballonfahrt und Morgensafari einbauen. Damit würde die Reise insgesamt stressfreier und würde es auch ermöglichen, in der heissen Mittagszeit, wo sowieso keine Tiere unterwegs sind, eine Pause einzulegen und lieber noch eine Sonnenuntergangstour zu unternehmen. Es wäre schön gewesen, schon früh morgens am Lake Manyara zu sein, also am besten dort in der Umgebung übernachten, auf Safari gehen und dann nur bis zur alten Ranger Station am Ngorongoro Krater weiterfahren. Dann ist der Weg in die Serengeti am nächsten Tag kürzer, wenn man über das Ndutu Gebiet fahren möchte.

Jetzt, wo wir Sansibar gesehen haben, würden wir ziemlich sicher nicht noch einmal hinfahren. Es gibt auch auf dem Festland Tansanias nette Strände und Unterkünfte, die sich zum Relaxen nach einer Safari eignen. Die Villa am Meer wäre ohne Käferplage schön gewesen, aber das Preis-Leistungs-Verhältnis hat nicht gestimmt. Insgesamt fanden wir, dass Tansania im Vergleich zu anderen afrikanischen Ländern, die wir bereist haben, die Touristen extrem zur Kasse bittet.

Mit der Korruption haben wir auch so unsere liebe Mühe. Wir waren sicher nicht das letzte Mal in Afrika, die Serengeti zur richtigen Reisezeit am richtigen Ort, genauso wie der Ngorongoro Krater, sind ein Erlebnis, aber Tansania als Land hat unsere Herzen nicht erobert.

Alle Beiträge, die im Rahmen dieser Reiseerzählung entstanden sind, findet ihr nachfolgend als Link:

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