Entlang der Küste vom westlichsten Punkt Europas nach Cascais und zurück nach Lissabon

Spontan fahren wir zum westlichsten Punkt Europas, dem Cabo da Roca und folgen dann der Strasse entlang der wilden Küste bis Cascais. Unterwegs entdecken wir traumhafte Strände, geniessen die Aussicht am Boca do Inferno und verlieben uns in Cascais. Geplant war dieser schöne Ausflug aber nicht. Doch lest selbst, wie es dazu kam.

Blick auf den Leuchtturm und die Küstenlinie am Cabo da Roca - Entlang der Küste vom westlichsten Punkt Europas nach Cascais
Blick auf den Leuchtturm und die Küstenlinie am Cabo da Roca

Wie es dazu kommt, dass wir zum Cabo da Roca und immer weiter entlang der Küste nach Cascais fahren

An diesem Morgen kitzelt die Sonne uns in der Nase. Sofort sind wir hellwach. Wie haben wir den Sonnenschein vermisst, nachdem es in den letzten Tagen so oft durchwachsen war. So kommen wir schnell zur Überzeugung, dass dies scheinbar der perfekte Tag für einen Besuch von Sintra ist. Also machen wir uns auf den Weg nach Sintra. Doch zu unserer vollkommenen Überraschung ist nichts mit Sonnenschein als wir dort ankommen. Sintra hüllt sich in eine dicke Wolkenschicht, aus der ein feiner, alles durchdringender Nieselregen fällt.

So sieht der Nationalpalast von Sintra im Nieselregen aus.
So sieht der Nationalpalast von Sintra im Nieselregen aus.

So hatten wir uns das nicht vorgestellt. Da scheint endlich mal die Sonne und die Temperaturen sind angenehm und dann finden wir zielsicher den einzigen Ort, an dem es regnet. In der Tourist-Information, zu der wir noch schnell laufen, um wegen der gesperrten Strasse zu den Schlössern zu fragen, erklärt man uns, dass hier ein eigenes Mikroklima herrscht. Schon klar, dass es hier kühler ist und öfter regnen muss als in Lissabon, sonst hätte man dereinst ja nicht Lissabon mit Wasser von Sintra aus versorgt.

Tipp: Schaut immer in der Wettervorhersage gezielt nach Sintra und nicht nur nach Lissabon, bevor ihr euch entscheidet nach Sintra zu reisen.

Die Eintrittspreise in Sintra sind zu hoch, als dass wir ohne Not im Regen und ohne Aussicht durch Sintra wandern. Zumal, wenn überall sonst die Sonne scheint. Deshalb entscheiden wir uns spontan um. In der Nähe von Sintra liegt Cabo da Roca. So kommt es, dass wir an diesem Tag vom westlichsten Punkt Europas entlang der Küste bis nach Cascais und dann weiter nach Lissabon fahren.

Der westlichste Punkt von Europas Festland oder nächster Halt irgendwo in Nordamerika

Bis ins 14. Jahrhundert glaubten die Menschen, dass hier am Cabo da Roca die Welt endet. Fast senkrecht fallen die Klippen 140 m zum Meer ab. So wird auch der Dichter Luís de Camões auf dem steinernen Denkmal mit den Worten «Hier … wo die Erde endet und das Meer beginnt», zitiert. Der Nationaldichter Portugals ist auch eine der Figuren auf dem Denkmal der Entdecker in Lissabon.

Hier direkt beim steinernen Denkmal fallen die Felsen fast senkrecht ab. Vom westlichsten Punkt Europas nach Cascais
Hier direkt beim steinernen Denkmal fallen die Felsen fast senkrecht ab.

Die Landschaft ist von einer Art grossen, dickfleischigen Mittagsblumen überwachsen. Unterbrochen wird dieser Teppich durch Gräser, Scabiosen, wilde Geranien und Schafgarbe. Steht man hier und lässt den Blick über den Atlantik schweifen, so sieht man nur die unendliche Weite des Meeres und die schroffen Felsklippen entlang der Küstenlinie. Würde man vom westlichsten Punkt des Festlands Europas immer geradeaus in See stechen, käme man irgendwo in Delaware, USA wieder an Land. Mal wieder Ferien in Nordamerika wäre auch schön, schiesst es mir so durch den Kopf. Schliesslich stehen auf der Bucket List noch einige Ziele.

Warum betone ich immer wieder, dass Cabo da Roca nur der westlichste Punkt des Festlands von Europa ist? Ganz einfach, weil sich der westlichste Punkt Europas nicht auf dem Festland befindet.  Er befindet sich bei den Azoren auf der winzigen Felseninsel Ilheu do Monchique. Aber spricht man vom westlichsten Punkt Europas meint man gewöhnlich Cabo da Roca.

Der westlichste Punkt Europas oder eine Geschichte von Strategie und Magie

Der westlichste Punkt des Festlands von Europa liegt auf 38° 47´ nördlicher Breite und 9° 30´ westlicher Länge. Strategisch war der Punkt wichtig. Mussten doch alle Schiffe, die vom Mittelmeer kamen und nach Nordeuropa oder England wollten, diesen Punkt passieren. Auch für die Einfahrt nach Lissabon war der Punkt wichtig. Das Pendant zum Leuchtturm vom Cabo da Roca steht am Cabo Espichel. Früher gab es hier auch eine Festung, aber von der ist nichts mehr übriggeblieben.

Im Gegensatz zu früher steht heute eher die Magie des Ortes im Vordergrund. Seine besondere Magie entfaltet der westlichste Punkt Europas zum Sonnenuntergang. Dann füllt sich der Ort mit Touristen. Auch sonst ist das Kap am Ende der Welt normalerweise recht überlaufen, denn viele Tagestouren nach Sintra legen hier einen Zwischenstopp ein. Touristen könnten sich sogar in der Tourist-Information Zertifikate ausstellen lassen.

Auch gehört Cabo da Roca zum Parque Nacional de Sintra-Cascais. Die Kulturlandschaft wurde von der Unesco als Weltkulturerbe deklariert.

Blick in Richtung Cascais - Vom westlichsten Punkt Europas nach Cascais
Blick in Richtung Cascais
Blick über den Nationalpark Sintra - Cascais. Die Wolken sammeln sich am Berg. - Vom westlichsten Punkt Europas entlang der Künste nach Cascais
Blick über den Nationalpark Sintra – Cascais. Die Wolken sammeln sich am Berg.

Aber was ist in diesen Zeiten schon normal? Der kostenlose Parkparkplatz ist von 3 Pkw´s abgesehen leer als wir ankommen. An der Bushaltestelle warten ein paar Leute auf den nächsten Bus nach Sintra. Das Restaurant ist geschlossen und wie es ausschaut nicht nur heute. Nur die Tourist-Information mit den WC’s hat erfreulicherweise geöffnet. In Ermangelung von Kleingeld kann man den Toilettenbesuch dort auch mit Kreditkarte bezahlen.

So geniessen wir die Steilküste und die traumhaften Aussichten fast allein und hängen unseren Gedanken nach. Eine Küstenwanderung wäre hier an einem kühlen Tag auch attraktiv. Vielleicht schaffen wir das mal beim nächsten Portugal Roadtrip. Im Vergleich zum Cabo da Roca wirkt das Cabo Espichel einsamer und mit den Ruinen und dem Kloster sehr viel attraktiver.  

Wir verabschieden uns mit einem letzten Blick auf den Leuchtturm und folgen der Küste jetzt vom westlichsten Punkt Europas nach Cascais.  

Der farbenprächtige Leuchtturm am Cabo da Roca
Der farbenprächtige Leuchtturm am Cabo da Roca

Highlights entlang der Küste zwischen dem westlichsten Punkt Europas und Cascais

Strände und Felsküste

Fährt man vom Cabo da Roca entlang der Küste in Richtung Cascais wechseln sich Steilküste und Ministrände ab. Plötzlich wandelt sich das Landschaftsbild. Die Küste wird flacher und lange Sandstrände prägen die Landschaft. Am Praia do Guincho bekommen wir Lust auf einen Strandspaziergang, Wir parken das Auto beim Hotel und Restaurant Muchaxo und steigen zum Sandstrand ab. Die Rettungsschwimmer haben die rote Fahne gehisst und beschäftigen sich damit, den Sand von den Treppen zu kehren.

Der windgeschützte Pool des Hotel Restaurant Muchaxo am Praia do Guincho - Vom westlichsten Punkt Europas entlang der Küste nach Cascais
Der windgeschützte Pool des Hotel Restaurant Muchaxo am Praia do Guincho

Die erste Welle, die unseren Fuss umspült, hinterlässt ein Erfrierungsgefühl. Wie jemand bei den Wassertemperaturen mal unabhängig vom Wellengang auf die Idee zum Schwimmen käme, ist uns schleierhaft. Der Strandspaziergang macht aber sehr viel Spass. Werden wir doch ordentlich durchgepustet von einem kalten Wind, der über den Atlantik kommt. So ein Picknick am Strand wäre jetzt richtig toll, nur leider hatten wir beim Losfahren ja nicht damit gerechnet, am Strand zu sitzen.

Strandspaziergang am Praia do Guincho
Strandspaziergang am Praia do Guincho

Weiter geht es entlang der Küste. Der Leuchtturm vom Cabo Raso kommt in Sicht. Dahinter wird die Küste wieder spektakulärer.

Der Leuchtturm von Cabo Raso - Vom westlichsten Punkt Europas entlang der Küste nach Cascais.
Der Leuchtturm von Cabo Raso

Ein schöner Fussgängerweg lädt zu langen Spaziergängen ein. Wir stoppen immer mal wieder für das eine oder andere Foto.

Spektakulärer Küstenabschnitt zwischen dem westlichsten Punkt Europas und Cascais.
Spektakulärer Küstenabschnitt zwischen dem westlichsten Punkt Europas und dem Boca do Inferno.

Boca do Inferno

Und dann lacht uns ein Eis am Boca do Inferno an. Das ersetzt zwar kein Picknick, ist aber mit einem Kaffee eine echte Alternative. Da wir ja ganz spontan die Küste von Cabo da Roca nach Cascais entlangfahren, verdanken wir den Besuch des Höllenschlundes (Boca do Inferno) also unserem Appetit auf Eis.

Direkt hinter dem Eiscafé führen die Treppen zu den Aussichtsplattformen an der Steilküste. Die von Sturm und Wasser geformte Steilküste lässt eine Ahnung aufkommen, wie das Meer hier bei Sturm an die Küste gepeitscht wird. In den Höllenschlund, eine Art Felsbogen, sollen sich bei schlechtem Wetter Wellen und Gischt bis 20 m Höhe ergiessen und dabei schauerliche Geräusche machen. Heute ist das Meer allerdings ruhig. Die Sonne scheint, auch wenn sie immer einmal von Wolkenfeldern verdeckt wird. Hier sind heute deutlich mehr Menschen unterwegs als am Cabo da Roca.

Ausblick auf die Küste von der Aussichtsplattform am Boca do Inferno - Vom westlichsten Punkt Europas nach Cascais.
Ausblick auf die Küste von der Aussichtsplattform am Boca do Inferno

Man könnte also sagen, je schlechter das Wetter, umso spektakulärer der Boca do Inferno. Allerdings kann man den eigentlichen Boca do Inferno von der Brücke nicht wirklich gut fotografieren. Der Höllenschlund liegt nur einen Kilometer westlich von Cascais, solltest du also Cascais besuchen, kannst du auch einfach hinlaufen.

Cascais – ein überraschend glamouröser Ort

Vom Boca do Inferno zum Hafen in Cascais ist es nur noch ein Katzensprung. Ein grosser Parkplatz vor der Zitadelle lädt förmlich zu einem Besuch von Zitadelle und Hafen ein. Wir bewundern die Raumnutzung der alten Zitadelle. Befinden sich doch hier von der Kirche bis zu einem Hotel viele Häuser innerhalb der alten Mauern. Wer will kann in der Zitadelle in der Pousada Cascais übernachten.

Innerhalb der Zitadelle von Cascais wartet viel Kunst darauf, entdeckt zu werden. - Vom westlichsten Punkt Europas nach Cascais.
Innerhalb der Zitadelle von Cascais wartet viel Kunst darauf, entdeckt zu werden.
Alt und modern - eine perfekte Kombination in der Zitadelle von Cascais.
Alt und modern – eine perfekte Kombination in der Zitadelle von Cascais.

Ausserhalb lockt der Yachthafen zu einem Spaziergang. Wobei die Yacht Kismet alle anderen Yachten im Hafen billig aussehen lässt. Einheimische kommen auf ihren Mofas eigens angefahren, um ein Selfie mit Yacht zu machen. Jörg, von Schiffen fasziniert, recherchiert später im Internet, dass diese Yacht zum Wochenpreis von 1,2 Millionen Dollar gechartert werden kann. Wer will, kann sich das schöne Werbevideo im Netz ansehen und lernt die Yacht so auch von Innen kennen. Allerdings steht die Yacht jetzt zum Verkauf.  

Die Kismet, was so viel wie Schicksal bedeutet im Hafen von Cascais
Die Kismet, was so viel wie Schicksal bedeutet, im Hafen von Cascais

Der einstige Fischerort Cascais wurde beim Erdbeben 1755 komplett zerstört und erlebte als Ferienort des Königs ab 1870 eine Blütezeit. Geblieben ist eine weltoffene Atmosphäre, alte Villen, teure Hotels und eine schöne Fussgängerzone mit exklusiven Läden und Sandstränden direkt in unmittelbarer Stadtnähe. Cascais wäre mal einen eigenen Tagesausflug wert. Dann könnte man durchs Zentrum flanieren, das eine oder andere Museum besichtigen und im Marechal Carmona Park relaxen.

Museu Condes de Castro Guimarães, Cascais mit schönem Park. - Vom westlichsten Punkt Europas nach Cascais.
Museu Condes de Castro Guimarães, Cascais mit schönem Park.

Von Cascais nach Lissabon

Unsere ungeplante, aber sehr entspannte Tour entlang der Küste von Cabo da Roca nach Cascais endet in Cascais noch nicht ganz. Müssen wir doch wieder in unsere Wohnung nach Charneca. So fahren wir immer weiter entlang der Küste in Richtung Lissabon. Der Weg ist das Ziel. Hier kommen noch ein paar Impressionen.

Agaven wachsen zahlreich entlang der Küste. Die Kombination ist der Inbegriff von Urlaub für mich.
Agaven wachsen zahlreich entlang der Küste. Die Kombination ist der Inbegriff von Urlaub für mich.
Beeindruckendes Gebäude mit Agavenblüte
Beeindruckendes Gebäude mit Agavenblüte
Die Festung São Julião da Barra ist eine der bedeutendsten Festungsbauten in Portugal.
Die Festung São Julião da Barra ist eine der bedeutendsten Festungsbauten in Portugal.
Blick auf die Brücke des 25. April
Blick auf die Brücke des 25. April

Am Ende landen wir dann im abendlichen Stau an der Auffahrt zur Brücke des 25. April. Hungrig, wie wir sind, suchen wir uns gleich auf dem Heimweg in Costa da Caparica ein Restaurant. Allerdings zieht der Himmel wieder zu und es wird erneut recht kühl.

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