10 – Durch die Anden nach Cachi

Heute liegen 470 km Strecke zwischen unserem Ausgangsort San Pedro de Atacama und unserem Zielort Cachi. Wir haben uns sowohl die deutlich längere Strecke über Salta als auch die Strecke durch die Anden über San Antonio de los Cobres und den Abra del Acay offengehalten, vor allem da der Allradantrieb bei unserem Wagen ja nicht funktioniert. Jörg informiert sich in der Touristinformation in San Pedro noch einmal, ob die kürzere Strecke ohne Allrad fahrbar ist. Dies wurde bestätigt. Man bräuchte nur ein Auto mit Bodenfreiheit.

Bild in einer grossen Weite aus Grasbüscheln und einem Salzsee ist die kleine Ansammlung von Gebäuden in der Ferne die Grenzstation zwischen Chile und Argentinien
Die kleine Ansammlung von Gebäuden in der Ferne ist die Grenzstation zwischen Chile und Argentinien

So fahren wir wieder über den Passo de Jama bis die Strasse den Salar de Olaroz vom Salar de Cauchari teilt. Dort nehmen wir den Abzweig und folgen der Strasse entlang des Salar de Cauchari. Die Strecke entlang des Salzsees ist wunderschön. Die Strasse wird erst am Ende des Salzsees für ein kurzes Stück richtig schlecht.

Bild Auf dem Weg durch den Salar de Cauchari. Die Strasse führt durch den weitestgehend trockenen See.
Auf dem Weg durch den Salar de Cauchari

Am Ende des Salzsees folgen wir den Ausschilderungen auf einer malerischen, sich durch sanfte Hügel schlängelnde Strasse nach San Antonio de los Cobres. Wir kommen richtig gut voran, auch wenn wir immer mal wieder für ein Foto anhalten müssen.

Bild zeigt eine schöne kurvige Strasse durch die Hügel. Der Himmel hat Schäfchenwolken.
Wunderschöne Strasse, wenn man allein unterwegs ist
Bild Landschaft entlang des Weges nach San Antonio de las Cobres zeigt ein Hochtal
Landschaft entlang des Weges nach San Antonio de las Cobres
Bild zeigt Strasse nach San Antonio de los Cobres, die in Kurven in die Hügel geschnitten wurde
Wir schlängeln uns San Antonio de los Cobres entgegen
Bild Von oben sieht man die hügelige Landschaft von Wegen durchschnitten und keine Spur von anderen Menschen ist zu sehen. Die Wolken werfen Schatten.
Allein in traumhaft schöner Landschaft
Bild Lama, überrascht, uns zu sehen
Lama, überrascht, uns zu sehen

San Antonio de los Cobres ist ein trauriger Ort auf 3.775 m Höhe. In der Nähe befindet sich eine Kupfermine. Hinter dem Ort wird die Ruta 51 breiter ausgebaut. Als sich die Ruta 51 von Ruta 40 trennt, folgen wir letzterer.

Bild Reihenhäuser ohne Grün in San Antonio de los Cobres, halb verdeckt von einer riesen Parabolantenne
Reihenhäuser in San Antonio de los Cobres
Bild Die Ruta 51 wird hinter San Antonio de los Cobres ausgebaut. Gravelroad, Baufahrzeuge und eine schöne Bergkulisse
Die Ruta 51 wird hinter San Antonio de los Cobres ausgebaut
Die Ruta 40 nach der Trennung von der Ruta 51, tolle Strasse, die Bergkulisse kommt näher
Die Ruta 40 nach der Trennung von der Ruta 51

Am Anfang läuft alles wunderbar. Dann steht plötzlich ein Hinweisschild, welches uns eigentlich hätte stutzig machen sollen. Darauf stehen viele Dinge. Wir verstehen, dass man nur bei Tage fahren soll, irgendetwas von Schlaglöchern steht drauf und dass man die Natur respektieren soll. Ein Auto kommt uns entgegen, der Fahrer hält am Schild und geht erst einmal pinkeln. Wir denken uns nichts dabei. Frohen Mutes fahren wir los.

Die Strasse ist so breit wie ein Auto, so dass wir immer froh sind, wenn hinter der nächsten Kurve kein Auto entgegenkommt. Wir fahren Hügel um Hügel und klettern immer weiter nach oben. Immer mal wieder sehen wir etwas unterhalb der Strasse Baustellenfahrzeuge. In Cachi erfahren wir, dass Argentinien dabei ist, 60.000 km Glasfaserkabel zu verlegen und dass die Bauarbeiten damit zusammenhängen.

Bild Wir klettern höher und höher entlang der Hügel
Wir klettern höher und höher

Wir erwarten, nach jeder Kurve, dass der Blick sich öffnet und es wieder bergab geht. Aber es geht immer nur höher. Je höher wir kommen desto schlechter wird die Strasse. Baustellenfahrzeuge haben im Matsch tiefe Spuren eingegraben, die inzwischen getrocknet sind. Mit zunehmender Höhe hat unser Auto Probleme mit der Leistung, dafür schluckt es jede Menge Diesel. Kurz vor der Passhöhe hält Jörg an und rennt 100 m zurück zum letzten Bauarbeiter, den wir gesehen haben, und fragt, ob die Strasse so schlecht weitergeht, denn da wir gefühlt jedes Rad einzeln durch die Spurrillen und Löcher navigieren müssen, kommen wir kaum mehr voran und es sind noch etliche Kilometer bis Cachi.

Jörgs sportlicher Einsatz auf nun fast 5.000 m Höhe zeigt, wieviel Adrenalin inzwischen durch seine Adern pulsiert. Der Bauarbeiter beruhigt ihn, dass wir gleich die Passhöhe erreicht haben und die Strasse danach besser würde. Die Passhöhe befindet sich auf 4.895 m. So hoch wollten wir eigentlich nie klettern. Die Kinder klagen inzwischen über Kopfschmerzen. Ob sie von der Höhe oder von der Anspannung, die sich von den Eltern auf die Kinder überträgt kommt, wissen wir nicht. Wir wissen nur, die Zeit drängt und wir wollen wieder runter.

Das Bild zeigt das Schild der Passhöhe Abra del Acay mit einer Höhe von 4.895 m
Passhöhe Abra del Acay
Bild Hinter dem Pass Abra del Acay geht es wieder runter, dunkle Wolken im Kontrast zum schneebedeckten Berg und im Vordergrund sieht man den Strassenverlauf
Hinter dem Pass geht es wieder runter

So fahren wir also weiter. Herunter geht es immer, die Frage ist nur wie. Die Strasse wurde tatsächlich etwas besser, gefühlt aber schmaler. Wir schrauben uns endlos langsam immer an der Wand lang die Berge wieder herunter. Kein Wunder, dass die Strasse auf der Landkarte kerzengerade aussieht. Mal ist ein Stück der Strasse weggebrochen, mal ist sie durch Wasser ausgespült, mal sind Felsnasen zu umrunden – es war nervenaufreibend und zeitaufwendig. Am unangenehmsten ist die Fahrt bergab, wenn der Abgrund direkt neben uns ist. Wir fahren und fahren und kommen unserem Ziel nicht wirklich näher.

Bild Die Sonne steht schon tief als wir den Abra del Acay bezwungen haben und wieder nach unten fahren, die Gipfel und der Weg liegen schon im Schatten
Die Sonne steht schon tief

Als wir eine Art Talboden auf 3000 m Höhe erreicht haben, verschwindet die Sonne langsam hinter den Gipfeln. Wir folgen dem Tal mit seinem Fluss. Die Strasse führt hoch und runter. Den Fluss müssen wir mehrmals durchs Wasser überqueren. Flussdurchfahrten haben wir zwar in Australien schon geübt und auch der Wasserstand ist nicht problematisch, aber mit zunehmender Dunkelheit wird es nicht einfacher.

Dann endlich sehen wir in der Ferne Lichter in der Dunkelheit. Cachi wir kommen! Die Strasse wird auch deutlich breiter, geht aber immer noch hoch und runter. Es ist stockdunkel, kein Mond erhellt den Himmel. Ich sitze quasi im Ausguck und versuche den Verlauf der Strasse am Ende des Scheinwerferlichtes zu erkunden. Jörg konzentriert sich auf die unmittelbar vor ihm liegende Strasse. So navigieren wir durch die stockdunkle Nacht.

Ich sage an hoch, runter, Kurve zu dir, Kurve zu mir (rechts und links bekomme ich nicht mehr hin) und Jörg fährt. Wir fahren an dunklen Gehöften vorbei, wo sich jeweils eine Anzahl kläffender Hunde auf unser Auto stürzt und wir alle Mühe haben, sie nicht zu überfahren. Zwei Hasen versuchen Selbstmord zu verüben, aber wir sind langsam genug, um rechtzeitig zu bremsen. Wir wollen nur noch ankommen und aus diesem Albtraum aufwachen.

Wir erreichen Cachi, aber unser Hotel ist auf keinem der vielen Hinweisschilder zu finden. So halten wir an einer Pizzeria und erkundigen uns nach dem Weg. Da es komplizierter ist, weil das zum Hotel umgebaute Kloster etwas ausserhalb der Stadt liegt und wir wohl wirklich fertig aussehen, wird der Pizzabote mit seinem Moped vorausgeschickt, so dass wir hinterherfahren können.

Nach 13 Stunden Fahrt erreichen wir um 22.00 Uhr unser Hotel. Die Rezeptionistin war bereits am Telefonieren, weil wir nicht eingetroffen sind und doch 2 Zimmer für 2 Nächte gebucht hatten. Nach unserer Erklärung, welchen Weg wir gekommen sind, öffnet sogar der Küchenchef seine gerade geschlossene Küche noch einmal, so dass wir noch ein leckeres Abendessen bekommen.

Wir lernen aus dieser Fahrt und schauen uns heute bei Reiseplanungen solche Strecken vorher auf Satellitenkarten an.

Den nächsten Tag erholen wir uns in Cachi.

Die anderen Beiträge zur Reise in Argentinien findet ihr unter den folgenden Links:


Die Beiträge zu den Teilen unserer grossen Südamerika-Reise 2014 in andere Länder findet ihr unter:


Die Reisetipps zu Argentinien findet ihr unter:

Dir hat der Beitrag gefallen? Dann würden wir uns freuen, wenn Du ihn teilst.

Wir freuen uns über Kommentare, Anregungen und Diskussionen zu unseren Beiträgen

Wenn euch die Seite gefällt oder ihr Ergänzungen, Aktualisierungen oder sonstige Hinweise habt, helft uns, die Seite aktuell zu halten.