Durch den Cotopaxi Nationalpark nach Otavalo

Ein ausgefallener Marktbesuch in Saquasili

Eigentlich hätte auf dem Weg nach Otavalo die Quilota Loop auf unserem Wunschprogramm gestanden. Im Hotel erfuhren wir jedoch, dass einige Strassen wegen des Vulkans gesperrt sind und dass andere Strassen wegen des überdurchschnittlichen Regens in sehr schlechtem Zustand wären, so dass wir den Besuch des Kratersees gedanklich auf die Liste für einen nächsten Ecuador Urlaub zu einer anderen Jahreszeit setzen.

Auf dem Weg zum Markt in Saquisili
Auf dem Weg zum Markt in Saquisili

So wollten wir wenigstens den Markt in Saquisili besuchen. Irgendwie hatten wir uns das Auffinden des Marktes einfacher vorgestellt. Als erstes sind wir mal beim Markt vorbeigefahren. Die erste riesige Ansammlung von Autos und Menschen entpuppte sich als Gefängnis mit Besuchstag. Also hiess es wenden und zurückfahren. Beim nächsten Versuch mit vielen Menschen und Autos landeten wir zielsicher auf dem Automarkt.

Die Besitzer polierten ihre Schrottkarren auf Hochglanz, während ganze Familienverbände an den zu verkaufenden Autos vorbeipilgerten. Es war nervenaufreibend da wieder herauszukommen. Am Ende der Strasse bekamen wir dann allerdings eine Ahnung, wo der eigentliche Markt stattfindet, nur war in grossem Umkreis nicht der kleinste Parkplatz für unser Auto zu finden.

So verzichten wir auf einen Marktbesuch und machen uns etwas frustriert auf den Rückweg zum Hotel, um unsere Sachen zu holen. Damit dieser Tag doch noch etwas besser wird, entscheiden wir uns, durch den Cotopaxi Nationalpark nach Otavalo zu fahren. Otavalo, unser heutiges Ziel liegt nördlich von Quito. Also fahren wir am Südeingang rein und am nördlichen Eingang wieder raus.

Fahrt durch den Cotopaxi Nationalpark

Kurz sieht es so aus, als würden uns die Wolken den Gefallen tun und wegziehen, während wir auf dem Weg zur Schutzhütte Refugio José Rivas sind.

Das Refugio José Rivas mit seinem roten Dach ist an der Flanke des Vulkans Cotopaxi zu erkennen
Das Refugio José Rivas mit seinem roten Dach ist an der Flanke des Vulkans Cotopaxi zu erkennen

Bevor wir jedoch die Schutzhütte erreichen, zieht es wieder zu. Da unsere älteste Tochter nun auch noch Kopfschmerzen bekommt, wenden wir auf halber Strecke und fahren dem nördlichen Ausgang entgegen.

Der Vulkan Rumiñahui kommt kurz aus den Wolken - Cotopaxi Nationalpark
Der Vulkan Rumiñahui kommt kurz aus den Wolken

Eine panische Pferdeherde galoppiert an uns vorbei. Wir fragen uns, während wir die Pferde beobachten, was die Tiere wohl so erschreckt hat. Es heisst ja immer, Tiere spüren Erdbeben und Vulkanausbrüche früher als der Mensch. In der Hoffnung, dass nichts dergleichen die Ursache für die Panik ist, fahren wir weiter Richtung nördlicher Eingang. Die Qualität der Strasse ändert sich nach der Kreuzung abrupt.

Panisch galoppierende Pferdeherde im Cotopaxi Nationalpark
Panisch galoppierende Pferdeherde im Cotopaxi Nationalpark

Während wir dem nördlichen Eingang auf schlechtem Feldweg entgegen holpern, geht ein Wolkenbruch sonders gleichen auf uns nieder. Da man bei all dem Wasser die spitzen Steine auf dem Weg nicht mehr gut sieht, legen wir einen Stopp beim Refugio Hotel Tampopaxi ein.

Den strömenden Regen sitzen wir im Refugio Hotel Tempopaxi bei einem heissen Getränk aus - Blick auf den Teich
Den strömenden Regen sitzen wir im Refugio Hotel Tempopaxi bei einem heissen Getränk aus – Blick auf den Teich

Es sitzt bereits eine Gruppe Leute am Tisch und wartet auf das Ende des Regens, später kommen noch zwei Reiter klatschnass, um sich zu trocknen in den gemütlichen Gastraum, der von einem alten gusseisernen Ofen erwärmt wird. Alle unterhalten sich automatisch englisch, nur um beim Aufbruch festzustellen, dass alle Gäste Schweizer waren.

Auch wir nutzen die Regenpause, um weiterzufahren. Die Lichtverhältnisse und Wolken setzen die Landschaft in Szene.

Der Wind peitscht den Regen durch die Landschaft des Cotopaxi Nationalparks
Der Wind peitscht den Regen durch die Landschaft des Cotopaxi Nationalparks
Lichtstimmung nach dem Gewitter im Cotopaxi Nationalpark
Lichtstimmung nach dem Gewitter im Cotopaxi Nationalpark

Weiterfahrt auf fast unbefestigten Strassen

In der irrigen Annahme, dass die Strasse ausserhalb des Cotopaxi Nationalparks besser wird, sind wir sehr froh, als wir ohne Reifenschaden die Parkgrenze erreichen. Vielmehr werden wir bitter enttäuscht, denn erst einmal geht es auf einem Feldweg mit tief eingefahrenen Spuren weiter. Ohne die Bodenfreiheit unseres Jeeps hätten wir hier ziemlich alt ausgesehen.

Die Strasse wird auch nach dem Ausgang aus dem Cotopaxi Nationalpark nicht wirklich besser
Die Strasse wird auch nach dem Ausgang aus dem Cotopaxi Nationalpark nicht wirklich besser

Immerhin, als wir glaubten, endlich die Zivilisation wiedergefunden zu haben, wurde der Feldweg eine Art Pflastersteinstrasse. Stellt euch vor, man nehme Steine aus einem Fluss, schütte sie auf einen Weg und fahre anschliessend mit einer Walze drüber und schon habt ihr ein Bild der Strasse für die nächsten 12 km. Jeder Stein steht aus der Strasse heraus, wie er reingefallen ist und der Regen hat im Lauf der Zeit die abschüssige Strasse ausgewaschen. Dank des Regens, der inzwischen auch wieder angefangen hat, verwandelt sich die Strasse in einen munteren Fluss. Die Bewohner rechts und links der Strasse schaufeln Gräben und Dämme, um so zu verhindern, dass das Wasser in ihre Gehöfte schiesst. 12 km auf so einer Strasse können verdammt lang sein.

Umfahrung von Quito

Eine Ewigkeit später befinden wir uns auf einer 3-spurigen Strasse und kommen endlich voran. Immer wieder erhaschen wir einen Blick auf Quito. Diese Stadt ergiesst sich über unzählige Hügel und Täler. Was am meisten auffällt, ist, dass es kaum Grün um die vielen kleinen Einfamilienhäuschen und die hässlichen Hochhäuser gibt.

Damit das Fahren nicht zu einfach wird, gibt es alle paar Kilometer eine Herausforderung in Form eines Kreisels. Die Herausforderung besteht darin, die richtige Ausfahrt zu finden, obwohl unser Navigationsgerät nicht zählen kann und zusätzlich zu diesem Handycap nicht alle Ausfahrten kennt. Wer jetzt glaubt, dass die berühmte Panamericana hier ausgeschildert wäre oder unser Ziel auf einem der Verkehrsschilder als Entscheidungshilfe erscheinen würde, irrt sich.

Dementsprechend lernen wir unfreiwillig noch ein paar Vororte kennen bei dem Versuch, eine falsche Ausfahrt zu korrigieren. Das Navigationsgerät hatte zwar eine Vorstellung wie dies einfach zu erreichen wäre, nur wenn alle Linksabbieger von Polizisten gesperrt werden und wir immer weiter von der Strasse, auf die wir zurückwollen, abkommen, während wir in einer Blechlawine stecken, wird es kompliziert. Entnervt versuchen wir folglich rechte Haken zu schlagen, landen aber immer wieder in Sackgassen bis wir eine Strasse zurück zum Kreisel gefunden haben.

Durch tiefe Schluchten nach Otavalo

Nachdem wir Quito weitestgehend hinter uns gelassen haben, wird es einfacher. Jetzt macht das Fahren richtig Spass, denn die Strasse folgt der Topografie und macht jeden tiefen Einschnitt mit, um sich dann wieder steil nach oben zu arbeiten. Die Autobahn wird jetzt kostenpflichtig.

Das Gefälle der Autobahn nach Otavalo ist ordentlich
Das Gefälle der Autobahn nach Otavalo ist ordentlich
Die Autobahn nach Otavalo folgt der Topografie
Die Autobahn nach Otavalo folgt der Topografie

Vor Otavalo führte die Strasse durch ein Meer aus riesigen Gewächshäusern, in denen die Rosen für Europa wachsen. Auch entlang der Strassen werden unglaublich viele Blumen verkauft. Otavalo selbst liegt in einer Senke an einem See und ist von vielen Bergen und Vulkanen umgeben. Es wird bereits Abend bis wir unser Hotel erreichen. Lustige Wolkenformationen legen sich wie Schals um die Berge. Unser Hotel La Posada del Quinde befindet sich mitten in der Stadt, umgeben von einer hohen Mauer mit einer kleinen Pforte. Obwohl die Menschen hier ja nicht sehr hochgewachsen sind, befindet sich die Klingel weit oben. Das Auto dürfen wir hinter der Mauer im Werkstattbereich des Gärtners parken.

Aus irgendeinem Grund erhalten wir statt der zwei gebuchten Zimmer zwei grosszügige Wohnungen. Die Mädels freuen sich über ihre erste Wohnung. Von den Wohnungen haben wir einen genialen Blick auf den Garten und den Vulkan Cayambe. Um von einer Wohnung in die andere zu gelangen, müssen wir ins Erdgeschoss laufen und den Essensraum durchqueren und anschliessend an der anderen Seite wieder hochsteigen.

Wir geniessen die zwei Nächte und das Essen im Hotel sehr. Das Hotel Posada del Quinde hat im September 2017 seine Pforten geschlossen. Laut Mitteilung auf der Facebookseite wird es im Januar 2020 wiedereröffnen.

Terrasse im Garten unseres Hotels La Posada del Quinde, Otavalo
Terrasse im Garten unseres Hotels La Posada del Quinde, Otavalo

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