Die Falconeria in Locarno – eine Überraschung

Habt ihr schon einmal einen Bartgeier gesehen? Oder gar erlebt, wie der Sekretär Schlangen jagt? Nein? Dann solltet ihr euch beim nächsten Besuch in Locarno die Show in der Falconeria nicht entgehen lassen. Wir sind mehr durch Zufall in der Falconeria von Locarno gewesen, aber der Ausflug lohnt sich wirklich.

Mit Hindernissen zu Fuss zur Falconeria

Geplant hatte ich eigentlich einen Besuch der Brissago Inseln, aber da diese erst ab 1. April ihre Tore öffnen, mussten wir improvisieren. Auf dem Weg zum Campingplatz waren wir mehrmals an Wegweisern zur Falconeria vorbeigelaufen. Ein Blick ins Internet verrät uns, dass es Shows um 11.00 Uhr und um 15.00 Uhr gibt. Wir entscheiden uns für die Show am späten Vormittag und geniessen es, den Tag langsam angehen zu lassen.

Eine Verkettung unglücklicher Umstände führt dann beinah noch dazu, dass wir die Show verpassen. Als erstes bummeln wir zu lange, dann entscheidet sich Jörg doch noch für eine andere Jacke und geht noch einmal zurück. Als Krönung verpassen wir dann den ersten Abzweig und laufen zu lange in die falsche Richtung. Da die Zeit knapp wird, folgen wir dann der «Here-App», die uns zielsicher auf dem kürzesten Weg zu einer von Toren verschlossenen Strasse bringt, so dass wir einen weiteren Umweg in Kauf nehmen müssen.

Unseren Morgensport haben wir jedenfalls absolviert, als wir uns fünf Minuten vor Show Beginn in die Warteschlange an der Kasse einreihen. Normalerweise ist die Falconeria vom Camping Delta einfach in 15 bis 20 Minuten zu Fuss zu erreichen. So kommt es jedenfalls, dass wir uns auf kürzestem Weg zur Tribüne begeben und uns einen Sitzplatz suchen. Dadurch, dass wir keine Zeit mehr hatten, über das Gelände zu spazieren, ist der Überraschungseffekt sehr viel grösser.

Geflügelte Stars in der Falconeria

Raubvögel

Die Falconeria in Locarno befindet sich am Rande eines Wohngebietes. Die letzte Vorführung von Vögeln hatten wir im Kondor Park von Otavalo in Ecuador gesehen. Wir dachten, dass nichts je an die dortige Vorführung herankommen könnte. Die spektakuläre Bergkulisse, die Vielfalt der dortigen Vögel, entsprechend niedrig war unsere Erwartungshaltung. Das ist der Fluch, wenn man schon viel gesehen hat. Wir wurden jedoch äusserst positiv überrascht.

Die Show startet etwas verspätet, da gewartet wird, bis alle an der Kasse stehenden Besucher ihre Tickets haben. Durchs Programm wird in Italienisch und Deutsch geführt. Neben Informationen zu den Vögeln erfahren wir auch einiges über die Geschichte der Falkenjagd.

Die hübsche Schnee-Eule beginnt die Show - Falconeria Locarno
Die hübsche Schnee-Eule beginnt die Show

Die Falconeria hat gerade erst nach vier-monatiger Pause wieder für das Publikum geöffnet. Insofern müssen sich die Vögel erst wieder an die Besucher gewöhnen. Die Pause wurde für Umbauten und zum intensiven Training genutzt. Aber auch die Umbauten können irritieren. Der Weisskopfseeadler mit seiner Weitsicht jedenfalls dreht kaum losgeflogen auch schon wieder ab. Danach beäugt er das Publikum und das Gelände kritisch und entscheidet sich fürs Nichtfliegen.

So aus der Nähe betrachtet ist der Weisskopfseeadler ganz schön gross.- Falconeria Locarno
So aus der Nähe betrachtet ist der Weisskopfseeadler ganz schön gross.

In der Show treten die unterschiedlichsten Vögel auf. Es beginnt mit Eulen, weiter geht es mit Raubvögeln und Geiern. Neben dem Gänsegeier kommt auch der Bartgeier mit einer Flügelspannweite von 2,8 m zum Einsatz. Im Alpengebiet leben wieder 220 Bartgeier. Wer mehr über diese Vögel, die Wiederansiedlungprojekte oder ihre Ernährungsweise erfahren möchte, findet viele Informationen auf der Seite der Stiftung pro Bartgeier. Unter anderem gibt es dort auch einen Film, der zeigt, wie es die Bartgeier schaffen, die Knochen zu brechen, von denen sie sich ernähren.

Der Bartgeier im Flug - Falconeria Locarno
Der Bartgeier im Flug

Neben dem Bartgeier ist auch der Blaubussard ein extrem schneller Flieger. Zumindest haben die Kamera und ich so unsere Schwierigkeiten, dort zu fokussieren, wo der Vogel hinfliegt. Diese Bussardart ist die grösste und kommt in Südamerika vor.

Der Blaubussard im Anflug. Er macht sich einen Spass daraus, ganz dicht über den Köpfen der Zuscher zu fliegen.
Der Blaubussard im Anflug. Er macht sich einen Spass daraus, ganz dicht über den Köpfen der Zuscher zu fliegen.

Afrika lässt grüssen

In der Show der Falconeria kommen auch Vögel aus Afrika zum Einsatz. Unglaublich spektakulär ist der Sekretär, den wir weder in Südafrika, noch in Namibia oder Tansania zu Gesicht bekommen haben. Dieser Vogel läuft und fliegt gleichermassen.

Sekretär - laufen unter Zuhilfenahme der Flügel - Falconeria Locarno
Sekretär – laufen unter Zuhilfenahme der Flügel

Mit seinen langen von speziellen Hautschuppen ummantelten Beinen ist der Sekretär auf die Jagd nach Schlangen spezialisiert. Die Show führt das Jagdverhalten mit einer Plastikschlange an der Angel vor. Um die Schlange abzulenken, spreizt er sein Kopfgefieder. Unglaublich geschickt traktiert er die Schlange mit seinen Füssen und versucht die Schlange am Kopfende mit den Füssen zu Boden zu drücken.

Da war die "Schlange" an der Angel schneller als der Sekretär - Falconeria Locarno
Da war die «Schlange» an der Angel schneller als der Sekretär
Hier schafft es der Sekretär die Schlange mit der Kralle zu Boden zu drücken. Falconeria Locarno
Hier schafft es der Sekretär die Schlange mit der Kralle zu Boden zu drücken.

In der Show kommt auch der Hornrabe zu seinem Auftritt. Er zeigt, welch ein geschickter Läufer und Flieger er ist. Weibliche Hornraben mauern sich zum Brüten in einer Baumhöhle ein bis die Jungen flügge sind. Der Mann muss die ganze Zeit Nahrung heranschaffen, um alle Schnäbel satt zu bekommen. Insofern ist ein Hornrabe immer auf Nahrungssuche.

Geschickt wirft der Hornrabe sein Futter in die Luft und fängt es wieder auf. - Falconeria Locarno
Geschickt wirft der Hornrabe sein Futter in die Luft und fängt es wieder auf.

Auch der Marabu, der zu den Störchen zählt, schwebt ein. Mit einer Flügelspannweite von bis zu 3 Metern ist er impossant. Sein nackter Kopf deutet schon an, dass er zu den Aasfressern gehört. Mit seinem kräftigen Schnabel kann er die Bauchdecke verendeter Tiere aufbrechen.

Der Marabu schwebt normalerweise mit breit ausgebreiteten Schwingen am Himmel auf der Suche nach Kadavern.
Der Marabu schwebt normalerweise mit breit ausgebreiteten Schwingen am Himmel auf der Suche nach Kadavern.

Märchenhafte Einlage zum Schluss der Show

Nachdem die unterschiedlichsten Vögel ihren Auftritt hatten, werden die Zuschauer noch mit einer märchenhaften Darbietung überrascht. Die Falconeria Locarno ist dabei ein neues Märchen einzustudieren. Und wir kommen in den Genuss einzelner Szenen. Trockeneis kühlt die Luft ab und hüllt die Bühne in Nebel. Und dann erscheint ein bildschöner Wolf. Es ist eine Freude seinem kraftvollen Lauf zuzusehen.

Kraftvoll und geschmeidig läuft der Wolf über die Bühne, nachdem er erst einmal sein Revier markiert hat. Falconeria Locarno
Kraftvoll und geschmeidig läuft der Wolf über die Bühne, nachdem er erst einmal sein Revier markiert hat.

Nur einen Moment später taucht auf der anderen Seite ein kleines weisses Pferd auf. Es galoppiert voller Lebensfreude und wälzt sich im Sand. Zeitgleich schwebt noch ein Storch ein. Auf das Märchen mit diesen Schauspielern bin ich wirklich gespannt.

Das kleine weisse Pferd lässt seinen Schweif stolz im Wind wehen.
Das kleine weisse Pferd lässt seinen Schweif stolz im Wind wehen.
Der Storch hat es schwer beim Buhlen um die Aufmerksamkeit des Publikums mit dem weissen Pferd.
Der Storch hat es schwer beim Buhlen um die Aufmerksamkeit des Publikums mit dem weissen Pferd.

Am Ende der Show erkunden wir noch das 7.000 m2 grosse Areal. Dabei entdecken wir, dass hier viel mehr Vögel leben, als jetzt in der Show ihren Auftritt hatten. Unter anderem ist hier auch ein Kondor zu bewundern. Wir vermuten, dass nachmittags vielleicht auch andere Akteure in der Show zum Einsatz kommen. Ein schöner Picknickplatz lädt zum Verweilen ein. Der Spielplatz wird gerade erneuert.

Gut zu wissen

Die Falconeria Locarno findet ihr in der Via delle scuole 12. Es gibt mehrere Parkmöglichkeiten in der Umgebung. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln kommt ihr vom Bahnhof Locarno mit dem Bus 311 ganz in die Nähe der Falconeria. Aussteigen müsst ihr an der Haltestelle Palazzo Fevi.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr (im Juli und August ist täglich geöffnet)
Shows: 11 Uhr und 15 Uhr
Preise: 25 Sfr für Personen ab 17 Jahre, 18 Sfr für Kinder von 3 bis 16 Jahre. Es gibt Familien-, Senioren- und Behindertenrabatte.
Bitte überprüft die Angaben noch einmal auf der Website, falls sich etwas ändert.

Tipp: Auf dem Gelände der Falconeria befindet sich auch eine Pizzeria und ein Bistro. Wer rechtzeitig da ist, kann schon vor der Show sein Essen bestellen und es nach der Show als Take away abholen und es sich auf einem der schönen Aussenplätze schmecken lassen. Natürlich kann man sein Essen auch nach der Show bestellen.

Die Falconeria bietet für Kinder nach der Show weitere Attraktionen wie Ponyreiten und Familienfotos mit Uhu. Fotos mit Weiskopfseeadler, Fotoshootings oder auch Actionfotografie für Fotografen können vereinbart werden. Weiterhin kann man am Eingang Flaschen zum Füttern der Koi Karpfen erwerben.

Tipp: In der Falconeria kann man auch den Kindergeburtstag feiern.

Situationsplan Falconeria Locarno
Situationsplan Falconeria Locarno
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