19 – Von San Jose in den Dschungel nach Selva Bananita

Nachdem wir fünf Wochen durch Chile und Argentinien gereist sind, führt uns unser Weg nun von Buenos Aires via Panama nach San José. Allerdings bleiben wir nur für die Nacht in San José und fahren direkt am nächsten Tag in den Dschungel nach Selva Bananita. Im Gegensatz zu Chile und Argentinien, wo wir alles selbst organisiert haben, haben wir für die Buchung von Mietwagen und Unterkünften in Costa Rica auf eine regionale Agentur zurückgegriffen.

Tipp: Trip.me ist eine deutsche Buchungsplattform mit dem Konzept eine Agentur vor Ort im Reiseland und sichere Bezahlung über Deutschland zusammenzubringen. Bei den Reisevorbereitungen war mir aufgefallen, dass die Beispielreisen über trip.me günstiger waren, als wenn ich die Dinge selbst gebucht hätte. Deshalb habe ich es mal ausprobiert und unsere Reise mit Katja über trip.me nach unseren Vorstellungen zusammengestellt. Neben guten Preisen haben wir vom Insiderwissen der lokalen Agentur profitiert. Zusätzlich sind wir in den Genuss eines besonderen Service gekommen. Anstatt sich abends nach einem langen Flug mit der Übernahme eines Mietwagens herumschlagen zu müssen, wurden wir abgeholt und unser Mietwagen kam am nächsten Morgen bequem mit allen Papieren ins Hotel und wurde am Ende der Reise auch wieder im Hotel abgeholt.

Selva Bananita

Auf dem Weg nach Selva Bananita

Der Morgen startet mit einem sehr leckeren Frühstück. Neben Pancakes gibt es das traditionelle Essen: schwarze Bohnen mit Reis und dazu Ei und gebratene Bananen. Mit bereits gepackten Taschen erwarten wir unseren Mietwagen. Die Übergabe erfolgt schnell in der Lobby des Hotels. Da der Angestellte als nächstes ein Auto in einem anderen Hotel abholen muss, fährt er ein Stück mit uns.

So finden wir zwar ganz leicht den Weg aus der Stadt, aber leider keinen Geldautomaten mehr. Entlang der Strecke nach Puerto Limón gibt es nur Automaten der Bank of Costa Rica und diese Bank gibt uns kein Geld. Die Probleme beim Bargeldbezug kennen wir ja schon aus Argentinien, insofern bleiben wir ganz relaxed. Wenigstens können wir an der Mautstation in US-Dollar zahlen. Allerdings geht unser Vorrat an kleinen US-Dollar dem Ende entgegen. Alles zum Thema Geld findet ihr in den Reisetipps.

Der Weg nach Puerto Limón, von wo aus es dann weiter nach Selva Bananita geht, führt uns durch den Dschungel. Die Woche vor Ostern (heilige Woche) haben auch viele Einheimische Urlaub, so dass wir uns erst einmal in den Stau einreihen. Das gibt uns Zeit, die Blattgewächse am Strassenrand näher zu betrachten.

Vielfältige Blätter entlang der Strasse nach Puerto Limón
Vielfältige Blätter entlang der Strasse nach Puerto Limón
Bild Stop und Go auf dem Weg in die Karibik zeigt den Pflanzenbewuchs, hohe Bäume und Palmen, rechts und links der Strasse.
Stop und Go auf dem Weg in die Karibik

So langsam haben unsere Kinder Durst. Nur ohne Colones geht an den kleinen Ständen unterwegs nichts. Insofern sind wir sehr froh, als wir auf der anderen Seite des Berges in einem Supermarkt an einer grossen Busstation mit der Kreditkarte einkaufen können. Wobei wir eigentlich viel lieber bei den kleinen Ständen Obst und Wasser gekauft hätten.

Nun führt der Weg entlang vieler kleiner Dörfer und riesiger Bananenplantagen. Als wir Puerto Limón erreichen,
beschliessen wir, unser Glück in der Innenstadt zu versuchen. Auch hier herrscht das übliche System aus Einbahnstrassen, welches wir schon aus Ushuaia kennen. Die Querstrassen heissen Avenidas und die Längsstrassen Calles. Alle Strassen werden durchnummeriert. Obwohl wir die Strassen hoch und runter fahren, sehen wir keinen Geldautomaten, so dass wir einen Polizisten fragen.

Bild Strasse in Puerto Limón zeigt bunte Werbung an einem Gemisch von Wellblech- und Steinhäusern, einen Himmel voller Kabeln, Autos, Abfall und Menschen.
Strasse in Puerto Limón

Er schickt uns drei Blöcke quer und zwei Blöcke längs. Wir sollen nach einem Gerichtsgebäude Ausschau halten. Obwohl wir wie empfohlen fahren, sehen wir weder das Gericht noch eine Bank. Unser Fehler besteht darin nach Steingebäuden Ausschau zu halten. Als wir dann vor einem Autovermieter anhalten, um noch einmal zu fragen, parken wir schon direkt vor einer Bank, die wir nie als solche erkannt hätten.

Endlich mit Bargeld ausgestattet, können wir nun den Weg nach Selva Bananita einschlagen. Die Übernachtung dort war ein Vorschlag von Katja. Nach einigen Kilometern auf abenteuerlichen Strassen und Brücken erreichen wir unsere Lodge im Dschungel.

Bild Brücke auf dem Weg nach Selva Bananita zeigt eine wackelige Holz-Metall-Brückkonstruktion in Auflösung.
Brücke auf dem Weg nach Selva Bananita
Bild Blick von der Brücke zeigt den Fluss mit einem weissen Pferd und dem recht und links mit Bäumen und Schilf bewachsenen Uferrand.
Blick von der Brücke
Bild Auf dem Weg zur Lodge zeigt einen Schotterweg durch verwilderte Bananenplantagen
Auf dem Weg zur Lodge

Eine Lodge im Dschungel – Selva Bananita

Auf einer ehemaligen Bananenplantage betreibt der Besitzer Viehwirtschaft (Kühe) und ein wenig Palmölwirtschaft. Seine drei Kinder dagegen haben die «Ecolodge» aufgezogen. Nun versucht jeder den anderen davon zu überzeugen, dass seine Idee besser ist, denn ein wenig widersprüchlich ist es schon. So gibt es auf der Farm einen Mix aus Primär- und Sekundärwäldern und Weiden. Primärwälder haben einen grossen Baumbestand. Der Lichtmangel führt dazu, dass es unter den Bäumen nicht sehr dicht bewachsen ist. Bei den Sekundärwälder sind die Bäume nicht so lichtraubend und es wächst unter den Bäumen ein Pflanzendschungel.

Die Lodge besteht aus mehreren Bungalows und einem Haupthaus, in dem das Essen gemeinsam eingenommen wird. Die Bungalows entsprechen dem Standard karibischer Häuser. Sie sind auf Stelzen gebaut und verfügen über eine schöne Veranda mit Hängematten. Glaslamellen ersetzen die Fenster. Strom und warmes Wasser wird über eine Solaranlage hergestellt. Der Strom reicht jedoch nur, um abends 2 LED-Lämpchen zum Leuchten zu bringen. Durch die ganzen mehr oder weniger offenen Fenster können alle kleineren Tiere ein- und ausgehen. Auch wenn wir den Sinn der permanenten Luftzirkulation bei dieser hohen Luftfeuchtigkeit verstehen, sind wir über die Krabbeltiere nicht so glücklich. So lautet ab sofort die Devise, nur das Notwendigste aus der Tasche holen, alles sofort wieder versorgen und die Taschen immer geschlossen halten.

Jeder Bungalow hat einen Wasserbehälter mit Aktivkohlefilter, so dass man sich mit Trinkwasser versorgen kann

Ankunftstag – Erkundung der näheren Umgebung und Eingewöhnung

Nach der Begrüssung und dem Bezug unserer zwei Hütten nutzen wir die Zeit bis zum Abendessen und schauen uns auf dem weitläufigen Gelände um. Es gibt so viel zu entdecken. Die Blattschneiderameisen begeistern uns aufs Neue. Auch wenn es so aussieht, als würden sie die Blätter auf dem Rücken tragen, halten sie sie mit ihren Beisswerkzeugen fest. Wir sehen Kolibris und entdecken Orchideen. In Begleitung zweier Hunde gehen wir zum See. Während einer der Hunde am Seeufer trinkt, kommt ein Brillenkaiman angeschwommen. Der Hund trinkt so lange bis der Kaiman auf einen Meter herangekommen ist und sucht dann schnell das Weite. Viel zu schnell ist es Zeit, zum Abendessen zu gehen.

Brillenkaiman - Selva Bananita
Brillenkaiman
Nester von Webervögeln - Selva Bananita
Nester von Webervögeln

Das Abendessen wird gemeinsam im Haupthaus an einem grossen Tisch eingenommen. Alle anderen Gäste sind auch Schweizer oder Deutsche. Es gibt, was gekocht wurde, wobei man bei Ankunft gefragt wird, ob man Lebensmittelunverträglichkeiten hat oder wie in unserem Fall, keinen Fisch essen möchte. Dann bekommt man etwas anderes. Nach dem Abendessen werden den Mädchen noch die 6 Wochen alten Hundewelpen gezeigt und dann ist es auch schon stockdunkel.

Die Nächte in der Lodge gehören zu den Sachen, die nur akzeptabel sind, weil wir wissen, dass wir nur zwei Nächte durchhalten müssen. Im schwachen Schein der LED Lämpchen kommen die ganzen Mitbewohner zum Vorschein. Die Betten fühlen sich feucht an und das Schlafen unter Moskitonetzen will gelernt sein. Irgendwie versucht das Netz sich immer wieder auf das Gesicht zu legen. Die fremden Dschungelgeräusche sind dem Tiefschlaf auch nicht wirklich förderlich. Die Mädchen trauen sich, in ihrem eigenen Bungalow vis-à-vis zu schlafen.

Von den anderen Gästen erfahren wir beim Frühstück, dass sie auch nicht so grossartig geschlafen haben. Manche sind gar nicht zu Bett gegangen und haben die ganze Nacht in der Hängematte auf der Veranda verbracht.

Aktivitäten im Dschungel von Selva Bananita

Dschungelwanderung

Nach dem Frühstück können wir uns für verschiedene Aktivitäten anmelden. Jörg und ich entscheiden uns für eine Dschungelwanderung mit Führer. Die Mädchen wollen sich unbedingt im Baumklettern versuchen. Leider stellt sich heraus, dass sie zu dünn für die Sicherheitsgurte sind, so dass sie sich umentscheiden müssen und stattdessen auf Canopy ausweichen. Sie werden von einem deutschen Praktikanten und einem Guide begleitet.

Unsere Dschungeltour ist schweisstreibend, aber sehr interessant. Der Führer ist nicht nur für das Finden des richtigen Weges wichtig, sondern vor allem, um uns auf die verschiedenen Tiere und Pflanzen aufmerksam zu machen. Der Weg führt uns wieder zum See. Jetzt geht es jedoch weiter über Wiesen mit Bäumen, in denen kleine Ameisen ihre Nester gebaut haben. Die Bisse jener Ameisen müssen sehr schmerzhaft sein. Wir sehen wunderschöne Exemplare von Magic Mushrooms.

Magic Mushroom - Selva Bananita
Magic Mushroom, wie eine Ballarina

Ein grosser, kürzlich entwurzelter Baum macht es möglich, den Pflanzenbewuchs näher zu betrachten. Viele, der ihn besiedelnden Pflanzen kennen wir als Zimmerpflanzen. Nach einer Balancierübung über einen Baumstamm, der die beiden Bachufer verbindet, kommen wir in den Dschungel. Unser Guide zeigt uns kleine Frösche, Vögel und Pflanzen, die wir ohne ihn wahrscheinlich nicht entdeckt hätten. Eine ungiftige Schlange, die eine Giftschlange imitiert, kreuzt ebenfalls unseren Weg.

Bild Glasflügler im Dschungel von Selva Bananita zeigt Schmetterling mit durchsichtigen Flügeln auf Farnblatt
Glasflügler im Dschungel von Selva Bananita
Roter Frosch, Selva Bananita
Roter Frosch
Dieser Frosch ist gut im Laub getarnt - Selva Bananita
Dieser Frosch ist gut getarnt.
Golden Orb Spider - Selva Bananita
Golden Orb Spider
Ungiftige Schlange, die mit ihrem Aussehen aber eine Giftschlange nachahmt. - Selva Bananita
Ungiftige Schlange, die mit ihrem Aussehen aber eine Giftschlange nachahmt.

Canopy

Wir treffen die Mädchen gegen Mittag im Dschungel beim Canopy auf uns wartend. Den beiden Begleitern war es lieber, wenn wenigstens ein Elternteil mit den Kindern an den Seilen durch den Dschungel rast. So komme ich auch noch in den Genuss von Canopy. Die Strecke hier im Dschungel ist vergleichsweise harmlos verglichen mit den Canopy Strecken in Monteverde. Es macht viel Spass.

Während wir uns ausrüsten, erzählen uns die Mädchen, was sie auf ihrem Weg erlebt haben. Sie hatten das zweifelhafte Vergnügen das giftige Original der Schlage zu treffen, deren Fälschung wir gesichtet hatten. Betrübt erzählen sie uns, dass der Guide die Schlange getötet hat. Auch müssen die Insekten so hungrig gewesen sein, dass sie sich trotz der Insektensprays nicht davon abhalten liessen, von unseren Kindern zu kosten. Das Canopy lässt sie dann aber alle Strapazen vergessen.

Anschliessend geht es gemeinsam wieder in die Lodge, wo ein Mittagessen auf uns wartet. Es gibt Wasserkresse mit Pilzen und Bohnen und Reis. Wir finden es erstaunlich lecker. Die Kinder lehnen das Essen schon vom Aussehen her ab und bekommen stattdessen Früchte serviert, womit sie definitiv glücklicher sind.

Das Glück dieser Erde liegt auf dem Rücken der Pferde

Zeit für eine Erholung bleibt uns nicht, denn nun steht ein Reitausflug auf dem Programm. Unsere Kinder reiten gern und nehmen auch Reitstunden. Wir Eltern schwingen uns nur auf ein Pferd, wenn es sich nicht vermeiden lässt. Immerhin reiten wir zu einem Blumengarten. Die Pferde sind gemütlich unterwegs, die Sättel sind einigermassen bequem.

So schaukeln wir bergab, bergauf, durch Flüsse und Palmenhaine bis wir am «Blumengarten» ankommen. Dort dürfen wir absteigen und die Pferde parken.

Der Blumengarten der anderen Art beherbergt riesige Pflanzen aus der Familie der Ingwergewächse und Bromelien. Wir können die unterschiedlichsten Blüten bestaunen. Es gibt sogar quasi lebend «gebärende» Pflanzen. Diese haben grosse, schwere Blüten an langen Stengeln, die die Pflanze mit ihrem Gewicht zu Boden drücken. Bevor sie den Boden erreicht, wachsen schon kleine Ableger aus der Blüte. In den Pflanzen wohnen Fledermäuse.

Da ich das Reiten mit einer Kamera in keiner guten Erinnerung habe, gibt es von diesem Ausflug leider keine Bilder.

Am Ende der Besichtigung heisst es wieder aufsitzen. Damit der Reitausflug noch etwas spannender wird, fragt Gwendolyn, ob wir nicht auch galoppieren könnten. So geht es auf dem Heimweg recht schnell voran, denn unserem Guide ist es recht. Einzig Morgaines Pferd ist der Meinung, mit dem Reiter linksherum zu spielen und gar nicht laufen zu wollen. Schlussendlich zieht es der Guide an einem Strick hinter sich her bis das Pferd kapiert, dass es zurück in den Stall geht. Ab dem Moment ist es nicht mehr zu halten.

Der Ausritt mit Gartenbesichtigung dauerte reichlich 3 Stunden. Mein Hintern findet das gar nicht gut, was meine Töchter sehr lustig finden. Es hätte auch noch weitere Aktivitäten wie das Abseilen bei einem Wasserfall gegeben.

Die zweite Nacht in der Dschungel Lodge

Zum Abendessen gibt es Fisch für alle. Für alle, die keinen Fisch mögen gibt es einen leckeren Grillkäse. Während wir essen, fängt es an zu regnen. Insgesamt scheint es aber eher zu trocken zu sein.

Nach den körperlich anstrengenden Aktivitäten im Dschungel von Selva Bananita hoffen wir auf besseren Nachtschlaf. Vorher muss aber erst einmal eine Ameisenstrasse umgeleitet werden. Die Ameisen hatten ihre Strasse über das Kopfende von Gwendolyns Bett verlegt. Die Geräusche des Dschungels sind inzwischen etwas vertrauter und die Erschöpfung führt dann zu einem ganz erträglichen Schlaf. Die Nacht endet jedoch jäh, als unsere Verandatür mit Schwung geöffnet wird. Anschliessend hören wir Getrappel und schon wirft sich jemand schwungvoll gegen unsere Hüttentür. Wir warten erst einmal ab und stellen uns tot. Als wir nicht reagieren, fängt der Eindringling laut an zu bellen. Dann fährt ein Auto weg und das Gebell geht in ein lautstarkes Geheule über. Spätestens jetzt sind auch unsere Nachbarn wach.

So steige ich mit steifen Gliedern aus dem Bett und tröste einen Hund namens Wolke. Sein Herrchen schläft wohl öfter in der von uns belegten Hütte und ist gerade verreist. Ich nutze die Zeit noch für einen Morgenspaziergang, während der Hund ein Schläfchen auf der Veranda vorzieht.

Der Aufenthalt in der Lodge von Selva Bananita war interessant und authentisch. Ich wollte ihn nicht missen. Wiederholen würde ich ihn aber wahrscheinlich nicht. Nach dem Frühstück heisst es Abschied nehmen. Karibik wir kommen.

Die anderen Beiträge zur Reise in Costa Rica findet ihr unter den folgenden Links:


Die Beiträge zu den Teilen unserer grossen Südamerika-Reise 2014 in andere Länder findet ihr unter:


Die Reisetipps zu Costa Rica findet ihr unter:

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