Auf der Strasse des Bischofs und immer weiter bis ins Donegal

Am Morgen sind schon wieder dicke Regenwolken aufgezogen. Wir verlassen Ballycastle und fahren auf dem Weg nach Londonderry durch das Landesinnere bis wir beim Mussenden Temple wieder die Küste erreichen. Hatten wir ursprünglich mit dem Gedanken gespielt, dem Downhill Estate einen weiteren Besuch abzustatten und dieses Mal das Bishops Gate zu nutzen, verwerfen wir den Gedanken bei diesem Wetter schnell wieder. So folgen wir hinter dem Mussenden Tempel der kleinen Bishops Road.

Von dieser Strasse und besonders dem Gortmore Viewpoint hat man sehr schöne Ausblicke auf das flach abfallende Land und den Magilligan Point. An einem klaren Tag kann man ins Donegal schauen und die Inseln Islay und Jura vor der Westküste Schottlands erblicken. Bei unserem Besuch ist es allerdings so windig, dass ich beim Fotografieren aufpassen muss, nicht fortgeweht zu werden. Bei schönem Wetter wäre hier ein perfekter Ort zum Picknicken.

Bild Aussicht vom Gortmore Viewpoint, Bishops Road zeigt sanfte und steile Klippen, teilweise mit blühender Heide bewachsen und das durch Hecken, Mauern und Strassen unterteilte Land, Wasser und dahinter Berge.
Aussicht vom Gortmore Viewpoint, Bishops Road
Bild Aussicht vom Gortmore Viewpoint, Bishops Road, auf den Magilliganpoint zeigt die Landspitze am Fjord, den langen Sandstrand und das Land auf der anderen Seite des Fjords.
Aussicht vom Gortmore Viewpoint, Bishops Road, auf den Magilliganpoint

Die Skulptur von Manannan Mac Lir, einem Meeresgott, animiert die Mädchen eine Filmszene aus Titanic nachzuspielen und zu filmen, was bei dem Wind nicht ganz einfach ist.

Bild Im Windschatten der Skulptur am Gortmore Viewpoint, Bishops Road Titanic spielen, zeigt Gwendolyn vor der Skulptur des Meeresgottes mit ausgebreiteten Armen , die Haare vom Wind verweht.
Im Windschatten der Skulptur Titanic spielen

Die Bishops Road ist menschenleer und wunderschön. Streckenweise erinnert sie uns an Kanada. Wir beschliessen spontan, dem Binevenagh Lake einen Besuch abzustatten, der sich aber wegen fehlender Hinweisschilder versteckt. Wir fragen sogar verschiedene Forstbeamte, haben aber Pech, denn der eine hat seinen ersten Arbeitstag und der andere kommt aus einem anderen Gebiet. Nach ein paar Anläufen finden wir den richtigen Abzweig und dann stehen auch ungewöhnliche Wegweiser in der Landschaft.

Das Bild Bishops Road zeigt die ansteigende Strasse inmitten von Weiden. Im Hintergrund erhebt sich dunkel der Wald. die rechte Zeit ist von einem Zaun begrenzt.
Bishops Road
Bild Bishops Road pink erblüht zeigt rechts und links neben der Strasse eine Art hohe Pechnelke vor grünem Tannenwald.
Bishops Road pink erblüht
Bild Wegweiser zeigt einen eigenwillig geformten tiefblauen Wegweiser mit zwei Armen, wie ein Kleiderbügel. Der Wegweiser besteht aus Metall und bildet einen starken Kontrast zu den pink blühenden Blumen vor dem Hintergrund des dunkelgrünen Waldes.
Wegweiser

Wir folgen dem Forstweg bis zum See, wo bereits ein Busfahrer auf eine Wandergruppe wartet. Der See ist ein künstlicher Stausee, in den regelmässig Regenbogenforellen ausgesetzt werden. Auch hier ist es sehr windig. Dennoch gehen wir die paar Schritte zu den Klippen und drehen eine kleine Runde. Der Weg wird mit einem schönen Ausblick belohnt.

Bild Windiger Stausee - Binevenagh Lake zeigt Felsklippen, Moorlandschaft, Wald und einen Teil des Sees mit Wellen.
Windiger Stausee – Binevenagh Lake

Nach diesem kleinen Ausflug folgen wir der Bishops Road ans Ende und fahren nach Dungiven, wo wir zwei sehr alte Kirchenruinen besuchen. Zuerst besuchen wir die Dungiven Priory, die mit ihren schiefen Grabsteinen etwas Mythisches ausstrahlt. Anschliessend besuchen wir in Banaghar die Old Church, die der Legende nach vom heiligen St. Patrick selbst gegründet worden sein soll. Inzwischen regnet ein feiner Sprühnebel auf uns nieder, der innerhalb kürzester Zeit alles durchnässt. So verweilen wir nicht lange und fahren nach Derry-Londonderry.

Bild Dungiven Priori zeigt verstreute Grabsteine auf einem Grasüberwachsenen Hügel und eine Kirchenruine.
Dungiven Priory
Bild Dungiven Priori zeigt die Kirchenruine von der Seite mit Rundbogen als Eingang und gotischem Fenster. Davor ein Grabstein mit schwerer Grabplatte.
Dungiven Priory
Bild Old Church Banaghar zeigt die Familie zwischen den Mauern der Kirchenruine.
Old Church Banaghar

Die Bezeichnung Derry-Londonderry ist etwas verwirrend. Anfänglich dachten wir, dass dies zwei nebeneinander liegende, durch den Fluss getrennte Städte wären. Londenderry, Derry oder Doíre sind nur verschiedene Bezeichnungen für die gleiche Stadt. Wegweiser in Nordirland verweisen auf Londonderry und Wegweiser aus der Republik Irland auf Derry. Die Bezeichnung der Stadt ist also eine Art Seismograf für die politische Einstellung des Sprechers.

Für uns besteht die erste Schwierigkeit darin, einen Parkplatz in der Stadt zu finden. Auf dem Weg zu einem ausgeschilderten Parkhaus stehen wir im Stau. Leider regnet es immer noch, als wir endlich unser Auto geparkt haben. Wir versuchen, mit Schirm die alte Stadtmauer zu begehen, was bei diesem Wind natürlich ein vergeblicher Versuch ist. Derry-Londonderry ist die einzige Stadt in Irland die von einer Stadtmauer vollständig umgeben ist.

Wind, Regen und 13° C sind aber nicht so der Hit für eine Stadtbesichtigung. Nach einer halben Umrundung geben wir durchnässt und durchfroren auf und wärmen uns mit einem heissen Getränk in einem Café innerhalb der Stadtmauer auf.

Bild Aufgang zur Stadtmauer - Derry-Londonderry zeigt den breiten geteerten Aufgang zur Stadtmauer. Vor den Zinnen steht eine Kanone. Links neben der Stadtmauer verläuft eine Strasse und parken Autos. Geschäftshäuser stehen rechts und links von der Stadtmauer.
Aufgang zur Stadtmauer – Derry-Londonderry
Bild Blick von der Stadtmauer Derry-Londonderry auf Häuser mit bemalten Fronten zeigt ein Häusermeer in Reih und Glied. Links teilt eine Strasse das Häusermeer, links erhebt sich eine Kirche.
Blick von der Stadtmauer Derry-Londonderry auf Häuser mit bemalten Fronten
Bild Blick von der Stadtmauer Derry-Londonderry in eine Geschäftsstrasse zeigt rechts und links Wohnhäuser in deren Erdgeschoss sich Geschäfte befinden. Ein Kirchturm ragt heraus, Menschen und Autos sind unterwegs.
Blick von der Stadtmauer Derry-Londonderry in eine Geschäftsstrasse

Das Wetter bessert sich auch während des Kaffeetrinkens nicht. So beschliessen wir bedauernd, auf die weiteren geplanten Besichtigungen zu verzichten und direkt zu unserer nächsten Übernachtungsstation nach Dunlewey zu fahren. Hinter Derry-Londonderry verlassen wir «England» und fahren in die Republik Irland. Die Grenze erkennt man im Wesentlichen daran, dass auf jeder Seite eine Tankstelle steht und in der Republik Irland plötzlich die Geschwindigkeit und Entfernungsangaben in Kilometer angegeben werden und nicht mehr in Meilen. Der Tacho im britischen Mietwagen kennt natürlich nur mph, aber unser schlaues Navigationsgerät nimmt uns die permanente Umrechnerei der erlaubten Geschwindigkeiten ab.

Auch in Irland stehen jede Menge Häuser zum Verkauf und leer, nur hat sich hier niemand die Mühe mit den echt wirkenden Fotos in Fenstern und Türen gemacht, so dass es etwas trauriger aussieht als beispielsweise in Bushmills. Auf der Strasse wird wie wild gebaut und Rohre verlegt. Eine Baustelle mit einspurigem Verkehr jagt die nächste, so dass wir deutlich länger brauchen als gedacht.

Der Weg führt vorbei am Glenveagh National Park. Die traumhafte Landschaft lässt sich nur erahnen. Wir versuchen unsere Hausvermieter eine halbe Stunde vor der berechneten Ankunft von unterwegs anzurufen und müssen feststellen, dass es in Europa ganz offensichtlich durchaus noch grössere Flecken ohne Mobilfunknetzabdeckung gibt. Ein Anruf ist wegen fehlenden Netzes nicht möglich. Umso erfreuter sind wir, als wir am Haus ankommen und freundlich erwartet werden.

Während ich von Marie in die Geheimnisse der Küche und Duschen eingeführt werde und Informationen zu Pubs und Supermärkten bekomme, unterhält Patrick sich mit Jörg, allerdings in atemberaubender Geschwindigkeit und einer schwer verständlichen Aussprache.

Im Gespräch erfahren wir, dass wir mit dem Regen richtig Glück haben. Auch in Irland geht der Sommer 2018 als ein Jahrhundertsommer in die Annalen ein. Vor unserer Ankunft gab es 30 Tage ohne Regen. Nachdem uns die beiden verlassen haben, fahren wir noch zum 15 Minuten entfernten Supermarkt und bringen von einem indischen Take away ein Abendessen mit nach Hause. Das Preisniveau ist hier höher als in England, was natürlich auch mit der Abgelegenheit von einer grösseren Stadt zusammenhängen kann.

Alle Beiträge, die im Rahmen dieser Reiseerzählung entstanden sind, findet ihr nachfolgend als Link:

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