Bei minus 44 Grad von Dawson City nach Whitehorse

Wir geniessen unser Frühstück, welches heute vom Koch serviert wird. Die Bedienung trifft erst später ein. Der Grund dafür ist, dass ihr Auto bei den heutigen minus 44 Grad Celsius nicht angesprungen ist. Diese Aussage steigert natürlich unsere Spannung. Ob unser Auto wohl anspringen wird, nachdem es nun zwei Tage bei diesen kalten Temperaturen auf der Strasse gestanden hat? Am Vortag waren wir ja mit Guide im Tombstone Territorial Park zum Schneeschuhwandern. Auf die Erfahrung, Kohlebecken besorgen zu müssen, um das Auto aufzutauen, würden wir gern verzichten. Die innere Unruhe lässt uns das Frühstück schnell beenden. Immerhin liegen vor uns reichlich 530 km Strecke, um von Dawson City nach Whitehorse zu gelangen. Die Fahrzeit wird im Winter mit ungefähr 8 Stunden angegeben.

Während wir Mädels die Taschen in den Zimmern packen, kehrt Jörg den Schnee von unserem Auto und versucht den Motor des Autos schon mal zu starten. Erleichterung macht sich breit, als das Auto problemlos anspringt. So lassen wir das Auto gleich wie die Einheimischen mit laufendem Motor stehen, während wir alle Sachen ins Auto bringen. Bevor wir uns von Dawson City auf die Strecke nach Whitehorse begeben, wollen wir uns aber noch die Eisbrücke über den Yukon ansehen. Über eine Eisbrücke kann man ja nicht alle Tage fahren.

Ice Bridge über den Yukon

Da es noch früh am Tag ist, ist es heute noch deutlich dunkler als am Vortag. Auch der Nebel ist stärker als gestern. Das macht das ganze etwas gespenstisch.

Wo ein Schiff steht, kann der Fluss nicht weit sein.
Wo ein Schiff steht, kann der Fluss nicht weit sein.

Konsterniert stehen wir vor dem Yukon auf dem mit Hölzchen eine Fahrspur markiert ist, deren Ende sich im Nebel verliert. Das Schild gibt nur Auskunft, dass man die Eisbrücke mit einem Gesamtgewicht bis 27.000 kg nutzen darf. Ein weiteres Schild verbietet das Anhalten und weist die Autofahrer daraufhin, dass sie 200 m Abstand zum vorhergehenden Auto halten sollen. So wird diese Brücke wohl einspurig zu befahren sein und die Hölzchen werden die äussere Begrenzung darstellen. Vorsichtshalber warten wir erst einmal ab bis ein anderes Fahrzeug kommt.

Die Ice Bridge in Dawson City über den Yukon im Nebel
Die Ice Bridge in Dawson City über den Yukon im Nebel

Lange müssen wir nicht warten. Das entgegenkommende Auto fährt weiter und wir begeben uns mutig auf seine Spur. Ob Gegenverkehr kommt oder nicht, sieht man leider nicht, aber wir vertrauen mal darauf, dass die Strecke nicht so sehr befahren ist.

Das Auto hat die Fahrt auf der Ice Bridge gut überstanden
Das Auto hat die Fahrt auf der Ice Bridge gut überstanden

Im Sommer verkehrt hier eine kostenlose Autofähre. Im Winter wird die Eisbrücke gebaut. Man wartet bis der Yukon gefroren ist. Dann werden immer wieder Risse ins Eis gemacht, wodurch Wasser nach oben steigt und auch wieder gefriert bis die Eisdecke dick genug ist, um auch die LKWs zu tragen.

Im Schritt-Tempo fahren wir auf dem Eis des Yukons. So breit hatten wir den Yukon gar nicht in Erinnerung. Ob das Eis wirklich hält? Neben der roten Markierung sieht man Stellen im Fluss, die nicht ganz zugefroren scheinen. Dann sehen wir auch noch einen Riss! Wie tief der Yukon hier wohl ist? Immerhin die Sonne schiebt sich jetzt über den Horizont und macht alles etwas freundlicher.

Der Riss in der Ice Bridge macht uns etwas nervös.
Der Riss in der Ice Bridge macht uns etwas nervös.
Die Sonne steigt über den Horizont und lässt gleich alles viel freundlicher erscheinen.
Die Sonne steigt über den Horizont und lässt gleich alles viel freundlicher erscheinen.

Am anderen Ufer wenden wir und fahren direkt wieder zurück. Als wir wieder festen Boden unter den Rädern haben, sind wir doch sehr erleichtert. Doch die nächste Herausforderung wartet schon.

Wieder auf der Hauptstrasse. So langsam wird es heller. - Dawson City
Wieder auf der Hauptstrasse. So langsam wird es heller.

Tanken am Wochenende

Im Hotel hatten wir uns bereits erkundigt, wo man am Wochenende tanken kann und zwei Tankstellen ausserhalb von Dawson City in Richtung Whitehorse genannt bekommen.

Die Häuser bringen Farbe in die Landschaft - Dawson City
Die Häuser bringen Farbe in die Landschaft

Während wir aus Dawson City herausfahren geht die Sonne richtig auf.

Kraftvoll kommt die Sonne hinter dem Berg hervor - Dawson City
Kraftvoll kommt die Sonne hinter dem Berg hervor
Das von den Sonnenstrahlen in Szene gesetzte diffuse Licht ist wunderschön.
Das von den Sonnenstrahlen in Szene gesetzte diffuse Licht ist wunderschön.

Die Tankstelle auf unserer Strassenseite ist genauso wie der Campingplatz geschlossen. Die Tankstelle auf der Gegenseite ist am Wochenende nur via Tankautomat benutzbar.

Die grösste Schwierigkeit bei einem Tankautomaten ist es abzuschätzen, wieviel Kraftstoff ungefähr in den Mietwagen passt, denn meist muss man vorher einen Betrag bezahlen. Auch wenn es zwischen Dawson City und Whitehorse weitere Tankstellen gibt, würden wir gern mit vollem Tank unterwegs sein. Eine Panne bei diesen Aussentemperaturen mit leerem Tank wäre das absolute worst-case-Szenario.

Also Anleitung studiert, Kreditkarte in den Schlitz gesteckt und nichts geht. Kein Tropfen Benzin kommt aus der Pumpe. Jörg sucht den Fehler bei sich und denkt vielleicht noch an ein Kälteproblem beim Chip der Kreditkarte. Sein Lösungsansatz, den Chip der Kreditkarte polieren und noch einmal von vorn zu beginnen. Nur leider kommt die Kreditkarte nicht mehr aus dem Schlitz heraus.

Tank halb leer, Kreditkarte steckt fest und nun?

Jörg geht los, in der Hoffnung irgendwo in den Gebäuden jemanden zu finden, der helfen kann. Ich stehe in der Kälte und bewache die Kreditkarte. Es dauert gar nicht lange, kommt das erste Auto angefahren und will tanken. Zwei Minuten später sind wir schon zu dritt. Ich erkläre unser Problem und bekomme so nette Tipps, doch zurück nach Dawson zu fahren und dort zu tanken. Ein Anruf des freundlichen Herren ergibt, dass die Tankstelle in Dawson City geöffnet ist. Sie ist halt nur deutlich teurer. Das Dilemma ist, dass wir schlecht ohne die Kreditkarte fahren können.

Bei der Suche nach einer Notfall Telefonnummer finden wir dann den versteckten Hinweis, dass das Kreditkartenlesegerät kaputt ist. Es wäre so einfach gewesen, den Schlitz mit einem Zettel auf dem defekt steht, zu verkleben, aber so stehen wir nun mit einem dicken Problem in der Kälte. Einer der Herren beschliesst daraufhin via Mobilphone App zu bezahlen, tankt und verschwindet.

Glücklicherweise holt der jüngere von beiden sein Taschenmesser aus dem Auto und versucht unsere Kreditkarte zu befreien. Da wir stets mit zwei verschiedenen Kreditkarten unterwegs sind, wäre es nicht so schlimm, falls sie zerbricht. Aber oh Wunder, er bekommt sie in einem Stück aus dem defekten Lesegerät.

Als Jörg unverrichteter Dinge zurückkommt, habe ich schon die Kreditkarte in der Hand. Leider müssen wir jetzt noch einmal nach Dawson City fahren, bevor es endlich nach Whitehorse gehen kann.

Obwohl wir die Strasse aus Dawson City in Richtung Whitehorse nun schon mehrmals gefahren sind, ist uns dieses Denkmal bisher nicht aufgefallen.
Obwohl wir die Strasse aus Dawson City in Richtung Whitehorse nun schon mehrmals gefahren sind, ist uns dieses Denkmal bisher nicht aufgefallen.
Bald liegt Dawson City hinter uns.
Bald liegt Dawson City hinter uns.

Endlich auf dem Weg von Dawson City nach Whitehorse

Nach dem ganzen Tanktheater ist es wärmer und heller geworden. Das Thermometer zeigt nur noch minus 40 Grad Celsius an.

Es wird wärmer - nur noch minus 40 Grad - Dawson City nach Whitehorse
Es wird wärmer – nur noch minus 40 Grad

Ein wunderschöner Tag bricht an.

Ein wunderschöner Tag bricht an - Dawson City nach Whitehorse
Ein wunderschöner Tag bricht an

Nur ist die Windschutzscheibe im Fahrtwind so kalt, dass die Feuchtigkeit unserer Atemluft sofort darauf gefriert. Solange wir die Heizung auf die Windschutzscheibe stellen ist es zumindest vorn ok. Die Seitenfenster sind leider dauerhaft gefroren.

Mit der Warmluft auf der Frontscheibe, werden die Füsse zum Problem. Die Füsse werden eiskalt, auch wenn es eigentlich warm im Auto ist. Die Mädchen versuchen sie warm zu bekommen, indem sie die Schuhe ausziehen und die Füsse in die dicken Jacken einwickeln oder sich gegenseitig unter den Hintern schieben. Wir Erwachsenen versuchen mit Fussgymnastik im Schuh die Blutzirkulation anzuregen. Die erste Hälfte dieser landschaftlich wunderschönen Fahrt bleibt untrennbar mit kalten Füssen in Erinnerung.

Unterwegs von Dawson City nach Whitehorse
Unterwegs von Dawson City nach Whitehorse
Bergpanorama auf der Strecke von Dawson City nach Whitehorse
Bergpanorama auf der Strecke von Dawson City nach Whitehorse
Neue Scheiterhaufen zwischen Dawson City und Whitehorse warten darauf für den Brandschutz abgefackelt zu werden
Neue Scheiterhaufen zwischen Dawson City und Whitehorse warten darauf für den Brandschutz abgefackelt zu werden
Die schneebeladenen Tannenbäumchen lassen fast Weihnachtsstimmung aufkommen. Auf dem Weg von Dawson City nach Whitehorse.
Die schneebeladenen Tannenbäumchen lassen fast Weihnachtsstimmung aufkommen
530 km endlose Weite zwischen Dawson City und Whitehorse
530 km endlose Weite zwischen Dawson City und Whitehorse

Glücklicherweise steigt das Thermometer von Dawson City nach Whitehorse etwas an. In Carmacks, wo wir auf dem Hinweg übernachtet hatten, sind es nur noch minus 30 Grad Celsius. Wir tanken dort das Auto wieder voll und beschliessen, im Restaurant ein frühes Abendessen einzunehmen.

Gesättigt geht es weiter nach Whitehorse. Eigentlich lasse ich Jörg den Vortritt beim Fahren und geniesse es, Fotos auch während der Fahrt zu schiessen, aber unser Mietwagen ist ein Traum. Dieser grosse, schwere GMC mit seinen acht Zylindern fährt sich einfach nur Klasse auf den verschneiten Strassen. Da bestehe ich dann doch auf einen gerechten Anteil an der Strecke.

Erstaunlich, dass der Fluss hier nicht gefroren ist. Von Dawson City nach Whitehorse
Erstaunlich, dass der Fluss hier nicht gefroren ist
Was für eine Landschaft! Von Dawson City nach Whitehorse.
Was für eine Landschaft!

Der Rest der Strecke von Dawson City nach Whitehorse vergeht wie im Flug. Da das Auto über WLAN verfügt, sind wir vorgewarnt, dass es beim Zahlenschloss am Haus wegen der Kälte Probleme geben könnte.

The little blue House

Für die letzten fünf Nächte in Whitehorse haben wir das blaue Haus in einem Wohngebiet auf der anderen Seite des Flughafens über AirBnB gemietet. Viele der Häuser, an denen wir auf der Suche nach unserem Haus vorbeifahren, haben ein Boot und ein Wohnmobil im Garten stehen. Das könnte uns auch gefallen. Am geländegängigen, autarken Wohnmobil arbeiten wir ja noch.

Und dann steht es vor uns. Das Zahlenschloss braucht tatsächlich die Überredungskünste von Jörg, um uns die Tür zu öffnen. Die Kinder ziehen die Schuhe aus und tragen die Taschen, die wir aus dem Auto holen aus dem Windfang und stapeln sie erst einmal im Flur bis wir die Schlafräume verteilen.

The little blue House am nächsten Morgen fotografiert. Jörg bleibt der einzige, auf den das Zahlenschloss hört. - Whitehorse
The little blue House am nächsten Morgen fotografiert. Jörg bleibt der einzige, auf den das Zahlenschloss hört.

Wir verlieben uns in dieses Haus und seine Ausstattung und fragen uns, wie es wohl im Sommer aussieht, wenn die grosse Terrasse und der Garten nicht unter Schneemassen begraben sind.

Nach den ganzen Hotels freuen wir uns darauf, nicht jeden Morgen packen zu müssen. Viel wichtiger ist aber, dass wir uns selbst etwas zu essen kochen und ausgiebig frühstücken können.

So fahren Jörg und ich auch gleich noch einmal los und jagen im Supermarkt. Und wieder einmal denke ich, und da heisst es immer die Schweiz wäre teuer. Da wir natürlich so einkaufen, wie wir zu Hause einkaufen mit frischem Gemüse, Obst, Joghurt, Käse und Vollkorntoast werden wir eine hübsche Stange Geld los.

Geht man nach den Regalmetern im Supermarkt werden hier Fertigprodukte, Eier und Konserven stark nachgefragt.

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