09 – Facetten der Atacama Wüste und ein Erdbeben

Flamingos im Salar de Atacama und Vikunjas an den Lagunas Miscanti und Miniques

Auf dem Tagesplan steht heute ein Besuch der Flamingos an der Laguna Chaxa und die beiden Lagunas Miscanti und Minique. Die erste Herausforderung des Tages besteht aber darin, nach einem richtig leckeren Frühstück, die Tankstelle in San Pedro de Atacama zu finden. Also rein ins Abenteuer Innenstadtverkehr und versuchen, den Erklärungen des Hotels zu folgen. Die Wegbeschreibung führt uns in einen grossen, grünen Innenhof eines Hostals, indem sich tatsächlich die Tankstelle versteckt. Hier müssen auch alle Reisebusse oder LKWs hinfahren, wenn sie tanken wollen.

Mit vollem Tank suchen wir die richtige Strasse aus dem Ort, was auf Anhieb gelingt. Unser erstes Ziel ist der Salar de Atacama. Wir folgen der 23 bis Toconao. Wenige Kilometer hinter dem Dorf führt eine Salzpiste zum Parque Laguna Chaxa. Es ist Mittag als wir ankommen. Vom Licht und den Temperaturen zwar nicht ideal, aber wir sind bis auf ein weiteres Auto auf dem Parkplatz allein

Bild Salzstrasse auf dem Weg zur Laguna Chaxa. Diese Strasse führt mitten durch scharfkanntiges Salz. Im Hintergrund sind schneebedeckte Vulkane zu sehen.
Salzstrasse auf dem Weg zur Laguna Chaxa

In der trockensten Wüste der Welt, der Atacama gibt es Wasser. Hier bricht geothermales Wasser aus den Tiefen an die Oberfläche und verdeckt teilweise die Ausmasse der weltweit zweitgrössten Salzwüste. Wege führen entlang des Wassers und teilweise durch die scharfkantige Salzkruste.

Bild Impressionen 2 Laguna Chaxa. Ein rötlicher Fluss fliesst durch die Salzkruste. Im Hintergrund schneebedeckte Vulkane.
Laguna Chaxa
Impressionen 3 Laguna Chaxa. Im Vordergrund scharfkanntige Salzkruste. Im Hintergrund die Lagune mit Flamingos und Vulkanen.
Laguna Chaxa

Wir beobachten die Flamingos, wie sie die kleinen durchsichtigen Krebse aus dem Wasser filtern, indem sie den Schnabel in den Schlamm stecken und einmal um die Schnabelachse drumherum tanzen. Wahrscheinlich scheuchen sie so die Krebse auf. Besonders der Flug und die anschliessende Landung der Flamingos hat etwas von einer Ballettvorführung.

James Flamingo zum Wasser gebeugt mit tropfendem Schnabel - Laguna Chaxa
James Flamingo – Laguna Chaxa
Bild Chileflamingo breit ausschreitend - Laguna Chaxa
Chile Flamingo – Laguna Chaxa
Bild Spiegelung zweier gleich landender Flamingos - Laguna Chaxa
Spiegelung zweier gleich landender Flamingos – Laguna Chaxa

Kleine Eidechsen, die sich wie Krokodile bewegen, posieren vor der Kamera. Wir sind begeistert von den Farben unserer Umgebung.

Bild Eidechse im Wasser wie ein Krokodil laufend - Laguna Chaxa
Eidechse im Wasser – Laguna Chaxa

Die beschatteten Bänke am Parkplatz nutzen wir noch für ein kleines Picknick, bestaunen die durchsichtigen Krebse, die dort in einem Aquarium zu sehen sind. Sie werden von den Flamingos aus dem Wasser gefiltert. Anschliessend fahren wir dann weiter entlang des Salzsees bevor wir vor Socaire wieder auf die Ruta 23 biegen.

Bild Wasserschnecke und Krebs im Aquarium - Laguna Chaxa
Wasserschnecke und Krebs im Aquarium – Laguna Chaxa

Wir sind allein unterwegs. Entlang der holprigen Strasse zu den Lagunas Miscanti und Minique begeistern uns die Lavakrusten und kleinen Kakteen, deren Stacheln in der Sonne leuchten. Wir klettern wieder auf 4.200 m bis wir die Lagunen erreichen.

Bild Ganz allein unterwegs auf dem Weg zur Laguna Miscanti. Lange Strasse an deren Ende Vulkane stehen mit unserem Ford Ranger im Bild. Rechts und links Grasbüschel.
Ganz allein unterwegs auf dem Weg zur Laguna Miscanti
Bild Auf dem Weg zur Laguna Miscanti - fast oben. Im Vordergrund der schlechte Feldweg nach oben, der optisch zum schneebedeckten Vulkan führt.
Auf dem Weg zur Laguna Miscanti – fast oben

Als wir die Laguna Miscanti erreichen, fährt ein anderes Auto weg, so dass wir die Lagune und die Vikunjaherde ganz für uns allein haben. Man muss ganz genau schauen, um zu erkennen, dass im steinigen Boden kleine Grashalme wachsen, die von den Vikunjas gefressen werden. Ein kalter Wind bläst hier und lässt uns frösteln. Die Kinder haben bald genug. So fahren wir noch zur Laguna Miniques und fotografieren ein wenig.

Bild Laguna Miscanti. Im Bild vereinzelte Grasbüschel, das blaue Wasser des Sees und Vulkane im Hintergrund.
Laguna Miscanti
Bild Vikunjas an der Laguna Miscanti
Vikunjas an der Laguna Miscanti
Bild Laguna Miniques. Vereinzelte Grasbüschel, See mit weissen Salzrändern und der Vulkan im Hintergrund.
Laguna Miniques

Auf dem Rückweg nehmen wir uns Zeit und erkunden die Lavafelder etwas. Es sieht aus, als hätte ein Vulkan Lehm gespuckt und daraus lustige Gebilde geformt. Die einsame Landschaft bekommt in der Nachmittagssonne einen ganz eigenen Charakter.

Bild Lichtstimmung am späten Nachmittag. Endlose grasbewachsene Weite, Hügel und Salzsee im Dunst im Hintergrund.
Lichtstimmung am späten Nachmittag

Wir beschliessen, auf dem Rückweg wieder die Staubpiste am Salar entlang zu fahren und werden mit einer wunderschönen Orangefärbung der umliegenden Felsen in der untergehenden Sonne belohnt.

Bild Abendsonne in der Atacama. Die Felsen und hügel leuchten orange.
Abendsonne in der Atacama
Bild Kurz bevor die Sonne hinter dem Horizont verschwindet, Atacama, taucht sie den Vulkan und die Hügel in leuchtendes Orange.
Kurz bevor die Sonne hinter dem Horizont verschwindet

Als die Sonne schon sehr tief steht, kommen plötzlich 3 Esel auf uns zugestürmt. Zu essen haben wir leider nichts mehr ausser ein paar Crackern. So streicheln wir vorsichtig die Esel bevor wir weiterfahren. Es ist wieder dunkel als wir die asphaltierte Strasse nach San Pedro de Atacama erreichen. Wenigstens finden wir auf Anhieb den Parkplatz des Hotels.

Bild Esel kommen aus der Weite der Atacama angetrabt und hinterlassen Staubwolken
Esel kommen aus der Weite der Atacama angetrabt

Nach dem Essen gehen die Kinder zu Bett, während die Erwachsenen noch einen Absacker auf der Terrasse geniessen und sich dabei nett mit anderen Hotelgästen unterhalten.

Wir sind froh, dass keiner von uns Probleme mit der Höhe hat. Diese Unwägbarkeit hat uns im Vorfeld bei der Reiseplanung einiges Kopfzerbrechen bereitet, denn bei Auftritt der Höhenkrankheit hilft meist nur, tiefere Gefilde aufzusuchen und es langsamer angehen zu lassen. Aus Gründen der Gewöhnung an die Höhe haben wir den schönen Umweg nach Huacalera und Humahuaca eingeplant, so konnten wir uns sukzessive an die Höhe gewöhnen.

Archäologische Ausgrabungen, die Teufelsschlucht, das Valle de la Luna und ein Erdbeben

Am Morgen begeben wir uns nach dem Früstück erst einmal auf einen Spaziergang durch San Pedro de Atacama.
Anschliessend fahren wir zur Ausgrabungsstelle Quitor de Pukara. Bevor wir durch die Ruinen der steilen Festungsanlage laufen, erklimmen Jörg und ich noch den 1,5 km entfernten Aussichtspunkt. Unsere Kinder bleiben lieber gemütlich im Schatten zurück und lesen in ihren E-Readern.

Beim Aufstieg fühlen wir uns unserem alten Mietwagen sehr verbunden. Wir müssen immer mal wieder kurz anhalten, den Ausblick geniessen, und dabei zu Atem kommen. Es lohnt sich aber, denn man sieht die Oase San Pedro de Atacama mal von oben und stellt fest, wie grün der Ort ist und runter geht es sehr viel besser.

Bild Ein Fluss schlängelt sich durch die Wüste in einem grünen Tal rechts und links von lehmigen Felsen umgeben.
Ein Fluss schlängelt sich durch die Wüste
Bild Eine grüne Oase - San Pedro de Atacama von oben gesehen
Eine grüne Oase – San Pedro de Atacama von oben gesehen

Wir beeilen uns extra, damit die armen Kinder nicht so lange auf uns warten müssen. Diese sind aber gar nicht begeistert, dass wir schon wieder da sind, weil das bedeutet, dass sie ihre Lektüre einpacken und laufen müssen. Die Wege durch die Reste der Häuser der Festungsanlage sind sehr steil. Wir kehren nachdem wir einmal hochgelaufen sind bald wieder um. So viel Interessantes gibt es nicht zu entdecken. Zum Aussichtspunkt würde ich jeder Zeit wieder laufen, die Festungsanlage muss man nicht unbedingt gesehen haben, aber nur durch sie gelangt man zum Aussichtspunkt.

Bild Die Festung Quitor de Pukara. Das Bild zeigt die Ruinen der Festung auf dem steilen Hügel. Hügel und Festung sind aus dem gleichen lehmfarbenen Stein.
Die Festung Quitor de Pukara

Wieder beim Auto folgen wir dem Flusslauf zur Garganta del Diablo, der Teufelsschlucht. Ich weiss nicht genau, was wir uns darunter vorgestellt haben, aber so etwas sicher nicht. Es sieht aus als hätte ein Riese mit meterhohen Lehmhaufen gespielt. Die Haufen sind mit Gipsschichten durchzogen und türmen sich entlang des Weges, mal bilden sie eine Schlucht, mal bilden sie schief aufeinander liegend Tunnel. Da wir den Haufen nicht so richtig trauen, klettern wir lieber darüber als durch die kleinen Tunnel zu laufen. Die Kinder können diesem Weg leider gar nichts abgewinnen. Als uns zwei Mountainbiker entgegenkommen und erzählen, dass es noch mindestens 50 Minuten bis zum Ende der Schlucht und dem Aussichtspunkt dauert und wir den gleichen Weg zurückgehen müssen, geben wir auf und drehen um.

Bild Garganta del diabolo - San Pedro de Atacama, schmaler Weg durch lehmfarbene Felsen
Garganta del diablo – San Pedro de Atacama
Bild Felsüberhang in der Garganta del Diabolo - San Pedro de Atacama
Felsüberhang in der Garganta del Diablo – San Pedro de Atacama

Es scheint so, als wäre die Garganta del Diablo vor allem bei Mountainbikern ein beliebtes Ausflugsziel. Wir kehren ins Hotel zurück, wo sich die Kinder am Pool vergnügen.

Vor Sonnenuntergang machen wir uns wieder auf den Weg, diesmal ins Valle de la Luna, um dort den Sonnenuntergang zu geniessen. Von seinem Entdecker wurde das Valle de la Luna (Mond Tal) eigentlich Mars Tal genannt, was eher zutreffend ist. Hier erkennt man, dass die Atacama auch eine Wüste im klassischen Sinn ist, Sanddünen und bizarre Felsen prägen die Landschaft. Die Sonne geht recht schnell unter, so dass wir uns beeilen müssen mit dem Aufstieg auf eine der Dünen. Es ist ein hartes Stück Arbeit, aber der Blick ist grandios.

 Valle de la Luna kurz vor Sonnenuntergang. Grosse Sandfläche umgeben von Felsen.
Valle de la Luna kurz vor Sonnenuntergang
Valle de la Luna - San Pedro de Atacama. Sand, Salz und von der Sonne angeleuchtete Felsen.
Valle de la Luna – San Pedro de Atacama
Bild Schatten und Licht beim Sonnenuntergang im Valle de la Luna - San Pedro de Atacama
Schatten und Licht beim Sonnenuntergang im Valle de la Luna – San Pedro de Atacama

Wir teilen uns, denn Jörg möchte auf die andere Seite der Düne zum Fotografieren laufen. Morgaine begleitet ihn. Allerdings haben wir uns nicht abgesprochen, wo wir uns nach dem Sonnenuntergang wieder treffen. So laufen Gwendolyn und ich zum Einstieg in den Abstieg und warten. Da Jörg und Morgaine nicht kommen, gehen wir nun auch noch ganz nach vorn, nur um festzustellen, dass sie da auch nicht sind. Also gehen wir zum Auto und siehe da, da sitzen sie gemütlich und warten auf uns. Wir sind zwar nicht die letzten, die das Tal verlassen, aber fast und der kleine Hunger ist inzwischen auch ganz gross. So parken wir unser Auto und laufen direkt ins Restaurant.

Zuerst geben wir die Bestellung auf, bevor ich mit den Kindern zu den WC Räumen gehe, um Hände zu waschen. Während ich Hände wasche erklärt mir Gwendolyn, dass der Spiegel wackelt. Ich schaue irritiert hoch und muss ihr Recht geben. In diesem Moment fängt alles an zu wackeln. Es ist als würde jemand versuchen das Restaurant durch ein Sieb zu schütteln. Ich rufe Morgaine und suche Zuflucht unter dem Türrahmen mit beiden Kindern. Da fällt auch schon das Licht aus. Uns erscheint das Rütteln wie eine Ewigkeit. Kaum hört es auf, kommt ein Restaurantangestellter mit Taschenlampe. Er fragt uns im Vorbeigehen, ob alles ok wäre und stellt den Notstromgenerator an.

Als das Licht wieder an ist, kehren wir zu Jörg zurück. Seine erste Reaktion auf das Erdbeben war: «Von einem Bier kann mir eigentlich nicht so schwindelig werden, dass der ganze Raum sich bewegt.» Als die anderen Gäste auch still wurden, bemerkte er dann doch, dass es nicht an seinem Bier lag.

Während des Essens bebt die Erde noch zwei Mal. Draussen fahren Blaulichter entlang, die Hunde bellen wie verrückt. Auch wenn man uns versichert, dass es in San Pedro de Atacama jeden Monat ein Erdbeben gibt, ist die Atmosphäre unter den Gästen bedrückt. Wir sind so froh, dass dieses Erdbeben uns nicht in der Teufelsschlucht überrascht hat.

Nach dem Essen eilen wir ins Hotel zurück. Die Einwohner scheinen wirklich auf Erdbeben vorbereitet zu sein. Nur grössere Hotels und Restaurants haben Notstromgeneratoren und damit Licht. Die Einwohner sitzen am Strassenrand und kochen mit Campingkochern.
In dieser Nacht quetschen wir uns alle in die Betten in einem Raum und schlafen mehr schlecht als recht, denn es wackelt immer mal wieder und Sirenen und Hundegebell tun ein übriges, um uns aus dem Schlaf zu reissen.

Am nächsten Morgen erfahren wir, dass dieses Erdbeben eine Momenten-Magnitude von 8,2 hatte. Das Epizentrum befand sich 95 km nordwestlich von Iquique in rund 20 km Tiefe im Pazifischen Ozean. Das Warnzentrum in Hawai löste daraufhin Tsunamiwarnung aus, so dass in den Küstennahen Orten Tausende von Menschen ins Landesinnere flohen. Die höchste Tsunamiwelle betrug dann in Iquique aber nur reichlich 2 m.

Dies war unsere erste Erdbebenerfahrung. Wir sind froh, dass die Lehmbauweise hier in San Pedro de Atacama an Erdbeben angepasst ist, denn Schäden waren keine zu sehen.

Leider verlassen wir am Morgen San Pedro de Atacama wieder. Ein bis zwei Tage mehr Zeit wären hier sehr schön gewesen, denn die Tatio Geysire und die eine oder andere Lagune hätten wir gerne noch gesehen. Eines Tages werden wir noch einmal wiederkommen und uns mehr von Chile ansehen.

Die anderen Beiträge zur Reise in Chile findet ihr unter den folgenden Links:


Die Beiträge zu den Teilen unserer grossen Südamerika-Reise 2014 in andere Länder findet ihr unter:


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