Abschied vom Abenteuer – Willkommen auf Sansibar

Blaue Diamanten

Auf dem Rückweg von den Nationalparks zum Inlandsflughafen von Arusha nehmen wir uns etwas Zeit, um die blauen Diamanten Tansanias kennenzulernen. Auf dem Weg absolvieren wir wieder eine Polizeikontrolle, die dieses Mal aber ohne Bestechungsgeld und Strafzettel an uns vorbeigeht. Wir sehen wieder viele Hinweisschilder auf die blauen Diamanten. Unser Guide hat aber einen bestimmten Händler vor Augen. Und schlägt uns vor, anschliessend noch zu einem Geschäft, welches die Erzeuger vertritt, hinzufahren.

Der erste Halt ist bei einem Verkaufsstand, ähnlich dem vom Vortag. So steigen wir schon mit einem unguten Gefühl aus und folgen unserem Guide in ein kleines Glasabteil in der grossen Verkaufshalle. Bei schlechter Beleuchtung werden uns geschliffene Steine und Schmuckstücke gezeigt. Da wir nie von diesen Steinen gehört hatten, sind wir auch völlig ahnungslos von den Preisen. Immerhin sind die Schmuckstücke mit Preisschildern versehen. Für eine nette Urlaubserinnerung sind die Steine dann trotz ihres unglaublichen Blaus zu teuer.

Dennoch fahren wir als nächstes zu einem kleinen Flughafen, wo wir doch tatsächlich eine Parkgebühr bezahlen müssen. Das Geschäft, in welches uns Amini führt, wirkt sehr professionell und passt so gar nicht mit der Glitzeraufmachung aus beleuchteten Glasvitrinen und glänzendem Boden zu dem Tansania, welches wir bisher kennengelernt haben.

In einem Nebenraum befindet sich ein kleines Museum. Wir erfahren, wie die Tanzanite abgebaut werden und wie selten der blaue Diamant ist. Tanzanite werden nur in der Nähe von Arusha gefunden. Das Vorkommen soll in 10 bis 15 Jahren erschöpft sein. Leider ist fotografieren unerwünscht, so dass du für Bilder mal bei den Stockfotos schauen kannst.

Eigenschaften der Tanzanite

Die Seltenheit erklärt natürlich den Preis. Die Steine kommen vor allem in Blau- oder Violett-Tönen vor. Ähnlich wie bei Diamanten richten sich die Bewertungskriterien für einen Stein nach Farbe, Klarheit, Schnitt und Karat. Je höher die Kombination der Eigenschaften, umso wertvoller ist das Juwel. Ein B oder V gibt Auskunft, welche Farbe stärker ausgeprägt ist.

Schlussendlich verbeugen wir uns vor der Schönheit der blauen Steine, aber die protzigen Schmuckstücke werden dem Stein nicht gerecht. Der Laden verkauft auch kleinere Steine mittlerer Qualität, die nicht zu Schmuck verarbeitet sind. Ohne Juwelier des Vertrauens zu Hause, bleiben solche Steine erfahrungsgemäss ungefasst liegen. Also kaufen wir nichts. Dass dieser Laden die Erzeuger vertreten soll, fällt uns schwer zu glauben.

Für uns wird es Zeit, dem Inlandsflughafen Arusha entgegen zu eilen. Kurz vor dem Flughafen passieren wir noch eine Baustelle, deren Bild uns schmunzeln lässt. Der Asphalt der Strasse wird erneuert. Ein Bauarbeiter versucht mit einem Laubbläser, Asphaltkrümel vom Belag zu pusten, drei weitere Bauarbeiter spielen auf ihre Schaufeln gestützt Bauarbeiterdenkmal. Wie lange es wohl dauern wird, bis man die Strasse wieder benutzen kann und nicht durch den Staub fahren muss?

Abflug vom Inlandsflughafen in Arusha

Der kleine Inlandsflughafen im Nordosten Arushas ist ein eigenes Thema. Man erreicht den Flughafen über eine kleine staubige Strasse und pudert selbst bei langsamer Fahrt alle Fussgänger ein. Bevor man auf das Areal des Inlandsflughafens von Arusha fahren kann, wird das Auto mit Spiegeln auf Sprengstoff untersucht. Wohlgemerkt nur das Auto wird geprüft.

Als erstes fährt unser Guide beim kleinen Büro unserer Airline Tropical Air vor. Denn dort müssen wir uns melden und den Papierausdruck unserer Flugbuchung vorweisen. Die Mitarbeiterin von Tropical Air behält den Ausdruck und verschwindet damit.

Da wir unterwegs keinen Stopp für ein Picknick unternommen haben, wollen wir kurz noch etwas aus unseren Lunchboxen essen und trinken. Zeit haben wir genügend, nachdem wir uns vorher beeilt haben. Während wir an der Motorhaube des Autos stehen, sehe ich, wie unsere Reisetaschen einfach ohne ein Wort aus dem Auto entladen und davongefahren werden. So wirklich sicher, dass es sich bei den Reisetaschenentführern um Angestellte der Fluggesellschaft handelt, sind wir nicht. Vor meinem geistigen Ohr höre ich die Durchsagen von europäischen Flughäfen: «Lassen sie ihr Gepäck niemals unbeaufsichtigt». Und nun fahren irgendwelche Leute mit unseren Taschen ans entgegengesetzte Ende des Flughafens.

Deshalb haben wir nicht wirklich Ruhe zum Picknicken und packen bald alles wieder zusammen und fahren zum Eingang des Flughafens. Ohne Flugunterlagen oder Reisetaschen in der Hand, verabschieden wir uns vom Guide. Der Eingang ist auch die Sicherheitskontrolle. Nun sind wir auf uns gestellt.

Sportliche Sicherheitskontrollen im Inlandsflughafen von Arusha

Als erstes muss unser Handgepäck auf viel zu kleinen Holztabletts durch die Durchleuchtung fahren. Als nächstes darf ich mich abtasten lassen. Anschliessend ist auch der Rest meines durchleuchteten Rucksacks dran.

Im Gang, der von der Sicherheitskontrolle zum Warteraum führt, sehen wir dann die Mitarbeiterin von Tropical Air wieder und erhalten unsere Bordkarten. Diese werden von Hand ausgefüllt. Auf explizite Nachfrage bekommen wir sogar von irgendwoher noch Abschnitte für das Gepäck.

Der Warteraum des Inlandsflughafens von Arusha befindet sich unter freiem Himmel mit einem Wellblechdach als Schutz vor Regen und Sonne darüber. Geschäfte verkaufen Essen und Souvenirs. Wir beobachten erst einmal, wie die Dinge laufen. Immer mehr Leute stellen sich vor einem Bereich an, der scheinbar zur Boarding Area führt. Also folgen wir der Herde und stellen uns auch mal an.

Um hereingelassen zu werden, muss man Pass und Bordkarte vorweisen und Fragen zum Pass beantworten. Dummerweise weiss ich das genaue Ausstellungsdatum meines Passes nicht. Ich weiss nur, dass der neue Pass Pi mal Daumen zwei Jahre alt ist. Der Kontrolleur scheint sich gut auf meine Kosten zu amüsieren.

Anschliessend muss eine weitere Sicherheitskontrolle durchgestanden werden. Auspacken zum Zweiten. Und jetzt werden die sportlichen Fähigkeiten der Gäste getestet. Am anderen Ende der Durchleuchtung fällt nämlich alles vom Band direkt auf den Boden. Also heisst es sehr schnell sein und gute Reflexe haben. Laptops und Kameras schätzen es ja nicht besonders auf den Boden zu knallen. Auch ist die Chance gross, dass man auf diese Weise Dinge im Inlandsflughafen von Arusha verliert. Nur wohin mit all dem Einzelkram? Stühle oder Tische zum Ablegen und Einpacken gibt es nicht.

Der Flug in einer kleinen Propellermaschine

Alle Personen für einen Flug werden am Rand des Flugfeldes des Inlandsflughafen von Arusha gesammelt. Wir sehen beim Verlassen des Gebäudes, dass nur zwei unserer Taschen auf dem Gepäckwagen stehen. Jörg befragt sofort einen Angestellten und bekommt nach langem Hin und Her die Auskunft, dass die anderen Taschen anders reisen, aber theoretisch gleichzeitig ankommen sollten. Wir sind gespannt und inzwischen leicht fatalistisch.

Während wir so am Rollfeld ohne Sonnenschutz stehen, beobachten wir eine heraufziehende Gewitterfront. Es stehen viele kleine Propellermaschinen von allen möglichen Fluglinien auf dem Rollfeld. Auch landen immer wieder Maschinen.

Unsere Tropical Air Maschine fasst 16 Personen und hat 2 Piloten. Beim Einstieg fallen die ersten Tropfen. Jeder erhält einen eingeschweissten Kuchen in die Hand gedrückt, was unsere Bordverpflegung darstellt. Getränke werden auf dem eineinhalbstündigen Flug nach Sansibar nicht gereicht. Die Maschine hat ja auch keine Toiletten. Kopfstützen oder Gepäckablagefächer hat sie auch keine. Die Abgase ziehen über die geöffneten Fenster der Piloten beim Start nach hinten.

Wir werden noch kurz informiert, wo die Schwimmwesten befestigt sind und schon verlassen wir den Inflandsflughafen von Arusha und starten in Richtung Gewitterfront. Es ist nicht schön, mit einem Hüpfer durch die Turbulenzen zu reiten. Noch einmal würden wir uns ganz sicher nicht zu einem solchen Inlandsflug überreden lassen, wenn doch KLM auch von Arusha nach Sansibar fliegt. Weitere Entfernung zum Internationalen Flughafen hin oder her.

Irgendwann sind die 90 Minuten geschafft. Und wieder dürfen wir in glühender Hitze auf dem Rollfeld aussteigen. Dort müssen wir stehen und warten, bis ein Bus kommt und uns einsammelt und zur Ankunftshalle bringt.

Ankunft in Sansibar

Erstaunlicherweise werden nur die Einreiseformulare eingesammelt. Die Impfungen werden nicht kontrolliert. Als wir Richtung Gepäckband laufen, kommen schon zwei unserer Reisetaschen angerollt. Diese haben einen früheren Flug genommen als wir. Das restliche Gepäck lässt dafür auf sich warten und wird dann einzeln per Hand zu uns getragen. Die Gepäckbänder stehen still.

Kaum nehmen wir unsere Taschen vom Durchleuchtungsgerät, reisst sie uns ein Kofferträger aus der Hand. Wir laufen suchend Richtung Ausgang, denn eigentlich sollten wir abgeholt werden. Aber ausser dem Taxifahrer, der auf uns zugestürzt kommt, ist hier niemand. Enttäuscht, dass wir kein Taxi brauchen, erklärt er uns, wo die Fahrer warten. Wir finden sie alle draussen im Schatten eines Baumes. Als wir kurz vor der Gruppe der Männer stehen, reissen sie ihre Schilder hoch. Uns erwartet ein klimatisierter Toyota Minivan.

An der nächsten Ecke steigt noch ein Reiseagenturangestellter mit 4 kalten Wasserflaschen für uns zu und fährt bis zur Agentur mit. Dort gibt es einen fliegenden Wechsel. Unser Fahrer wird Guide und ein neuer Fahrer steigt ein. Der Guide unterhält uns bis zur Ankunft in unserer Unterkunft im Norden der Insel.

Es mutet etwas merkwürdig an, als er uns offiziell willkommen heisst und uns dankt, dass wir der Wirtschaft helfen, denn der Tourismus ist die Haupteinnahmequelle auf Sansibar. Er ermuntert uns, möglichst viel Geld auf der Insel auszugeben. Letzteres hatten wir eigentlich nicht vor, denn die Reise war auch bisher schon ordentlich teuer.

Kurzweilige Fahrt in den Norden der Insel

Wir fahren durch Newtown auf unbefestigten Strassen, die uns an die Safari denken lassen. Hühner, Hunde, Menschen, jeder nutzt die Strasse. Entlang dieser Strasse steht alles von Villen bis zu ärmlichen Hütten.

Als wir an einem Brautkleid-Modegeschäft vorbeifahren und die Mädels ob der farbenprächtigen Prinzessinnenkleider staunen, meint der Guide nur, dass man sich als Mann genau überlegen sollte, ob man heiratet. Die jungen Frauen würden die Liebe ihres zukünftigen Mannes daran messen, ob er ihnen so ein Hochzeitskleid bezahlt. 2000 USD für ein Kleid für einen Tag wäre doch sehr viel Geld.

Einmal im Plaudermodus erzählt er uns, dass man nach der Hochzeit in sein eigenes «Haus» zieht. Dies kann aus einem einzigen Zimmer bestehen. Häufig wird so lange angebaut, wie Geld da ist und weiterer Platz benötigt wird.

Weiterhin erzählt er, dass Sansibar nur 20 Prozent seiner Lebensmittel selbst produziert. Die Bevölkerung ernährt sich vor allem von Fisch, Reis, Linsen und Bohnen. Der Reis kommt aus Thailand. Auch der Strom kommt vom Festland. Auf Sansibar wachsen vor allem Mangos, Papayas, Kokosnüsse, Ananas und Tomaten.

Fussball ist hier der Sport, für den die Herzen schlagen. In einer Saison wurde die Fussballmannschaft von Sansibar nach Brasilien ins Trainingslager geschickt, wo sie auch ordentlich verpflegt wurden. In diesem Jahr haben sie den Titel geholt. Mit bedauern erklärt er uns, dass es zu kostspielig wäre, um die Mannschaft jedes Jahr für 3 Monate nach Brasilien zu schicken.

Auf dem Weg nach Norden kommen wir an einer grossen Brückenbaustelle vorbei. Die Baufahrzeuge und Arbeiter stammen aus China. Unser Guide bestätigt uns, dass alle grösseren Bauvorhaben von Chinesen erstellt werden.

Nach einer Stunde kurzweiliger Fahrt erreichen wir unsere Unterkunft, ein schönes Haus am Meer mit Garten und Pool.

Der Garten der Milele Villa mit feinem Sand, Palmen, Bouganvillea, Pool und Blick auf das Meer.
Ein Paradies ist es nur auf den ersten Blick, die Invasion der schwarzen Käfer relativiert die Schönheit.


Hier findest du die Reise- und Besichtigungstipps zu Tansania.

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